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Kultur

Liebstöckel

Levisticum officinale
LEWOF

Liebstöckel (Levisticum officinale), im professionellen Anbau oft unter dem EPPO-Code LEWOF geführt, ist eine ausdauernde, krautige Kultur aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die auch als Maggikraut bekannte Kultur zeichnet sich durch ihren intensiven, würzigen Duft und Geschmack aus, der hauptsächlich auf ätherische Öle (insbesondere Phthalide) zurückzuführen ist. Im Erwerbsanbau in Mitteleuropa wird Liebstöckel sowohl für die Frischmarktbelieferung als auch für die pharmazeutische Industrie und die Trocknungsindustrie zur Gewürzherstellung kultiviert, wobei sowohl das Kraut (Herba) als auch die Wurzeln (Radix) genutzt werden.

Die Kultur ist mehrjährig und kann auf demselben Feld über drei bis fünf Jahre wirtschaftlich genutzt werden, bevor Ertrag und Vitalität nachlassen. Sie stellt hohe Ansprüche an den Standort, insbesondere an die Wasser- und Nährstoffversorgung. Aufgrund des tiefreichenden Pfahlwurzelsystems sind tiefgründige, humose und gut strukturierte Böden für eine erfolgreiche Etablierung und hohe Erträge unerlässlich. Im ersten Standjahr bildet die Kultur vor allem eine Blattrosette, ab dem zweiten Jahr treiben die kräftigen, hohlen Blütenstängel aus, die Höhen von über zwei Metern erreichen können.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Direktsaat) oder August (Spätsommersaat)
Erntefenster
Juni bis Oktober (Kraut), Oktober bis November (Wurzeln)
Reihenabstand
50–70 cm
Typischer Ertrag
15–25 t/ha Frischkraut (bzw. 3–5 t/ha Trockenware) pro Jahr
Wärmesumme (GDD)
1800–2100 °C
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Liebstöckel benötigt tiefgründige, nährstoffreiche und gut wasserführende Lehm- oder humose Sandböden mit gutem Unterbodenanschluss, da Staunässe zwingend vermieden werden muss. Vor der Anlage der mehrjährigen Kultur ist eine gründliche Tiefenlockerung sowie das Einarbeiten von organischem Dünger (z. B. gut verrotteter Stallmist oder Kompost) dringend zu empfehlen. Der Stickstoffbedarf ist aufgrund der enormen Biomassebildung hoch und sollte in mehreren Teilgaben, orientiert an den Schnittzeitpunkten, verabreicht werden. Eine ausreichende Kaliumversorgung sichert die Standfestigkeit der Triebe und verbessert die Frosthärte der Überwinterungsorgane. Da die Kultur empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert, ist das Befahren der Flächen bei nassen Bodenverhältnissen konsequent zu minimieren.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz stehen die Vorbeugung von Pilzkrankheiten wie echtem Mehltau, Septoria-Blattflecken und Rostpilzen im Vordergrund, da Blattbeschädigungen die Vermarktungsfähigkeit des Frischkrauts direkt herabsetzen. Ein weiter Reihenabstand und eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung fördern das rasche Abtrocknen des Bestandes und mindern den Infektionsdruck. Gegen tierische Schaderreger wie die Liebstöckel-Minierfliege oder Blattläuse müssen regelmäßige Bestandskontrollen durchgeführt werden, um Schadschwellen rechtzeitig zu erkennen. Da für diese Nischenkultur nur eine begrenzte Anzahl an chemischen Pflanzenschutzmitteln zugelassen ist, spielen mechanische Unkrautregulierung und der Einsatz von Netzen eine zentrale Rolle. Nach jedem Schnitt ist auf eine saubere Feldhygiene zu achten, um das Überwintern von Schaderregern im Pflanzenmaterial zu verhindern.

Sorten

Magnus

Mittelfrüh

Sehr ertragreich mit hohem Anteil an ätherischen Ölen im Kraut.

Anfällig für: Septoria-Blattfleckenkrankheit

Wüchsige Selektion für den professionellen Anbau, gut geeignet für die maschinelle Ernte.

