Mizuna
Brassica rapa subsp. nipposinica (EPPO-Code: BRSNO), im deutschsprachigen Raum meist als Mizuna oder Japankohl bezeichnet, gewinnt im professionellen Erwerbsanbau als schnellwüchsige, feingliedrige Blattkohl-Kultur zunehmend an Bedeutung. Die Kultur zeichnet sich durch stark geschlitzte, hellgrüne bis rötliche Blätter aus und wird primär für den Frischmarkt als Bestandteil von Baby-Leaf-Salatmischungen kultiviert. Durch die kurze Entwicklungszeit eignet sich Mizuna hervorragend als Vor-, Zwischen- oder Nachkultur im Freiland sowie im geschützten Anbau unter Glas oder Folie.
Botanisch gehört die Kultur zu den Kreuzblütlern (Brassicaceae) und teilt daher viele physiologische Eigenschaften sowie phytosanitäre Risiken mit anderen Kohlgewächsen. Die Ernte erfolgt entweder im sehr frühen Stadium als Baby-Leaf nach etwa 3 bis 5 Wochen oder als voll entwickelte Rosette. Für den ganzjährigen Anbau in Mitteleuropa ist eine präzise Steuerung der Aussatztermine entscheidend, um Schossen (vorzeitige Blütenbildung) bei Langtagbedingungen und niedrigen Temperaturen im Frühjahr zu vermeiden.
Bodenmanagement
Mizuna stellt als schnellwachsende Kultur mittlere bis hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und die Nährstoffverfügbarkeit. Optimal sind humose, gut durchlüftete Lehmböden mit gleichmäßiger Wasserführung, da Trockenstress sofort zu Qualitätsverlusten und vorzeitigem Schossen führt. Eine moderate Stickstoffdüngung von etwa 80 bis 100 kg N/ha ist für die Erzeugung knackiger, nitratarmer Blätter meist ausreichend und sollte vorzugsweise organisch oder in leicht verfügbarer Form zur Saat ausgebracht werden. Aufgrund der kurzen Standzeit ist eine tiefe Bodenbearbeitung direkt vor der Saat zu vermeiden, um die Kapillarität des Bodens für eine schnelle Keimung nicht zu stören. Ein feinkrümeliges Saatbett ist unerlässlich, insbesondere bei der flachen Präzisionssaat für den Baby-Leaf-Anbau.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei dieser Kultur fokussiert sich stark auf die Abwehr von typischen Kreuzblütler-Schaderregern, wobei die kurze Kulturzeit den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel stark einschränkt. Gegen den Erdfloh (Phyllotreta spp.) und die Kohlfliege (Delia radicum) hat sich der konsequente Einsatz von Kulturschutznetzen direkt nach der Saat als effektivste mechanische Maßnahme etabliert. Pilzliche Schaderreger wie Falscher Mehltau (Hyaloperonospora brassicae) und die Blattfleckenkrankheit (Alternaria brassicicola) müssen durch weite Fruchtfolgen, angepasste Reihenweiten und eine bedarfsgerechte Beregnung in den Morgenstunden präventiv reguliert werden. Da Rückstandshöchstmengen (MRL) bei Blattgemüse streng überwacht werden, sollten biologische Pflanzenschutzmittel und nützlingsschonende Präparate bevorzugt werden. Regelmäßige Feldbegehungen ab dem BBCH-Stadium 12 sind entscheidend, um einen Befall mit saugenden Schädlingen wie der Mehligen Kohlblattlaus frühzeitig zu erkennen.
Sorten
Mizuna Green
Sehr früh (30–40 Tage)Sehr ertragreich bei hoher Bestandsdichte, ideal für mehrfachen Schnitt.
Anfällig für: Falscher Mehltau, Erdflöhe
Der bewährte Standard im Erwerbsanbau mit fein geschlitzten, hellgrünen Blättern und mildem Geschmack.
Mizuna Red
Früh bis mittelfrüh (35–45 Tage)Etwas geringerer Ertrag als grüne Typen, aber hoher Marktwert durch optische Qualität.
