Khorasan-Weizen
Khorasan-Weizen (Triticum turanicum, EPPO-Code: TRZTN), oft auch unter dem Handelsnamen Kamut bekannt, ist eine historische Kulturform des Weizens, die ihren Ursprung im antiken Zentralasien hat. Als tetraploide Getreideart ist diese Kultur eng mit dem Hartweizen verwandt und zeichnet sich durch ein markantes, großes Korn sowie einen überdurchschnittlich hohen Proteingehalt aus. Im Vergleich zu modernem Weichweizen stellt die Kultur geringere Ansprüche an die Nährstoffversorgung des Bodens, reagiert jedoch empfindlicher auf feucht-kalte Witterung während der sensiblen Entwicklungsphasen.
In Mitteleuropa wird Khorasan-Weizen überwiegend als Sommerkultur angebaut, da die Frosthärte für strenge Winter oft nicht ausreicht. Aufgrund des ausgeprägten Längenwachstums des Strohs besteht eine erhöhte Lagerneigung, was eine angepasste Bestandsführung verlangt. Für landwirtschaftliche Betriebe bietet der Anbau dieser Nischenkultur im ökologischen Landbau oder für spezialisierte regionale Wertschöpfungsketten eine wirtschaftlich attraktive Möglichkeit zur Diversifizierung der Fruchtfolge.
Bodenmanagement
Für den erfolgreichen Anbau von Khorasan-Weizen solltest du tiefgründige, warme und gut durchlässige Böden bevorzugen, da die Kultur empfindlich auf Staunässe reagiert. Ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett ist entscheidend, um einen gleichmäßigen Feldaufgang im Frühjahr zu sichern. Da die Kultur ein hohes Längenwachstum aufweist, musst du die Stickstoffdüngung vorsichtig kalkulieren; eine Überdüngung erhöht das Risiko von Lagergetreide drastisch. Eine moderate Grunddüngung mit Phosphor und Kalium unterstützt die Standfestigkeit und die Kornentwicklung. Achte zudem auf eine weite Fruchtfolge mit einem Abstand von mindestens drei bis vier Jahren zu anderen Getreidearten, um bodenbürtige Schaderreger effektiv zu minimieren.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz bei Khorasan-Weizen konzentriert sich vor allem auf die Vorbeugung von Pilzkrankheiten, da die Kultur besonders anfällig für Gelbrost und Ährenfusarium ist. Ein Befall mit Ährenfusarium während der Blüte kann zu hohen Mykotoxingehalten führen, weshalb du feuchte Witterungsphasen in diesem BBCH-Stadium genau überwachen und gegebenenfalls ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel einplanen solltest. Gegen Unkräuter hilft ein früher Striegelgang im 2- bis 3-Blattstadium, da die Kultur in der Jugendphase eine langsame Entwicklung zeigt und leicht überwachsen wird. Achte bei der Auswahl von Pflanzenschutzmitteln darauf, dass für diese Nischenkultur oft spezielle Genehmigungen für die Anwendung im Rahmen von Lückenindikationen erforderlich sind. Regelmäßige Feldbegehungen ab dem Schossen helfen dir, Schaderreger wie Getreidehähnchen rechtzeitig zu erkennen und Schadschwellen zu überwachen.
Sorten
QK-77
spätLiefert im mitteleuropäischen Raum meist 30 bis 40 % weniger Ertrag als Standard-Sommerweizen.
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Gelbrost, Ährenfusarium, Lagerung
Die weltweit bekannteste Sorte, die exklusiv unter der Marke Kamut vertrieben wird. Zeichnet sich durch sehr große, glasige Körner aus.
Pharaon
mittelspätExtensiver Ertrag, primär für die Direktvermarktung und Spezialbäckereien geeignet.
Resistent gegen: Echter Mehltau
Anfällig für: Lagerung, Braunrost
Eine in Europa selektierte Linie für den ökologischen Nischenanbau mit hoher Backqualität.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Risiko von Lager bei Khorasan-Weizen und wie beugst du effektiv vor?
Aufgrund der enormen Wuchshöhe von oft über 130 cm ist das Lagerrisiko bei dieser Kultur sehr hoch. Du solltest die Stickstoffdüngung im Vergleich zu modernem Weizen um etwa 30 bis 50 % reduzieren (Richtwert: maximal 60–80 kg N/ha inklusive Bodenvorrat). Im konventionellen Anbau kann zudem der gezielte Einsatz von Wachstumsreglern im BBCH-Stadium 31/32 die Halmstabilität absichern.
Welche Besonderheiten musst du bei der Saatgutberechnung und Aussaatstärke beachten?
Da das Tausendkorngewicht (TKG) von Khorasan-Weizen mit 55 bis 65 g deutlich über dem von normalem Weizen liegt, musst du die Aussaatmenge in kg/ha nach oben anpassen. Empfohlen wird eine Saatstärke von 350 bis 400 keimfähigen Körnern pro Quadratmeter, was je nach TKG einer Aufwandmenge von ca. 200 bis 240 kg/ha entspricht. Verwende stets zertifiziertes, fusariumfreies Saatgut, um Auflaufschäden zu vermeiden.
Wie reagiert die Kultur auf Trockenstress während der Kornfüllungsphase?
Khorasan-Weizen stammt aus semiariden Regionen und besitzt eine hervorragende Toleranz gegenüber Hitze und Trockenheit ab dem Ährenschieben (BBCH 51). Die Kultur kann Wasser aus tieferen Bodenschichten effizienter nutzen als moderner Weichweizen. Dennoch führt extremer Wassermangel während der Blüte zu einer Reduktion der Kornanzahl pro Ähre, weshalb tiefgründige Standorte mit guter Wasserhaltekapazität zu bevorzugen sind.
Welche Pflanzenschutzmittel sind für Khorasan-Weizen in Deutschland zugelassen?
Da Khorasan-Weizen botanisch zur Gattung Triticum gehört, sind viele für Weich- oder Hartweizen zugelassene Pflanzenschutzmittel prinzipiell anwendbar. Du musst jedoch unbedingt die aktuellen Zulassungsdatenbanken des BVL prüfen, da für Nischenkulturen oft Sonderregelungen oder Lückenindikationen nach Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 gelten, um rechtssicher zu handeln.
Wann ist der optimale Erntezeitpunkt und worauf musst du beim Mähdrusch achten?
Die Ernte erfolgt bei Vollreife (BBCH 89) bis Totreife (BBCH 92), meist im Laufe des Augusts. Da die Körner sehr groß und hart sind, musst du die Trommeldrehzahl des Mähdreschers reduzieren und den Druschspalt etwas weiter öffnen als bei Weichweizen, um Kornbeschädigungen und Bruchkorn zu vermeiden. Eine Restfeuchte von unter 14 % ist für die sichere Lagerung zwingend erforderlich.