Standard-Herkunft

Mittel

Solide Erträge bei Kraut- und Wurzelnutzung.

Anfällig für: Mehltau, Rost

Breit adaptierte Landsorte, die sich durch hohe Winterhärte auszeichnet.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich die Liebstöckel-Minierfliege im professionellen Anbau effektiv regulieren?

Die Larven der Liebstöckel-Minierfliege (Phytomyza varipes) verursachen durch ihre Fraßgänge in den Blattstielen erhebliche Qualitätseinbußen. Da nur wenige Pflanzenschutzmittel für diese Anwendung zugelassen sind, ist das Auflegen von engmaschigen Kulturschutznetzen (Maschenweite ca. 0,8 mm) direkt nach dem Austrieb im Frühjahr die wirksamste mechanische Schutzmaßnahme. Zudem hilft ein rechtzeitiger erster Schnitt vor dem Hauptschlüpfen der zweiten Generation, den Befallsdruck deutlich zu senken.

Welche Fruchtfolgegliederung ist beim Anbau von Liebstöckel zu beachten?

Als Doldenblütler weist Liebstöckel eine hohe Selbstunverträglichkeit auf. Um bodenbürtige Schaderreger wie Nematoden oder Pilze (z. B. Sclerotinia) zu vermeiden, sollte eine Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Apiaceen (wie Möhren, Sellerie, Petersilie oder Dill) eingehalten werden. Ideale Vorfrüchte sind tiefwurzelnde Gründüngungspflanzen oder Getreide, die den Boden unkrautfrei und gut strukturiert hinterlassen.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Ernte, um den Gehalt an ätherischen Ölen zu maximieren?

Für die Krautnutzung liegt der optimale Erntezeitpunkt kurz vor der Blüte (BBCH-Stadium 51 bis 55), da hier die Konzentration an ätherischen Ölen in den Blättern am höchsten ist. Die Ernte sollte an trockenen, kühlen Vormittagen erfolgen, sobald der Tau abgetrocknet ist. Bei der Wurzelernte im Herbst des zweiten oder dritten Standjahres wartet man das vollständige Einziehen des Laubes ab (BBCH 91+), um die maximale Wirkstoffkonzentration in den Speicherorganen zu sichern.

Wie reagiert Liebstöckel auf Trockenstress und wie steuert man die Bewässerung?

Aufgrund seiner großen Blattfläche verdunstet Liebstöckel erhebliche Mengen Wasser. Trockenstress führt rasch zu verholzten Stängeln, vorzeitiger Blüteninduktion und einem bitteren Geschmack des Krauts. In kritischen Wachstumsphasen – besonders nach dem ersten Schnitt zur Förderung des Wiederaustriebs – ist eine Zusatzbewässerung per Überkopfberegnung oder Tropfbewässerung ertragssichernd. Der Boden sollte konstant eine nutzbare Feldkapazität von über 60 % aufweisen.

Welche Besonderheiten gelten bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln für Liebstöckel?

Liebstöckel ist rechtlich als 'Minor Crop' (Lückenindikation) eingestuft. Viele Anwendungen sind daher nur über Sonderzulassungen nach Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 nutzbar. Agronomen müssen vor jeder Behandlung die aktuelle Zulassungssituation in der BVL-Datenbank prüfen, da sich Wartezeiten und maximale Anwendungshäufigkeiten im Vergleich zu Hauptkulturen stark unterscheiden können.

Wie wird der Wiederaustrieb nach dem ersten Schnitt pflanzenbaulich optimiert?

Der erste Schnitt erfolgt meist Ende Mai oder Anfang Juni. Um den Wiederaustrieb nicht zu schwächen, darf die Schnitthöhe nicht zu tief angesetzt werden; ein verbleibendes Stoppelmaß von 8 bis 10 cm schont die Vegetationspunkte. Unmittelbar nach dem Schnitt stabilisiert eine moderate Stickstoffgabe (ca. 40–50 kg N/ha) in Kombination mit einer bedarfsgerechten Bewässerung den schnellen Aufbau der neuen Blattrosette.