Teff
Eragrostis tef (EPPO-Code: ERATF), im deutschsprachigen Raum meist als Teff oder Äthiopisches Liebesgras bezeichnet, gewinnt als glutenfreie Nischenkultur in Mitteleuropa zunehmend an Bedeutung. Diese wärmeliebende C4-Kultur zeichnet sich durch eine extrem hohe Trockenheitstoleranz und ein feines, spelzenfreies Korn aus. Aufgrund des extrem geringen Tausendkorngewichts stellt die Etablierung dieser Zwerghirse jedoch besondere Anforderungen an die Saatbettbereitung und die Sätechnik.
In der landwirtschaftlichen Praxis wird die Kultur sowohl zur Körnergewinnung für die Humanernährung als auch als schnellwachsendes, hochwertiges Sommerzwischenfutter genutzt. Da Teff sehr frostempfindlich ist, erfolgt der Anbau in Mitteleuropa ausschließlich im Sommerhalbjahr. Die kurzen Entwicklungszyklen ermöglichen eine flexible Einpassung in bestehende Fruchtfolgen, insbesondere nach früh räumenden Vorfrüchten.
Bodenmanagement
Die Kultur stellt extrem hohe Ansprüche an das Saatbett, da das TKG von Teff nur bei etwa 0,3 bis 0,4 Gramm liegt. Ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett ist zwingend erforderlich, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern und das Verschlämmungsrisiko zu minimieren. Die Aussaat darf nur in einen ausreichend erwärmten Boden ab einer Temperatur von mindestens 12 °C erfolgen, da kalte Bedingungen zu Keimhemmungen führen. Eine flache Ablagetiefe von maximal 0,5 bis 1,0 cm muss präzise eingehalten werden, weshalb der Einsatz von Walzen nach der Saat dringend empfohlen wird. Bezüglich der Nährstoffversorgung ist Teff relativ anspruchslos; eine moderate Stickstoffdüngung von 40 bis 60 kg N/ha ist meist ausreichend, um Lagerbildung bei der Ernte zu vermeiden.
Schaderreger-Management
Aufgrund des schnellen Jugendwachstums unter warmen Bedingungen besitzt die Kultur eine gute Konkurrenzkraft gegen Unkräuter, sofern der Auflauf zügig erfolgt. In der frühen BBCH-Phase (BBCH 10–13) ist eine mechanische Unkrautregulierung durch Striegeln aufgrund der feinen Wurzeln und der flachen Ablage nur sehr vorsichtig oder gar nicht durchzuführen. Derzeit sind in Deutschland nur wenige spezifische Pflanzenschutzmittel explizit für Teff zugelassen, weshalb häufig Ausnahmegenehmigungen erforderlich sind. Relevante Schaderreger im mitteleuropäischen Anbau sind vor allem bodenbürtige Pilze wie Pythium-Arten in nass-kalten Frühjahrsphasen sowie gelegentlicher Befall durch Blattläuse im Sommer. Eine weite Fruchtfolge und die Vermeidung von Staunässe sind die wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen zur Gesunderhaltung des Bestandes.
Sorten
Tiffany
mittelfrühSehr ertragreich im Aufwuchs, hervorragend als Futter- und Körnernutzung geeignet.
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Spätfröste
Zeigt eine verbesserte Standfestigkeit im Vergleich zu Landsorten und eignet sich gut für den mitteleuropäischen Vertragsanbau.
Tabor
frühStabile Kornerträge auch unter extrem trockenen Bedingungen.
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Staunässe, Lagerung
Eine aus Israel stammende Selektion, die sich durch eine sehr kurze Vegetationszeit auszeichnet und ideal als Zweitfrucht geeignet ist.
Ivory
mittelspätHohe Kornqualität mit hellen, gut vermarktbaren Samen.
Anfällig für: Kälte, Lagerung
Besonders im Bereich der glutenfreien Humanernährung gefragt. Benötigt für die volle Ausreife warme Lagen.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie wird die mechanische Unkrautbekämpfung bei Teff risikofrei durchgeführt?
Da Teff ein extrem feines Korn und flache Wurzeln besitzt, ist das Blindstriegeln vor dem Auflauf hochriskant und sollte vermieden werden. Eine mechanische Regulierung mittels Hacktechnik ist erst ab einer Reihenweite von 15–20 cm und frühestens ab dem Ende der Bestockung (BBCH-Stadium 29) sicher durchführbar. In der empfindlichen Jugendphase ist die thermische Unkrautbekämpfung (Abflammen) vor dem Auflauf die sicherste Methode.
Welche Zulassungssituation gilt für Pflanzenschutzmittel in Teff innerhalb Deutschlands?
Da Teff in Deutschland als Nischenkultur gilt, gibt es kaum direkt zugelassene Pflanzenschutzmittel. Landwirte müssen in der Regel Einzelgenehmigungen nach § 22 Abs. 2 PflSchG (Indikationserweiterung für Kleinkulturen) bei den zuständigen Landesämtern beantragen. Häufig wird dabei auf Anwendungen zurückgegriffen, die für andere Hirsearten (wie Rispen- oder Kolbenhirse) zugelassen sind.
Wann ist der optimale Erntezeitpunkt für die Körnergewinnung erreicht?
Der optimale Erntezeitpunkt liegt vor, wenn sich die Rispen strohgelb verfärben und die Körner beim Zerreiben in der Hand leicht ausfallen (meist im BBCH-Stadium 89). Da Teff ungleichmäßig abreift, muss der Mähdrescher präzise eingestellt werden (geringer Wind, feine Siebe), um Ernteverluste der extrem leichten Samen zu verhindern. Eine anschließende sofortige Trocknung auf unter 12 % Feuchtigkeit ist zwingend erforderlich.
Kann Teff als Zweitfrucht nach der Getreideernte angebaut werden?
Ja, aufgrund der kurzen Vegetationszeit von 90 bis 120 Tagen ist ein Anbau als Zweitfrucht nach früh räumendem Wintergetreide (z. B. Wintergerste) bis Anfang Juli möglich. Voraussetzung ist eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit für den Keimprozess und eine rasche Bodenerwärmung. Bei später Aussaat verschiebt sich die Ernte jedoch in den feuchten Herbst, was das Trocknungsrisiko erhöht.
Wie lässt sich das Risiko von Lager (Lagerbildung) bei Teff minimieren?
Teff neigt aufgrund seiner feinen Halme stark zu Lager, besonders bei hoher Stickstoffversorgung und spätsommerlichen Gewittern. Die Stickstoffdüngung sollte daher strikt auf maximal 50–60 kg N/ha (inklusive Nmin) begrenzt werden. Zudem hilft eine erhöhte Aussaatstärke nicht gegen Lager, sondern schwächt die Einzelhalme; eine moderate Saatstärke von 5–8 kg/ha stabilisiert den Einzelhalm.
Welche Fruchtfolgevorteile bietet der Anbau von Teff in mitteleuropäischen Betrieben?
Als C4-Gras bricht die Kultur enge Fruchtfolgen von C3-Kulturen auf und ist nicht mit typischen Getreidekrankheiten wie Halmbruch oder Schwarzbeinigkeit kompatibel. Zudem hinterlässt die Kultur durch ihr intensives, feines Wurzelsystem eine hervorragende Bodenstruktur. Da Teff erst spät im Mai gesät wird, bietet sich im Frühjahr ausreichend Zeit für eine effektive mechanische Bekämpfung von Problemunkräutern wie Ackerfuchsschwanz.