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Kultur

Reineclaude

Prunus domestica subsp. italica
PRNDI

Die Reineclaude (Prunus domestica subsp. italica, EPPO-Code: PRNDI), im deutschsprachigen Raum auch als Reneklode oder Rundpflaume bekannt, stellt eine edle und anspruchsvolle Unterart der Pflaume dar. Im mitteleuropäischen Erwerbsobstbau nimmt diese Kultur aufgrund ihrer herausragenden Fruchtqualität, des extrem hohen Zuckergehalts und des feinen Aromas eine exklusive Nische ein. Die meist rundlichen, grüngelben bis violetten Früchte sind besonders im Premium-Frischmarkt und in der handwerklichen Verarbeitung gefragt, erfordern jedoch aufgrund ihrer physiologischen Besonderheiten eine hochspezialisierte Betriebsführung.

Da Reineclauden im Vergleich zu klassischen Zwetschen empfindlicher auf Spätfröste reagieren und eine ausgeprägte Neigung zur Alternanz zeigen, sind der Standort und die Kulturführung entscheidende Erfolgsfaktoren. Ein ausgewogener Schnitt, eine präzise Steuerung des Behangs im BBCH-Stadium 71 bis 73 sowie ein konsequenter Schutz vor pilzlichen Schaderregern sind unerlässlich, um Jahr für Jahr stabile Erträge und rissfreie, marktfähige Früchte zu erzielen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
November bis März (frostfreie Phasen im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr)
Erntefenster
August bis September
Reihenabstand
4,0–5,0 m x 2,0–3,0 m
Typischer Ertrag
15–25 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1350 °C
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Die Kultur bevorzugt tiefgründige, nährstoffreiche und gut durchlüftete Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da Staunässe zwingend vermieden werden muss. Eine regelmäßige Humuszufuhr durch organische Düngung oder den gezielten Aufbau einer Begrünungsmischung in den Fahrgassen fördert das Bodenleben und stabilisiert das Bodengefüge. In trockenen Sommern ist eine Zusatzbewässerung, insbesondere während der Fruchtentwicklungsphase (BBCH 71–79), entscheidend für die Fruchtgröße und zur Vermeidung von Trockenstress. Bodenanalysen sollten alle drei Jahre durchgeführt werden, um die Zufuhr von Hauptnährstoffen wie Kalium und Stickstoff exakt an den Entzug der Bäume anzupassen. Ein ausgewogenes Stickstoffangebot verhindert ein übermäßiges vegetatives Wachstum, welches die Anfälligkeit für Schaderreger erhöhen würde.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz bei Reineclauden konzentriert sich primär auf die vorbeugende Regulierung von Pilzkrankheiten wie Monilia-Fruchtfäule und die Narrenkrankheit sowie auf das Management des Scharka-Virus. Gegen pilzliche Schaderreger sind gezielte Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln ab der Blüte (BBCH 61) bis kurz vor der Ernte unter Beachtung der Wartezeit erforderlich. Ein konsequenter Schnitt zur Förderung einer luftigen Baumkrone beschleunigt das Abtrocknen des Laubs und reduziert den Infektionsdruck erheblich. Tierische Schaderreger wie der Pflaumenwickler werden mittels Pheromonfallen überwacht, um den optimalen Anwendungszeitpunkt für Insektizide oder den Einsatz von Verwirrungstechniken zu bestimmen. Zudem ist eine mechanische oder chemische Fruchtausdünnung wichtig, um dichte Fruchtklumpen zu vermeiden, die als Infektionsherde für Fäulniserreger dienen.

Sorten

Große Grüne Reneklode

Ende August bis Mitte September

Mittelhoch, oft unregelmäßig und stark alternierend bei mangelnder Ausdünnung.

Anfällig für: Monilia-Fruchtfäule, Scharka-Virus, Platzregen

Alte, weltweit geschätzte Edelsorte mit hervorragendem, süß-würzigem Aroma. Selbststeril, benötigt gute Befruchter wie 'The Czar' oder 'Oullins Reneklode'.

Oullins Reneklode

Mitte bis Ende August

Früh einsetzend, hoch und im Vergleich zu anderen Reineclauden relativ regelmäßig.

Resistent gegen: Holzfrost

Anfällig für: Monilia-Fruchtfäule, Scharka-Virus, Windbruch

Sehr starkwüchsige, selbstfruchtbare Sorte, die auch als hervorragender Pollenspender für andere Reineclauden dient. Größere, gelbe Früchte.

