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Kultur

Weidenröschen-Arten

Epilobium sp.
EPISS

Die Gattung der Weidenröschen (Epilobium sp., EPPO-Code: EPISS) umfasst zahlreiche ausdauernde, krautige Kulturen, die in Mitteleuropa sowohl als Beikraut im Forst- und Ackerbau als auch zunehmend als spezialisierte Arznei- und Teekulturen von Bedeutung sind. Besonders das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) und das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum) werden aufgrund ihrer wertvollen Inhaltsstoffe wie Flavonoide, Gerbstoffe und Phytosterole gezielt angebaut. Die pharmazeutische Industrie nutzt die getrockneten oberirdischen Teile (Epilobii herba) zur Herstellung von Phytopharmaka gegen Prostatabeschwerden.

Im professionellen Anbau stellt die Kultur besondere Anforderungen an die Erntetechnik und das Bestandsmanagement. Da die Samen mit feinen Haarschöpfen ausgestattet sind und sich extrem leicht über den Wind verbreiten, erfordert die Saatgutgewinnung ein präzises Timing. Die Etablierung erfolgt meist über vorkultivierte Setzlinge oder Direktsaat im zeitigen Frühjahr, wobei ein gleichmäßig feuchtes Saatbett für den Keimerfolg entscheidend ist.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Vorkultur) oder Direktsaat im April
Erntefenster
Juli bis September
Reihenabstand
30–45 cm
Typischer Ertrag
1,5–2,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1650 °C
Boden-pH
5,5–7,0

Bodenmanagement

Weidenröschen-Kulturen bevorzugen gut durchlüftete, humose und mäßig feuchte Böden mit einer guten Stickstoffversorgung. Vor der Ausbringung der Setzlinge oder der Aussaat solltest du den Boden tiefgründig lockern und ein feines, rückverfestigtes Saatbett herstellen, um den feinen Samen optimalen Bodenkontakt zu bieten. Eine moderate Grunddüngung mit organischem Material oder reifem Kompost im Herbst fördert die Jugendentwicklung im Frühjahr. Da die Kultur empfindlich auf Staunässe reagiert, ist auf Standorten mit Verdichtungsgefahr eine mechanische Tiefenlockerung ratsam. Während der Hauptwachstumsphase im Frühsommer sichert eine gleichmäßige Wasserversorgung hohe Erträge an Blatt- und Stängelmasse.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz stehen bei Weidenröschen vor allem pilzliche Schaderreger wie Echter Mehltau und verschiedene Rostpilze (*Puccinia* spp.) im Vordergrund, die bei feucht-warmer Witterung die Blattqualität stark mindern können. Da für diese Sonderkultur nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, musst du primär auf vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen setzen. Dazu gehören eine weite Reihenweite für eine schnelle Abtrocknung des Bestandes und eine ausgewogene Stickstoffdüngung zur Vermeidung von mastigem Gewebe. Bei akutem Befall mit saugenden Schädlingen wie Blattläusen im frühen BBCH-Stadium können nützlingsschonende Präparate oder biologische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Ein konsequentes mechanisches Unkrautmanagement in der Etablierungsphase verhindert, dass Begleitkräuter die jungen Kulturen überwachsen.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Ernte von Weidenröschen zur Teeproduktion?

Der beste Erntezeitpunkt liegt kurz vor oder zu Beginn der Blüte (BBCH-Stadium 59 bis 61). Zu diesem Zeitpunkt ist die Konzentration an wertvollen Inhaltsstoffen wie Flavonoiden am höchsten, und du verhinderst, dass sich die störenden, haarigen Samenschöpfe im Erntegut bilden, welche die Qualität des Tees stark beeinträchtigen würden.

Wie kannst du die Keimung der feinen Samen bei der Direktsaat verbessern?

Da Weidenröschen Lichtkeimer sind, darfst du das Saatgut bei der Aussaat nicht mit Erde bedecken. Drücke die Samen stattdessen nur leicht an und sorge in den ersten zwei bis drei Wochen für eine konstante Mikrofeuchtigkeit, beispielsweise durch den Einsatz von Vliesen oder eine präzise Beregnung.

Welche mechanischen Verfahren eignen sich am besten zur Unkrautregulierung?

In der langsamen Jugendphase solltest du auf präzise Hacktechnik zwischen den Reihen setzen. Sobald die Kultur eine Wuchshöhe von etwa 15–20 cm erreicht hat, schließt sich der Bestand relativ schnell, sodass du den Unkrautdruck durch die natürliche Beschattung der Kultur gut kontrollieren kannst.

Wie gehst du mit dem hohen Trocknungsbedarf nach der Ernte um?

Frisch geerntetes Weidenröschenkraut hat einen Wassergehalt von etwa 75–80 %. Um Schimmelbildung und den Abbau von Wirkstoffen zu verhindern, musst du das Erntegut sofort nach dem Schnitt einer schonenden Warmlufttrocknung bei maximal 40 °C zuführen, bis eine Restfeuchte von unter 10 % erreicht ist.

Gibt es Einschränkungen bei der Fruchtfolge, die du beachten solltest?

Ja, du solltest Weidenröschen nicht direkt nach anderen Vertretern der Nachtkerzengewächse (Onagraceae) anbauen, um die Anreicherung von bodenbürtigen Schaderregern zu vermeiden. Eine Anbaupause von mindestens drei bis vier Jahren auf derselben Fläche wird dringend empfohlen.

Wie kannst du zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Sonderkultur ermitteln?

Da Weidenröschen als Sonderkultur gelten, sind nur wenige Pflanzenschutzmittel direkt registriert. Du solltest in den offiziellen Datenbanken nach Zulassungen für die Gruppe 'Heil- und Gewürzkräuter' suchen oder gezielt nach Genehmigungen im Rahmen von Lückenindikationen (Art. 51 VO (EG) 1107/2009) Ausschau halten.