Ramtillkraut
Guizotia abyssinica, im deutschsprachigen Raum meist als Ramtillkraut oder Nigersaat bekannt (EPPO-Code: GUIAB), ist eine einjährige, krautige Kultur aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ursprünglich im äthiopischen Hochland beheimatet, hat sich diese Kultur in Mitteleuropa zu einer äußerst wertvollen und vielseitigen Zwischenfrucht etabliert. Sie zeichnet sich durch ein rasches Jugendwachstum, eine hervorragende Unkrautunterdrückung und eine tiefe, intensive Durchwurzelung des Bodens aus. Da sie absolut frostempfindlich ist, friert sie beim ersten nennenswerten Frost im Spätherbst zuverlässig ab, was die pfluglose Folgebearbeitung im Frühjahr erheblich erleichtert.
Neben der Nutzung als Gründüngung zur Humusanreicherung und zum Erosionsschutz wird das Ramtillkraut weltweit auch als Ölpflanze geschätzt. Die fettsäurereichen Samen finden primär Verwendung als hochwertiges Vogelfutter oder zur Gewinnung von Speiseöl. Im mitteleuropäischen Kontext steht jedoch der pflanzenbauliche Nutzen im Rahmen von Fruchtfolgen im Vordergrund. Da Ramtillkraut mit keiner der klassischen Hauptkulturen verwandt ist, eignet es sich hervorragend als Gesundungskultur zur Unterbrechung von Infektionsketten verschiedener Schaderreger.
Bodenmanagement
Ramtillkraut stellt geringe Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch gut durchlüftete, mittelschwere Böden mit neutralem bis leicht saurem pH-Wert. Extrem staunasse oder stark verdichtete Standorte sollten gemieden werden, da die Kultur empfindlich auf Sauerstoffmangel im Wurzelraum reagiert. Für eine erfolgreiche Etablierung ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett entscheidend, um den notwendigen Bodenschluss für die feinen Samen zu gewährleisten. Eine moderate Stickstoffdüngung von 40 bis 60 kg N/ha fördert die schnelle Biomassebildung im Zwischenfruchtanbau, ist jedoch auf nitratsensiblen Flächen gemäß der Düngeverordnung anzupassen. Durch das tiefe Pfahlwurzelsystem trägt die Kultur aktiv zur Verbesserung der Bodenstruktur und zur Erschließung tieferer Nährstoffschichten bei.
Schaderreger-Management
Aufgrund der fehlenden Verwandtschaft zu typischen Hauptkulturen treten im mitteleuropäischen Anbau kaum nennenswerte Schaderreger auf, was den Pflanzenschutzaufwand minimiert. Gelegentlich können Schneckenfraß in der empfindlichen Keimphase oder Infektionen durch polyphage Pilze wie Sclerotinia sclerotiorum auftreten, weshalb auf einen ausreichenden Abstand zu anfälligen Kulturen wie Raps oder Sonnenblumen geachtet werden sollte. Eine chemische Unkrautregulierung ist in der Regel nicht erforderlich, da das extrem rasche Jugendwachstum der Kultur den Boden schnell beschattet und auflaufende Unkräuter effektiv unterdrückt. Sollten dennoch spezifische Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln notwendig sein, ist die aktuelle Zulassungssituation für die jeweilige Nutzungsrichtung (insbesondere bei Futternutzung) streng zu prüfen.
Sorten
Gisela
spät blühendHohe Biomasseleistung im Zwischenfruchtanbau
Anfällig für: Frost
Sehr bewährte Sorte für den Zwischenfruchtanbau in Deutschland. Zeichnet sich durch eine schnelle Bodenbedeckung und zuverlässiges Abfrieren im Winter aus.
Kranich
mittelfrühGute Trockenmasseerträge
Anfällig für: Frost
Zugelassene Sorte mit rascher Jugendentwicklung, ideal zur Unkrautunterdrückung vor Spätsaat-Folgekulturen.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Warum eignet sich Ramtillkraut besonders gut für den Anbau in Wasserschutzgebieten?
Ramtillkraut besitzt ein tiefreichendes Pfahlwurzelsystem, das in der Lage ist, verbliebene Stickstoffdepots aus den oberen und mittleren Bodenschichten nach der Hauptfruchternte effizient aufzunehmen und organisch zu binden. Dies verhindert die Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser über die winterliche Niederschlagsperiode hinweg sehr wirksam.
Wie verhält sich die Kultur bei Frost und was ist bei der Nachfolgekultur zu beachten?
Die Kultur ist extrem frostempfindlich und stirbt bereits bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt (ca. -2 °C) vollständig ab. Die Pflanzen brechen über den Winter zusammen und bilden eine schützende Mulchauflage, die sich im Frühjahr sehr leicht mit einer Scheibenegge oder im Direktsaatverfahren bearbeiten lässt, ohne dass ein Herbizideinsatz zur Abtötung nötig ist.
Kann Ramtillkraut in engen Rapsfruchtfolgen integriert werden?
Obwohl Ramtillkraut als Korbblütler nicht mit Raps verwandt ist, ist Vorsicht geboten, da beide Kulturen potenzielle Wirtspflanzen für den Pilz Sclerotinia sclerotiorum (Weißstängeligkeit) sind. In engen Rapsfruchtfolgen sollte daher der Anteil an Ramtillkraut begrenzt oder auf alternative Zwischenfrüchte ausgewichen werden, um das Infektionspotenzial im Boden nicht unnötig zu erhöhen.
Welche Aussaattechnik liefert die besten Feldaufgänge bei dieser Kultur?
Da es sich bei Ramtillkraut um einen Licht- und Feinkornkeimer handelt, liegt die optimale Saat-Tiefe bei lediglich 1 bis 2 cm. Eine präzise Drillsaat mit nachfolgender Walzung ist der Breitsaat deutlich überlegen, da sie den notwendigen Bodenschluss garantiert und ein schnelles Austrocknen des Keimlings verhindert.
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel für Ramtillkraut?
Da Ramtillkraut in Deutschland meist als Zwischenfrucht ohne direkte Erntenutzung angebaut wird, sind chemische Pflanzenschutzmittelanwendungen selten regulär zugelassen. Sie können im Portal über die Filterfunktion nach der Kulturkategorie 'Ackerbau/Zwischenfrüchte' suchen oder gezielt nach Notfallzulassungen nach Art. 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 filtern, falls eine spezifische Indikation vorliegt.
Welche Rolle spielt Ramtillkraut bei der Erfüllung von Umweltauflagen (z. B. GLÖZ)?
Als schnellwüchsige Zwischenfrucht eignet sich Ramtillkraut hervorragend zur Erfüllung der Mindestbodenbedeckung (GLÖZ 6) und zur Bereitstellung von Biodiversitätsflächen. Da sie nach dem Abfrieren eine dichte Mulchschicht hinterlässt, schützt sie den Boden vor Erosion und erfüllt somit die strengen Auflagen des modernen Cross-Compliance-Rahmens.