Bariton
Bariton ist ein hochwirksames, systemisches Pflanzenschutzmittel zur Saatgutbehandlung (Beizmittel) im Getreidebau, das von der Bayer CropScience Deutschland GmbH entwickelt wurde. Durch die Kombination zweier komplementärer Wirkstoffe bietet das Präparat einen zuverlässigen Schutz des keimenden Korns gegen ein breites Spektrum wirtschaftlich bedeutender, samen- und bodenbürtiger Schaderreger. Es etabliert ein stabiles Fundament für einen homogenen Feldaufgang und eine vitale Jugendentwicklung der Kulturen.
Die flüssige Formulierung (Suspensionskonzentrat zur Saatgutbehandlung, FS) zeichnet sich durch eine hervorragende Haftung am Korn und eine gleichmäßige Verteilung aus. Dies minimiert den Abrieb während des Beizprozesses sowie bei der Aussaat und sichert eine konstant hohe Wirkstoffkonzentration direkt an der Keimpflanze.
Das Wirkungsspektrum umfasst essentielle pilzliche Schaderreger wie Schneeschimmel (Microdochium nivale), Steinbrand, Flugbrand sowie Streifenkrankheit und Netzflecken in der frühen Entwicklungsphase. Damit sichert Bariton den Ertrag und die Qualität der Bestände von Anfang an.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die hervorragende Schutzwirkung von Bariton basiert auf dem synergistischen Zusammenspiel zweier aktiver Wirkstoffe mit unterschiedlichen biochemischen Angriffspunkten. Prothioconazol gehört zur Klasse der Triazolinthione (FRAC-Gruppe 3, SBI: Demethylierungs-Inhibitoren). Es hemmt die C14-Demethylase in der Sterol-Biosynthese der Pilze, was zu einer Störung der Membranintegrität und letztlich zum Absterben des Pathogens führt. Prothioconazol zeichnet sich durch eine langanhaltende systemische Wirkung aus, die auch neu zuwachsende Pflanzenteile schützt. Ergänzt wird dies durch Fluoxastrobin, einen Vertreter aus der Gruppe der Strobilurine (FRAC-Gruppe 11, QoI: Quinon-Outside-Inhibitoren). Fluoxastrobin blockiert den Elektronentransport in der Atmungskette der Mitochondrien (Komplex III), wodurch die Energieversorgung (ATP-Synthese) des Pilzes unterbunden wird. Dieser Wirkstoff besitzt eine ausgeprägte lokalsystemische Aktivität und sorgt für einen schnellen Knock-down-Effekt gegen keimende Sporen auf der Kornoberfläche.
Resistenzmanagement
Um einer Resistenzbildung wirksam vorzubeugen, kombiniert Bariton bereits werkseitig zwei Wirkstoffe aus unterschiedlichen FRAC-Klassen (Gruppe 3 und Gruppe 11). Diese duale Wirkungsweise minimiert das Risiko, dass selektierte, weniger empfindliche Stämme von Schaderregern überleben. Im Rahmen einer nachhaltigen Antiresistenzstrategie sollte darauf geachtet werden, in den nachfolgenden vegetativen Entwicklungsstadien der Kulturen bevorzugt Fungizide aus anderen Wirkstoffklassen einzusetzen und die maximalen Anwendungshäufigkeiten pro Saison strikt einzuhalten.
Mischbarkeit & Tankmischung
Als spezialisiertes Beizmittel wird Bariton in der Regel direkt in professionellen Saatgutaufbereitungsanlagen appliziert. Bei einer eventuellen Kombination mit anderen flüssigen Beizkomponenten, wie beispielsweise spezifischen Mikronährstoffen oder Insektizid-Beizen zur Drahtwurm- oder Vektorenbekämpfung, ist vorab stets die physikalische Mischbarkeit in einer Probe zu überprüfen. Die Beizbrühe sollte kontinuierlich gerührt und zeitnah verarbeitet werden. Eine gleichmäßige Benetzung des Saatguts sowie die Einhaltung der empfohlenen Wassermengen sind entscheidend für die Vermeidung von Verklebungen und zur Sicherung der Rieselfähigkeit.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel sowie beim Absacken und der Aussaat des behandelten Saatguts ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (insbesondere Schutzhandschuhe und Atemschutz bei Staubentwicklung) zu tragen. Um aquatische Organismen und die terrestrische Umwelt zu schützen, sind strenge Auflagen zur Staubminderung (z. B. Verwendung abdriftmindernder Sätechnik) einzuhalten. Verschüttetes gebeiztes Saatgut muss sofort tief in den Boden eingearbeitet oder entfernt werden, um Vögel und Kleinsäuger vor einer unbeabsichtigten Aufnahme zu schützen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| — | Allgemein | — | 0 GRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von Bariton?
Die Anwendung erfolgt als Saatgutbehandlung vor der Aussaat. Das behandelte Saatgut schützt die keimende Kultur direkt ab der Quellung (BBCH-Stadium 00) bis in die frühe Bestockungsphase hinein gegen boden- und samenbürtige Schaderreger.
Wie beeinflusst die Beizung mit Bariton die Keimfähigkeit des Saatguts bei längerer Lagerung?
Professionell mit Bariton behandeltes, qualitativ hochwertiges Saatgut behält bei kühler, trockener und sachgerechter Lagerung seine Keimfähigkeit über die normale Saison hinaus. Es wird jedoch empfohlen, vor der Aussaat im Folgejahr eine Keimprobe durchzuführen.
Welche Rolle spielt Bariton im integrierten Pflanzenschutz gegen Schneeschimmel?
Bariton bildet die erste Verteidigungslinie gegen Schneeschimmel (Microdochium nivale). In Regionen mit hohem Infektionsdruck oder bei spätem Saattermin verhindert die Beizung den frühen Befall der Keimlinge, was die Winterhärte der Kulturen signifikant verbessert.
Kann mit Bariton behandeltes Saatgut mit einer Standard-Drillmaschine ausgebracht werden?
Ja, das mit Bariton gebeizte Saatgut weist dank der modernen Formulierungstechnologie eine hervorragende Rieselfähigkeit auf. Dennoch sollte die Sämaschine vor der Arbeit präzise abgedreht werden, da die Beizung das Tausendkorngewicht (TKG) und das Fließverhalten minimal beeinflussen kann.
Wie verhält sich Bariton bezüglich des Schutzes von Nützlingen und Bienen?
Da Bariton als Saatgutbehandlung direkt in den Boden eingebracht wird, besteht bei sachgemäßer Ausbringung (unter Verwendung abdriftmindernder Sätechnik zur Vermeidung von Staubemissionen) kein direktes Risiko für Honigbienen und andere oberirdische Nützlinge.
Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel für spezifische Schaderreger?
Nutzen Sie die Such- und Filterfunktionen auf agronomy.farmable.tech. Sie können gezielt nach Ihrer Kultur und dem spezifischen Schaderreger filtern, um eine Übersicht aller in Deutschland (BVL) registrierten Beizmittel und Spritzmittel inklusive deren Anwendungsbestimmungen zu erhalten.