Ramtillkraut
Das Abessinische Ramtillkraut (Guizotia abyssinica), in der landwirtschaftlichen Praxis auch unter dem EPPO-Code GUIAB bekannt, ist eine einjährige, krautige Kultur aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ursprünglich in den Hochländern Ostafrikas beheimatet, hat sich diese Kultur in Mitteleuropa zu einer der beliebtesten Zwischenfrüchte im modernen Ackerbau entwickelt. Sie zeichnet sich durch ein extrem rasches Jugendwachstum, eine tiefe Pfahlwurzel und eine hervorragende Unkrautunterdrückung aus, was sie zu einem wertvollen Werkzeug für den Bodenschutz und die Humusmehrung macht.
Da das Ramtillkraut hochgradig frostempfindlich ist, friert es beim ersten nennenswerten Nachtfrost im Spätherbst zuverlässig ab. Dies erleichtert dir die pfluglose Folgesaat im Frühjahr erheblich, da keine lebenden Pflanzenrückstände die Aussaat der Hauptkultur behindern. Zudem ist die Kultur aufgrund ihrer botanischen Zugehörigkeit zu den Asteraceen hervorragend für weite, kreuzblütlerfreie Fruchtfolgen geeignet, wodurch du das Risiko von Fruchtfolgekrankheiten wie der Kohlhernie im Betrieb effektiv minimieren kannst.
Bodenmanagement
Ramtillkraut stellt geringe Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch gut durchlüftete, mittelschwere Böden mit einer guten Wasserführung. Für eine erfolgreiche Etablierung solltest du ein feinkrümeliges Saatbett herstellen, um den feinen Samen einen optimalen Bodenschluss zu garantieren. Da die Kultur empfindlich auf Staunässe und extreme Bodenverdichtungen reagiert, ist eine tiefe Lockerung vor der Aussaat bei verdichteten Flächen ratsam. Eine moderate Stickstoffdüngung von 30–50 kg N/ha fördert die schnelle Biomassebildung im Spätsommer, ist jedoch auf nitratempfindlichen Flächen im Rahmen der Düngeverordnung oft reglementiert. Durch das tiefe und fein verzweigte Wurzelsystem trägt die Kultur aktiv zur Verbesserung der Bodenstruktur und zur Stabilisierung von Aggregaten bei.
Schaderreger-Management
Im mitteleuropäischen Zwischenfruchtanbau treten Schaderreger an dieser Kultur nur selten ertragsrelevant auf, was den Pflanzenschutzaufwand minimiert. Gelegentlich können Schnecken in der empfindlichen Keimlingsphase Schäden verursachen, weshalb du die Bestände direkt nach dem Auflaufen regelmäßig kontrollieren solltest. Da für Ramtillkraut als Zwischenfrucht kaum chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, steht die mechanische und pflanzenbauliche Vorbeugung im Vordergrund. Die weite Verwandtschaft zu den typischen Hauptkulturen wie Raps oder Getreide verhindert die Vermehrung von Fruchtfolgekrankheiten wie Kohlhernie oder Halmbruch. Sollte ein starker Unkrautdruck herrschen, unterdrückt die Kultur diesen meist durch ihr extrem schnelles Jugendwachstum und die rasche Bodenbedeckung von selbst.
Sorten
Gisela
mittelfrühHohe Biomasseleistung im Zwischenfruchtanbau
Resistent gegen: Kohlhernie, Nematoden
Anfällig für: Spätfrost, Staunässe
Sehr rasche Bodenbedeckung und hervorragende Unkrautunterdrückung. Friert im Winter absolut sicher ab.
Polka
mittelfrüh bis spätSehr hohe Trockenmasseerträge bei ausreichender Feuchtigkeit
Resistent gegen: Kohlhernie
Anfällig für: Frost, Trockenheit
Wird besonders für den Einsatz in Wasserschutzgebieten empfohlen, da sie freien Stickstoff im Herbst exzellent bindet.
