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CARPOVIRUSINE MAX

BVL Zul.-Nr. 00B112-00

CARPOVIRUSINE MAX ist ein hochspezifisches, biologisches Pflanzenschutzmittel zur gezielten Regulierung des Apfelwicklers (Cydia pomonella) im Kernobst- und Schalenobstanbau. Als Suspensionskonzentrat formuliert, basiert das Präparat auf dem mexikanischen Isolat des Cydia pomonella Granulovirus (CpGV). Es stellt einen unverzichtbaren Baustein im integrierten sowie im ökologischen Anbau dar, um den gefürchteten Schaderreger ohne Rückstandsrisiken in den Früchten zu kontrollieren.

Die Formulierung zeichnet sich durch eine hervorragende Haftung auf der Fruchtoberfläche und eine optimierte UV-Stabilität aus. Dies ist besonders wichtig, da der Wirkstoff empfindlich auf intensive Sonneneinstrahlung reagiert. Durch den gezielten Einsatz in sensiblen Phasen der Larvenentwicklung wird der Befallsdruck effektiv gemindert, während Nützlinge und die Umwelt geschont werden.

Die Zulassung erstreckt sich über wichtige Kulturen wie Apfel, Birne, Quitte und Walnuss. Dank der extrem kurzen Wartezeit von nur einem Tag bietet das Produkt maximale Flexibilität bis kurz vor der Ernte, was es zu einem wertvollen Werkzeug im späten Generationenmanagement des Schädlings macht.

Wirkstoffe

Cydia pomonella Granulovirus mexikanisches Isolat
312.5 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Die Wirkung von CARPOVIRUSINE MAX beruht auf dem hochspezifischen Cydia pomonella Granulovirus (CpGV), das der IRAC-Gruppe 31 (Baculoviren) zugeordnet ist. Der Wirkstoff muss von den frisch geschlüpften Larven des Apfelwicklers oral aufgenommen werden, bevor sie sich in die Frucht einbohren. Im stark alkalischen Mitteldarm der Larve löst sich die Proteinhülle des Virus auf, wodurch die infektiösen Virionen freigesetzt werden. Diese dringen in die Darmzellen ein, vermehren sich rasant und führen innerhalb weniger Tage zum vollständigen Zusammenbruch des Organismus (Virose). Ein besonderer Vorteil dieses biologischen Wirkungsmechanismus ist, dass bereits infizierte Larven ihre Fraßtätigkeit rasch einstellen, wodurch der direkte Schaden an den Kulturen minimiert wird. Da das Virus extrem wirtsspezifisch ist, bleiben andere Insekten völlig unbeeinträchtigt.

Resistenzmanagement

Da es sich um ein biologisches Präparat (IRAC-Gruppe 31) handelt, ist das Risiko von Kreuzresistenzen gegenüber chemisch-synthetischen Insektiziden äußerst gering. Dennoch können bei kontinuierlicher Monotherapie mit einem einzigen Virusisolat Resistenzen beim Apfelwickler auftreten. Um dem vorzubeugen, sollte CARPOVIRUSINE MAX im Rahmen eines integrierten Pflanzenschutzkonzepts im Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen oder alternativen CpGV-Isolaten eingesetzt werden. Die Einbindung von Pheromonen zur Verwirrungstechnik unterstützt dieses Resistenzmanagement nachhaltig.

