Echtes Glanzgras
Echtes Glanzgras (Phalaris canariensis), in der Fachwelt auch unter dem EPPO-Code PHACA bekannt, ist eine einjährige Kultur aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Die primär zur Gewinnung von Vogelfutter (Spitzsaat) angebaute Kultur gewinnt zunehmend an Bedeutung als glutenfreie Nischenkultur für die Humanernährung sowie als strukturgebende Komponente in Zwischenfruchtmischungen. Durch ihre relativ kurze Vegetationszeit und die ausgeprägte Toleranz gegenüber sommerlicher Trockenheit lässt sie sich hervorragend als Sommerung in mitteleuropäische Fruchtfolgen integrieren.
Für einen erfolgreichen Anbau sind ein feinkrümeliges Saatbett und eine präzise Tiefenablage entscheidend, da der Keimling im Vergleich zu klassischem Getreide eine geringere Triebkraft besitzt. Nach der Etablierung zeigt die Kultur ein zügiges Wachstum und schließt den Bestand schnell, was die Unkrautunterdrückung in der kritischen Phase erleichtert. Die Ernte erfolgt im Spätsommer im Direktdrusch, sobald die dichten Scheinähren vollständig ausgereift sind.
Bodenmanagement
Die Kultur bevorzugt mittelschwere, gut strukturierte Böden mit einer ausreichenden Nährstoffnachlieferung, während extrem leichte Sandböden oder staunasse Standorte ungeeignet sind. Für die Keimung ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett erforderlich, um den Bodenschluss für das feine Saatgut zu sichern. Die Grundbodenbearbeitung sollte im Vorjahr erfolgen, gefolgt von einer flachen Saatbettbereitung im Frühjahr, um unnötigen Feuchtigkeitsverlust zu vermeiden. Eine moderate Stickstoffdüngung von etwa 60 bis 80 kg N/ha ist meist ausreichend, da eine Überdüngung die Lageranfälligkeit der Kultur drastisch erhöht. Zudem solltest du auf eine ausgeglichene Versorgung mit Phosphor und Kalium achten, um die Standfestigkeit der Halme zu unterstützen.
Schaderreger-Management
Im Vergleich zu anderen Getreidearten gilt die Kultur als relativ robust gegenüber Schaderregern, dennoch können spezifische Pilze und Schädlinge ertragsrelevant werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Blattkrankheiten wie Echtem Mehltau und Rostpilzen, die vor allem in feuchten Frühjahren ab dem Schossen (BBCH 30) auftreten können. Da für diese Kultur nur wenige spezifische Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, spielen pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge und die Wahl resistenter Sorten eine zentrale Rolle. Gegen auflaufende Unkräuter ist eine mechanische Unkrautregulierung durch Striegeln im frühen Nachauflauf möglich, sofern die Kultur bereits gut verwurzelt ist. Bei starkem Besatz mit Ungräsern wie Windhalm oder Ackerfuchsschwanz ist die chemische Regulierung aufgrund mangelnder selektiver Herbizide stark eingeschränkt, weshalb du bereits bei der Flächenauswahl auf ungrasfreie Schläge achten solltest.
Sorten
Judita
MittelfrühSehr ertragsstabil mit 1,8–2,4 t/ha unter mitteleuropäischen Bedingungen.
Resistent gegen: Mehltau
Anfällig für: Lager
Weit verbreitete Sorte mit guter Standfestigkeit und gleichmäßiger Abreife. Zeigt eine gute Toleranz gegenüber zeitweiser Trockenheit im Sommer.
Livia
Früh bis mittelfrühGute Erträge im Bereich von 1,7–2,2 t/ha.
Anfällig für: Rostpilze
Besonders für trockenere Standorte geeignet. Rasche Jugendentwicklung hilft bei der Unkrautunterdrückung.
Kisvárdai
MittelspätHohes Ertragspotenzial von bis zu 2,5 t/ha bei ausreichender Wasserversorgung.
Resistent gegen: Trockenstress
Anfällig für: Mehltau
Ungarische Züchtung mit hervorragender Kornqualität (hohes Tausendkorngewicht). Benötigt etwas längere Vegetationszeit.
Cantate
MittelfrühKonstante Erträge um 1,9–2,3 t/ha.
Resistent gegen: Lager
Gute Strohstabilität und geringe Neigung zum Ausfall der Körner bei verzögerter Ernte.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie erkennst du den optimalen Erntezeitpunkt für das Echte Glanzgras?
Der optimale Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn die Scheinähren sich vollständig gelb-braun gefärbt haben und die Körner bei der Fingernagelprobe hart sind (BBCH 89). Da die Kultur im Gegensatz zu Weizen kaum zum Ausfallen der Körner neigt, solltest du lieber auf eine vollständige Abreife des Strohs warten, um Druschverluste und Feuchtigkeit im Erntegut zu minimieren.
Welche Herbizide kannst du im Glanzgras-Anbau einsetzen?
Da das Echte Glanzgras botanisch eng mit Schadgräsern verwandt ist, gibt es in Deutschland kaum zugelassene selektive Gräserherbizide für diese Kultur. Du musst dich primär auf mechanische Maßnahmen oder die Bekämpfung von zweikeimblättrigen Unkräutern im Nachauflauf konzentrieren. Prüfe vor der Aussaat unbedingt die aktuellen Zulassungen in der BVL-Datenbank, da für Nischenkulturen oft nur Sonderzulassungen nach Artikel 51 vorliegen.
Warum ist die Saatbettbereitung bei dieser Kultur kritischer als bei Sommergerste?
Das Korn von Phalaris canariensis ist deutlich kleiner als das von Gerste oder Hafer und besitzt eine geringere Triebkraft. Wenn du das Saatgut zu tief ablegst (optimal sind 1,5 bis maximal 3 cm), läuft die Kultur ungleichmäßig auf. Ein feines, rückverfestigtes Saatbett sichert den kapillaren Wasseranschluss und verhindert das Austrocknen der Keimzone.
Wie reagiert das Echte Glanzgras auf hohe Stickstoffgaben?
Eine Überdüngung mit Stickstoff führt bei dieser Kultur schnell zu einer verminderten Standfestigkeit und erhöht das Risiko für Lager (BBCH 39–59) drastisch. Zudem verzögert zu viel Stickstoff die Abreife des Strohs, was den Mähdrusch im Spätsommer erheblich erschwert. Begrenze die N-Düngung daher auf maximal 60 bis 80 kg N/ha inklusive Boden-Nmin.
Kannst du Echtes Glanzgras als Zwischenfrucht nutzen?
Ja, aufgrund seines schnellen Wachstums im Spätsommer und der intensiven Durchwurzelung eignet es sich hervorragend für Zwischenfruchtmischungen. Es friert im Winter zuverlässig ab, was dir im folgenden Frühjahr eine problemlose Mulch- oder Direktsaat der Folgekultur ermöglicht. Achte jedoch darauf, es nicht direkt vor anderen Getreidearten in der Fruchtfolge anzubauen, um die Übertragung von Schaderregern zu vermeiden.