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Kultur

Echte Engelwurz

Angelica archangelica
ANKAR

Die Echte Engelwurz (Angelica archangelica, EPPO-Code: ANKAR), auch als Arzneiengelwurz bekannt, ist eine zweijährige bis ausdauernde krautige Kultur aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie wird in Mitteleuropa vor allem wegen ihrer wertvollen ätherischen Öle und Bitterstoffe angebaut, die sich in den Wurzeln (Angelicae radix) sowie in den Samen befinden. Die pharmazeutische Industrie und die Likörfabrikation sind die Hauptabnehmer dieser anspruchsvollen Sonderkultur.

Im ersten Vegetationsjahr bildet die Kultur eine kräftige Blattrosette aus, während sich im zweiten Jahr der markante, bis zu zwei Meter hohe Blütenstand entwickelt. Da es sich um einen Kaltkeimer handelt, verlangt die Etablierung im Feld ein präzises Temperatur- und Feuchtigkeitsmanagement. Der Anbau erfordert agronomisches Spezialwissen, insbesondere im Hinblick auf die Unkrautregulierung und die Erntetechnik der tiefgehenden Pfahlwurzeln.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Direktsaat im Spätsommer (August bis September) oder Vorkultur ab Januar mit Auspflanzung im April
Erntefenster
Oktober bis November (Wurzeln im 1. Standjahr) oder August (Samen im 2. Standjahr)
Reihenabstand
50–70 cm Reihenabstand, 30–40 cm in der Reihe
Typischer Ertrag
20–30 dt/ha getrocknete Wurzeln oder 8–12 dt/ha Samen
Wärmesumme (GDD)
2200
Boden-pH
5,5–7,0

Bodenmanagement

Die Kultur stellt hohe Ansprüche an den Boden und bevorzugt tiefgründige, humose und gut wasserführende Standorte mit einer gleichmäßigen Feuchtigkeitsversorgung, wie sie in Flussauen oder auf Niedermoorböden vorkommen. Schwere, zur Staunässe neigende Tonböden sowie extrem trockene Sandböden sind für den Erwerbsanbau ungeeignet, da sie das Wachstum der wertvollen Pfahlwurzel hemmen. Vor dem Anbau solltest du eine tiefe Bodenlockerung durchführen, um Verdichtungen im Unterboden zu beseitigen und ein gerades Wurzelwachstum zu ermöglichen. Eine organische Grunddüngung mit gut verrottetem Mist oder Kompost im Vorherbst fördert die biologische Bodenaktivität und das vegetative Wachstum im ersten Standjahr. Stickstoffgaben sollten moderat und aufgeteilt verabreicht werden, da eine Überdüngung die Gewebeelastizität schwächt, die Anfälligkeit für Schaderreger erhöht und die Qualität des ätherischen Öls negativ beeinflussen kann.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz stehen pilzliche Schaderreger wie der Echte Mehltau (Erysiphe heraclei) und verschiedene Blattfleckenkrankheiten (Septoria spp.) im Vordergrund, die besonders in feuchtwarmen Sommern die Blattfläche schädigen können. Ein regelmäßiges Monitoring ab dem BBCH-Stadium 14 hilft dir, erste Infektionsherde frühzeitig zu erkennen und mechanisch oder durch gezielte Behandlungen einzugrenzen. Gegen tierische Schaderreger wie Blattläuse oder die Larven der Möhrenfliege müssen bei Bedarf zugelassene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, wobei stets die strengen Wartezeiten für Arzneipflanzen einzuhalten sind. Da das Portfolio an zugelassenen chemischen Mitteln stark limitiert ist, spielen weite Fruchtfolgen und die Förderung von Nützlingen eine tragende Rolle im integrierten Pflanzenschutz. Nach der Ernte im Herbst sollten alle Pflanzenrückstände tief untergepflügt werden, um das Überwinterungspotenzial von Schaderregern im Boden effektiv zu reduzieren.

