Kalanchoe
Kalanchoe sp. (EPPO-Code: KANSS), im deutschen Sprachraum meist als Flammendes Käthchen bekannt, ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten Topfpflanzenkulturen im europäischen Zierpflanzenbau. Die Gattung gehört zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) und zeichnet sich durch sukkulente Eigenschaften aus, was ihr eine hohe Toleranz gegenüber temporärer Trockenheit verleiht. Die Produktion erfolgt in Mitteleuropa fast ausschließlich unter Glas, um die klimatischen Bedingungen präzise zu steuern.
Die Kulturführung ist stark technisiert, da Kalanchoe eine klassische Kurztagpflanze ist. Durch gezielte Verdunkelung im Gewächshaus lässt sich die Blüteninduktion ganzjährig steuern, was eine kontinuierliche Marktbelieferung ermöglicht. Für einen erfolgreichen Anbau sind eine exakte Temperaturführung, ein angepasstes Bewässerungsmanagement zur Vermeidung von Wurzelfäule sowie der gezielte Einsatz von Wachstumsregulatoren zur Erzielung eines kompakten Wuchses entscheidend.
Bodenmanagement
Für den Anbau von Kalanchoe sp. ist ein strukturstabiles, gut durchlässiges Substrat mit einem hohen Luftporenvolumen essenziell, um Staunässe und damit verbundene Wurzelschäden konsequent zu vermeiden. Typischerweise werden Torf-Ton-Mischungen oder torfreduzierte Substrate mit Zuschlagstoffen wie Perlite verwendet, die einen pH-Wert von 5,5 bis 6,2 aufweisen. Die Nährstoffversorgung sollte kaliumbetont und phosphorarm sein, wobei der Salzgehalt (EC-Wert) im Substrat in der vegetativen Phase bei etwa 1,2 bis 1,5 mS/cm liegen sollte. Während der generativen Phase reduzierst du die Stickstoffgabe leicht, um die Blütenausfärbung und die Haltbarkeit der Kultur zu fördern. Eine regelmäßige Kontrolle des EC- und pH-Wertes im Dränwasser schützt dich vor Salzschäden und Nährstofffestlegungen.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz bei Kalanchoe konzentriert sich primär auf die Prävention von Pilzkrankheiten wie Phytophthora cactorum (Stängelfäule) und Echten Mehltau. Ein trockenes Mikroklima durch vorausschauende Heizungs- und Lüftungsführung sowie der Verzicht auf Überkopfberegnung in den Abendstunden sind die wichtigsten pflanzenbaulichen Maßnahmen. Gegen tierische Schaderreger wie Kalifornische Blütenthripse und Schmierläuse setzt du am besten frühzeitig auf biologische Nützlinge wie Raubmilben (Amblyseius swirskii) oder Schlupfwespen. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur gezielt und unter Beachtung von Resistenzen eingesetzt werden, wobei du stets auf die aktuelle Zulassungssituation für Zierpflanzen im Gewächshaus achten musst.
Sorten
Calandiva
MittelfrühSehr hoher Anteil an A-Ware bei gleichmäßiger Kulturführung.
Resistent gegen: Trockenheit, Hitze
Anfällig für: Echter Mehltau, Phytophthora, Staunässe
Sehr beliebte, gefülltblühende Serie mit rosenartigen Blüten und exzellenter Haltbarkeit im Handel.
Queen MoreFlowers
SpätHohe Ausbeute an Premium-Qualitäten durch dichten Blütenstand.
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Echter Mehltau, Thripse
Bekannte Serie mit extrem hoher Knospenanzahl pro Trieb und sehr langer Blühdauer beim Endverbraucher.
Rosalina
FrühSchneller Umschlag auf den Stellflächen ermöglicht mehr Sätze pro Jahr.
Resistent gegen: Trockenheit, Kälte
Anfällig für: Phytophthora, Weichhautmilben
Kompakt wachsende, gefüllte Serie, die sich durch eine schnelle Reaktionszeit im Kurztag auszeichnet.
Paris
MittelfrühStabile Erträge auch bei leicht suboptimalen Lichtverhältnissen im Winter.
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Echter Mehltau, Stängelfäule
Eine etablierte Sorte mit auffälligen, zweifarbigen Blüten und sehr robustem Laubwerk.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie steuerst du die Blütenbildung bei Kalanchoe im Gewächshaus genau?
Kalanchoe ist eine Kurztagpflanze und benötigt für die Blüteninduktion eine tägliche Dunkelphase von mindestens 14 Stunden über einen Zeitraum von etwa 6 Wochen. Du erreichst dies im Erwerbsanbau durch den Einsatz von automatischen Verdunkelungsanlagen. Achte darauf, dass während der Dunkelphase kein Störlicht in das Gewächshaus dringt, da dies die Blütenbildung verzögern oder komplett verhindern kann.
Welche Rolle spielen Wachstumsregulatoren bei dieser Kultur?
Um den typischen, kompakten und gut verzweigten Wuchs zu erzielen, ist der Einsatz von Wachstumsregulatoren meist unerlässlich. Du wendest diese Wirkstoffe vor allem in der vegetativen Phase und zu Beginn der Kurztagbehandlung an. Die genaue Aufwandmenge musst du an die Sorte, die herrschende Einstrahlung und die Temperatur anpassen, um ein Überhemmen der Kultur zu vermeiden.
Wie erkennst du einen Befall mit dem Kalifornischen Blütenthrips frühzeitig?
Da Thripse sehr klein sind und sich bevorzugt in den Blütenknospen oder jungen Blättern aufhalten, solltest du gelbe und blaue Leimtafeln direkt über dem Pflanzenbestand aufhängen. Kontrolliere diese wöchentlich. Erste Symptome an der Kultur sind silbrige Saugspuren auf den Blättern, verkrüppelte Triebspitzen und braune Ränder an den sich öffnenden Blütenknospen.
Warum ist das Gießverhalten bei Kalanchoe kritischer als bei anderen Topfpflanzen?
Als Sukkulente speichert Kalanchoe Wasser in ihren Blättern und verträgt Trockenheit deutlich besser als nasse Füße. Zu häufiges Gießen oder stehendes Wasser im Untersetzer führt unweigerlich zu Sauerstoffmangel im Wurzelraum, was den Befall durch bodenbürtige Schaderreger wie Pythium und Phytophthora drastisch fördert. Lass das Substrat zwischen den Wassergaben daher immer gut abtrocknen.
Wie findest du auf farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Echten Mehltau?
Nutze hierzu unsere Produktdatenbank und filtere gezielt nach der Kulturgruppe 'Zierpflanzen' sowie dem Anwendungsbereich 'Gewächshaus'. Du kannst nach dem Schaderreger 'Echter Mehltau' suchen, um alle aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Aufwandmengen, Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen übersichtlich anzuzeigen.
Welche Temperaturstrategie solltest du während der Kurztagphase fahren?
Während der ersten Wochen der Kurztagbehandlung (Blüteninduktion) ist eine konstante Temperatur von etwa 18 bis 20 °C ideal. Zu niedrige Temperaturen (unter 16 °C) verzögern die Blütenanlage erheblich, während Temperaturen über 24 °C zu einer thermischen Hemmung führen können. Sobald die Knospen gut sichtbar sind, kannst du die Temperatur leicht absenken, um die Ausfärbung der Blüten zu intensivieren.