Weißer Steinklee
Der Weiße Steinklee (Melilotus albus, EPPO-Code: `MEUAL`), auch bekannt als Bokhara-Klee oder Weißer Honigklee, ist eine zweijährige, seltener einjährige Kultur aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). In der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird diese tiefwurzelnde Leguminose vor allem als hocheffiziente Gründüngung, Pionierpflanze zur Melioration strukturgeschädigter Böden sowie als wertvolle Bienenweide geschätzt. Dank der Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobium meliloti) besitzt die Kultur eine herausragende Fähigkeit zur biologischen Stickstofffixierung, wodurch erhebliche Mengen an Luftstickstoff für Folgekulturen im System erschlossen werden.
Neben der Stickstoffleistung zeichnet sich der Weiße Steinklee durch ein tiefreichendes, kräftiges Pfahlwurzelsystem aus, das selbst verdichtete Unterböden aufschließen kann und die Bodenstruktur nachhaltig verbessert. Die Kultur ist extrem trockenheitsresistent und stellt nur geringe Ansprüche an die Wasserversorgung, weshalb sie sich besonders für leichte, sandige oder kalkreiche Grenzertragsstandorte eignet. Bei der Verfütterung oder Nutzung als Silage ist jedoch der Gehalt an Cumarin zu beachten, welcher bei unsachgemäßer Konservierung zu Dicumarol abgebaut werden kann und toxisch wirkt.
Bodenmanagement
Der Weiße Steinklee stellt geringe Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit, bevorzugt jedoch durchlässige, kalkhaltige und mittelschwere Böden mit einem neutralen bis basischen pH-Wert. Saure sowie extrem staunasse Standorte sind für den Anbau ungeeignet, da hier die Aktivität der Knöllchenbakterien stark gehemmt wird. Zur Saatbettbereitung ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Bett erforderlich, um den feinen Samen einen optimalen Bodenschluss in einer Saantiefe von maximal 1 bis 2 cm zu garantieren. Eine gezielte Phosphor- und Kalidüngung im Vorfeld unterstützt die Etablierung und die spätere Stickstofffixierungsleistung der Kultur. Aufgrund der hervorragenden Pfahlwurzelbildung eignet sich die Kultur ideal als biologische Tiefenlockerung in Fruchtfolgen mit verdichtungsempfindlichen Nachfolgekulturen.
Schaderreger-Management
Im Vergleich zu anderen großkörnigen Leguminosen gilt Melilotus albus als ausgesprochen robust gegenüber Schaderregern. Gelegentlich können pilzliche Schaderreger wie Echter Mehltau (Erysiphe spp.) oder Kleekrebs (Sclerotinia trifoliorum) auftreten, insbesondere bei zu dichten Beständen und feucht-warmer Witterung. Unter den tierischen Schädlingen treten primär der Steinklee-Blattrandkäfer (Sitona cylindricollis) sowie verschiedene Rüsselkäferarten auf, die durch Lochfraß an den Blättern auffallen, den Ertrag jedoch meist nur bei massivem Jungpflanzenbefall gefährden. Ein integrierter Pflanzenschutz stützt sich primär auf weite Fruchtfolgeabstände zu anderen Leguminosen, eine ausgewogene Bestandsdichte und die mechanische Unkrautregulierung im frühen BBCH-Stadium. Chemische Pflanzenschutzmittel sind für diese Kultur im mitteleuropäischen Raum nur sehr eingeschränkt zugelassen und in der Regel wirtschaftlich nicht erforderlich.
Sorten
Borela
MittelfrühSehr hohe Trockenmasseerträge und exzellente Stickstofffixierung.
Resistent gegen: Winterfrost, Trockenheit
Anfällig für: Kleekrebs
Eine bewährte Sorte mit guter Winterhärte, die sich hervorragend für den zweijährigen Anbau und als Gründüngung eignet.
Kuba
Mittelfrüh bis spätStabile Grünmasseerträge auch auf sandigen Grenzertragsstandorten.
Resistent gegen: Trockenstress
Anfällig für: Echter Mehltau
Zeichnet sich durch eine rasche Jugendentwicklung und ein tiefes Wurzelsystem aus. Ideal zur Melioration.
Meba
Früh bis mittelfrühHoher Samenertrag und gute oberirdische Biomassebildung im ersten Standjahr.
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Staunässe
Besonders geeignet für Imker als Bienenweide sowie für den Zwischenfruchtanbau zur schnellen Bodenbedeckung.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko einer Cumarin-Vergiftung (Dicumarol) bei der Verfütterung von Weißem Steinklee minimieren?
Cumarin selbst ist für das Vieh ungiftig, wird aber bei feuchter Konservierung oder Schimmelbildung im Heu oder der Silage durch Pilze in das gerinnungshemmende Dicumarol umgewandelt. Um diese sogenannte Süßkleekrankheit zu verhindern, darf das Erntegut nur absolut trocken eingebracht werden. Alternativ sollte die Kultur primär als reine Gründüngung genutzt oder im frischen Zustand direkt beweidet werden.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Umbruch des Weißen Steinklees als Gründüngung?
Der Umbruch sollte spätestens zu Beginn der Blüte (BBCH-Stadium 61) erfolgen, wenn die Kultur als Gründüngung dient. Zu diesem Zeitpunkt ist das Verhältnis von Stickstoffgehalt zu verholzter Biomasse (C/N-Verhältnis) optimal für eine rasche Mineralisierung im Boden. Ein späterer Umbruch führt zu stark verholzten Stängeln, die sich nur langsam zersetzen und temporär Stickstoff im Boden binden.
Wie verhält sich der Weiße Steinklee bezüglich der Selbstaussaat und wie wird er in der Fruchtfolge kontrolliert?
Da Melilotus albus einen hohen Anteil an harten Samen bildet, kann er bei unkontrolliertem Ausreifen im Folgejahr als Unkraut auflaufen. Um dies zu verhindern, muss der Bestand vor der Samenreife (vor BBCH-Stadium 80) gemäht oder gemulcht werden. Ein flacher Schälvorgang nach dem Umbruch regt verbliebene Samen zum Keimen an, sodass sie mechanisch reguliert werden können.
Welche Rolle spielt die Inokulation des Saatguts bei der Erstsaat auf einer Fläche?
Wird Weißer Steinklee zum ersten Mal auf einer Fläche angebaut, ist eine Inokulation des Saatguts mit spezifischen Knöllchenbakterien (Rhizobium meliloti) dringend zu empfehlen. Ohne diese Symbionten bleibt die Stickstofffixierungsleistung weit hinter ihrem Potenzial zurück, und die Kultur zeigt oft Kümmerwuchs sowie deutliche Stickstoffmangelerscheinungen.
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger im Steinklee?
Da der Weiße Steinklee eine Nischenkultur ist, gibt es nur wenige direkt zugelassene Pflanzenschutzmittel. Nutzen Sie in unserer Datenbank die Filtersuche und achten Sie besonders auf Indikationen nach Artikel 51 der Verordnung (EG) 1107/2009 (Lückenzulassung / geringfügige Verwendung) für Futterleguminosen, um rechtlich abgesicherte Anwendungen zu finden.