Echtes Glanzgras
Das Echte Glanzgras (Phalaris canariensis, EPPO-Code: PHACA), auch bekannt als Kanariengras oder Spitzsamen, ist eine einjährige, sommerannuelle Grasart aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, wird die Kultur heute auch in Mitteleuropa zunehmend als Nischenkultur oder im Vertragsanbau für hochwertige Vogelfuttermischungen kultiviert. Die glänzenden Körner zeichnen sich durch einen hohen Proteingehalt und wertvolle Fettsäuren aus, weshalb die Nachfrage im Heimtierbereich stabil ist.
In der landwirtschaftlichen Praxis stellt das Echte Glanzgras eine interessante Bereicherung für getreidelastige Fruchtfolgen dar. Da es sich um eine Sommerung mit relativ kurzer Vegetationszeit handelt, lässt es sich gut in bestehende Betriebsabläufe integrieren. Die Kultur stellt mittlere bis hohe Ansprüche an die Wasserversorgung während des Schossens, ist jedoch insgesamt anpassungsfähig und zeigt eine hervorragende Standfestigkeit bis zur Druschreife.
Bodenmanagement
Das Echte Glanzgras bevorzugt mittelschwere, gut strukturierte Böden mit einer gleichmäßigen Wasserführung, da die Kultur empfindlich auf Staunässe sowie extreme Trockenheit reagiert. Die Grundbodenbearbeitung erfolgt in der Regel im Herbst, gefolgt von einer feinkrümeligen Saatbettbereitung im Frühjahr, um einen gleichmäßigen Feldaufgang der feinen Samen zu gewährleisten. Die Saattiefe sollte flach bei etwa 1,5 bis 2,5 cm liegen, um die Keimung nicht zu verzögern. Eine moderate Stickstoffdüngung von insgesamt 60 bis 80 kg N/ha, aufgeteilt auf die Saat und den Schossbeginn, ist meist ausreichend, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ertrag und Standfestigkeit zu sichern. Überzogene Stickstoffgaben erhöhen das Risiko von Lager und verzögern die Abreife der Kultur unnötig.
Schaderreger-Management
Im Bereich des Pflanzenschutzes gilt das Echte Glanzgras als vergleichsweise robuste Kultur mit geringem Krankheitsdruck. Gelegentlich können Schaderreger wie Getreiderost (insbesondere Kronenrost) oder Mehltau auftreten, die jedoch selten eine chemische Behandlung rechtfertigen. Da für diese Nischenkultur nur sehr wenige Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, müssen Landwirte verstärkt auf vorbeugende Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge und eine angepasste Saatstärke setzen. Die Unkrautregulierung im frühen BBCH-Stadium ist entscheidend, da die Kultur in der Jugendphase eine langsame Entwicklung aufweist und leicht überwachsen wird. Der Einsatz von Striegeltechnologie im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf kann hierbei mechanisch unterstützen, sofern keine zugelassenen Herbizide zur Verfügung stehen.
Sorten
Cantate
mittelfrühStabiler Ertrag von 1,8–2,4 t/ha unter normalen mitteleuropäischen Bedingungen.
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Kronenrost
Sehr bewährte, standfeste Sorte mit gleichmäßiger Abreife und guter Kornqualität für den Vogelfuttermarkt.
Judita
mittelspätGutes Ertragspotenzial von bis zu 2,5 t/ha bei ausreichender Wasserversorgung.
Resistent gegen: Trockenstress
Anfällig für: Mehltau
Robuste Sorte mit etwas längerer Vegetationszeit, zeigt eine gute Toleranz gegenüber zeitweiser Trockenheit im Sommer.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Welche gesetzlichen Vorgaben müssen bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Echtem Glanzgras beachtet werden?
Da das Echte Glanzgras in Deutschland als Nischenkultur gilt, gibt es oft keine regulären Zulassungen für Pflanzenschutzmittel. Landwirte müssen daher auf Genehmigungen im Einzelfall nach § 22 Abs. 2 PflSchG (Indikationserweiterung für Kleinkulturen) achten oder auf mechanische Verfahren ausweichen. Prüfen Sie stets die aktuelle BVL-Datenbank vor einer geplanten Behandlung.
Wie lässt sich der optimale Erntezeitpunkt beim Echten Glanzgras bestimmen?
Der optimale Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn die Rispen vollständig strohgelb gefärbt sind und die Körner beim Zerreiben in der Hand leicht ausfallen (meist im BBCH-Stadium 89 bis 92). Da das Stroh oft noch eine grüne Restfeuchte aufweist, sollte der Mähdrescher sorgfältig eingestellt werden (hohe Trommeldrehzahl, enger Dreschkorb), um Kornverluste zu minimieren.
Welche Rolle spielt das Echte Glanzgras in der Fruchtfolge zur Vermeidung von Schaderregern?
Als Sommerung bricht das Echte Glanzgras effektiv die Vermehrungszyklen von typischen Wintergetreide-Schaderregern wie Halmbruch oder bestimmten Fußkrankheiten. Es sollte jedoch nicht direkt nach Hafer oder anderen Rispengräsern angebaut werden, um eine Übertragung von Kronenrost und Nematoden zu vermeiden.
Wie empfindlich reagiert die Kultur auf Spätfröste nach dem Auflaufen?
Echtes Glanzgras ist in der frühen Jugendphase (BBCH 10–13) mäßig frosttolerant und verträgt kurzzeitige Temperaturen von bis zu -3 bis -4 °C ohne bleibende Schäden. Bei tieferen oder langanhaltenden Frösten kann es jedoch zu Blattverbrennungen und Wachstumsverzögerungen kommen, weshalb zu frühe Saattermine in frostgefährdeten Lagen vermieden werden sollten.
Welche Anforderungen stellt das Erntegut an die anschließende Aufbereitung und Lagerung?
Die feinen, glatten Samen neigen bei der Ernte oft zu einer erhöhten Feuchtigkeitsaufnahme durch grünes Unkraut oder feuchtes Stroh. Um Schimmelbildung und Qualitätsverluste zu verhindern, muss das Erntegut unmittelbar nach dem Drusch auf eine sichere Lagerfeuchte von unter 14 % heruntergetrocknet und von Besatz gereinigt werden.