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Kultur

Speierling

Sorbus domestica
SOUDO

Der Speierling (Sorbus domestica, EPPO-Code: `SOUDO`) gehört zu den seltensten und wertvollsten heimischen Wildobstbäumen in Mitteleuropa. Als wärmeliebende Kultur aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) ist er ökologisch hochgradig wertvoll. Er liefert extrem hartes, begehrtes Edelholz sowie herbe, gerbstoffreiche Früchte, die traditionell zur Veredelung von Apfelwein genutzt werden.

In der modernen Land- und Forstwirtschaft gewinnt der Speierling im Zuge des Klimawandels zunehmend an Bedeutung, da er trockenheitsresistent ist und tiefe Wurzelsysteme ausbildet. Die Kultur stellt jedoch hohe Ansprüche an den Lichtgenuss und konkurriert in jungen Jahren stark mit schneller wachsenden Gehölzen, weshalb eine gezielte Pflege und Standraumregulierung in den ersten Standjahren unerlässlich sind.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Oktober bis November (Herbstpflanzung bevorzugt)
Erntefenster
September bis Oktober
Reihenabstand
6,0–8,0 m
Typischer Ertrag
20–100 kg/Baum
Wärmesumme (GDD)
2200
Boden-pH
6,0–8,0

Bodenmanagement

Der Speierling bevorzugt tiefgründige, nährstoff- und basenreiche Lehmböden, die gut durchlüftet sind, toleriert aber auch trockenere Kalkstandorte hervorragend. Staunässe musst du unbedingt vermeiden, da die Wurzeln sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel reagieren. In den ersten zwei bis drei Standjahren ist eine regelmäßige Freihaltung der Baumscheibe von Konkurrenzkraut entscheidend, um das Anwachsen zu sichern. Eine organische Mulchschicht hilft dir dabei, die Bodenfeuchtigkeit zu bewahren und extreme Temperaturschwankungen im Wurzelraum abzufedern. Eine mäßige Stickstoffdüngung im Frühjahr fördert den anfänglich oft zögerlichen Zuwachs, darf aber nicht übertrieben werden, um die Frosthärte der Triebe nicht zu gefährden.

Schaderreger-Management

Als Rosengewächs ist der Speierling anfällig für den Erreger des Feuerbrands (*Erwinia amylovora*), weshalb du deine Bestände regelmäßig auf verdächtige Symptome wie welkende, sich schwarz verfärbende Triebspitzen kontrollieren solltest. Auch der Apfelschorf (*Venturia inaequalis*) und echter Mehltau können an Blättern und Früchten auftreten, erfordern in der Regel aber nur in Erwerbsanlagen gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen. Gegen Schadnager wie Wühlmäuse, die die fleischigen Wurzeln junger Kulturen bevorzugen, musst du unbedingt einen mechanischen Schutz bei der Pflanzung einplanen. Ein regelmäßiger Erziehungsschnitt in der vegetationsfreien Zeit sorgt für eine luftige Krone, was das Abtrocknen der Blätter beschleunigt und somit den Infektionsdruck durch pilzliche Schaderreger deutlich senkt.

Sorten

Sossenheimer Riese

Mitte bis Ende Oktober

Regelmäßige, aber alternierende Erträge bei älteren Bäumen.

Anfällig für: Feuerbrand, Apfelschorf

Traditionelle hessische Auslese mit besonders großen, birnenförmigen Früchten. Sehr begehrt für die Kelterei.

Bayerischer Speierling

Anfang bis Mitte Oktober

Mäßiger, aber sehr konstanter Ertrag.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Feuerbrand

Sehr frostharte und robuste Selektion aus dem süddeutschen Raum. Liefert gerbstoffreiche Früchte.

Apfelförmiger Speierling

September bis Oktober

Gute Ertragsleistung an sonnigen Standorten.

Anfällig für: Feuerbrand, Wühlmäuse

Botanische Form (f. pomifera) mit rundlichen, apfelähnlichen Früchten. Oft etwas früher reif als die birnenförmige Form.

Birnenförmiger Speierling

Oktober

Hohes Ertragspotenzial bei vollreifen Solitärbäumen.

Anfällig für: Feuerbrand, Apfelschorf

Botanische Form (f. pyrifera) mit birnenförmigen Früchten. Klassischer Lieferant für die Veredelung von Apfelwein.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie erkennst du den optimalen Erntezeitpunkt für die Früchte des Speierlings?

Die Früchte sind reif, wenn sie sich von Grün-Gelb nach Braun verfärben und vom Baum abfallen. Für die Weiterverarbeitung, beispielsweise in der Kelterei, sollten sie teigig (überreif und weich) sein, da sich erst dann die extrem herben Gerbstoffe abbauen und das typische Aroma freigesetzt wird.

Welche Rolle spielt der Speierling beim Pflanzenschutz im Hinblick auf den Feuerbrand?

Da der Speierling hochgradig empfindlich für den bakteriellen Erreger des Feuerbrands ist, dient er oft als Indikatorpflanze. Du solltest Pflanzungen nicht in direkter Nachbarschaft zu stark gefährdeten Erwerbsobstanlagen anlegen und bei Befall unverzüglich die zuständige Pflanzenschutzbehörde informieren, da es sich um einen meldepflichtigen Schaderreger handelt.

Wie kannst du die Keimung von Speierlingssamen erfolgreich einleiten?

Die Samen des Speierlings besitzen eine ausgeprägte Keimhemmung und benötigen eine Kälteperiode (Stratifikation). Du musst die gereinigten Samen für mindestens 12 bis 16 Wochen bei feucht-kühlen Bedingungen (ca. 2–4 °C) lagern, bevor du sie im Frühjahr aussäst, um eine gleichmäßige Keimung zu erzielen.

Warum ist ein Stammschutz bei jungen Kulturen des Speierlings unerlässlich?

Die Rinde junger Speierlinge ist dünn, glatt und äußerst schmackhaft für Wildtiere. Ohne einen mechanischen Stammschutz riskierst du schwere Schäden durch Verbiss oder Fegen von Rehwild sowie Rindenfraß durch Hasen, was zum Absterben der gesamten Kultur führen kann.

Wie reagiert der Speierling auf Schnittmaßnahmen und was musst du beachten?

Der Speierling verträgt Schnitte im jungen Stadium gut, um ein stabiles Gerüst aufzubauen. Bei älteren Kulturen solltest du größere Schnitteingriffe jedoch vermeiden, da das Holz sehr langsam heilt und große Wunden Eintrittspforten für holzzersetzende Pilze bieten; führe notwendige Korrekturen daher stets im Spätwinter bei trockener Witterung durch.