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Kultur

Löwenzahn, Gemeiner

Taraxacum officinale
TAROF

Der Gemeine Löwenzahn (Taraxacum officinale, EPPO-Code: `TAROF`) hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer reinen Wildkultur zu einer geschätzten Nischenkultur im professionellen Gemüse- und Arzneipflanzenbau entwickelt. Während in der Pharmazie vor allem die getrockneten Wurzeln (Radix) und das Kraut (Herba) für Tees und Extrakte nachgefragt werden, schätzt der Erwerbsgemüsebau den kultivierten Löwenzahn als bitter-würziges Blattgemüse für den Frischmarkt. Die Kultur zeichnet sich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit aus, stellt jedoch im intensiven Anbau spezifische Anforderungen an die Bestandsführung und Erntetechnik.

Für den Blattanbau werden meist veredelte, breitblättrige Kultivare genutzt, die einen aufrechten Wuchs aufweisen, was die maschinelle Ernte erleichtert. Im Arzneipflanzenanbau hingegen steht die Wurzelentwicklung im Vordergrund, weshalb hier oft zweijährige Anbauzyklen gewählt werden. Da die Kultur eng mit wilden Populationen verwandt ist, ist der Unkrautdruck in der Etablierungsphase besonders kritisch, da selektive Herbizide kaum zur Verfügung stehen und mechanische Regulierungsmaßnahmen präzise durchgeführt werden müssen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Juni oder August bis September (Überwinterung)
Erntefenster
Mai bis Oktober (Blatternte) oder Oktober bis November (Wurzelernte)
Reihenabstand
25–30 cm
Typischer Ertrag
15–25 t/ha Frischmasse (Blätter) oder 4–8 t/ha Trockenmasse (Wurzeln)
Wärmesumme (GDD)
1400
Boden-pH
6,0–7,2

Bodenmanagement

Der Gemeine Löwenzahn gedeiht am besten auf tiefgründigen, mittelschweren Böden mit guter Wasserführung, da Staunässe rasch zu Wurzelfäule führt. Vor der Aussaat ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett herzustellen, um den feinen Samen einen optimalen Bodenschluss zu garantieren. Eine ausgewogene Stickstoffversorgung von etwa 80 bis 100 kg N/ha fördert das Blattwachstum, darf jedoch im Arzneipflanzenanbau nicht übertrieben werden, um die Wirkstoffkonzentrationen in den Wurzeln nicht zu verwässern. Kalium- und Phosphorgaben sollten basierend auf Bodenanalysen im mittleren Versorgungsbereich gehalten werden. Nach der Ernte im ersten Jahr oder bei überwinternden Kulturen ist eine flache mechanische Bodenbearbeitung zwischen den Reihen ratsam, um Verschlämmungen aufzubrechen und die Belüftung des Wurzelraums zu verbessern.

Schaderreger-Management

Im professionellen Anbau stellt der Echte Mehltau eine der größten Bedrohungen für die Blattqualität dar, weshalb auf eine weite Reihenführung und eine schnelle Erntefolge zu achten ist. Gegen tierische Schaderreger wie Blattläuse und Erdschnakenlarven müssen vorbeugende Maßnahmen wie der Einsatz von Kulturschutznetzen oder eine gezielte Förderung von Nützlingen ergriffen werden. Da für diese Sonderkultur nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, spielen mechanische Unkrautregulierung und thermische Verfahren eine zentrale Rolle. Bei feuchter Witterung kann zudem die Sklerotinia-Fäule auftreten, was eine weite Fruchtfolge von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Korbblütlern zwingend erforderlich macht. Regelmäßige Feldbegehungen ab dem BBCH-Stadium 12 ermöglichen es, erste Infektionsherde frühzeitig zu erkennen und mechanisch zu entfernen.

Sorten

Vollherziger

Mittelfrüh

Hoch

Anfällig für: Echter Mehltau

Sehr wüchsige Sorte mit dichten, gefüllten Rosetten und breiten Blättern. Hervorragend für den Frischmarkt geeignet.

