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Kultur

Echte Engelwurz

Angelica archangelica
ANKAR

Die Echte Engelwurz (Angelica archangelica, EPPO-Code: ANKAR), auch als Arzneiengelwurz bekannt, ist eine zweijährige, seltener mehrjährige Kultur aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie wird in Mitteleuropa hauptsächlich wegen ihrer wirkstoffreichen Wurzeln (Angelicae radix) sowie zur Gewinnung von ätherischen Ölen und Samen angebaut. Im ersten Standjahr bildet die Kultur eine kräftige Blattrosette aus, bevor sie im zweiten Jahr den imposanten, bis zu zwei Meter hohen Blütenstand treibt.

Der Anbau stellt hohe Ansprüche an die Bodenfeuchtigkeit und die Nährstoffversorgung. Da es sich um einen Kaltkeimer handelt, erfordert die Direktsaat im Spätsommer oder die kontrollierte Vorkultur im Winter gärtnerisches Fingerspitzengefühl. Die pharmazeutische Qualität und der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen wie Cumarinen und ätherischen Ölen hängen stark vom Erntezeitpunkt und einer anschließenden, schonenden Trocknung ab.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
August bis September (Direktsaat als Kaltkeimer) oder März bis April (Pflanzung von Vorkulturen)
Erntefenster
Oktober bis November (Wurzelernte im 1. oder 2. Standjahr) oder Juli bis August (Samen im 2. Jahr)
Reihenabstand
50–70 cm
Typischer Ertrag
15–25 dt/ha (Trockenware Wurzeln) oder 8–12 dt/ha (Samen)
Wärmesumme (GDD)
2200
Boden-pH
5,5–7,0

Bodenmanagement

Die Kultur bevorzugt tiefgründige, humose und gut wasserführende Böden mit ausreichender Feuchtigkeit, wie sie häufig in Flussauen oder Niedermoorstandorten zu finden sind. Ein hoher Nährstoffbedarf erfordert eine gezielte organische Grunddüngung vor dem Anbau sowie eine bedarfsgerechte Stickstoffversorgung im Frühjahr des Hauptwachstumsjahres. Da die Wurzeln tief in den Boden eindringen, ist eine gründliche, tiefgründige Bodenlockerung ohne Verdichtungen essenziell für eine ungestörte Wurzelentwicklung. Staunässe sollte trotz des hohen Feuchtigkeitsbedarfs vermieden werden, um Wurzelfäule vorzubeugen. Regelmäßiges Hacken in der Jugendphase ist unerlässlich, da die Kultur anfangs nur langsam wächst und empfindlich auf Unkrautkonkurrenz reagiert.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz stehen vor allem pilzliche Schaderreger wie Echter Mehltau und verschiedene Rostpilze im Vordergrund, die das Laub im Sommer stark schädigen können. Ein Befall mit Blattläusen oder der Gierschblattlaus kann insbesondere an den jungen Trieben und Dolden zu erheblichen Ertragseinbußen führen und sollte frühzeitig überwacht werden. Gegen tierische Schädlinge und Pilzerkrankungen müssen zugelassene Pflanzenschutzmittel unter strenger Beachtung der Wartezeiten und der jeweiligen BBCH-Stadien eingesetzt werden. Da die Kultur für den pharmazeutischen Markt bestimmt ist, sind Rückstandshöchstmengen besonders kritisch zu prüfen. Eine weite Fruchtfolge von mindestens vier bis fünf Jahren zu anderen Apiaceen ist zur Vermeidung von bodenbürtigen Krankheiten wie Nematoden oder Sklerotinia zwingend einzuhalten.

Sorten

Sativa

Mittelfrüh

Gute Samenerträge und hoher Wirkstoffgehalt.

Anfällig für: Rostpilze

Gleichmäßige Selektion mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen in Wurzeln und Samen.

Magdeburger

Mittelsplat

Sehr hoher Wurzelertrag, ideal für die pharmazeutische Gewinnung.

Anfällig für: Echter Mehltau, Blattläuse

Traditionelle, wüchsige Selektion mit hohem Wurzelertrag und kräftigem Aroma.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Warum ist die Keimung von Angelica archangelica in der Praxis oft unregelmäßig und wie lässt sich dies optimieren?

Die Samen der Echten Engelwurz sind Kaltkeimer (Frostkeimer) und zudem nur kurzzeitig keimfähig. Bei einer Direktsaat im Spätsommer (August bis September) nutzt man die natürliche Winterkälte zur Keimauslösung im darauffolgenden Frühjahr. Für eine Frühjahrspflanzung müssen die Samen einer künstlichen Kältebehandlung (Stratifikation bei ca. 2–4 °C über mehrere Wochen) unterzogen werden, um die Keimhemmung zuverlässig zu brechen.

Welchen Einfluss hat das BBCH-Stadium auf den optimalen Erntezeitpunkt der Wurzeln?

Die höchste Wirkstoffkonzentration in den Wurzeln wird am Ende der ersten Vegetationsperiode (BBCH-Stadium 19 bis 49) oder im sehr frühen Frühjahr des zweiten Jahres vor dem Schossen (vor BBCH-Stadium 30) erreicht. Sobald die Kultur im zweiten Jahr den Blütenstand austreibt (ab BBCH-Stadium 50), werden die Reservestoffe aus der Wurzel in die oberirdischen Organe verlagert, wodurch die Wurzel verholzt und für pharmazeutische Zwecke unbrauchbar wird.

Wie wird die Unkrautregulierung in der sensiblen Etablierungsphase durchgeführt?

Da für diese Sonderkultur nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel (Herbizide) zugelassen sind, basiert die Unkrautregulierung primär auf mechanischen Maßnahmen. Nach der Saat oder Pflanzung sind mehrmaliges maschinelles Hacken zwischen den Reihen und präzise Handarbeiten in der Reihe erforderlich, bis die Blattrosetten den Boden ausreichend beschatten und das Unkraut unterdrücken.

Welche Fruchtfolgekrankheiten müssen beim Anbau von Engelwurz besonders beachtet werden?

Als Doldenblütler ist die Echte Engelwurz anfällig für bodenbürtige Schaderreger wie Sclerotinia sclerotiorum und Nematoden (z. B. Pratylenchus-Arten). Um das Risiko von Wurzelfäulen zu minimieren, darf die Kultur nicht nach anderen Apiaceen wie Karotten, Sellerie, Petersilie oder Fenchel angebaut werden; eine Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren ist strikt einzuhalten.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für den Anbau von Engelwurz im Farmable-System?

Da Engelwurz zu den Sonderkulturen (Arznei- und Gewürzpflanzen) gehört, gelten oft spezielle Indikationszulassungen oder Genehmigungen nach Artikel 51 der EU-Verordnung 1107/2009 (Lückenindikation). Im Farmable-System können Sie gezielt nach dem EPPO-Code ANKAR filtern, um die in Ihrem Land aktuell registrierten Pflanzenschutzmittel, deren Aufwandmengen, maximale Anwendungen und die einzuhaltenden Wartezeiten einzusehen.