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Kultur

Maibeere, Haskap

Lonicera caerulea
LONCO

Lonicera caerulea (EPPO-Code: LONCO), im deutschsprachigen Raum meist als Haskap, Maibeere oder Blaue Doppelbeere bezeichnet, gewinnt im professionellen Erwerbsobstbau zunehmend an Bedeutung. Die Kultur stammt ursprünglich aus dem nordöstlichen Asien und Nordamerika, weshalb sie eine extreme Frosthärte von bis zu -45 °C aufweist. Auch die sehr frühen Blüten im Frühjahr ertragen Temperaturen von bis zu -8 °C schadlos, was sie zu einer hochinteressanten Alternative für spätfrostgefährdete Lagen macht.

Die walzenförmigen, tiefblauen Früchte reifen bereits ab Ende Mai vor allen anderen heimischen Strauchbeerenarten und zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Antioxidantien, Vitamin C und Anthocyanen aus. Für den kommerziellen Anbau ist eine sorgfältige Sortenwahl entscheidend, da Haskap-Kulturen weitgehend selbststeril sind und für einen optimalen Ertrag zwingend fremdbestäubt werden müssen. Es empfiehlt sich daher immer die Pflanzung von mindestens zwei bis drei zeitgleich blühenden Sorten in unmittelbarer Nachbarschaft.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Oktober bis November (bevorzugt) oder März bis April
Erntefenster
Ende Mai bis Anfang Juli
Reihenabstand
3,0–4,0 m x 1,0–1,5 m
Typischer Ertrag
3,0–5,0 t/ha (im 3. Jahr) bis zu 10,0–12,0 t/ha (ab dem 5. Jahr)
Wärmesumme (GDD)
1200 °C
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Haskap stellt im Vergleich zur Kulturheidelbeere deutlich geringere Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch humose, gut durchlässige und gleichmäßig feuchte Böden mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5. Schwere, zu Staunässe neigende Böden solltest du unbedingt meiden oder durch Dammkultur und Sandbeimischung verbessern, da die Wurzeln empfindlich auf Sauerstoffmangel reagieren. Eine großzügige Mulchauflage aus Rindenmulch oder Holzhackschnitzeln hilft dir, die Bodenfeuchtigkeit im flachgründigen Wurzelsystem zu stabilisieren und gleichzeitig den Unkrautdruck zu minimieren. Vor der Pflanzung empfiehlt sich eine gründliche organische Grunddüngung mit Kompost oder gut verrottetem Mist, um den Humusgehalt nachhaltig zu steigern. In den Folgejahren solltest du die Stickstoffdüngung moderat halten, um ein übermäßiges vegetatives Wachstum zu Lasten des Fruchtansatzes zu verhindern.

Schaderreger-Management

Obwohl Lonicera caerulea als ausgesprochen robuste Kultur gilt, treten mit zunehmender Anbaudichte vermehrt spezifische Schaderreger auf. Zu den wichtigsten pilzlichen Schaderregern gehört der Echte Mehltau, der besonders in feucht-warmen Sommern nach der Ernte das Laub schädigen kann und durch einen lichten Schnitt der Sträucher minimiert werden sollte. Bei den tierischen Schädlingen können Frostspannerraupen, Blattläuse und die Kirschessigfliege ertragsrelevante Schäden verursachen, weshalb du ab der Fruchtfärbung ein engmaschiges Monitoring durchführen solltest. Da für diese relativ neue Kultur im deutschsprachigen Raum nur wenige Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, musst du verstärkt auf vorbeugende Maßnahmen und gegebenenfalls auf Genehmigungen im Rahmen von Lückenindikationen setzen. Zudem stellt der Vogelfraß kurz vor der Ernte oft die größte Bedrohung dar, weshalb das rechtzeitige Überspannen der Anlagen mit Schutznetzen im professionellen Anbau meist unverzichtbar ist.

Sorten

Aurora

Mittelfrüh

Sehr hoch (ca. 3,5–4,0 kg/Strauch im Vollertrag)

Resistent gegen: Echter Mehltau, Winterfrost

Anfällig für: Sonnenbrand

Hervorragende Bestäubersorte für viele russische und kanadische Züchtungen. Aufrechter Wuchs, sehr gut für die maschinelle Ernte geeignet. Geschmacklich eine der besten Sorten am Markt.

Honeybee

Mittelfrüh

Hoch und regelmäßig (ca. 3,0–3,5 kg/Strauch)

Resistent gegen: Echter Mehltau, Fruchtfall

Anfällig für: Blattläuse

Wurde speziell als Bestäubersorte für 'Aurora' und die 'Boreal'-Serie gezüchtet. Hält die Früchte sehr lange am Strauch, ohne dass sie abfallen.

Boreal Beast

Spät

Sehr hoch (bis zu 4,5 kg/Strauch)

Resistent gegen: Echter Mehltau, Windbruch

Anfällig für: Staunässe

Kanadische Premium-Sorte mit sehr kräftigem Wuchs und dicken, aromatischen Früchten. Blüht zeitgleich mit 'Boreal Beauty' und 'Boreal Blizzard'.