Niko
frühGute, schnelle Anfangsentwicklung auch bei kühlerer Witterung
Resistent gegen: Kohlhernie
Anfällig für: Frost, Staunässe
Blüht relativ früh ab und eignet sich hervorragend für spätere Aussaattermine bis Ende August.
Ramosa
mittelHervorragende oberirdische Biomassebildung
Resistent gegen: Kohlhernie
Anfällig für: Frost
Stark verzweigende Sorte mit hoher Blattfülle, ideal zur intensiven Beschattung des Bodens und Unkrautunterdrückung.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Warum eignet sich Ramtillkraut besonders gut für Fruchtfolgen mit Raps?
Da Ramtillkraut botanisch zu den Korbblütlern (Asteraceae) gehört, ist es mit Kreuzblütlern wie Raps nicht verwandt. Dadurch unterbricht es die Infektionsketten wichtiger Schaderreger wie der Kohlhernie (*Plasmodiophora brassicae*) oder von *Verticillium*. Du kannst es daher bedenkenlos als Zwischenfrucht vor oder nach Raps in deine Fruchtfolge integrieren, ohne ein erhöhtes Krankheitsrisiko für deine Hauptkulturen zu befürchten.
Wie reagiert die Kultur auf Frost und was bedeutet das für deine Nachfolgekultur?
Ramtillkraut ist extrem frostempfindlich und stirbt bereits bei Temperaturen von unter -2 °C bis -3 °C zuverlässig ab. Die Pflanzen brechen im Winter zusammen und bilden eine schützende, leicht rottefähige Mulchauflage auf dem Boden. Für dich bedeutet das einen minimalen Arbeitsaufwand im Frühjahr: Du kannst die Folgekultur meist direkt per Direktsaat oder nach einer sehr flachen Bodenbearbeitung einsäen, ohne dass lebende Pflanzenrückstände den Feldaufgang stören.
Welche Rolle spielt die Aussaattiefe bei der Etablierung von Ramtillkraut?
Da es sich bei den Samen um sehr feines Saatgut handelt (Tausendkornmasse ca. 2,5 bis 3,5 g), liegt die optimale Aussaattiefe bei nur 1 bis 2 cm. Säest du zu tief, reicht die Triebkraft der Keimlinge oft nicht aus, um die Erdoberfläche zu durchbrechen. Achte darauf, den Boden nach der Aussaat bei trockenen Bedingungen leicht anzuwalzen, um den lebensnotwendigen Bodenschluss und eine gleichmäßige Keimung zu sichern.
Gibt es zugelassene Pflanzenschutzmittel für Ramtillkraut im Zwischenfruchtanbau?
Im klassischen Zwischenfruchtanbau sind in Deutschland praktisch keine chemischen Pflanzenschutzmittel (wie Herbizide oder Fungizide) für diese Kultur zugelassen. Das ist jedoch meist auch nicht notwendig, da die Kultur durch ihr extrem schnelles Jugendwachstum Unkräuter effektiv unterdrückt. Solltest du Schaderreger auf der Plattform farmable.tech suchen, filtere gezielt nach mechanischen Maßnahmen oder biologischen Optionen, die für den Zwischenfruchtanbau zulässig sind.
Wie hoch ist der Wasserbedarf von Ramtillkraut während der Keimphase?
Für die Keimung benötigt das Saatgut aufgrund seiner geringen Größe relativ wenig absolute Wassermengen, reagiert aber empfindlich auf ein schnelles Austrocknen des Keimbettes. Nach dem Auflaufen zeigt sich die Kultur erstaunlich trockenheitstolerant, da sie schnell eine tiefe Pfahlwurzel ausbildet. Dennoch solltest du die Aussaat idealerweise vor angekündigten Niederschlägen einplanen, um einen zügigen und lückenlosen Feldaufgang zu garantieren.