Belkar
Belkar ist ein innovatives Nachauflaufherbizid zur gezielten Bekämpfung von einjährigen zweikeimblättrigen Unkräutern im Winterraps. Das von Corteva Agriscience entwickelte Pflanzenschutzmittel basiert auf einer flüssigen Formulierung, die sich durch eine hervorragende Kulturverträglichkeit und flexible Anwendungstermine im Herbst auszeichnet. Es bietet Rapsanbauern eine verlässliche Lösung, um den Rapsbestand frühzeitig von starker Unkrautkonkurrenz zu befreien.
Das Wirkungsspektrum umfasst wirtschaftlich bedeutende Schaderreger wie Klettenlabkraut, Storchschnabel-Arten, Taubnesseln und Kamille. Durch die späte Keimung vieler Unkräuter im Herbst ermöglicht Belkar eine gezielte Behandlung nach dem Auflaufen der Kultur und der Unkräuter, wodurch Fehlbehandlungen auf nicht aufgelaufenen Flächen vermieden werden.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die Wirkung von Belkar beruht auf der Kombination zweier hochwirksamer systemischer Wirkstoffe: Halauxifen-methyl (bekannt als Arylex active) und Picloram. Beide Wirkstoffe gehören zur HRAC-Gruppe 4 (synthetische Auxine). Sie imitieren das pflanzliche Wachstumshormon Auxin (Indol-3-essigsäure), was bei empfindlichen Unkräutern zu einer Überstimulation des Wachstums führt. Nach der Aufnahme über das Blatt wird der Wirkstoff rasch in der Pflanze transportiert. Typische Symptome wie das charakteristische Verkrümmen und Verdrehen der Stängel und Blätter (Epinastie) zeigen sich bereits kurz nach der Behandlung. Das Wachstum der Schaderreger stoppt sofort, gefolgt von einer fortschreitenden Nekrose und dem vollständigen Absterben der Unkräuter innerhalb weniger Wochen, selbst bei kühleren Herbsttemperaturen.
Resistenzmanagement
Da beide Wirkstoffe in Belkar der HRAC-Gruppe 4 angehören, ist ein konsequentes Resistenzmanagement erforderlich. Um der Selektion resistenter Biotypen vorzubeugen, sollte Belkar im Rahmen einer integrierten Unkrautbekämpfung eingesetzt werden. Dies beinhaltet den Wechsel mit Herbiziden anderer Wirkstoffklassen (wie z. B. Bodenherbiziden der HRAC-Gruppe 15 oder Gräserherbiziden) in der Fruchtfolge sowie mechanische Maßnahmen zur Unkrautregulierung. Der wiederholte, alleinige Einsatz von synthetischen Auxinen auf derselben Fläche ist zu vermeiden.
Mischbarkeit & Tankmischung
Bei der Planung von Tankmischungen ist Vorsicht geboten, um die Kulturverträglichkeit nicht zu beeinträchtigen. Belkar sollte vorzugsweise solo oder in geprüften Kombinationen ausgebracht werden. Mischungen mit bestimmten Gräserherbiziden (insbesondere ACCase-Hemmern) oder spezifischen Wachstumsreglern und Fungiziden im Herbst können zu phytotoxischen Reaktionen führen; hier sind oft zeitliche Abstände von mehreren Tagen einzuhalten. Für eine optimale Benetzung und Wirkstoffaufnahme wird sauberes, weiches bis mittelhartes Spritzwasser empfohlen, wobei auf den Zusatz von Additiven verzichtet werden kann, da die Formulierung bereits optimiert ist.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug und Schutzhandschuhen, zu tragen. Zum Schutz von Gewässerorganismen und Nichtzielpflanzen sind die im Zulassungsbescheid des BVL festgelegten Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und Saumstrukturen strikt einzuhalten. Das Mittel wird im Allgemeinen als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte eine Anwendung in blühenden Beständen oder auf von Bienen beflogenen Unkräutern vermieden werden, um jegliches Risiko auszuschließen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Winterraps | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 16–18 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 12–18 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Splitting-Anwendung von Belkar im Vergleich zur Einmalanwendung?
Eine Splitting-Anwendung (z. B. 0,25 l/ha im BBCH-Stadium 12–14 gefolgt von 0,25 l/ha im BBCH-Stadium 16–18) empfiehlt sich bei ungleichmäßigem Unkrautauflauf oder langanhaltenden Keimwellen. Die Einmalbehandlung mit der vollen Aufwandmenge von 0,5 l/ha ist ideal, wenn der Großteil der Unkräuter bereits aufgelaufen ist und die Kultur das BBCH-Stadium 16 erreicht hat.
Wie beeinflussen niedrige Temperaturen im Spätherbst die Wirkung von Belkar?
Dank des Wirkstoffs Arylex active zeigt Belkar auch bei kühlen Temperaturen ab ca. 2 bis 5 °C eine zuverlässige Wirkung, solange die Pflanzen noch physiologisch aktiv sind und kein Dauerfrost herrscht. Die Wirkungsgeschwindigkeit verlangsamt sich bei Kälte zwar, der finale Bekämpfungserfolg bleibt jedoch stabil.
Kann Belkar nach einem Frostereignis appliziert werden?
Nach Nachtfrösten sollte mit der Applikation gewartet werden, bis sich die Rapspflanzen sichtlich erholt haben und die Wachstumsaktivität wieder einsetzt (meist 2–3 frostfreie Tage). Eine Anwendung auf frostgeschädigte oder gestresste Kulturen kann zu vorübergehenden Wachstumsdepressionen führen.
Welche Einschränkungen gelten für Nachfolgekulturen im Schadfall (Umbruch)?
Sollte der Rapsbestand im Winter auswintern, können im Frühjahr nach flacher Bodenbearbeitung in der Regel Sommergetreide, Sommerraps oder Mais nachgebaut werden. Für empfindliche Kulturen wie Leguminosen oder Zuckerrüben sind jedoch spezifische Wartezeiten einzuhalten und eine tiefe Pflugfurche ratsam, um Wirkstoffrückstände im Boden ausreichend zu verdünnen.
Warum ist die Einhaltung des BBCH-Stadiums bei Belkar so kritisch für die Kulturverträglichkeit?
Belkar darf erst ab dem voll entwickelten Keimblattstadium bzw. dem Erscheinen des ersten Laubblattpaares (BBCH-Stadium 12) eingesetzt werden. Eine zu frühe Anwendung kann die junge Kultur stark schädigen, da die metabolische Toleranz gegenüber den enthaltenen synthetischen Auxinen in sehr frühen Entwicklungsstadien noch nicht ausreichend ausgeprägt ist.
Wie verhält sich Belkar bei der Bekämpfung von Ausfallgetreide und Ungräsern?
Belkar ist ein reines Breitblatt-Herbizid und besitzt keine Wirkung gegen einkeimblättrige Schaderreger wie Ausfallgetreide, Windhalm oder Ackerfuchsschwanz. Für eine vollständige Unkraut- und Ungrasbereinigung muss die Bekämpfung von Gräsern in einer separaten Spritzung mit einem spezifischen Graminizid erfolgen.