Boreal Beauty

Sehr spät

Hervorragend (4,0–5,0 kg/Strauch)

Resistent gegen: Echter Mehltau, Fruchtfall

Anfällig für: Spätfrühlingstrockenheit

Späteste Sorte der Boreal-Serie, wodurch die Erntezeit bis weit in den Juli verlängert werden kann. Die Früchte sind extrem fest und eignen sich perfekt für die maschinelle Ernte.

Vostorg

Früh

Gut bis sehr gut (ca. 2,5–3,0 kg/Strauch)

Resistent gegen: Winterfrost, Dürre

Anfällig für: Fruchtfall, Vogelfraß

Russische Züchtung mit charakteristisch spindelförmigen, sehr süßen Früchten. Reift extrem früh ab Ende Mai und lässt sich leicht abschütteln.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie stellst du eine erfolgreiche Bestäubung in deiner Haskap-Anlage sicher?

Da die Kultur weitgehend selbststeril ist, musst du mindestens zwei, besser drei genetisch unterschiedliche Sorten pflanzen, deren Blütezeiten sich überschneiden. Platziere die Bestäubersorten idealerweise in abwechselnden Reihen oder mische sie im Verhältnis 1:3 in der Reihe ein. Da Haskap extrem früh im Jahr blüht, wenn heimische Honigbienen oft noch inaktiv sind, solltest du gezielt Hummelvölker oder Wildbienen in der Anlage ansiedeln, da diese bereits bei Temperaturen ab 4 bis 6 °C zuverlässig fliegen.

Worauf musst du beim Schnitt von Lonicera caerulea besonders achten?

In den ersten drei bis vier Jahren benötigt die Kultur kaum Schnittmaßnahmen, abgesehen vom Entfernen bodennaher oder beschädigter Triebe. Ab dem fünften Standjahr solltest du jährlich im Spätwinter ein Drittel der ältesten, vergrauten Triebe bodennah herausschneiden, um Platz für junges, ertragreiches Fruchtholz zu schaffen. Achte darauf, das Strauchinnere stets licht zu halten, da dies die Abtrocknung des Laubs beschleunigt und somit dem Echten Mehltau vorbeugt.

Wie gehst du vor, wenn für ein akutes Problem kein Pflanzenschutzmittel direkt für Haskap zugelassen ist?

Da Haskap in Deutschland als Nischenkultur gilt, gibt es nur wenige direkt zugelassene Pflanzenschutzmittel. Du kannst in diesem Fall beim zuständigen Pflanzenschutzdienst deines Bundeslandes eine Genehmigung im Einzelfall nach § 22 Abs. 2 PflSchG (Lückenindikation) beantragen. Alternativ solltest du im Online-Portal des BVL prüfen, ob Zulassungen für die Obergruppe 'Strauchbeerenobst' vorliegen, die oft auch für die Blaue Heckenkirsche Gültigkeit besitzen.

Warum fallen bei manchen Sorten die Früchte vor der Ernte ab und wie verhinderst du das?

Der vorzeitige Fruchtfall ist eine genetische Eigenschaft, die besonders bei älteren russischen Sorten stark ausgeprägt ist, um die manuelle Ernte durch Abschütteln zu erleichtern. Wenn du die Früchte frisch vermarkten und von Hand pflücken willst, solltest du bei der Neuanlage gezielt auf modernere kanadische Sorten setzen, die eine deutlich festere Fruchtanheftung besitzen. Zudem hilft eine gleichmäßige Bewässerung während der Reifephase, stressbedingten Fruchtfall zu minimieren.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Pflegemaßnahmen?

Aufgrund des extrem frühen Vegetationsstarts erreicht die Kultur das BBCH-Stadium 60 (Blühbeginn) oft schon im März oder April. Pflanzenschutzanwendungen gegen Schaderreger wie Frostspanner müssen zwingend vor der Blüte (BBCH 51–59) erfolgen, um Bestäuber zu schützen. Blattdünger-Applikationen zur Förderung des Fruchtansatzes platzierst du am besten direkt nach der Blüte im BBCH-Stadium 69 bis 71, um die Zellteilung in den jungen Früchten optimal zu unterstützen.

Wie schützt du deine reifenden Früchte effektiv vor Vogelfraß?

Da Haskap-Beeren die ersten blauen Früchte im Frühjahr sind, ziehen sie Vögel wie Stare und Amseln magisch an. Akustische oder visuelle Abwehrmethoden zeigen meist nur einen kurzzeitigen Gewöhnungseffekt. Die einzig verlässliche Methode im Erwerbsanbau ist das vollständige Einnetzen der Anlage mit feinmaschigen Schutznetzen ab dem BBCH-Stadium 81 (Beginn der Fruchtfärbung).