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Kultur

Kompaßlattich

Lactuca serriola
LACSE

Der Kompaßlattich (Lactuca serriola, EPPO-Code: LACSE), auch bekannt als Stachellattich, ist eine ein- bis zweijährige krautige Kultur aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Als naher wilder Verwandter des Gartensalats (Lactuca sativa) besitzt diese Kultur eine hohe Bedeutung für die Pflanzenzüchtung, insbesondere als wertvolles Genreservoir für Resistenzen gegen Falschen Mehltau und andere Schaderreger. In der landwirtschaftlichen Praxis Mitteleuropas tritt die Kultur jedoch häufiger als ruderale Begleitflora oder als schwer bekämpfbares Unkraut auf, besonders im Wein- und Obstbau sowie in lückigen Raps- und Getreidebeständen.

Charakteristisch für Lactuca serriola ist die namensgebende Ausrichtung der stängelständigen Blätter, die sich bei starker Sonneneinstrahlung senkrecht und in Nord-Süd-Richtung einstellen, um die Transpiration zu minimieren. Die Kultur bevorzugt nährstoffreiche, meist kalkhaltige Lehmböden in warmen, sonnigen Lagen. Während sie im professionellen Gemüsebau gezielt zur Gewinnung von Zuchtmaterial oder vereinzelt als herbe Wildsalat-Spezialität kultiviert wird, erfordert ihr unkontrolliertes Auftreten auf Acker- und Sonderkulturflächen ein konsequentes Management, um Ertrags- und Qualitätsverluste bei den Hauptkulturen zu verhindern.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Mai (Frühjahrsaussaat) oder August bis September (Herbstaussaat)
Erntefenster
Juni bis September (Blatternte vor der Blüte)
Reihenabstand
25–30 cm
Typischer Ertrag
8–12 t/ha (Frischmasse bei gezieltem Anbau als Wildsalat)
Wärmesumme (GDD)
1400
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Die Kultur stellt geringe Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch tiefgründige, nährstoffreiche und gut drainierte Lehmböden mit mäßiger Feuchtigkeit. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung im Vorfeld ist entscheidend, um ein feinkrümeliges Saatbett für die feinen Samen zu schaffen. Da die Samen Lichtkeimer sind, dürfen sie bei einer gezielten Aussaat nur minimal mit Erde bedeckt werden. Im Rahmen der Unkrautregulierung in Hauptkulturen hilft eine tiefe Bodenwendung (Pflügen), die langlebigen Samen von Lactuca serriola in tiefere Bodenschichten zu verlagern, wo sie schlechter keimen können. Eine ausgewogene Stickstoffversorgung fördert das vegetative Wachstum, während übermäßige Gaben die Anfälligkeit für physiologische Störungen erhöhen.

Schaderreger-Management

Beim gezielten Anbau oder der Regulierung von Lactuca serriola müssen spezifische Schaderreger sorgfältig überwacht werden. Die Kultur ist ein bekannter Wirt für den Falschen Mehltau (Bremia lactucae) sowie für das Salatmosaikvirus (LMV), weshalb sie in der Nähe von Erwerbsanbauflächen für Gartensalat ein potenzielles Infektionsrisiko darstellt. Zur Vorbeugung von Pilzinfektionen sind weite Reihenabstände und eine bedarfsgerechte Bewässerung von unten ratsam, um die Blätter trocken zu halten. Bei starkem Befall im Feldanbau können zugelassene Pflanzenschutzmittel gemäß den aktuellen BVL-Vorgaben eingesetzt werden. Im integrierten Pflanzenschutz ist zudem auf die Bekämpfung von Blattläusen zu achten, da diese als Vektoren für Viruserkrankungen fungieren.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Warum ist der Kompaßlattich (Lactuca serriola) für die moderne Pflanzenzüchtung von so großer Bedeutung?

Lactuca serriola gilt als der engste wilde Verwandte des Kultursatats (Lactuca sativa). Er verfügt über ein breites Spektrum an natürlichen Resistenzgenen, insbesondere gegen verschiedene Rassen des Falschen Mehltaus (Bremia lactucae) und die Grüne Salatblattlaus (Nasonovia ribisnigri). Züchter nutzen diese Wildart intensiv für Einkreuzungen, um die Widerstandsfähigkeit moderner Salatsorten gegenüber Schaderregern nachhaltig zu verbessern.

Wie unterscheidet sich der Kompaßlattich morphologisch von anderen Lattich-Arten?

Ein sicheres Bestimmungsmerkmal von Lactuca serriola sind die feinen, stacheligen Borsten auf der Unterseite der Hauptblattader. Zudem stehen die Blätter an sonnigen Standorten meist senkrecht in Nord-Süd-Richtung (Kompass-Stellung), um der Mittagssonne auszuweichen. Der weiße Milchsaft, der bei Verletzung des Stängels sofort austritt, ist ebenfalls charakteristisch für diese Gattung.

Welche Probleme verursacht Lactuca serriola als Unkraut in landwirtschaftlichen Kulturen?

Aufgrund seiner tiefen Pfahlwurzel konkurriert der Kompaßlattich stark um Wasser und Nährstoffe, insbesondere in mehrjährigen Kulturen wie Weinreben und Obstbäumen sowie in Direktsaat-Systemen. Zudem erschwert seine zähe, holzige Biomasse bei der Reife die Ernte von Getreide und Raps, da die klebrigen Pflanzensäfte die Druschwerkzeuge der Mähdrescher verstopfen können.

Gibt es bekannte Resistenzen von Lactuca serriola gegenüber Herbiziden in Mitteleuropa?

Ja, in Europa wurden vermehrt Populationen von Lactuca serriola nachgewiesen, die Resistenzen gegenüber ALS-Inhibitoren (Herbizide der HRAC-Gruppe 2, wie Sulfonylharnstoffe) aufweisen. Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, ist ein Wirkstoffwechsel mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen (z. B. Wuchsstoffe oder Glyphosat im Nachauflauf) sowie eine mechanische Bodenbearbeitung im integrierten Pflanzenschutz unerlässlich.

Wie kann ich im Farmable-Portal nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?

Da Lactuca serriola meist als Unkraut auftritt, finden Sie geeignete Pflanzenschutzmittel in unserem Hub unter der Kategorie Herbizide für die jeweilige Hauptkultur. Suchen Sie gezielt nach Anwendungen, die eine Wirkung gegen zweikeimblättrige Unkräuter oder speziell gegen Korbblütler (Asteraceae) ausweisen, und beachten Sie stets die registrierten BBCH-Anwendungsfenster und Wartezeiten.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Regulierung des Kompaßlattichs?

Die mechanische und chemische Regulierung ist im frühen Rosettenstadium (BBCH 12 bis 19) am effektivsten. Sobald die Kultur mit dem Schossen (BBCH 30+) beginnt und der Stängel verholzt, sinkt die Empfindlichkeit gegenüber den meisten Herbiziden drastisch, und auch mechanische Maßnahmen wie das Striegeln oder Hacken erzielen keine ausreichende Wirkung mehr.