Alcoban
Alcoban ist ein hochwirksames, protektiv wirkendes Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von Schorf (Venturia spp.) im Kernobstbau (Apfel und Birne). Als wasserdispergierbares Granulat (WG) formuliert, zeichnet sich das Produkt durch eine hervorragende Löslichkeit und eine einfache Handhabung bei der Spritzbrühenbereitung aus. Es hat sich als ein unverzichtbarer Baustein im modernen, integrierten Pflanzenschutz etabliert, insbesondere in Phasen mit hohem Infektionsdruck im Frühjahr.
Der Wirkstoff Dithianon bietet eine exzellente Regenbeständigkeit und bildet einen stabilen Spritzbelag auf den Blättern und Früchten der Kultur. Dadurch wird eine langanhaltende Schutzwirkung gegen die Keimung von Schorfsporen gewährleistet, selbst unter wechselhaften und feuchten Witterungsbedingungen, die für Primärinfektionen prädestiniert sind.
Durch seine ausgeprägte Kontaktwirkung schützt Alcoban die behandelten Pflanzenteile präventiv. Es wird strategisch vorhersagebasiert vor erwarteten Niederschlagsereignissen eingesetzt, um den Schaderreger bereits vor dem Eindringen in das Pflanzengewebe effektiv abzuwehren.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in Alcoban enthaltene Wirkstoff Dithianon gehört zur chemischen Gruppe der Chinone (FRAC-Gruppe M09). Dithianon wirkt als Multi-Site-Inhibitor (Mehrortswirkstoff), der an verschiedenen Stellen im Stoffwechsel des Pilzes ansetzt. Er interferiert primär mit den Sulfhydrylgruppen von Proteinen und Enzymen, was zu einer weitreichenden Störung der Zellatmung und der Energieproduktion des Schaderregers führt. Durch diesen unspezifischen, multi-site Wirkungsmechanismus wird die Sporenkeimung sowie das Wachstum des Keimschlauchs von Venturia spp. blockiert. Da der Wirkstoff nicht systemisch ist, verbleibt er als schützender Barrierefilm auf der Oberfläche der Kultur und verhindert das Etablieren einer Infektion von außen.
Resistenzmanagement
Aufgrund seines Multi-Site-Wirkungsmechanismus (FRAC M09) weist Dithianon ein äußerst geringes Risiko für die Entstehung von Resistenzen auf. Alcoban eignet sich daher hervorragend als Partner in Spritzfolgen, um das Resistenzrisiko von einortig wirkenden (systemischen) Fungiziden, wie beispielsweise SDHI oder Triazolen, zu minimieren. Um ein nachhaltiges Resistenzmanagement zu gewährleisten, sollte das Pflanzenschutzmittel im Wechsel mit Wirkstoffen aus anderen FRAC-Gruppen eingesetzt und die maximale Anzahl der jährlichen Anwendungen gemäß den BVL-Vorgaben konsequent eingehalten werden.
Mischbarkeit & Tankmischung
Alcoban ist im Allgemeinen gut mit gängigen Fungiziden und Insektiziden im Obstbau mischbar. Bei Tankmischungen mit flüssigen Formulierungen oder blattdüngerhaltigen Produkten sollte jedoch vorab eine physikalische Mischbarkeitsprobe durchgeführt werden. Extrem saures oder stark alkalisches Spritzwasser ist zu vermeiden, um die Stabilität des Wirkstoffs nicht zu gefährden. Zudem wird empfohlen, Mischungen mit stark ölhaltigen Produkten oder Schwefelpräparaten genau abzustimmen, da dies unter ungünstigen Witterungsbedingungen (z. B. starke Sonneneinstrahlung direkt nach der Applikation) zu Phytotoxizität an den empfindlichen Blättern der Kultur führen kann.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Alcoban ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug und Schutzhandschuhen, obligatorisch. Da der Wirkstoff Dithianon als gewässergefährdend eingestuft ist, müssen die gesetzlich vorgeschriebenen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern (Abdriftminderungsklassen) strikt eingehalten werden. Das Produkt ist bei sachgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte der direkte Kontakt mit blühenden Unkräutern in der Fahrgasse vermieden werden, um Nichtzielorganismen und die lokale Biodiversität zu schonen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Birne | Schorf (Venturia spp.) | — | 0.17 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 42T |
| Apfel | Schorf (Venturia spp.) | — | 0.17 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 42T |
| Apfel | Schorf (Venturia spp.) | — | 0.25 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 42T |
| Birne | Schorf (Venturia spp.) | — | 0.25 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 42T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Alcoban im Kernobst?
Der optimale Einsatzzeitpunkt liegt in der Phase des Hauptrisikos für Primärinfektionen durch Schorf, typischerweise zwischen dem Aufbrechen der Knospen (Mausohr-Stadium) und dem Ende der Blüte. Die Anwendung sollte stets präventiv vor angekündigten Regenperioden erfolgen, um einen lückenlosen Schutzfilm aufzubauen.
Wie verhält sich Alcoban bei Niederschlägen kurz nach der Applikation?
Dithianon besitzt eine hervorragende Regenbeständigkeit. Sobald der Spritzbelag auf den Blättern und Früchten der Kultur angetrocknet ist, bleibt die Schutzwirkung auch bei nachfolgenden Niederschlägen weitgehend stabil. Bei extremen Regenmengen über 20–25 mm sollte jedoch eine kritische Neu-Bewertung des Belags und gegebenenfalls eine Erneuerung des Schutzes in Betracht gezogen werden.
Kann Alcoban mit schwefelhaltigen Produkten kombiniert werden?
Eine Kombination ist grundsätzlich möglich, erfordert jedoch Vorsicht. Bei hohen Temperaturen und intensiver Sonneneinstrahlung kann die Mischung von Dithianon mit Netzschwefel zu Blatt- und Fruchtverbrennungen (Phytotoxizität) führen. Solche Mischungen sollten daher vorzugsweise in den kühleren Abendstunden oder bei bedecktem Himmel appliziert werden.
Warum ist Alcoban ein wichtiger Baustein im Antiresistenzmanagement?
Da der Wirkstoff Dithianon als Multi-Site-Inhibitor (FRAC-Gruppe M09) an mehreren Stellen im Stoffwechsel des Schorfpilzes gleichzeitig angreift, ist die Wahrscheinlichkeit einer Resistenzentwicklung extrem gering. Durch den alternierenden Einsatz von Alcoban mit systemischen Fungiziden wird deren Selektionsdruck gemindert und deren Wirksamkeit langfristig gesichert.
Welche Wartezeit muss bei der Anwendung von Alcoban eingehalten werden?
Gemäß den Zulassungsbestimmungen des BVL beträgt die einzuhaltende Wartezeit (PHI) für Alcoban im Kernobst (Apfel und Birne) exakt 42 Tage. Dies stellt sicher, dass bis zur Ernte alle Wirkstoffrückstände unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen.
Wie beeinflusst die Wasserqualität die Wirksamkeit von Alcoban?
Für eine optimale Stabilität des Wirkstoffs Dithianon sollte das verwendete Spritzwasser einen leicht sauren bis neutralen pH-Wert (ca. 5,5 bis 7,0) aufweisen. Stark alkalisches Wasser kann zu einer vorzeitigen chemischen Degradation des Wirkstoffs in der Spritzbrühe führen, weshalb in solchen Fällen der Einsatz eines pH-Regulators empfohlen wird.