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Sonstiger Schaderreger

Zierkohl

cabbage (ornamental forms)
BRSOZ

Der Zierkohl, wissenschaftlich klassifiziert als cabbage (ornamental forms) (EPPO-Code: BRSOZ), ist eine gartenbaulich bedeutende Kultur, die vor allem im herbstlichen Zierpflanzenbau und in der Floristik eine zentrale Rolle spielt. Im Gegensatz zum klassischen Gemüsekohl steht hier nicht der Verzehr, sondern der dekorative Wert der intensiv gefärbten Blattschöpfe im Vordergrund. Die Kultur zeichnet sich durch eine hervorragende Kaltetoleranz aus, wobei die charakteristische Ausfärbung in Weiß-, Rosa- und Rottönen erst durch nächtliche Temperatureinbrüche unter 10 °C induziert wird.

Der Anbau erfolgt in Mitteleuropa meist als Satzkultur im Sommer für den Absatz im Spätherbst. Da es sich botanisch um eine Varietät von Brassica oleracea handelt, teilt der Zierkohl viele physiologische Ansprüche und phytosanitäre Risiken mit den landwirtschaftlichen Kohlarten. Dies erfordert eine sorgfältige Fruchtfolgeplanung und ein integriertes Pflanzenschutzmanagement, um typische Kreuzblütler-Schaderreger erfolgreich zu kontrollieren.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Juni bis Juli
Erntefenster
September bis November
Reihenabstand
30–40 cm
Typischer Ertrag
80.000–100.000 verkaufsfähige Töpfe/ha
Wärmesumme (GDD)
1450
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Für eine erfolgreiche Kultur von Zierkohl ist ein strukturstabiles, mittelschweres Substrat mit guter Drainage und hoher Pufferkapazität essenziell. Da die Kultur meist in Töpfen oder Containern auf Freilandflächen kultiviert wird, muss das Substrat einen pH-Wert zwischen 6,0 und 7,0 aufweisen, um physiologische Störungen und die Gefahr von Kohlhernie zu minimieren. Eine ausgewogene Grunddüngung mit Schwerpunkt auf Kalium fördert die Standfestigkeit und die Frosthärte der Blätter, während ein Übermaß an Stickstoff die Ausfärbung verzögert und zu weichem Gewebe führt. Während der Hauptwachstumsphase im Spätsommer ist auf eine gleichmäßige Wasserversorgung zu achten, da Trockenstress zu vorzeitigem Laubfall im unteren Stängelbereich führt. Nach dem Einsetzen der kühlen Herbstwitterung wird die Bewässerung stark reduziert, um Staunässe und Wurzelfäule zu verhindern.

Schaderreger-Management

Als Kreuzblütler ist der Zierkohl anfällig für das typische Erregerspektrum der Brassicaceen, weshalb ein konsequentes Monitoring ab dem Topfzeitpunkt unerlässlich ist. Zu den bedeutendsten tierischen Schädlingen gehören die Kohlmotte, der Große Kohlweißling und diverse Erdflöhe, die durch den Einsatz von Kulturschutznetzen oder gezielte Anwendungen zugelassener Pflanzenschutzmittel kontrolliert werden müssen. Unter den pilzlichen Schaderregern stellen der Falsche Mehltau und Alternaria-Blattflecken insbesondere bei feucht-warmer Witterung im Spätsommer ein hohes Risiko dar. Zur Vermeidung von Resistenzen ist bei chemischen Behandlungen ein strikter Wirkstoffwechsel einzuhalten. Zudem sollte die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln bevorzugt in den kühlen Morgenstunden erfolgen, um Spritzschäden auf den dekorativen Blättern zu vermeiden.

Sorten

Kamome F1

Mittelfrüh

Sehr gleichmäßiger Wuchs, hoher Anteil an verkaufsfähiger Ware (95–98 %).

Anfällig für: Kohlhernie, Falscher Mehltau

Gezackte Blattränder, sehr kompakte Rosettenbildung, hervorragende Kaltetoleranz.

Osaka F1

Früh bis mittelfrüh

Rasche Entwicklung, ideal für den frühen Herbstabsatz.

Anfällig für: Kohlmotte, Alternaria-Blattfleckenkrankheit

Breite, glatte Blätter mit intensiv gefärbtem Zentrum, sehr wüchsig.

Nagoya F1

Spät

Hervorragende Haltbarkeit im Spätherbst, minimiert Ausfälle durch Frost.

