Sesam
Der Gemeine Sesam (Sesamum indicum, EPPO-Code: SEGIN) gehört zu den ältesten bekannten Ölpflanzen der Welt und etabliert sich im Zuge des Klimawandels zunehmend als interessante Nischenkultur in wärmebegünstigten Regionen Mitteleuropas. Die einjährige, krautige Kultur stellt extrem hohe Ansprüche an die Wärmesumme und reagiert sehr empfindlich auf Spätfröste sowie langanhaltend nasskalte Witterung. Hauptsächlich für die Gewinnung der wertvollen, ölreichen Samen angebaut, erfordert die Kultur eine präzise Führung, um das Ertragspotenzial voll auszuschöpfen.
Botanisch zeichnet sich die Kultur durch ein tiefreichendes Pfahlwurzelsystem aus, das ihr eine hervorragende Trockenheitstoleranz verleiht. Die Blütenbildung erfolgt sukzessive in den Blattachseln, was zu einer sehr ungleichmäßigen Abreife der Kapseln von unten nach oben führt. Diese Eigenschaft stellt Erzeuger vor besondere Herausforderungen bei der Ernteterminierung, da reife Kapseln bei traditionellen Sorten leicht aufplatzen und erhebliche Ertragsverluste durch Ausfallgetreide-ähnliche Effekte verursachen können.
Bodenmanagement
Sesam stellt hohe Ansprüche an die physikalische Bodenbeschaffenheit und bevorzugt gut durchlässige, sandige Lehme bis mittelschwere Böden mit einem neutralen bis leicht alkalischen pH-Wert. Staunässe und Bodenverdichtungen müssen unbedingt vermieden werden, da das empfindliche Wurzelsystem der Kultur rasch mit Wurzelfäule reagiert. Ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett ist entscheidend, um den sehr kleinen Samen einen optimalen Bodenschluss und eine gleichmäßige Keimtiefe von maximal 1,5 bis 2 cm zu ermöglichen. Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung ist eine mechanische Unkrautregulierung im frühen Stadium unerlässlich, wobei Verschlämmungen durch vorsichtiges Hacken aufgebrochen werden sollten. Eine moderate Stickstoffdüngung von etwa 40 bis 60 kg N/ha ist meist ausreichend, da ein Überangebot das vegetative Wachstum zulasten des Samenertrags fördert.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz im Sesamanbau konzentriert sich primär auf die Prävention von Pilzkrankheiten und bodenbürtigen Schaderregern. In feuchten Jahren oder bei zu hoher Bestandesdichte können Erreger wie Alternaria spp. oder die Fusarium-Welke erhebliche Schäden an Stängeln und Kapseln verursachen. Da in Mitteleuropa nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel für diese Kultur zugelassen sind, kommt einer weiten Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen anfälligen Kulturen eine Schlüsselrolle zu. Gegen tierische Schädlinge wie Blattläuse oder Wanzen, die als Vektoren für Phytoplasmen fungieren können, müssen die Bestände ab dem BBCH-Stadium 30 regelmäßig kontrolliert werden. Eine mechanische Beikrautregulierung durch Striegeln und Hacken im frühen BBCH-Stadium sichert den Bestand, bevor die Kultur den Reihenschluss erreicht.
Sorten
Tan-99
mittelfrühKonstant hohe Erträge unter warmen Bedingungen, ca. 0,8–1,1 t/ha.
Resistent gegen: Fusarium-Welke
Anfällig für: Staunässe
Eine bewährte, anpassungsfähige Sorte aus dem mediterranen Raum mit gutem Ölgehalt und aufrechtem Wuchs.
Muganli-57
mittelfrühGute Ertragsstabilität auch bei reduzierter Bewässerung.
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Alternaria-Blattfleckenkrankheit
Sehr populäre Sorte für trockenheitsgefährdete Standorte, zeigt eine gute Verzweigung und stabile Kapselbildung.
Kariyer
früh bis mittelfrühHohes Ertragspotenzial bei optimaler Nährstoffversorgung und warmem Spätsommer.
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Phytophthora-Fäule
Modernere Sorte mit gleichmäßigerer Abreife der Kapseln, was den Direktdrusch im Vergleich zu älteren Landsorten erleichtert.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie lässt sich der optimale Erntezeitpunkt bei ungleichmäßig abreifendem Sesam bestimmen?
Der optimale Zeitpunkt für den Drusch liegt vor, wenn sich die untersten Kapseln am Hauptstängel gelb-braun verfärben und die darin enthaltenen Samen ihre sortentypische Färbung annehmen (meist im BBCH-Stadium 85 bis 89). Zu langes Warten führt zum Aufplatzen der ältesten Kapseln und damit zu massiven Ertragsverlusten, während eine zu frühe Ernte den Anteil unreifer, bitterer Samen im Erntegut erhöht.
Welche Rolle spielt die Bodentemperatur bei der Aussaat von Sesam in mitteleuropäischen Lagen?
Da Sesam eine thermophile Kultur ist, darf die Aussaat erst erfolgen, wenn die Bodentemperatur in 5 cm Tiefe konstant mindestens 15 bis 18 °C erreicht hat. Bei kühleren Bedingungen droht der Samen im Boden zu verpilzen oder läuft extrem ungleichmäßig auf, was die mechanische Unkrautregulierung im frühen BBCH-Stadium nahezu unmöglich macht.
Wie finde ich in der Pflanzenschutz-Datenbank zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Da Sesam in Deutschland als Nischenkultur eingestuft ist, gibt es kaum standardmäßig zugelassene Pflanzenschutzmittel. Suchen Sie im nationalen Register gezielt nach Indikationszulassungen oder Genehmigungen im Rahmen von Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 (Lückenindikation) für die Gruppe der Ölpflanzen.
Welche Fruchtfolgestrategie empfiehlt sich zur Vermeidung von bodenbürtigen Schaderregern?
Sesam sollte nicht direkt nach anderen anfälligen Kulturen wie Sonnenblumen, Leguminosen oder Solanaceen angebaut werden, um das Risiko von Sclerotinia und Fusarium-Arten zu minimieren. Als ideale Vorfrüchte gelten Getreidearten, die den Boden unkrautfrei hinterlassen und keine gemeinsamen Schaderreger übertragen.
Warum ist die Jugendentwicklung von Sesam so kritisch für den Gesamtertrag?
In den ersten vier bis fünf Wochen nach dem Auflaufen wächst Sesam oberirdisch extrem langsam, da die Kultur ihre Energie primär in die Etablierung des Pfahlwurzelsystems steckt. In dieser Phase (BBCH-Stadium 12 bis 31) besitzt die Kultur kaum Konkurrenzkraft gegen Beikräuter, weshalb ein sauberes Saatbett und präzise mechanische Hackdurchgänge ertragsentscheidend sind.