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Kultur

Weihnachtskaktus

Schlumbergera sp.
SBGSS

Die Gattung Schlumbergera sp. (EPPO-Code: SBGSS), im deutschsprachigen Raum als Weihnachtskaktus bekannt, gehört zur Familie der Cactaceae und stammt ursprünglich aus den tropischen Bergregenwäldern Brasiliens. Im professionellen Zierpflanzenbau nimmt diese Kultur eine bedeutende Stellung als blühende Topfpflanze für das absatzstarke Spätherbst- und Wintersegment ein. Da es sich um epiphytisch wachsende Kurztagspflanzen handelt, erfordert die Produktion eine präzise Steuerung von Photoperiode und Temperatur, um eine termingerechte Blüte zum Weihnachtsgeschäft zu garantieren.

Die Kultur zeichnet sich durch flache, segmentierte Triebe (Phyllokladien) aus, an deren Enden sich die zygomorphen Blüten in einer breiten Farbpalette von Weiß über Rosa und Orange bis hin zu intensivem Rot entwickeln. Eine erfolgreiche Kulturführung verlangt tiefgehendes pflanzenbauliches Wissen, da physiologische Störungen wie Knospenfall oder ungleichmäßiger Blühbeginn den Marktwert der Ware drastisch mindern können. Durch gezielte Klimaführung lässt sich die Kultur jedoch hochgradig steuern und effizient in bestehende Gewächshausfruchtfolgen integrieren.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Juni (Stecklingsvermehrung)
Erntefenster
Oktober bis Januar
Reihenabstand
15–25 cm (Topfabstand)
Typischer Ertrag
20–30 verkaufsfähige Töpfe pro m²
Wärmesumme (GDD)
2800–3200 Kd (Basis 10 °C)
Boden-pH
5,5–6,2

Bodenmanagement

Für eine erfolgreiche Kultur von Schlumbergera sp. ist ein extrem strukturstabiles, luftdurchlässiges Substrat unerlässlich, da die feinen Wurzeln der Epiphyten sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel reagieren. Bewährt haben sich Torf-Ton-Mischungen oder torfreduzierte Substrate mit Zuschlagstoffen wie Perlite oder Kokosfasern, die ein Verschlämmen verhindern. Der pH-Wert sollte im leicht sauren Bereich zwischen 5,5 und 6,2 stabil gehalten werden, um Spurenelementmängel zu vermeiden. Die Bewässerung erfolgt idealerweise über Anstau- oder Tröpfchensysteme, wobei das Substrat zwischen den Wassergaben spürbar abtrocknen muss, um Staunässe konsequent auszuschließen. Während der Hauptwachstumsphase ist eine ausgewogene, kalibetonte Düngung mit einem niedrigen Salzgehalt (EC-Wert ca. 1,0–1,2 mS/cm) ratsam.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz bei dieser Kultur konzentriert sich stark auf die Prophylaxe von bodenbürtigen Pilzerkrankungen wie Pythium, Phytophthora und Fusarium, die durch optimierte Bewässerung und den Einsatz von nützlichen Bodenpilzen (z. B. Trichoderma) eingedämmt werden. Bei den tierischen Schaderregern treten vor allem Trauermücken in der Bewurzlungsphase sowie Wollläuse und Spinnmilben im weiteren Kulturverlauf auf. Ein engmaschiges Monitoring mit Gelbtafeln und regelmäßigen Pflanzenkontrollen ist für die rechtzeitige Befallserkennung zwingend erforderlich. Gegen Trauermückenlarven hat sich der biologische Einsatz von Nematoden hervorragend bewährt. Sollte ein chemischer Pflanzenschutz unumgänglich sein, müssen die eingesetzten Pflanzenschutzmittel vorab auf ihre Verträglichkeit an den empfindlichen Phyllokladien getestet werden, um Verbrennungen zu vermeiden.

Sorten

Thor Alice

Mittelfrüh

Sehr hoher Anteil an erstklassiger A-Ware bei gleichmäßiger Knospeninduktion.

Anfällig für: Knospenfall bei Transportstress, Staunässe

Sehr beliebte Sorte der dänischen Thor-Serie mit leuchtend orangeroten Blüten und aufrechtem, stabilem Wuchs.

