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Kultur

Sesam

Sesamum indicum
SEGIN

Der gemeine Sesam (Sesamum indicum, EPPO-Code: `SEGIN`) gehört zu den ältesten Ölpflanzen der Welt und gewinnt im Zuge des Klimawandels auch in wärmebegünstigten Regionen Mitteleuropas als Nischenkultur an Bedeutung. Die wärmeliebende Kultur zeichnet sich durch eine ausgeprägte Trockenheitstoleranz aus, reagiert jedoch extrem empfindlich auf Spätfröste und Staunässe. Für einen erfolgreichen Anbau sind daher gut erwärmbare, strukturstabile Böden und eine ausreichende Temperatursumme während der Vegetationsperiode entscheidend.

Aufgrund des ungleichmäßigen Abreifeverhaltens der Kapseln stellt die Ernte eine besondere agronomische Herausforderung dar. Moderne Züchtungsansätze konzentrieren sich auf platzfeste Kapseln (sogenannte Non-Shattering-Typen), um die mechanisierte Druschernte zu erleichtern und Ernteverluste zu minimieren. Als Vorfrucht eignet sich die Kultur hervorragend zur Auflockerung getreidelastiger Fruchtfolgen, da sie ein tiefreichendes Wurzelsystem ausbildet und den Boden in einem hervorragenden physikalischen Zustand hinterlässt.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte Mai bis Anfang Juni
Erntefenster
Ende August bis Ende September
Reihenabstand
30–45 cm
Typischer Ertrag
0,8–1,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2450
Boden-pH
5,5–7,5

Bodenmanagement

Sesam stellt hohe Ansprüche an das Saatbett, da das feine Saatgut flach (ca. 1,5–2,5 cm tief) abgelegt werden muss. Du solltest ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett anstreben, um den Bodenschluss und einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern. Die Kultur bevorzugt leichte bis mittelschwere, gut durchlässige Böden; schwere Tonböden mit Neigung zu Verschlämmung und Staunässe sind ungeeignet. Eine moderate Stickstoffdüngung von 50–80 kg N/ha ist meist ausreichend, da ein Überangebot das vegetative Wachstum zulasten des Kapselansatzes fördert und die Standfestigkeit mindert. Organische Düngung sollte bevorzugt zur Vorfrucht ausgebracht werden, um ungleichmäßige Nährstoffschübe während der Abreife zu vermeiden.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz im Sesamanbau konzentriert sich vor allem auf die Jugendentwicklung, da die Kultur anfangs sehr langsam wächst und konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern ist. Da in Mitteleuropa nur sehr wenige oder keine spezifischen Herbizide für diese Nischenkultur zugelassen sind, musst du primär auf mechanische Unkrautregulierung durch Hacken und Striegeln setzen. Zu den relevanten Schaderregern gehören bodenbürtige Pilze wie Fusarium und Phytophthora, die Keimlingsfäule verursachen können; hier hilft nur eine weite Fruchtfolge und die Wahl warmer Aussaattermine. Gegen tierische Schädlinge wie Blattläuse oder Wanzen solltest du die Bestände regelmäßig kontrollieren, um bei Bedarf eine gezielte Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln durchzuführen. Die mechanische Ernte zum optimalen Zeitpunkt mindert zudem das Risiko von Qualitätsverlusten durch Schwärzepilze bei feuchter Herbstwitterung.

Sorten

Kremona

Früh

0,9–1,3 t/ha unter mitteleuropäischen Bedingungen.

Resistent gegen: Trockenheit

Anfällig für: Staunässe, Phytophthora-Fäule

Eine bulgarische Züchtung, die sich durch eine relativ kurze Vegetationszeit auszeichnet und daher für erste Anbauversuche in Mitteleuropa besonders geeignet ist.

Göztepe

Mittelspät

1,1–1,6 t/ha bei optimaler Wärmesumme.

Resistent gegen: Fusarium-Welke

Anfällig für: Spätfrost, Kälte

Ertragsstarke Sorte aus dem mediterranen Raum mit hohem Ölgehalt, benötigt jedoch sehr warme Lagen und eine lange herbstliche Trockenperiode.

S9

Mittel

1,0–1,4 t/ha bei Druschernte.

Resistent gegen: Kapselplatzen

Anfällig für: Blattläuse, Bakteriose

Eine Sorte mit verbesserten Kapseleigenschaften (geringeres Ausfallen der Samen), was die mechanisierte Ernte mit dem Mähdrescher erheblich erleichtert.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie erkennst du den optimalen Erntezeitpunkt bei ungleichmäßig abreifendem Sesam?

Da Sesam von unten nach oben abreift, solltest du den Drusch terminieren, wenn die untersten Kapseln sich gelb-braun färben und die Samen darin ihre sortentypische Farbe angenommen haben. Warte nicht, bis alle Kapseln geöffnet sind, da sonst erhebliche Ernteverluste durch Ausfallen der Samen drohen. Ein leichtes Schütteln der Pflanze im Feld zeigt dir, ob die Samen bereits lose in den Kapseln liegen.

Welche mechanischen Unkrautbekämpfungsverfahren sind in der Jugendentwicklung ratsam?

In den ersten vier bis sechs Wochen wächst die Kultur extrem langsam und ist konkurrenzschwach. Du kannst vor dem Auflaufen ein Blindstriegeln durchführen, musst aber nach dem Auflaufen aufgrund der feinen Keimlinge sehr vorsichtig agieren. Sobald die Reihen klar erkennbar sind, empfiehlt sich der Einsatz einer präzisen Hacke mit Schutzblechen oder Kamerasystemen, um ein Verschütten der kleinen Pflanzen zu verhindern.

Wie reagiert Sesam auf Staunässe und wie kannst du dem vorbeugen?

Bereits wenige Stunden Staunässe können zum Absterben der Wurzeln und zu starkem Befall mit bodenbürtigen Schaderregern führen. Wähle für den Anbau ausschließlich Schläge mit hervorragender Drainage und ohne Verdichtungszonen. Bei schwereren Böden kann ein Anbau auf Dämmen eine sinnvolle Option sein, um den empfindlichen Wurzelraum trocken zu halten.

Wie hoch ist der Wasserbedarf der Kultur und wann ist eine Bewässerung kritisch?

Obwohl Sesam als extrem trockenheitsresistent gilt, benötigt er für hohe Erträge während der Keimung und der Hauptblüte ausreichend Feuchtigkeit. Eine gezielte Zusatzbewässerung in diesen Phasen stabilisiert den Kapselansatz. Nach der Blüte solltest du die Bewässerung komplett einstellen, um die Abreife zu fördern und Pilzinfektionen an den Kapseln zu vermeiden.

Wie findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel für Sesam in der Datenbank?

Da Sesam in Mitteleuropa eine absolute Nischenkultur ist, gibt es kaum standardmäßig zugelassene Pflanzenschutzmittel. Nutze in unserem Hub die Filterfunktion für 'Minor Crops' oder suche gezielt nach Notfallzulassungen gemäß Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 sowie nach Genehmigungen für lückenhafte Anwendungen im Gemüse- oder Ackerbau.