Mischbarkeit & Tankmischung

Das Pflanzenschutzmittel ist im Allgemeinen gut mit gängigen Fungiziden und Blattdüngern mischbar. Da die Stabilität des Granulovirus stark vom pH-Wert der Spritzbrühe abhängt, sollte der pH-Wert im Tank unbedingt im neutralen bis leicht sauren Bereich (pH 5,0 bis 7,0) liegen; stark alkalische Mischungspartner sind zu vermeiden. Die Anwendung sollte bevorzugt in den späten Nachmittags- oder Abendstunden oder bei bedecktem Himmel erfolgen, um die UV-Belastung direkt nach der Ausbringung zu minimieren und die Lebensdauer der Viruspartikel auf der Kultur zu maximieren.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Als biologisches Pflanzenschutzmittel weist CARPOVIRUSINE MAX ein hervorragendes Umweltprofil auf. Es ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft und schont wichtige Nutzorganismen im Obstgarten. Dennoch sind bei der Handhabung und Ausbringung die standardmäßigen persönlichen Arbeitsschutzmaßnahmen (wie Schutzhandschuhe und Schutzkleidung) einzuhalten, um Sensibilisierungen durch Aerosole zu vermeiden. Gewässerabstände und Abschwemmungsminderungen sind gemäß den aktuellen BVL-Zulassungsauflagen zu beachten, um den Eintrag in Oberflächengewässer zu verhindern.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
Nashi-BirneApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
QuitteApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
WalnussApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
ApfelApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T
BirneApfelwickler71–891 LITER_PER_HECTARE1T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Behandlung mit CARPOVIRUSINE MAX?

Der optimale Anwendungszeitpunkt richtet sich nach dem Flugverlauf des Apfelwicklers und dem daraus berechneten Larvenschlupf, welcher meist über Prognosemodelle ermittelt wird. Die Spritzung muss zwingend vor dem Einbohren der Larven in die Frucht erfolgen, idealerweise kurz nach dem Höhepunkt des Falterflugs, sobald die ersten Eier abgelegt werden (ab BBCH-Stadium 71).

Warum ist der pH-Wert des Wassers bei der Anwendung so wichtig?

Das Granulovirus ist in einer alkalischen Umgebung instabil, da sich die schützende Proteinhülle des Virus bei hohen pH-Werten vorzeitig auflöst. Liegt der pH-Wert der Spritzbrühe über 7,5, verliert das Pflanzenschutzmittel rasch an Wirksamkeit. Bei alkalischem Wasser wird dringend empfohlen, einen geeigneten pH-Puffer oder Säureregulator zuzusetzen, um den Wert auf pH 5,5 bis 6,5 einzustellen.

Kann CARPOVIRUSINE MAX auch bei starker Sonneneinstrahlung ausgebracht werden?

Da UV-Strahlung die Viren auf den Blättern und Früchten inaktiviert, sollte die Applikation bevorzugt am späten Nachmittag, Abend oder bei bewölktem Himmel erfolgen. Dadurch können die Larven den Wirkstoff während ihrer nächtlichen Aktivitätsphase aufnehmen, bevor das Sonnenlicht die Effizienz des Präparats mindern kann.

Wie verträgt sich das Produkt mit Nützlingen im Erwerbsobstbau?

CARPOVIRUSINE MAX ist extrem selektiv und schädigt ausschließlich Larven des Apfelwicklers. Wichtige Nützlinge wie Raubmilben, Florfliegen, Schlupfwespen, Schwebfliegen und räuberische Wanzen werden in keiner Weise beeinträchtigt. Das Produkt eignet sich daher perfekt für integrierte Anbausysteme (IPM) und schont das natürliche biologische Gleichgewicht in der Anlage.

Wie wird eine Resistenzbildung des Apfelwicklers gegen das Granulovirus verhindert?

Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, basiert CARPOVIRUSINE MAX auf einem mexikanischen Isolat (CpGV-M), das auch gegen bestimmte resistente Apfelwickler-Populationen wirkt. Dennoch sollte das Produkt im Wechsel mit chemisch-synthetischen Insektiziden anderer Wirkstoffklassen oder im Rahmen der Verwirrungstechnik eingesetzt werden, um den Selektionsdruck niedrig zu halten.

Wie lange ist die Wartezeit bis zur Ernte und wie flexibel ist der Einsatz?

Die gesetzliche Wartezeit beträgt für alle zugelassenen Kulturen lediglich einen Tag. Dies ermöglicht eine hochflexible Bekämpfung des Schaderregers bis unmittelbar vor der Ernte, was besonders bei späten Generationen des Apfelwicklers von großem Vorteil ist.