Graf Althanns Reneklode

Mitte bis Ende August

Mittelhoch bis hoch, neigt jedoch ohne gezielte Regulierung stark zur Alternanz.

Anfällig für: Monilia-Fruchtfäule, Scharka-Virus, Platzregen

Attraktive, rötlich-blauviolett gefärbte Frucht mit exzellentem Geschmack. Benötigt warme Standorte und Fremdbefruchtung.

Bavays Reneklode

Mitte bis Ende September

Regelmäßig hoch, setzt oft zu reichlich an und erfordert konsequente Ausdünnung.

Anfällig für: Monilia-Fruchtfäule, Scharka-Virus

Spätreifende, selbstfruchtbare Sorte mit grüngelben, sehr süßen Früchten. Hervorragend für den späten Frischmarkt geeignet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie wird die Alternanz bei Reineclauden im Erwerbsanbau effektiv gesteuert?

Die ausgeprägte Alternanzneigung dieser Kultur erfordert eine konsequente Fruchtausdünnung im Frühsommer. Eine mechanische oder chemische Ausdünnung im BBCH-Stadium 71 bis 73 (nach dem natürlichen Junifall) reduziert den Fruchtbehang so weit, dass der Baum ausreichend Assimilate für die Knospeninduktion des Folgejahres bereitstellen kann. Dies sichert nicht nur stabile Erträge im nächsten Jahr, sondern verbessert auch die Fruchtgröße und den Zuckergehalt der aktuellen Ernte signifikant.

Welche Rolle spielt das Scharka-Virus bei Reineclauden und wie sieht die Bekämpfungsstrategie aus?

Das Scharka-Virus (PPV) stellt eine existenzielle Bedrohung für den Reineclaudenanbau dar, da infizierte Früchte vorzeitig abfallen, geschmacksneutral werden und typische pockennarbige Einsenkungen zeigen. Da eine direkte viruzide Behandlung nicht möglich ist, basiert die Strategie auf der Verwendung von zertifiziertem, virusfreiem Pflanzgut, der konsequenten Vektorenbekämpfung (Blattläuse) im Frühjahr sowie dem sofortigen Roden und Vernichten infizierter Bäume, um eine weitere Ausbreitung in der Anlage zu verhindern.

Wie lässt sich das Platzen der Früchte kurz vor der Ernte verhindern?

Reineclauden reagieren aufgrund ihrer dünnen Fruchthaut und des hohen Zuckergehalts extrem empfindlich auf Niederschläge in der Reifephase (BBCH 81–89). Ein plötzliches Wasserangebot führt zu osmotischem Druck und zum Aufplatzen der Früchte, was sekundäre Infektionen durch Monilia begünstigt. Im professionellen Anbau wird dem durch eine kontrollierte Tröpfchenbewässerung zur Vermeidung von Feuchtigkeitsschwankungen im Boden sowie zunehmend durch den Einsatz von Regenschutzfolien über den Baumreihen entgegengewirkt.

Welche Befruchterverhältnisse müssen bei der Planung einer Reineclauden-Anlage berücksichtigt werden?

Viele hochwertige Reineclauden-Sorten wie die 'Große Grüne Reneklode' sind selbststeril und auf Fremdbestäubung angewiesen. Bei der Anlageplanung müssen daher kompatible Befruchtersorten wie 'Oullins Reneklode' oder universelle Pflaumen-Befruchter wie 'The Czar' im Verhältnis von mindestens 1:8 eingepflanzt werden. Zudem sollte die Flugaktivität von Wildbienen und Hummeln durch das Aufstellen von Nisthilfen und das Schonen von Blühstreifen im zeitigen Frühjahr aktiv gefördert werden.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen spezifische Schaderreger bei Reineclauden?

Da Reineclauden botanisch zu den Pflaumen (Prunus domestica) gehören, gelten für sie in der Regel dieselben Zulassungsbestimmungen des BVL wie für Zwetschen und Pflaumen. Suchen Sie in unserer Datenbank nach der übergeordneten Kulturgruppe „Steinobst“ oder gezielt nach „Pflaume“, um alle aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel, deren spezifische Aufwandmengen, maximale Anwendungen pro Saison sowie die einzuhaltenden Wartezeiten einzusehen.