Maibeere, Haskap
Die Maibeere oder Haskap-Beere (Lonicera caerulea, EPPO-Code: `LONCO`), im deutschen Sprachraum auch als Blaue Doppelbeere oder Blaue Heckenkirsche bekannt, gewinnt im mitteleuropäischen Erwerbsobstbau zunehmend an Bedeutung. Als extrem frostharte Kultur, deren Blüten Temperaturen von bis zu -7 °C schadlos überstehen, ermöglicht sie eine sehr frühe Ernte noch vor den ersten Erdbeeren. Die strauchartig wachsende Kultur stellt eine wertvolle Bereicherung für Direktvermarkter und den Lebensmitteleinzelhandel dar, da die länglichen, blau bereiften Früchte reich an Antioxidantien und Vitaminen sind.
Für einen erfolgreichen Anbau ist die Auswahl geeigneter Befruchtersorten entscheidend, da die Kultur weitgehend selbststeril ist. Die Etablierung erfolgt meist als mehrjährige Strauchkultur auf gut durchlässigen, humosen Böden. Durch die frühe Reife im Mai und Juni entgeht die Kultur oft dem Hauptdruck vieler sommerlicher Schaderreger, stellt jedoch spezifische Anforderungen an die mechanische Ernte und das Beikrautmanagement in der Etablierungsphase.
Bodenmanagement
Die Kultur bevorzugt gut durchlüftete, humose und mittelschwere Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da sie empfindlich auf Staunässe reagiert. Ein pH-Wert im schwach sauren bis neutralen Bereich (5,5 bis 6,5) ist optimal; im Gegensatz zur Kulturheidelbeere ist kein extrem saures Milieu erforderlich. Vor der Pflanzung empfiehlt sich eine großzügige Zufuhr von organischem Material wie Kompost, um die Bodenstruktur und das Wasserhaltevermögen zu verbessern. Eine Mulchauflage aus Rindenmulch oder Holzhackschnitzeln in der Reihe hilft, die Bodenfeuchtigkeit zu stabilisieren und den Unkrautdruck zu minimieren. Da das Wurzelsystem flach verläuft, muss jede mechanische Bodenbearbeitung im Traufbereich der Sträucher extrem flach erfolgen, um Wurzelschäden zu vermeiden.
Schaderreger-Management
Aufgrund der sehr frühen Reifezeit ist der Druck durch klassische Schaderreger bei dieser Kultur im Vergleich zu anderen Beerenobstarten meist geringer. Dennoch können Echter Mehltau und Grauschimmel (Botrytis cinerea) insbesondere in feuchten Frühjahren ertragsrelevante Schäden an Blättern und Früchten verursachen. Als tierische Schädlinge treten gelegentlich Frostspanner, Blattläuse sowie Vögel während der Fruchtreife auf, weshalb der Einsatz von Vogelschutznetzen im Erwerbsanbau Standard ist. Ein gezielter Pflanzenschutz erfordert eine regelmäßige Befallsüberwachung ab dem Knospenaufbruch (BBCH 07–09). Der Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel muss streng nach den Vorgaben des BVL erfolgen, wobei auf die Einhaltung der Wartezeiten und die Schonung von Bestäubern zu achten ist.
Sorten
Aurora
Mittelfrüh (Ende Mai bis Anfang Juni)Sehr hoch und regelmäßig (bis zu 4,5 kg/Strauch im Vollertrag)
Resistent gegen: Mehltau, Winterfrost
Anfällig für: Trockenstress
Hervorragende Befruchtersorte für die Boreal-Serie. Aufrechter Wuchs, sehr gut für die maschinelle Ernte geeignet. Geschmacklich eine der besten Sorten am Markt.
Boreal Beauty
Spät (Mitte bis Ende Juni)Hoch bis sehr hoch, ideal für die Späternte
Resistent gegen: Mehltau, Fruchtfall, Winterfrost
Anfällig für: Staunässe
Kanadische Züchtung mit sehr festen Früchten, die nicht vorzeitig abfallen. Blüht spät, wodurch Spätfröste komplett umgangen werden.
Boreal Beast
Mittel bis spät (Anfang bis Mitte Juni)Konstant hoch (ca. 3,5–4,0 kg/Strauch)
Resistent gegen: Mehltau, Windbruch
Anfällig für: Blattläuse
Perfekter Bestäubungspartner für 'Boreal Beauty'. Kräftiger Wuchs mit aufrechten Trieben und sehr aromatischen, süßen Früchten.
Vostorg
Sehr früh (Mitte bis Ende Mai)Gut bis sehr gut (ca. 2,5–3,5 kg/Strauch)
Resistent gegen: Winterfrost, Blütenfrost
Anfällig für: Vorzeitiger Fruchtfall
Russische Selektion mit exzellenter Frosthärte. Die Früchte sind groß, spindelförmig und lassen sich sehr leicht pflücken.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Warum müssen beim Anbau der Maibeere zwingend verschiedene Sorten kombiniert werden?
Die Kultur ist weitgehend selbststeril und auf Fremdbestäubung durch Hummeln und Wildbienen angewiesen. Für einen optimalen Fruchtansatz müssen mindestens zwei, besser drei genetisch unterschiedliche Sorten mit überschneidender Blütezeit in unmittelbarer Nähe (z. B. im Wechsel von 2 bis 3 Reihen) gepflanzt werden.
Wann und wie sollte der Verjüngungsschnitt bei Lonicera caerulea durchgeführt werden?
In den ersten 3 bis 4 Standjahren ist kein Schnitt erforderlich. Ab dem 5. Standjahr wird im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr ein Auslichtungsschnitt durchgeführt, bei dem die ältesten, vergreisten Triebe bodennah entfernt werden, um das Wachstum junger, ertragreicher Fruchttriebe zu fördern.
Wie lässt sich der optimale Erntezeitpunkt bestimmen, um saure Früchte zu vermeiden?
Die Früchte färben sich oft schon 1 bis 2 Wochen vor der eigentlichen Pflückreife tiefblau. Der optimale Erntezeitpunkt ist erst erreicht, wenn auch das Fruchtfleisch im Inneren vollständig durchgefärbt ist und sich der Zuckergehalt (Refraktometer-Messung empfohlen) stabilisiert hat.
Wie finde ich im Portal aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger bei dieser Sonderkultur?
Da die Maibeere rechtlich oft unter die Kategorie 'Strauchbeerenobst' fällt, können Sie im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach Anwendungen filtern, die für diese Obergruppe oder über Lückenindikationen nach § 22 Abs. 2 PflSchG für Lonicera-Arten zugelassen sind.
Welche Rolle spielt die Bewässerung während der kurzen Fruchtentwicklungsphase?
Da die Fruchtentwicklung in die meist niederschlagsarmen Monate Mai und Juni fällt, ist eine Tröpfchenbewässerung ab dem BBCH-Stadium 69 (Fruchtansatz) essenziell. Wassermangel in dieser Phase führt unweigerlich zu kleineren Früchten und einem vorzeitigen Abwurf der Beeren.