Architect
Architect ist ein hochwirksames, kombiniertes Pflanzenschutzmittel von BASF, das speziell für den Einsatz in Raps (Winter- und Sommerraps) sowie in Sonnenblumen entwickelt wurde. Als innovative Suspoemulsion vereint das Produkt die Eigenschaften eines leistungsstarken Fungizids mit denen eines modernen Wachstumsreglers. Dadurch bietet es Landwirten eine ganzheitliche Lösung, um sowohl die Standfestigkeit und Vitalität der Kulturen zu optimieren als auch ein breites Spektrum ertragsrelevanter Pilzkrankheiten effektiv zu kontrollieren.
Das Anwendungsspektrum von Architect umfasst wichtige wirtschaftliche Schaderreger wie die Wurzelhals- und Stängelfäule (Leptosphaeria maculans) im Raps sowie Sclerotinia, Rost und verschiedene Blattfleckenkrankheiten in Sonnenblumen. Durch diese Doppelwirkung schützt das Mittel die Kulturen in kritischen Wachstumsphasen und sichert das genetische Ertragspotenzial ab.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die herausragende Wirkung von Architect basiert auf dem synergetischen Zusammenspiel dreier aktiver Wirkstoffe mit unterschiedlichen Angriffspunkten. Die beiden wachstumsregulatorischen Komponenten Mepiquat und Prohexadion greifen direkt in die Gibberellinsäure-Biosynthese der Kultur ein. Während Prohexadion sehr rasch aufgenommen wird und eine schnelle Einkürzung der Internodien bewirkt, sorgt Mepiquat für eine langanhaltende Wachstumsregulierung. Dies führt zu einem kompakteren Wuchs, einer verbesserten Standfestigkeit und – bei einer Herbstanwendung im Raps – zu einer deutlich gesteigerten Winterfestigkeit durch die Verhinderung des vorzeitigen Emporwachsens des Vegetationskegels. Der fungizide Wirkstoff Pyraclostrobin gehört zur Gruppe der Strobilurine (FRAC-Gruppe 11, QoI-Inhibitoren). Er blockiert den Elektronentransport in den Mitochondrien der Pilzzellen, wodurch die Energieversorgung der Schaderreger zusammenbricht und diese absterben. Neben der direkten Krankheitsbekämpfung induziert Pyraclostrobin positive physiologische Effekte in der Kultur (AgCelence-Effekt), wie eine verbesserte Stresstoleranz gegenüber Trockenheit und eine gesteigerte Photosyntheseleistung.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von Resistenzen, insbesondere gegenüber dem Strobilurin-Wirkstoff Pyraclostrobin (FRAC-Gruppe 11), wirksam vorzubeugen, muss Architect stets im Rahmen einer vorausschauenden Antiresistenzstrategie eingesetzt werden. Dies beinhaltet die strikte Einhaltung der maximalen Anzahl an Anwendungen pro Saison und den gezielten Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen, wie beispielsweise Triazolen (DMI-Fungizide, FRAC-Gruppe 3) oder Carboxamiden (SDHI, FRAC-Gruppe 7). Zudem sollte die Aufwandmenge niemals unter das registrierte Minimum abgesenkt werden, um selektiven Druck auf Schaderreger-Populationen zu vermeiden.
Mischbarkeit & Tankmischung
Architect zeichnet sich durch eine sehr gute Mischbarkeit mit gängigen Pflanzenschutzmitteln aus, darunter viele Insektizide sowie flüssige Mikronährstoffdünger wie Bor, die im Raps- und Sonnenblumenanbau standardmäßig eingesetzt werden. Bei der Herstellung von Tankmischungen ist darauf zu achten, dass der Spritztank zunächst zu mindestens zwei Dritteln mit Wasser gefüllt ist, bevor Architect und anschließend die Mischpartner unter ständigem Rühren hinzugegeben werden. Extreme Spritzbrühen-Temperaturen sowie Anwendungen bei starker Sonneneinstrahlung oder unmittelbar bevorstehenden Nachtfrösten sollten vermieden werden, um die Kulturverträglichkeit nicht zu gefährden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Architect sind die gesetzlich vorgeschriebenen PSA-Maßnahmen (Anwenderschutz) strikt einzuhalten. Aufgrund der Wirkstoffeigenschaften sind spezifische Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern (BVL-Auflagen zum Schutz von Gewässerorganismen) und Saumbiotopen zu beachten, um den Eintrag in die Umwelt zu minimieren. Das Produkt ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich eingestuft (B4), dennoch sollten Behandlungen zum Schutz von Wildbienen und anderen Bestäubern vorzugsweise außerhalb des täglichen Bienenflugs in den Abendstunden durchgeführt werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Winterraps | Wurzelhals- und Stängelfäule (Leptosphaeria maculans) | 21–59 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sonnenblume | Braunfleckenkrankheit der Sonnenblume | 31–59 