Sorten

Magdeburger

Mittelfrüh

Liefert konstant hohe Erträge an Wurzelmasse mit einem ausgewogenen Bitterstoffprofil.

Anfällig für: Echter Mehltau

Traditionelle und sehr bewährte deutsche Selektion mit gleichmäßigem Wuchs und kräftiger Wurzelbildung.

Goliath

Spät

Hervorragend geeignet für die späte Ernte im zweiten Standjahr mit maximalem Trockenmasseertrag.

Anfällig für: Rostpilze

Wüchsige Sorte mit besonders stark ausgeprägter Hauptwurzel und hohem Anteil an ätherischen Ölen.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie gehst du mit der Keimhemmung bei der Aussaat von Angelika um?

Da die Echte Engelwurz ein Kalt- und Lichtkeimer ist, benötigen die Samen eine Kälteperiode (Stratifikation), um die natürliche Keimhemmung zu überwinden. Bei einer Direktsaat im Spätsommer erfolgt dieser Prozess natürlicherweise über den Winter im Boden. Planst du hingegen eine Vorkultur im Gewächshaus im Frühjahr, solltest du das Saatgut vorab für etwa 2 bis 3 Wochen bei feuchten 2 bis 5 °C lagern und bei der Aussaat nur hauchdünn mit Erde bedecken.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Ernte der Wurzeln?

Der beste Erntezeitpunkt für die pharmazeutische Nutzung liegt im Spätherbst (Oktober bis November) des ersten Vegetationsjahres oder im sehr zeitigen Frühjahr des zweiten Jahres, bevor die Kultur in das BBCH-Stadium 51 (Schossen) übergeht. Sobald die Pflanze im zweiten Jahr den Blütenstängel hochtreibt, verholzt die Pfahlwurzel rasch, wodurch der Gehalt an wertvollen ätherischen Ölen drastisch sinkt und die Ware unverkäuflich wird.

Welche Fruchtfolgeregeln musst du beim Anbau dieser Kultur beachten?

Um bodenbürtige Schaderreger, Wurzelpilze und Nematoden zu vermeiden, solltest du eine strikte Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Vertretern der Familie der Apiaceae (wie Möhren, Sellerie, Petersilie oder Pastinaken) einhalten. Gute Vorfrüchte sind Getreidearten oder Hackfrüchte, die einen unkrautfreien und tiefgründig gelockerten Boden hinterlassen.

Wie kannst du Schadinsekten wie die Möhrenfliege effektiv kontrollieren?

Da für diese Sonderkultur nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, musst du primär auf vorbeugende und mechanische Maßnahmen setzen. Das Auflegen von engmaschigen Kulturschutznetzen direkt nach dem Auflaufen oder Pflanzen schützt die Kultur zuverlässig vor der Eiablage der Möhrenfliege. Zudem hilft die Auswahl windoffener Lagen, den Zuflug des Schädlings erheblich zu mindern.

Wie findest du aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Angelika?

Da Angelika als Sonderkultur eingestuft ist, basieren viele Anwendungen auf Genehmigungen für Lückenindikationen nach Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009. Du solltest regelmäßig die Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) konsultieren, um die aktuellen Zulassungen für die Kultur 'Echte Engelwurz' oder die Obergruppe 'frische Kräuter/Arzneipflanzen' abzufragen.

Welche Trocknungsbedingungen sind nach der Wurzelernte einzuhalten?

Nach dem Roden müssen die Wurzeln zügig gewaschen, bei Bedarf mechanisch zerkleinert und sofort einer schonenden Trocknung zugeführt werden. Um die thermolabilen ätherischen Öle nicht zu zerstören, darf die Trocknungstemperatur 40 °C nicht überschreiten. Eine gut gesteuerte Umlufttrocknung ist entscheidend, um Schimmelbildung zu verhindern und die geforderte Wirkstoffkonzentration zu sichern.