Anfällig für: Falscher Mehltau, Kohlhernie
Attraktive Sorte mit rötlich-violetten Blättern und grünen Stielen, bringt Farbe in Baby-Leaf-Mischungen.
Kyoto
Mittelfrüh (40–45 Tage)Konstanter Ertrag auch unter Hitzestress.
Resistent gegen: Schossen
Anfällig für: Erdflöhe
Japanische Züchtung mit exzellenter Schossfestigkeit im Sommeranbau und sehr feiner Blattstruktur.
Waido
Mittelfrüh (40–50 Tage)Hohes Einzelpflanzengewicht bei Ernte als Ganzpflanze.
Resistent gegen: Kälte
Anfällig für: Blattfleckenkrankheit
Wüchsige Sorte mit etwas breiteren Blattstielen, sehr gut geeignet für den Herbstanbau und leichten Frost.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie lässt sich das Schossen (vorzeitige Blütenbildung) bei Mizuna im Frühjahr verhindern?
Mizuna reagiert als Langtagpflanze empfindlich auf niedrige Temperaturen in der Jugendphase (Vernalisation unter 10 °C) gefolgt von zunehmender Tageslänge. Im frühen Frühjahr sollte die Kultur daher unter Vlies oder Folie etabliert werden, um die Temperaturen über dem kritischen Niveau zu halten. Zudem schützt eine kontinuierliche Wasserversorgung vor stressinduziertem Schossen.
Welche Besonderheiten gelten für die Einhaltung der Wartezeiten (PHI) bei Mizuna?
Aufgrund der extrem kurzen Kulturzeit von oft nur 30 Tagen im Sommer verbietet sich der Einsatz vieler klassischer Pflanzenschutzmittel. Es dürfen nur Präparate gewählt werden, deren gesetzliche Wartezeit deutlich unter der verbleibenden Standzeit liegt. Viele Erzeuger setzen daher ausschließlich auf physikalische Barrieren wie Kulturschutznetze und biologische Pflanzenschutzmittel mit einer Wartezeit von 0 bis 3 Tagen.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Nutzen Sie die Suchmaske im Hub und filtern Sie nach der Kulturgruppe 'Blattgemüse' oder gezielt nach 'Mizuna / Japankohl' (EPPO-Code: BRSNO). Da Zulassungen häufig für die übergeordnete Gruppe der frischen Kräuter oder Salate erteilt werden, sollten Sie stets prüfen, ob die spezifische Anwendung für Brassica-Arten im Baby-Leaf-Bereich freigegeben ist.
Ab welchem BBCH-Stadium ist der optimale Erntezeitpunkt für den Baby-Leaf-Markt erreicht?
Für den Baby-Leaf-Markt erfolgt die Ernte meist im BBCH-Stadium 13 bis 15 (Entwicklung von 3 bis 5 Laubblättern), bevor sich die Rosette schließt. Zu diesem Zeitpunkt sind die Blätter besonders zart und weisen die typische feine Schlitzung auf, ohne zäh oder zu scharf im Geschmack zu werden.
Kann Mizuna nach dem ersten Schnitt regenerieren und ein zweites Mal geerntet werden?
Ja, ein zweiter Schnitt ist im professionellen Anbau möglich, sofern der Vegetationspunkt beim ersten Schnitt (ca. 2–3 cm über dem Boden) nicht beschädigt wurde. Nach dem ersten Schnitt ist eine sofortige Bewässerung und ggf. eine leichte, schnell wirksame Stickstoffgabe erforderlich, um den Wiederaustrieb zu stimulieren. Die Qualität des zweiten Schnitts ist jedoch oft heterogener.
Welche Rolle spielt die Fruchtfolgegestaltung bei der Vermeidung von Kohlhernie?
Da Mizuna zur Familie der Brassicaceae gehört, ist sie voll empfänglich für den Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae). Es muss eine strikte Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Kohlgewächsen, Raps oder Senf-Gründüngungen eingehalten werden. Auf sauren Böden ist das Risiko besonders hoch, weshalb der pH-Wert durch Kalkung im optimalen Bereich gehalten werden sollte.