Kalanchoe
Die Gattung Kalanchoe sp. (EPPO-Code: KANSS), im mitteleuropäischen Erwerbsgartenbau vor allem durch das Flammende Käthchen (Kalanchoe blossfeldiana) vertreten, gehört zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). Als sukkulente Kurztagspflanze nimmt diese Kultur eine herausragende Stellung im Topfpflanzenmarkt ein. Sie zeichnet sich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit an warme Gewächshausbedingungen, eine enorme Sortenvielfalt und eine exzellente Haltbarkeit beim Endverbraucher aus.
Die professionelle Produktion erfolgt ganzjährig unter Glas, wobei die Steuerung der Blüteninduktion durch gezielte Verdunkelung gesteuert wird. Dies ermöglicht eine präzise Terminierung der Verkaufsreife über das gesamte Kalenderjahr. Aufgrund ihrer sukkulenten Eigenschaften stellt die Kultur spezifische Anforderungen an das Klimamanagement, insbesondere hinsichtlich der Luftfeuchtigkeit und Bewässerungsintensität, um physiologische Störungen und Pilzinfektionen zu vermeiden.
Bodenmanagement
Im professionellen Zierpflanzenbau wird Kalanchoe sp. fast ausschließlich in torfreduzierten oder torffreien Substraten auf Basis von Kokosfasern, Holzfasern und Tonanteilen kultiviert. Ein stabiler pH-Wert im leicht sauren Bereich von 5,5 bis 6,2 ist essenziell, um Spurenelementmängel, insbesondere von Eisen und Mangan, zu verhindern. Die sukkulente Natur der Kultur erfordert ein Substrat mit hervorragender Drainage und hoher Luftkapazität, da Staunässe rasch zu Wurzelfäule durch Pythium oder Phytophthora führt. Die Bewässerung erfolgt vorzugsweise über geschlossene Ebbe-Flut-Systeme, wobei die Düngung exakt auf die Entwicklungsphasen abgestimmt sein muss. In der vegetativen Phase wird ein ausgewogenes N:K-Verhältnis angestrebt, während zur Blüteninduktion der Kaliumanteil erhöht wird, um die Festigkeit des Gewebes und die Farbintensität der Blüten zu fördern.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei Kalanchoe sp. konzentriert sich primär auf die Prävention von Pilzkrankheiten wie Echten Mehltau und Grauschimmel (Botrytis cinerea), die durch ein optimiertes Gewächshausklima und gezielte Luftentfeuchtung kontrolliert werden. Zu den bedeutendsten tierischen Schaderregern zählen Thripse, Spinnmilben und Wollläuse, deren Überwachung mittels Gelb- und Blautafeln sowie regelmäßiger Bonituren erfolgt. Der Einsatz von Nützlingen wie Raubmilben (Amblyseius swirskii) oder Schlupfwespen hat im modernen Zierpflanzenbau höchste Priorität und mindert den Bedarf an chemischen Pflanzenschutzmitteln. Sollte eine chemische Behandlung unumgänglich sein, müssen die ausgewählten Pflanzenschutzmittel vorab auf ihre Phytotoxizität geprüft werden, da sukkulente Blätter empfindlich auf bestimmte Trägerstoffe reagieren. Zudem ist auf einen konsequenten Wirkstoffwechsel zu achten, um die Resistenzbildung bei Schaderregern zu minimieren.
Sorten
Queen MoreFlowers
MittelfrühSehr hoher Anteil an verkaufsfähiger A-Ware durch exzellente Verzweigung.
Resistent gegen: Ethylen
Anfällig für: Echter Mehltau
Eine der führenden gefülltblühenden Serien im deutschen Markt, bekannt für extrem lange Haltbarkeit und reiche Knospenbildung.
Calandiva
MittelStabile, homogene Sortierung mit kompakter Wuchsform.
Anfällig für: Phytophthora, Echter Mehltau
Der Klassiker unter den gefülltblühenden Kalanchoen. Zeichnet sich durch rosenähnliche Blüten und einen sehr dichten Blütenstand aus.
Taranta
SpätGute Flächenproduktivität bei angepasster Stellweite.
Anfällig für: Botrytis
Eine auffällige Serie mit geschlitzten, spinnenartigen Blütenblättern (Spider-Typ), die neue Marktsegmente anspricht.
Rosalina
FrühSehr hohe Ausbeute im standardisierten 10,5-cm-Topf.
Resistent gegen: Echter Mehltau
Anfällig für: Thripse
Kompakt wachsende, reich verzweigte Serie mit gefüllten Blüten, die sich hervorragend für die Kultur in kleineren Topfgrößen eignet.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie wird die Blüteninduktion bei Kalanchoe im Erwerbsanbau gesteuert?
Kalanchoe ist eine obligate Kurztagspflanze. Um die Blütenbildung zuverlässig anzuregen, benötigt die Kultur eine tägliche Dunkelphase von mindestens 14 Stunden über einen Zeitraum von etwa 6 Wochen. Im Sommer wird dies im Gewächshaus durch automatische Verdunkelungsanlagen realisiert, während im Winter eine künstliche Langtagbelichtung in der Jungpflanzenphase genutzt wird, um das vegetative Wachstum vor der Induktion zu fördern.
Welche Rolle spielen Wachstumsregulatoren bei der Kulturführung von Kalanchoe?
Da ein kompakter, stabiler Wuchs mit dichtem Blütenstand für die Vermarktung entscheidend ist, kommen chemische Wachstumsregulatoren zum Einsatz. Die Anwendung erfolgt meist im BBCH-Stadium 3 (Längenwachstum). Die Aufwandmenge und Häufigkeit müssen exakt an die jeweilige Sorte, die aktuelle Lichtintensität und die Gewächshaustemperatur angepasst werden, um eine irreversible Überstauchung zu verhindern.
Wie lässt sich das Risiko von physiologischen Ödemen an den Blättern minimieren?
Ödeme entstehen bei hoher Bodenfeuchtigkeit und gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit, wenn die Transpirationsrate der Kultur stark eingeschränkt ist. Zur Vermeidung sollten Bewässerungsgänge ausschließlich in den frühen Morgenstunden erfolgen, damit das Substrat bis zum Abend abtrocknen kann. Zudem ist eine aktive Luftbewegung durch Ventilatoren und eine gezielte Heizungssteuerung zur Entfeuchtung im Gewächshaus essenziell.
Welche Besonderheiten gelten bei der chemischen Bekämpfung von Echtem Mehltau?
Bei der Auswahl von Fungiziden gegen Echten Mehltau ist extreme Vorsicht geboten, da sukkulente Kalanchoe-Blätter sehr sensitiv auf bestimmte Formulierungshilfsstoffe (insbesondere Emulsionskonzentrate / EC) reagieren. Dies kann zu schweren Blattschäden und Wachstumsdepressionen führen. Es sollten bevorzugt wasserlösliche Pulver (WP) oder wasserdispergierbare Granulate (WG) eingesetzt und vor großflächigen Anwendungen stets Probespritzungen durchgeführt werden.
Wie kann die Haltbarkeit (Shelf-Life) für den Transport und Handel optimiert werden?
Eine entscheidende Maßnahme zur Sicherung der Nachbarchau-Qualität ist die Vermeidung von Ethylenbelastung. Kalanchoen reagieren empfindlich auf Ethylen mit Knospen- und Blütenfall. Eine rechtzeitige Behandlung der Kultur vor dem Versand mit zugelassenen Ethylen-Inhibitoren (z. B. auf Basis von 1-MCP) blockiert die Rezeptoren und schützt die Pflanzen während des Transports in geschlossenen CC-Containern.