Verte de Montmagny

Früh

Mittel bis hoch

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Echter Mehltau, Wurzelfäule

Traditionelle französische Sorte mit stark geschlitzten, dunkelgrünen Blättern. Sehr kältetolerant und gut für die Überwinterung geeignet.

Clio

Spät

Sehr hoch

Resistent gegen: Schoßen

Anfällig für: Blattläuse

Moderne Selektion für den professionellen Blattanbau mit aufrechtem Wuchs, was die maschinelle Ernte erheblich erleichtert.

Punto

Mittelfrüh

Mittel

Anfällig für: Echter Mehltau

Spezialsorte mit gleichmäßigem Wuchs und feinem Blattwerk, ideal für die Vermarktung in Babyleaf-Mischungen.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Schosserscheinungen (vorzeitige Blütenbildung) im Blattanbau minimieren?

Schossen mindert die Blattqualität drastisch, da die Blätter bitter und zäh werden. Um dies zu verhindern, sollte die Aussaat im Frühjahr nicht zu früh erfolgen, da Kältereize (Vernalisation) die Blütenbildung induzieren. Zudem hilft eine kontinuierliche Wasserversorgung in trockenen Sommermonaten, um stressbedingtes Schossen zu vermeiden.

Welche mechanischen Verfahren eignen sich am besten zur Unkrautregulierung in dieser Kultur?

Da für Löwenzahn kaum selektive Herbizide zugelassen sind, ist das falsche Saatbett eine Schlüsselmaßnahme. Nach dem Auflaufen der Kultur haben sich präzise geführte Hackgeräte mit Fingerhacken für den Zwischenreihenbereich bewährt. In der Reihe kann bei Direktsaat ein Abflammen kurz vor dem Durchstoßen der Löwenzahnkeimlinge (BBCH 09) den Unkrautdruck massiv senken.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Ernte von Löwenzahnwurzeln zur pharmazeutischen Nutzung?

Für die Gewinnung von Radix Taraxaci liegt der optimale Erntezeitpunkt im Spätherbst (Oktober bis November) des ersten oder zweiten Standjahres. Zu diesem Zeitpunkt haben die Pflanzen die maximalen Reservestoffe und den höchsten Inulingehalt in die Wurzeln eingelagert. Eine Ernte im Frühjahr ist ebenfalls möglich, liefert jedoch aufgrund des beginnenden Wiederaustriebs geringere Wirkstoffkonzentrationen.

Wie kann man Echten Mehltau im ökologischen Löwenzahnanbau ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel regulieren?

Im ökologischen Anbau stehen vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund: weite Reihenabstände (mindestens 30 cm) zur besseren Durchlüftung und die Vermeidung von Überkopfberegnung am Abend. Bei ersten Befallssymptomen im BBCH-Stadium 30–39 können Behandlungen mit zugelassenen Präparaten auf Basis von Netzschwefel oder Backpulver (Kaliumhydrogencarbonat) durchgeführt werden, um die Ausbreitung einzudämmen.

Welche Fruchtfolgebeschränkungen müssen beim Anbau von Taraxacum officinale beachtet werden?

Da Löwenzahn zu den Korbblütlern (Asteraceae) gehört, darf er nicht nach anderen Vertretern dieser Familie wie Salat, Zichorien, Sonnenblumen oder Topinambur angebaut werden, um die Übertragung von bodenbürtigen Erregern wie Sclerotinia sclerotiorum zu verhindern. Eine Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren zu Korbblütlern ist dringend einzuhalten. Ideale Vorfrüchte sind Getreide oder Gründüngungspflanzen wie Kreuzblütler.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Löwenzahn im Online-Portal?

Da Löwenzahn artenrechtlich oft als Gemüse- oder Arzneipflanze unter 'Sonderkulturen' eingestuft wird, sollten Sie in der Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gezielt nach Indikationszulassungen für 'frische Kräuter' oder 'Wurzelgemüse' suchen. Nutzen Sie auf unserer Plattform den Filter für zugelassene Anwendungen und gleichen Sie die aktuelle Zulassungssituation (z. B. Notfallzulassungen nach Art. 53 VO 1107/2009) ab.