Croisor 100
Croisor 100 ist ein hochspezialisiertes Pflanzenschutzmittel, das als chemisches Hybridisierungsmittel eine Schlüsselrolle in der modernen Hybridweizenzüchtung einnimmt. Mit dem Wirkstoff Sintofen ermöglicht das Präparat die gezielte Erzeugung männlich steriler Pflanzen im Winterweichweizen (TRZAW). Dies bildet die technologische Grundlage für die kontrollierte Kreuzung von Vater- und Mutterlinien zur Erzeugung von ertragsstarkem Hybridsaatgut.
Die flüssige Formulierung ist optimal auf die physiologischen Besonderheiten des Weizens während der Schossphase abgestimmt. Durch die präzise Unterdrückung der Pollenentwicklung der Mutterlinie wird eine Selbstbefruchtung zuverlässig verhindert, sodass der anschließende Pollenflug der gezielt angebauten Vaterlinie für die gewünschte Hybridisierung sorgt.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Sintofen greift gezielt in die physiologischen Prozesse der Pollenentwicklung (Mikrosporogenese) ein. Er blockiert selektiv die Ausbildung funktionstüchtiger Pollenkörner in den Antheren der behandelten Weizenpflanzen, ohne dabei die weibliche Fertilität (die Empfänglichkeit der Narbe) oder das allgemeine Pflanzenwachstum negativ zu beeinflussen. Biochemisch führt diese gezielte Steuerung dazu, dass die behandelte Mutterlinie vorübergehend vollständig männlich steril wird. Da Sintofen kein klassisches Fungizid, Herbizid oder Insektizid ist, fällt es nicht unter die typischen FRAC-, HRAC- oder IRAC-Klassifizierungen, sondern agiert als hochspezifischer physiologischer Regulator (Gametozid) für die Hybridzüchtung.
Resistenzmanagement
Da es sich bei Croisor 100 um ein Gametozid zur Erzeugung männlich steriler Pflanzen und nicht um ein Mittel zur Bekämpfung von Schaderregern handelt, ist ein klassisches Resistenzmanagement im Sinne von Wirkstoffwechseln zur Vermeidung von Selektionseffekten bei Schadorganismen nicht relevant. Dennoch solltest du auf eine exakte Einhaltung der Anwendungsbestimmungen und optimalen Entwicklungsstadien achten, um eine gleichmäßige und vollständige Sterilität der Mutterlinie zu gewährleisten und physiologischen Stress der Kultur zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Aufgrund der hochsensiblen physiologischen Wirkung von Croisor 100 auf die Pollenentwicklung wird von Tankmischungen mit anderen Pflanzenschutzmitteln (wie Fungiziden, Herbiziden oder Wachstumsreglern) sowie Blattdüngern dringend abgeraten. Jede Mischung kann die Aufnahme von Sintofen unvorhersehbar beeinflussen oder phytotoxische Reaktionen hervorrufen, welche die Fertilität der Kultur beeinträchtigen. Verwende für die Applikation sauberes, weiches Wasser und achte auf eine präzise Kalibrierung deiner Spritztechnik.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Croisor 100 steht der Schutz des Anwenders im Vordergrund; das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bei der Handhabung des Konzentrats und während der Ausbringung ist obligatorisch. Zum Schutz von Nichtzielorganismen und der Umwelt solltest du Abdrift auf angrenzende Flächen unbedingt vermeiden. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse angegeben ist, empfiehlt sich aus Vorsorgegründen eine Anwendung außerhalb des aktiven Bienenflugs, vorzugsweise in den Abendstunden, um jeglichen Kontakt mit bestäubenden Insekten zu verhindern.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Winterweichweizen | Erzeugung männlich steriler Pflanzen | 31–32 | 15 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Warum ist das BBCH-Stadium 31–32 für die Anwendung von Croisor 100 so kritisch?
In dieser Phase (Beginn des Schossens bis zum 2-Knotenstadium) findet im Halm die entscheidende Differenzierung der Ährenanlagen und der Pollen statt. Behandelst du zu früh oder zu spät, kann der Wirkstoff Sintofen die Pollenentwicklung nicht mehr vollständig unterdrücken, was zu unerwünschter Selbstbefruchtung und somit zu Verunreinigungen im Hybridsaatgut führt.
Kann ich Croisor 100 auch in anderen Getreidearten wie Gerste oder Roggen einsetzen?
Nein, Croisor 100 ist in Deutschland ausschließlich für die Anwendung in Winterweichweizen (TRZAW) zugelassen. Die physiologische Wirkung von Sintofen ist hochgradig auf die Biologie des Weizens abgestimmt; ein Einsatz in anderen Kulturen ist nicht zulässig und kann schwere Schäden oder unzureichende Sterilität verursachen.
Welche Witterungsbedingungen begünstigen eine optimale Wirkung des Mittels?
Für eine optimale Aufnahme des Wirkstoffs solltest du auf wüchsiges Wetter mit moderaten Temperaturen und ausreichender Bodenfeuchtigkeit achten. Extrem trockene Bedingungen oder Froststress kurz vor oder nach der Behandlung können die Wirkstoffaufnahme hemmen und die Kultur unnötig belasten.
Wirkt sich Croisor 100 negativ auf die weiblichen Organe der Weizenpflanze aus?
Nein, die Selektivität von Sintofen sorgt dafür, dass ausschließlich die männlichen Pollen sterilisiert werden. Die weibliche Empfänglichkeit (Fertilität der Narbe) bleibt vollständig erhalten, sodass die Bestäubung durch den Pollenflug der benachbarten Vaterlinie reibungslos erfolgen kann.
Wo finde ich Informationen zu den Abstandsauflagen und Gewässerschutzbestimmungen für dieses Produkt?
Da diese Auflagen stark vom konkreten Anwendungsgebiet und der regionalen Gesetzgebung abhängen, solltest du vor der Ausbringung stets das aktuelle Sicherheitsdatenblatt und die offizielle Gebrauchsanleitung des Herstellers prüfen oder die BVL-Datenbank direkt auf agronomy.farmable.tech konsultieren.
Ist nach der Anwendung von Croisor 100 eine Wartezeit bis zur Ernte einzuhalten?
Da die Anwendung sehr früh in der Vegetationsperiode (BBCH 31–32) erfolgt und das behandelte Feld ausschließlich zur Erzeugung von Hybridsaatgut dient, ist die Wartezeit durch die Zulassungsbehörde (BVL) als 'F' (durch die Anwendungsbedingungen abgedeckt) eingestuft. Eine klassische Wartezeit in Tagen ist daher nicht relevant.