Kompaßlattich
Lactuca serriola, im deutschsprachigen Raum als Kompaßlattich oder Stachellattich bekannt (EPPO-Code: LACSE), ist eine ein- bis zweijährige krautige Kultur aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Als engster wilder Verwandter des Gartensalats besitzt diese Kultur eine herausragende Bedeutung für die moderne Pflanzenzüchtung, da sie als wichtiges Genreservoir für Resistenzen gegen Falschen Mehltau und extreme Trockenheit dient. In der landwirtschaftlichen Praxis wird sie zudem als Zeigerpflanze für stickstoffreiche Standorte sowie zunehmend als Nischenkultur für die Wildkräuterproduktion genutzt.
Die Kultur ist physiologisch besonders gut an aride Bedingungen angepasst. Ihre Blätter richten sich bei intensiver Sonneneinstrahlung senkrecht in Nord-Süd-Richtung aus, um die Verdunstung zu minimieren und die Photosynthese am Morgen und Abend zu optimieren. Stängel und Blattunterseiten sind mit feinen Stacheln besetzt, und das Gewebe führt einen milchigen Saft, der reich an Bitterstoffen ist.
Für den erfolgreichen Anbau oder die gezielte Regulierung ist das Verständnis des Entwicklungszyklus entscheidend. Die Keimung erfolgt flexibel im Herbst oder im zeitigen Frühjahr, wobei die Kultur rasch eine tiefreichende Pfahlwurzel ausbildet, die auch stark verdichtete Bodenhorizonte erschließen kann.
Bodenmanagement
Der Kompaßlattich bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige und kalkhaltige Lehm- oder Tonböden, gedeiht aber dank seiner tiefen Pfahlwurzel auch auf trockenen, skelettreichen Standorten. Für eine gezielte Kulturführung solltest du ein feinkrümeliges Saatbett vorbereiten, da die feinen Samen Lichtkeimer sind und nur flach abgelegt werden dürfen. Eine moderate Stickstoffversorgung fördert das Blattwachstum, während ein Übermaß an Stickstoff zu weichem Gewebe und erhöhter Krankheitsanfälligkeit führt. Durch eine mechanische Bodenbearbeitung im Vorfeld kannst du den Unkrautdruck minimieren, da die Kultur in der Jugendphase konkurrenzschwach ist. Vermeide Staunässe konsequent, da dies rasch zu Wurzelfäule führt.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz stehen vor allem pilzliche Schaderreger wie der Falsche Mehltau (Bremia lactucae) und die Salatfäule im Vordergrund, die insbesondere bei feucht-warmer Witterung auftreten. Da Lactuca serriola oft als Wirt für Viren (z. B. das Salatmosaikvirus) und Blattläuse dient, ist eine regelmäßige Befallskontrolle unerlässlich. Zur Regulierung von Schädlingen solltest du Nützlinge wie Schwebfliegenlarven und Marienkäfer durch Blühstreifen im Umfeld gezielt fördern. Chemische Pflanzenschutzmittel sind für diese Wildkultur in der Regel nicht spezifisch zugelassen, weshalb mechanische Maßnahmen und weite Fruchtfolgen die Basis des Managements bilden. Achte bei der Kulturplanung darauf, ausreichend Abstand zu Erwerbsanbauflächen von Gartensalat einzuhalten, um eine wechselseitige Übertragung von Schaderregern zu verhindern.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidest du den Kompaßlattich im Feld sicher von anderen wilden Latticharten?
Achte besonders auf die Blattausrichtung und die Blattunterseite. Die Blätter des Kompaßlattichs (Lactuca serriola) stellen sich bei direkter Sonneneinstrahlung senkrecht und zeigen exakt in Nord-Süd-Richtung. Zudem findest du auf der Mittelrippe der Blattunterseite eine deutliche Reihe stacheliger Borsten, die ihn vom Gift-Lattich (Lactuca virosa) unterscheiden, dessen Blätter meist waagerecht abstehen und deutlich breiter geformt sind.
Welche Rolle spielt diese Wildkultur bei der Resistenzzüchtung von Kultursalat?
Der Kompaßlattich ist genetisch eng mit dem Gartensalat verwandt und voll kreuzbar. Er dient Züchtern weltweit als primäre Quelle für neue Resistenzgene, insbesondere gegen den Falschen Mehltau (Bremia lactucae). Wenn du auf deinem Betrieb moderne Salatsorten mit hoher Mehltauresistenz anbaust, gehen diese genetischen Eigenschaften meist auf Einkreuzungen dieser Wildart zurück.
Wie verhält sich der Kompaßlattich als Unkraut auf Ackerflächen und wie regulierst du ihn am besten?
In Kulturen wie Getreide oder Raps kann der Kompaßlattich als konkurrenzstarkes Unkraut auftreten. Da er eine robuste Pfahlwurzel bildet, solltest du mechanische Maßnahmen wie das Stoppeln oder den Einsatz von Hackgeräten frühzeitig im Rosettenstadium (BBCH 12–18) durchführen. Sobald die Kultur das Schossen beginnt, ist sie mechanisch nur noch schwer vollständig zu bekämpfen.
Warum ist die Keimbiologie für das Management dieser Kultur so entscheidend?
Die Samen des Kompaßlattichs sind Lichtkeimer und besitzen nach der Reife kaum Keimruhe. Das bedeutet, dass flach an der Bodenoberfläche liegende Samen bei Feuchtigkeit sofort keimen. Durch ein tiefes Unterpflügen kannst du die Samen vergraben; ein falsches Saatbett im Herbst ist jedoch oft die nachhaltigere Methode, um die Samen gezielt zur Keimung zu bringen und anschließend mechanisch zu regulieren.
Wie findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel, falls du die Kultur gezielt anbaust?
Da für den gezielten Anbau von Wildkräutern selten Standardzulassungen existieren, musst du im Pflanzenschutz-Hub nach Indikationszulassungen oder Genehmigungen für Lückenindikationen nach § 22 Abs. 2 PflSchG suchen. Prüfe genau, ob Anwendungen für die Obergruppen 'frische Kräuter' oder 'Blattsalate' freigegeben sind, und beachte die spezifischen Wartezeiten.
Welchen Einfluss hat der Erntezeitpunkt auf die Qualität der Blätter?
Der Gehalt an Bitterstoffen (wie Lactucin) im Milchsaft steigt mit zunehmendem Alter der Kultur stark an. Wenn du die Blätter für den Frischverzehr oder die Wildkräuterküche nutzen möchtest, musst du die Ernte unbedingt vor dem Schossen (vor BBCH 30) abschließen, da die Blätter danach extrem bitter, zäh und für den Markt unverkäuflich werden.