Hauswurz (Sempervivum sp.)
Die Gattung Hauswurz (Sempervivum sp., EPPO-Code: SEPSS) umfasst extrem ausdauernde, sukkulente Kulturen aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). Im professionellen Gartenbau und der Landschaftsgestaltung wird die Kultur vor allem für die extensive Dachbegrünung, Steingärten sowie als pflegeleichte Topfpflanze im Zierpflanzenbereich kultiviert. Durch ihre physiologische Anpassung an extreme Standorte mittels CAM-Photosynthese übersteht sie langanhaltende Trockenperioden und intensive Sonneneinstrahlung problemlos.
Die Vermehrung erfolgt im Erwerbsanbau überwiegend vegetativ über die zahlreichen Tochterrosetten (Kindel), die an Ausläufern gebildet werden. Dies garantiert sortenechte Bestände und eine schnelle Kulturfolge. Obwohl die Kultur als äußerst robust gilt, erfordert die Produktion von qualitativ hochwertiger Ware für den Point of Sale eine gezielte Steuerung von Bewässerung, Substratbeschaffenheit und Pflanzenschutz, um optisch ansprechende, farbintensive Rosetten zu erzielen.
Bodenmanagement
Die Kultur stellt extrem geringe Ansprüche an das Substrat, reagiert jedoch äußerst empfindlich auf Staunässe. Optimal sind mineralische, stark durchlässige Böden oder Substratmischungen mit einem hohen Anteil an Sand, Kies, Bims oder Blähton. Eine moderate Stickstoffversorgung ist ausreichend, da ein Überangebot zu mastigem Gewebe und verminderter Frosthärte führt. Kalkgaben können auf sehr sauren Standorten vorteilhaft sein, um den pH-Wert im neutralen Bereich zu stabilisieren. Bei der Kultur in Töpfen oder auf Gründächern ist eine zuverlässige Drainageebene zwingend erforderlich.
Schaderreger-Management
Der bedeutendste Schaderreger im professionellen Anbau ist der Hauswurzrost (Endophyllum sempervivi), welcher zu deformierten, blassen Blättern führt und konsequent bekämpft werden muss. Befallene Rosetten solltest du umgehend aussortieren und vernichten, da eine chemische Behandlung meist unzureichend wirkt. Staunässe begünstigt zudem bakterielle und pilzliche Wurzelfäulen (z. B. Pythium spp.), weshalb die Bewässerung stets bedarfsgerecht und restriktiv erfolgen sollte. Gegen Dickmaulrüsslerlarven, die an den Wurzeln und Rosettenbasen fressen, hat sich der Einsatz von nützlichen Nematoden im Spätsommer bewährt. Vorbeugende Hygienemaßnahmen und eine weite Standweite zur schnellen Abtrocknung des Bestands minimieren das Infektionsrisiko erheblich.
Sorten
Othello
MittelfrühHohe Vermehrungsrate durch zahlreiche kräftige Ausläufer.
Resistent gegen: Trockenheit, Frost
Anfällig für: Staunässe, Hauswurzrost
Sehr beliebte, großrosettige Sorte mit intensiv dunkelroter Färbung im Frühjahr.
Commander Hay
MittelspätSehr stabile Rosettenbildung, ideal für die Freilandware.
Resistent gegen: Frost, Nährstoffmangel
Anfällig für: Wurzelfäule, Hauswurzrost
Wüchsige Sorte mit zweifarbigen Rosetten (rotbraun mit grünen Spitzen).
Rubin
FrühMittlere Ausläuferbildung, sehr dichte Polster.
Resistent gegen: Frost, Hitze
Anfällig für: Staunässe
Kompakte Sorte mit leuchtend rubinroten Blättern, die auch im Winter gut ausfärben.
Smaragd
MittelfrühSehr hohe Stückzahlen pro Quadratmeter durch kompakten Wuchs.
Resistent gegen: Hauswurzrost, Trockenheit
Anfällig für: Lichtmangel
Smaragdgrüne, dicht geschlossene Rosetten mit feiner Behaarung.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie erkennst du einen Befall mit dem Hauswurzrost frühzeitig?
Achte auf untypisch langgestreckte, aufrecht wachsende und blasse Blätter innerhalb der Rosette. Auf der Blattunterseite bilden sich später orange-braune Sporenlager (Aezidien). Da der Pilz systemisch in der Kultur überdauert, musst du infizierte Rosetten sofort mitsamt den Ausläufern entfernen und über den Hausmüll entsorgen, um eine Ausbreitung im Bestand zu verhindern.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Vermehrung der Kultur?
Die vegetative Vermehrung über Tochterrosetten erfolgt idealerweise ab BBCH-Stadium 2 (Bildung von Ausläufern). Warte mit dem Abtrennen, bis die Jungrosetten eine eigene, stabile Basis ausgebildet haben. Blühende Rosetten (ab BBCH-Stadium 5) sterben nach der Samenreife (BBCH 9) naturbedingt ab und eignen sich nicht mehr für die Weiterkultur.
Wie steuerst du die intensive Ausfärbung der Rosetten im professionellen Anbau?
Die charakteristische Rot- oder Violettfärbung vieler Sorten wird maßgeblich durch UV-Licht und kühle Temperaturen im Frühjahr induziert. Vermeide schattige Standorte im Quartier und verzichte auf eine späte Stickstoffdüngung im Herbst, da dies zu vergrünenden, weichen Rosetten führt, die sich schlechter vermarkten lassen.
Wie verhinderst du Ausfälle durch Dickmaulrüssler in der Topfkultur?
Die Larven des Schädlings fressen unbemerkt an den Wurzeln und der Rosettenbasis, was zum plötzlichen Absterben der Kultur führt. Setze im Frühjahr (April/Mai) und Spätsommer (August/September) parasitische Nematoden (Heterorhabditis bacteriophora) über das Gießwasser ein. Die Bodentemperatur sollte für eine optimale Wirkung der Nützlinge mindestens 12 °C betragen.
Warum ist eine mineralische Abdeckung (Mulch) der Substratoberfläche ratsam?
Eine Schicht aus Splitt, Kies oder Blähton verhindert den direkten Kontakt der fleischigen Basisblätter mit feuchter Erde. Dies reduziert das Risiko von Fäulniserregern an der Rosette drastisch und unterdrückt gleichzeitig den Auflauf von Unkräutern, die in der langsam wachsenden Kultur nur schwer mechanisch oder chemisch bekämpft werden können.