Wollfrüchtiger Feldsalat
Der Wollfrüchtige Feldsalat (Valerianella eriocarpa, EPPO-Code: VLLER), in der Praxis auch als Haarfrüchtiger Ackersalat bekannt, ist eine eng mit dem Gewöhnlichen Feldsalat verwandte Kultur, die sich durch eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber sommerlicher Hitze auszeichnet. Im mitteleuropäischen Erwerbsanbau wird diese Kultur vor allem für den verfrühten Herbstanbau oder den späten Frühjahrsanbau geschätzt, da sie im Vergleich zu anderen Feldsalat-Arten bei steigenden Temperaturen weitaus langsamer schosst. Die Blätter sind meist etwas heller, länglicher und weisen am Rand sowie auf den Blattnerven feine Haare auf, was der Kultur ihren charakteristischen Namen verleiht.
Botanisch zeichnet sich die Kultur durch behaarte Früchte aus, die für die taxonomische Abgrenzung entscheidend sind. Für den professionellen Gemüsebau bietet der Anbau von Valerianella eriocarpa eine wertvolle Ergänzung im Feingemüse-Sortiment, insbesondere um Versorgungslücken im Spätsommer und frühen Herbst zu schließen. Die Kultur stellt ähnliche Ansprüche an den Standort wie der klassische Feldsalat, profitiert jedoch von einer schnelleren Jugendentwicklung bei warmen Keimtemperaturen.
Bodenmanagement
Der Wollfrüchtige Feldsalat bevorzugt mittelschwere, humose und gut strukturierte Böden mit einer gleichmäßigen Wasserführung. Da die Kultur sehr feine Samen besitzt, ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett essenziell, um einen optimalen Bodenschluss zu gewährleisten. Eine moderate Stickstoffversorgung ist ausreichend, wobei Überdüngung vermieden werden sollte, um Nitratakkumulationen in den Blättern zu verhindern. Eine Vorfrucht mit geringem Unkrautdruck ist ideal, da die mechanische Unkrautregulierung in der engen Reihe anspruchsvoll ist. Nach der Saat sorgt ein leichtes Anwalzen für einen gleichmäßigen Feldaufgang.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz stehen die Vorbeugung von Pilzkrankheiten wie Echtem Mehltau und Falschem Mehltau sowie der Schutz vor bodenbürtigen Schaderregern im Vordergrund. Ein weiter Reihenabstand und eine moderate Bestandsdichte fördern das schnelle Abtrocknen der Kultur nach Niederschlägen und senken das Infektionsrisiko erheblich. Gegen tierische Schädlinge wie die Feldsalatblattlaus oder Erdfloh-Arten können Kulturschutznetze direkt nach der Saat aufgelegt werden, was gleichzeitig vor Vogelfraß schützt. Der Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sollte streng nach den Vorgaben des integrierten Pflanzenschutzes erfolgen, wobei auf die Einhaltung der Wartezeiten vor der Ernte besonders zu achten ist.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Wollfrüchtige Feldsalat im Anbau vom Gewöhnlichen Feldsalat?
Der Wollfrüchtige Feldsalat (Valerianella eriocarpa) besitzt eine deutlich höhere Hitzetoleranz und schosst bei sommerlichen Temperaturen weitaus langsamer als Valerianella locusta. Dadurch eignet er sich hervorragend für die Aussaat in den heißen Sommermonaten und ermöglicht eine kontinuierliche Ernte im frühen Herbst, wenn klassischer Feldsalat oft verfrüht in die Blüte geht.
Welche BBCH-Stadien sind für die Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen kritisch?
Besonders kritisch sind die Stadien BBCH 12 bis 14 (Zwei- bis Vierblattstadium), da die jungen Keimlinge in dieser Phase extrem empfindlich gegenüber Unkrautkonkurrenz und bodenbürtigen Schaderregern sind. Behandlungen gegen Falschen Mehltau müssen präventiv vor dem Schließen des Bestandes (BBCH 39) erfolgen, da spätere Anwendungen die tieferen Blattschichten nicht mehr ausreichend erreichen.
Wie kann das Risiko von Nitratanreicherungen in den Blättern minimiert werden?
Da Feldsalatkulturen zur Nitratspeicherung neigen, sollte die Stickstoffdüngung exakt am Entzug orientiert und vorzugsweise organisch oder in langsam fließenden Formen verabreicht werden. Zudem sollte die Ernte an sonnigen Nachmittagen stattfinden, da das Sonnenlicht den Nitratabbau in der Kultur aktiv fördert.
Welche mechanischen Maßnahmen eignen sich zur Unkrautregulierung in dieser Kultur?
Aufgrund des engen Reihenabstands von meist 10 bis 15 cm ist der Einsatz von Präzisionshackgeräten mit Kamerasystemen oder der manuelle Einsatz von Pendelhacken in frühen BBCH-Stadien (BBCH 12–15) ratsam. Ein falsches Saatbett vor der Aussaat reduziert den Unkrautdruck im Vorfeld signifikant.
Wie wird die Bewässerung optimal gesteuert, um Pilzinfektionen zu vermeiden?
Die Bewässerung sollte bevorzugt in den frühen Morgenstunden erfolgen, damit die Blätter im Laufe des Tages rasch abtrocknen können. Eine Tröpfchenbewässerung ist im Erwerbsanbau aufgrund der engen Reihen meist unwirtschaftlich, weshalb Überkopfregner mit feiner Tropfenbildung genutzt werden, um Verschlämmungen des Bodens zu verhindern.
Wo finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Da der Wollfrüchtige Feldsalat als Nischenkultur gilt, sind viele Pflanzenschutzmittel über Lückenindikationen nach § 22 Abs. 2 PflSchG zugelassen. Aktuelle Zulassungen und Wartezeiten können in der Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) oder direkt über die Filterfunktionen in unserem Agronomie-Hub eingesehen werden.