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Spathiphyllum

Spathiphyllum
1SQFG

Spathiphyllum, im deutschen Sprachraum gemeinhin als Einblatt oder Friedenslilie bekannt (EPPO-Code: 1SQFG), ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten Topfpflanzenkulturen im europäischen Zierpflanzenbau. Als Mitglied der Familie der Aronstabgewächse (Araceae) zeichnet sich diese schattentolerante, tropische Kultur durch ihre glänzenden, dunkelgrünen Blätter und die charakteristischen weißen Spathen aus. Im professionellen Unterglasbau wird das Einblatt ganzjährig kultiviert, wobei die präzise Steuerung von Temperatur, Lichtintensität und Luftfeuchtigkeit entscheidend für eine homogene und qualitativ hochwertige Marktware ist.

Die generative Steuerung stellt im Erwerbsanbau eine besondere Herausforderung dar. Da Spathiphyllum unter natürlichen Bedingungen unregelmäßig blüht, greifen Erwerbsgärtner standardmäßig auf exogene Phytohormone zurück. Die gezielte Anwendung von Gibberellinsäure (GA3) induziert eine gleichmäßige Blütenbildung und ermöglicht eine präzise Terminierung zum gewünschten Verkaufszeitpunkt. Kulturtechnisch erfordert dies ein tiefes Verständnis der physiologischen Stadien, um phytotoxische Effekte oder Deformationen der Spathen zu vermeiden.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Ganzjährig (Unterglas-Kultur, Haupttopfzeit von Januar bis Juni)
Erntefenster
Ganzjährig (je nach Topftermin nach 20–35 Wochen verkaufsfertig)
Reihenabstand
Stellfläche: 15–25 Pflanzen/m² (je nach Topfgröße 10,5–14 cm)
Typischer Ertrag
15–22 verkaufsfertige Töpfe/m²
Wärmesumme (GDD)
2200–2600 GDD (Basis 10 °C)
Boden-pH
5,5–6,0

Bodenmanagement

Für eine erfolgreiche Kulturführung von Spathiphyllum ist ein strukturstabiles, gut durchlüftetes Substrat mit hoher Kationenaustauschkapazität unerlässlich. Standardmäßig werden torfbasierte oder torfreduzierte Substrate (z. B. Typ TKS 2) mit Zuschlagstoffen wie Perlite oder Kokosfasern verwendet, um Staunässe konsequent zu vermeiden. Der pH-Wert muss im schwach sauren Bereich zwischen 5,5 und 6,0 stabilisiert werden, da es andernfalls schnell zu Eisen- und Manganmangel kommt, der sich in typischen Chlorosen äußert. Die Düngung erfolgt vorzugsweise flüssig über die Bewässerung (Fertigation) mit einem ausgeglichenen N:K-Verhältnis, wobei der Salzgehalt im Substrat 1,5 mS/cm nicht überschreiten sollte. Eine gleichmäßige Substratfeuchte ist anzustreben; extreme Trockenphasen führen zu Blattrandnekrosen und beeinträchtigen die Marktqualität erheblich.

Schaderreger-Management

Im integrierten Pflanzenschutz von Spathiphyllum steht die Prävention von bodenbürtigen Pilzkrankheiten wie Pythium, Phytophthora und Cylindrocladium im Vordergrund, welche durch optimierte Bewässerung und den Einsatz von nützlichen Bodenpilzen eingedämmt werden. Bei den tierischen Schaderregern treten vor allem Spinnmilben (Tetranychidae), Thripse (Frankliniella occidentalis) und Wollläuse unter Glas auf. Ein engmaschiges Monitoring mittels Gelb- und Blautafeln ermöglicht den rechtzeitigen Einsatz von Nützlingen wie Raubmilben (Phytoseiulus persimilis) oder Florfliegenlarven. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur gezielt und unter Beachtung der Wirkstoffklassenwechsel angewendet werden, um Resistenzbildungen zu vermeiden. Besondere Vorsicht gilt bei Spritzungen während der Spathenentwicklung (BBCH 51–65), da die weißen Hochblätter extrem empfindlich auf Spritzflecken und Phytotoxizität reagieren.

Sorten

Chopin

Mittelfrüh

Sehr hohe Ausbeute an verkaufsfertiger A-Ware pro Quadratmeter.

Anfällig für: Spinnmilben, Pythium-Wurzelfäule

Sehr beliebte, kompakt wachsende Sorte mit aufrechtem Habitus und reichlich Blütenbildung. Hervorragend geeignet für 10,5- bis 12-cm-Töpfe.

