Weihnachtskaktus
Der Weihnachtskaktus, wissenschaftlich als Schlumbergera sp. (EPPO-Code: SBGSS) bezeichnet, ist eine wirtschaftlich bedeutende Zierpflanze aus der Familie der Kakteengewächse (Cactaceae). Im Gegensatz zu klassischen Wüstenkakteen handelt es sich hierbei um epiphytisch wachsende Regenwaldpflanzen aus den Bergwäldern Brasiliens. In der mitteleuropäischen Erwerbsgärtnerei wird die Kultur ausschließlich unter Glas kultiviert, wobei die gezielte Steuerung von Photoperiode und Temperatur eine entscheidende Rolle für die termingerechte Blüteninduktion zur Hauptabsatzzeit im Spätherbst und Winter spielt.
Die vegetative Vermehrung erfolgt primär über Stecklinge (Phyllokladien), die in spezialisierten Vermehrungsbetrieben bewurzelt werden. Die Kultur stellt hohe Anforderungen an das Klimamanagement im Gewächshaus. Da Schlumbergera sp. eine Kurztagpflanze ist, erfordert die Blütenknospenbildung ab September eine kritische Tageslänge von unter 12 Stunden in Kombination mit einer Temperaturabsenkung. Kulturfehler in dieser Phase führen unweigerlich zu Knospenabwurf oder ungleichmäßigem Blühverhalten, was den Marktwert der Ware drastisch mindert.
Bodenmanagement
Die Kultur erfordert ein extrem strukturstabiles, gut durchlüftetes und durchlässiges Substrat, da die feinen Wurzeln von *Schlumbergera sp.* sehr empfindlich auf Staunässe reagieren. Häufig werden torfreduzierte oder torffreie Substrate auf Basis von Kokosfasern, Holzfasern und Perlite mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,2 eingesetzt. Die Bewässerung erfolgt vorzugsweise über Ebbe-Flut-Systeme oder Gießwagen, wobei das Substrat zwischen den Wassergaben spürbar abtrocknen muss, um Wurzelfäule zu verhindern. Die Düngung wird als Mehrnährstoffdüngung über das Gießwasser (Fertigation) durchgeführt, wobei in der vegetativen Phase ein ausgewogenes N-K-Verhältnis und zur Blüteninduktion eine kalibetonte Formulierung gewählt wird. Salzkonzentrationen über 1,5 mS/cm im Substrat sind unbedingt zu vermeiden, da dies zu Wurzelschäden führt.
Schaderreger-Management
Im integrierten Pflanzenschutz von *Schlumbergera sp.* steht die Prävention von Pilzkrankheiten wie *Pythium*, *Phytophthora* und *Fusarium* im Vordergrund, welche durch optimierte Bewässerung und Klimaführung minimiert werden. Beim Auftreten von Schaderregern müssen zugelassene Pflanzenschutzmittel frühzeitig und gezielt appliziert werden, um Schäden an den empfindlichen Phyllokladien zu verhindern. Zu den relevanten tierischen Schädlingen gehören Trauermückenlarven im Substrat sowie Wollläuse und Spinnmilben an den Trieben. Der Einsatz von Nützlingen wie Raubmilben (*Amblyseius californicus*) oder Nematoden (*Steinernema feltiae*) hat sich im geschlossenen Unterglasaufbau hervorragend bewährt. Chemische Behandlungen sollten aufgrund möglicher Phytotoxizität, insbesondere während der empfindlichen Knospenbildungsphase, vorab an Testpflanzen geprüft werden.
Sorten
Thor Alice
MittelfrühHoher Knospenansatz pro Phyllokladium
Resistent gegen: Trockenstress
Anfällig für: Staunässe, Phytophthora
Sehr beliebte Sorte aus der dänischen Thor-Serie mit leuchtend orange-roten Blüten und aufrechtem Wuchs.
Thor Freya
FrühSehr gleichmäßiger Blütenflor
Anfällig für: Knospenfall
Kompakte Sorte mit intensiv violett-rosa Blüten, hervorragend für kleinere Topfgrößen geeignet.
Samba Brasil
MittelspätMittlerer Ertrag, hoher dekorativer Wert
Anfällig für: Kältestress, Phytophthora
Attraktive, mehrfarbige Sorte mit weiß-gelber Basis und intensiv roten Blütenrändern.
White Christmas
SpätSehr hohe Triebdichte
Resistent gegen: Phytophthora
Anfällig für: Knospenfall, Thripse
Reinweiße Blüten mit kontrastierenden rosa Stempeln, sehr starker Wuchs.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie wird die Blüteninduktion beim Weihnachtskaktus im Erwerbsanbau präzise gesteuert?
Die Blüteninduktion erfordert eine Kombination aus Kurztagbedingungen (weniger als 11–12 Stunden Licht pro Tag) und einer gezielten Temperaturabsenkung auf 15–18 °C über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen ab September. Höhere Temperaturen über 20 °C können die Blütenbildung trotz Kurztag hemmen, während Temperaturen unter 10 °C das vegetative Wachstum komplett blockieren.
Welche physiologischen Ursachen führen zum gefürchteten Knospenabwurf kurz vor der Vermarktung?
Knospenfall tritt meist durch Ethylenbelastung, plötzliche Standortwechsel, Lichtmangel oder extreme Schwankungen im Wasserhaushalt auf. Im professionellen Anbau werden die Kulturen vor dem Transport häufig mit Ethyleninhibitoren behandelt, und es wird streng darauf geachtet, die Pflanzen ab dem BBCH-Stadium 5 (sichtbare Knospen) nicht mehr zu drehen oder Zugluft auszusetzen.
Wie lässt sich die Wurzelfäule (Pythium/Phytophthora) im geschlossenen Bewässerungskreislauf effektiv kontrollieren?
Neben einer strengen Hygiene und der Desinfektion des Rezirkulationswassers (z. B. durch UV-Bestrahlung oder Ozonisierung) ist die physikalische Struktur des Substrats entscheidend. Ein Luftporenvolumen von mindestens 15–20 % und das konsequente Abtrocknenlassen der oberen Substratschicht vor der nächsten Bewässerung entziehen den oomycetischen Schaderregern die Lebensgrundlage.
Welche Rolle spielen Thripse bei Schlumbergera und wie sieht eine moderne Bekämpfungsstrategie aus?
Thripse (insbesondere Frankliniella occidentalis) schädigen die jungen Phyllokladien und führen zu Verkrüppelungen sowie silbrigen Flecken auf den Blütenblättern. Die Regulierung basiert auf dem frühzeitigen Einsatz von Raubmilben (Amblyseius swirskii) ab dem Frühjahr und dem Aufhängen von Blautafeln zur Befallsüberwachung. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur vor der Knospenöffnung eingesetzt werden, um Fleckenbildung auf den Blüten zu vermeiden.
Wie finde ich im Online-Portal der Farmable-Plattform aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kulturkategorie 'Zierpflanzen' (unter Glas) sowie dem spezifischen Schaderreger. Achten Sie darauf, die BVL-Zulassungsnummern und die spezifischen Anwendungsbestimmungen für den Unterglasanbau abzugleichen, da Freilandzulassungen hier oft keine Gültigkeit besitzen.