Anfällig für: Kohlhernie, Blattläuse

Stark gefranste Blattränder, sehr dichte und schwere Rosetten.

Pigeon F1

Früh

Optimiert für die Kultur in kleineren Töpfen (9–10,5 cm) mit hoher Stellflächendichte.

Anfällig für: Falscher Mehltau, Stängelrot

Sehr kompakte, runde Köpfe, ideal für gemischte Herbstbepflanzungen.

Songbird F1

Mittelfrüh

Sehr homogene Sortierung, reduziert den Sortieraufwand bei der Ernte.

Anfällig für: Kohlmotte, Kohlfliege

Hervorragende Schichtung der Blätter, sehr regen- und windbeständig.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich die Ausfärbung des Zierkohls im professionellen Anbau gezielt steuern?

Die charakteristische Ausfärbung der Herzblätter wird physiologisch durch niedrige Temperaturen induziert, primär wenn die Nachttemperaturen dauerhaft unter 10 °C fallen. Im professionellen Anbau steuert man dies über den Aussaattermin und die Stickstoffdüngung: Eine zu späte oder zu hohe Stickstoffgabe im Spätsommer hält die Kultur im vegetativen, grünen Wachstum und verzögert die Anthocyanbildung. Daher sollte die Stickstoffzufuhr ab Mitte August drastisch reduziert werden.

Welche Rolle spielt die Hemmstoffbehandlung (Stauchung) bei dieser Kultur?

Um kompakte, standfeste Rosetten mit kurzen Internodien zu erzielen, ist der Einsatz von Wachstumsregulatoren im Zierpflanzenbau oft unerlässlich. Die Anwendung erfolgt meist im BBCH-Stadium 14 bis 16, sobald die Pflanzen nach dem Topfen im Substrat eingewurzelt sind. Die genaue Aufwandmenge muss an die Sorte (z. B. wüchsige 'Osaka' vs. kompakte 'Pigeon') und die aktuelle Witterung angepasst werden, um ein Überstauchen zu verhindern.

Wie kann das Risiko einer Infektion mit Kohlhernie im Freilandstellflächenbetrieb minimiert werden?

Da der Erreger Plasmodiophora brassicae extrem langlebige Dauersporen im Boden bildet, ist bei der Kultur auf Freilandstellflächen penibel auf Hygiene zu achten. Ein direkter Erdkontakt der Töpfe muss durch Bändchengewebe oder Folienunterlagen konsequent verhindert werden. Zudem sollte das verwendete Substrat einen stabilen pH-Wert von über 6,5 aufweisen, da saure Bedingungen die Keimung der Dauersporen begünstigen.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für Pflanzenschutzanwendungen gegen die Kohlmotte?

Die Bekämpfung der Kohlmotte (Plutella xylostella) muss frühzeitig erfolgen, da ältere Larvenstadien eine hohe Toleranz gegenüber vielen Pflanzenschutzmitteln aufweisen und sich tief im Herz der Kultur verstecken. Ein Monitoring mittels Pheromonfallen ab Juli ist ratsam. Behandlungen mit biologischen oder chemischen Präparaten sollten idealerweise direkt nach dem Schlupf der ersten Larvengeneration (BBCH-Stadium 12 bis 15) durchgeführt werden.

Wie wirkt sich Frost auf die Verkaufsfähigkeit und Qualität von Zierkohl aus?

Zierkohl ist extrem frosttolerant und verträgt kurzzeitige Temperaturen von bis zu -10 °C bis -15 °C ohne bleibende Schäden. Frost intensiviert sogar die Ausfärbung und festigt das Gewebe. Problematisch sind jedoch schnelle Temperaturwechsel (Auftauen unter direkter Sonneneinstrahlung), die zu glasigen Blatträndern führen können. Für den Verkauf im Spätherbst ist eine leichte Abhärtung im Freiland der Gewächshauskultur vorzuziehen.

Wo finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Zierkohl in Deutschland?

Da Zierkohl rechtlich als Zierpflanze und nicht als Gemüsekohl eingestuft wird, gelten für ihn die Zulassungen für den Zierpflanzenbau (Freiland oder Gewächshaus). Aktuelle Indikationszulassungen und Notfallzulassungen nach § 53 PflSchG können in der Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingesehen oder direkt über die Filterfunktionen in unserem Agronomie-Hub abgerufen werden.