Sweet Lauretta

Mittelspät

Hohe Wertschöpfung durch Premium-Qualität im Solitärsegment.

Resistent gegen: Cylindrocladium-Toleranz

Anfällig für: Staunässe, Thripse

Wüchsige Sorte für größere Topfgrößen (13–17 cm) mit breiten, glänzenden Blättern und großen, eleganten Spathen.

Sweet Silvio

Mittelfrüh

Sehr gleichmäßige Kulturführung mit minimalem Sortieraufwand.

Anfällig für: Weichhautmilben

Sehr homogene Sorte mit exzellenter Verzweigung und hoher Stabilität im Transport. Reagiert sehr gut auf GA3-Behandlungen.

Sensation

Spät

Lange Kulturzeit, aber sehr hohe Einzelpflanzenpreise.

Resistent gegen: Kälte-Toleranz

Anfällig für: Chlorosen bei Eisenmangel, Spinnmilben

Riesensorte für den Solitärbereich (Töpfe ab 19 cm bis Kübel). Extrem große, tiefgerippte Blätter und monumentale Blütenstände.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie wird Gibberellinsäure (GA3) zur Blüteninduktion bei Spathiphyllum optimal dosiert und angewendet?

Die Blüteninduktion erfolgt meist bei gut etablierten Pflanzen im BBCH-Stadium 35–41, etwa 10–12 Wochen vor dem gewünschten Verkaufstermin. Eine Konzentration von 150–250 ppm GA3 als Ganzpflanzenspritzung ist im Erwerbsanbau üblich. Höhere Konzentrationen oder zu späte Anwendungen können zu deformierten, grünlichen Spathen oder extrem dünnen, instabilen Blütenstielen führen.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der chemischen Schädlingsbekämpfung im Einblatt-Anbau?

Ab dem Erscheinen der Blütenknospe (BBCH 51) bis zur vollständigen Spathenöffnung (BBCH 69) ist die Kultur extrem empfindlich gegenüber Pflanzenschutzmitteln. Emulgierbare Konzentrate (EC-Formulierungen) sollten in dieser Phase vermieden werden, da sie die empfindliche Wachsschicht der weißen Spathen schädigen und irreversible braune Flecken verursachen können. Behandlungen sollten bevorzugt in den vegetativen Stadien abgeschlossen sein.

Wie lässt sich die gefürchtete Cylindrocladium-Wurzelfäule im Erwerbsanbau verhindern?

Cylindrocladium spathiphylli ist ein hochgradig destruktiver Schaderreger im Zierpflanzenbau. Neben strenger Hygiene bei Stellflächen und Töpfen ist die Vermeidung von stehendem Wasser essenziell. Biologische Präparate auf Basis von Trichoderma harzianum oder Bacillus amyloliquefaciens sollten bereits beim Topfen präventiv in das Substrat eingemischt werden, um die Wurzeln frühzeitig zu besiedeln.

Warum reagiert Spathiphyllum empfindlich auf hohe Salzgehalte und wie wird die Fertigation angepasst?

Als tropische Unterwuchspflanze besitzt das Einblatt ein hochempfindliches Wurzelsystem. Zu hohe Salzkonzentrationen (EC-Wert im Substrat über 1,5 mS/cm) führen zu osmotischem Stress, erkennbar an braunen Blattspitzen und gehemmtem Wachstum. Die Nährstofflösung sollte daher mit einem niedrigen EC-Wert von 1,0–1,2 mS/cm und weichem Gießwasser (vorzugsweise Regenwasser) appliziert werden.

Wie kann man Lichtbrand (Sonnenbrand) an den Blättern im Sommerbetrieb verhindern?

Spathiphyllum ist eine ausgeprägte Schattenpflanze. Im Sommer darf die Lichtintensität im Gewächshaus 15.000 bis maximal 20.000 Lux nicht überschreiten. Der Einsatz von beweglichen Schattiergeweben ist ab dem Frühjahr zwingend erforderlich, um Blattverbrennungen (gelb-weiße Flecken) und eine unerwünschte Aufhellung des tiefgrünen Laubs zu verhindern.

Wo finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Thripse für diese Kultur?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kulturkategorie 'Zierpflanzen' (Unterglas) sowie dem Schaderreger 'Thripse' (z. B. Frankliniella occidentalis). Achten Sie bei der Auswahl der gelisteten Pflanzenschutzmittel besonders auf die ausgewiesenen Anwendungsbestimmungen und die Verträglichkeitshinweise für empfindliche Blütenkulturen.