Thor Olivia

Früh bis mittelfrüh

Hervorragende Flächenproduktivität durch kompakten Wuchs.

Anfällig für: Substratversalzung, Phytophthora

Reinweiße, sehr edel wirkende Blüte. Zeigt eine hervorragende Verzweigung und benötigt weniger Hemmstoffe.

Samba Brasil

Mittelfrüh

Erzielt Spitzenpreise, erfordert aber eine sehr präzise Temperaturführung.

Anfällig für: Kälte während der Knospenbildung, Fusarium

Spektakuläre, mehrfarbige Blüte in Gelb, Weiß und Rot. Sehr gesuchte Premium-Sorte für den gehobenen Fachhandel.

Golden Charm

Spät

Etwas geringere Ausbeute an Standardware, dafür hohe Margen im Nischensegment.

Anfällig für: Knospenabwurf, Kupfermangel, Niedrige Temperaturen unter 15 °C

Seltene, intensiv gelb blühende Sorte. Reagiert extrem empfindlich auf Temperaturschwankungen während der kritischen Induktionsphase.

Thor Sophia

Mittelfrüh

Sehr verlässliche, ertragsstabile Sorte für den Massenmarkt.

Resistent gegen: Knospenfall bei Transportstress

Anfällig für: Spinnmilben

Kräftig pink-violett blühende Sorte mit sehr robusten Trieben und hoher Transportstabilität.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie steuerst du die Blüteninduktion beim Weihnachtskaktus im Gewächshaus am besten?

Die Blütenbildung ist ein Zusammenspiel aus Tageslänge und Temperatur. Du induzierst die Knospen am sichersten, indem du ab Mitte September für ca. 6 bis 8 Wochen Kurztagsbedingungen (weniger als 10 Stunden Licht pro Tag) schaffst oder die Temperatur konstant auf 15 bis 18 °C absenkst. Bei Temperaturen unter 15 °C erfolgt die Induktion sogar tageslängenunabhängig, während Temperaturen über 22 °C die Knospenbildung komplett blockieren können.

Warum werfen die Kulturen kurz vor dem Verkauf ihre Knospen ab und wie verhinderst du das?

Knospenabwurf ist meist eine Stressreaktion auf Ethylenbelastung, Lichtmangel oder plötzliche Standortwechsel während der sensiblen BBCH-Stadien 5 bis 6. Achte darauf, die Töpfe nach dem Knospenansatz nicht mehr zu drehen und vermeide jeglichen Ethyleneinfluss (z. B. durch Abgase von Heizungen oder reifendes Obst in der Nähe). Ein vorbeugender Einsatz von zugelassenen Phytohormonen kann den Knospenfall im Handel drastisch reduzieren.

Welche Rolle spielt die Ruhephase nach der Blüte für den nächsten Kulturzyklus?

Nach dem Abblühen (BBCH-Stadium 9) benötigt die Kultur zwingend eine etwa sechswöchige Ruhezeit. In dieser Phase solltest du die Wassergaben auf ein Minimum reduzieren und das Düngen komplett einstellen. Diese Trockenruhe im späten Winter simuliert die natürlichen Bedingungen und ist essenziell, damit die Phyllokladien ausreifen und im Frühjahr kräftig neu austreiben können.

Wie gehst du bei einem akuten Befall mit Trauermückenlarven in der Vermehrungsphase vor?

Da die jungen Stecklinge während der Bewurzelung extrem anfällig für Wurzelfraß durch Trauermückenlarven sind, solltest du sofort biologisch intervenieren. Bringe nützliche Nematoden der Art Steinernema feltiae über das Gießwasser aus oder setze Raubmilben (Hypoaspis miles) ein. Halte das Substrat so trocken wie für die Bewurzelung vertretbar, um den Schaderregern die Lebensgrundlage zu entziehen.

Wie findest du auf farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?

Da Schlumbergera sp. im Zierpflanzenbau unter die Kategorie 'Zierpflanzen im Gewächshaus' fällt, kannst du im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach dieser Indikation filtern. Achte bei der Suche darauf, Schaderreger wie Spinnmilben oder bodenbürtige Pilze auszuwählen, um die aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer spezifischen Aufwandmengen und Wartezeiten einzusehen.