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Cylindrosporium-Weißfleckigkeit (Cylindrosporium concentricum) | 13–20 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sommerraps | Wurzelhals- und Stängelfäule (Leptosphaeria maculans) | 21–59 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sommerraps | Standfestigkeit | 21–59 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Winterfestigkeit, Standfestigkeit | 13–20 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Cylindrosporium-Weißfleckigkeit (Cylindrosporium concentricum) | 21–59 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sonnenblume | Wurzelhals- und Stängelfäule der Sonnenblume | 31–59 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sonnenblume | Sclerotinia sclerotiorum | 31–59 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sommerraps | Cylindrosporium-Weißfleckigkeit (Cylindrosporium concentricum) | 21–59 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Alternaria Arten (Alternaria sp.) | 13–20 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sonnenblume | Rost (Puccinia helianthi) | 31–59 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sonnenblume | Standfestigkeit | 31–59 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sonnenblume | Septoria-Blattflecken der Sonnenblume (Septoria helianthi) | 31–59 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Alternaria Arten (Alternaria sp.) | 21–59 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Wurzelhals- und Stängelfäule (Leptosphaeria maculans) | 13–20 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Winterfestigkeit, Standfestigkeit | 21–59 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sommerraps | Alternaria Arten (Alternaria sp.) | 21–59 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sonnenblume | Diaporthe helianthi | 31–59 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Architect im Winterraps im Herbst?
Der ideale Behandlungszeitpunkt im Herbst liegt im BBCH-Stadium 14 bis 16 (4- bis 6-Blatt-Stadium des Rapses). Zu diesem Zeitpunkt fördert die Kombination aus Wachstumsregler und Fungizid ein kompaktes Wachstum, verhindert das Überwachsen des Vegetationskegels vor dem Winter und schützt die jungen Kulturen effektiv vor frühem Phoma-Befall.
Wie beeinflusst Architect die Wurzelentwicklung der Kulturen?
Durch die gezielte Hemmung des oberirdischen Längenwachstums lenkt die Kultur mehr Assimilate in das Wurzelsystem. Dies führt zu einer tieferen Einwurzelung, einem dickeren Wurzelhals und einer verstärkten Feinwurzelbildung, was die Nährstoff- und Wasseraufnahme insbesondere in trockenen Frühjahrsphasen deutlich verbessert.
Kann Architect auch bei kühlen Frühjahrstemperaturen appliziert werden?
Ja, dank des enthaltenen Wirkstoffs Prohexadion entfaltet Architect seine wachstumsregulierende Wirkung bereits bei niedrigen Temperaturen ab etwa 5 °C bis 8 °C. Im Gegensatz zu reinen Azol-Wachstumsreglern, die für eine optimale Wirkung höhere Temperaturen und aktive Sonneneinstrahlung benötigen, bietet Architect somit eine hohe Flexibilität im zeitigen Frühjahr.
Welche physiologischen Vorteile bietet der Wirkstoff Pyraclostrobin in Architect?
Neben der fungiziden Wirkung induziert Pyraclostrobin den sogenannten AgCelence-Effekt. Er verbessert die Nitratreduktase-Aktivität der Kultur, was die Stickstoffausnutzung optimiert. Zudem reduziert er die Bildung von Stress-Ethylen in den Pflanzenzellen, wodurch die Kulturen unempfindlicher gegenüber Hitze, Trockenheit und mechanischem Stress reagieren.
Wie sollte die Aufwandmenge von Architect an den Pflanzenbestand angepasst werden?
Die Aufwandmenge sollte flexibel an die Wüchsigkeit des Bestandes und den Infektionsdruck angepasst werden. In normal entwickelten Beständen reichen im Herbst oft 1,2 bis 1,5 l/ha aus. Bei sehr üppigen, früh gesäten Beständen oder hohem Druck durch Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma) empfiehlt sich die Ausschöpfung der maximalen Aufwandmenge von 2,0 l/ha.
Was muss bei einer Tankmischung von Architect mit Bor-Blattdüngern beachtet werden?
Bei Mischungen mit Bor-Düngern sollte der Spritztank mindestens zu 75 % mit Wasser gefüllt sein. Architect muss zuerst vollständig im Tank gelöst und verteilt werden, bevor der Bor-Dünger langsam unter laufendem Rührwerk hinzugegeben wird. Die fertige Spritzbrühe sollte umgehend ausgebracht und nicht über längere Standzeiten im Tank belassen werden.