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OTHER · Biofa GmbH

CURATIO

BVL Zul.-Nr. 00A770-00

CURATIO von der Biofa GmbH ist ein hochspezialisiertes Pflanzenschutzmittel auf Basis von Schwefelkalkbrühe (Calciumpolysulfid), das eine herausragende Rolle im ökologischen und integrierten Kernobstbau einnimmt. Als flüssige Formulierung ist es primär für die Bekämpfung von Schorferregern (Venturia inaequalis und Venturia pyrina) an Äpfeln und Birnen registriert. Das Produkt schließt eine kritische Lücke im biologischen Pflanzenschutz, insbesondere bei schwierigen Infektionsbedingungen im Frühjahr.

Durch seine besondere Formulierung bietet CURATIO sowohl präventive als auch kurative Eigenschaften (Stopp-Wirkung). Es wird vor allem in Phasen mit hohem Infektionsdruck eingesetzt, um keimende Sporen direkt auf dem nassen Blatt zu erfassen. Damit stellt es ein unverzichtbares Werkzeug für Erwerbsobstbauer dar, die auf rückstandsfreie oder ökologische Erzeugung setzen.

Wirkstoffe

Schwefelkalkbrühe
380 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Schwefelkalkbrühe (380 g/l) entfaltet seine Wirkung über eine Kombination aus chemischen Abbauprozessen und physikalischen Effekten. Nach der Applikation zerfällt die Verbindung auf der Pflanzenoberfläche unter dem Einfluss von Kohlendioxid und Feuchtigkeit in elementaren Schwefel und Schwefelwasserstoff. Diese Abbauprodukte dringen in die Sporen und das Myzel der Schaderreger ein, stören deren Zellatmung und zerstören lebenswichtige Enzymsysteme. Zusätzlich besitzt CURATIO eine stark alkalische Wirkung im Moment der Ausbringung, was zu einer direkten Verätzung der empfindlichen Keimschläuche von Pilzsporen führt. Aufgrund dieses multisite-aktiven Wirkungsmechanismus (FRAC-Gruppe M02 / anorganische Wirkstoffe) ist das Risiko einer Resistenzentwicklung äußerst gering.

Resistenzmanagement

Da Schwefelkalkbrühe als Multisite-Fungizid an verschiedenen Stellen im Stoffwechsel der Schaderreger ansetzt, besteht kein bekanntes Risiko für eine Resistenzbildung bei Venturia-Arten. Dennoch sollte CURATIO im Rahmen eines integrierten Resistenzmanagements strategisch mit anderen Fungizidklassen abgewechselt werden. Dies schont die Kulturen und sichert die langfristige Wirksamkeit des gesamten Behandlungsplans über die gesamte Saison.

Mischbarkeit & Tankmischung

Aufgrund des stark alkalischen pH-Werts von Schwefelkalkbrühe ist CURATIO im Allgemeinen nicht mit sauren Pflanzenschutzmitteln, Blattdüngern oder den meisten organischen Fungiziden mischbar. Mischungen mit Netzmitteln oder Ölen können zu starker Phytotoxizität führen und sollten vermieden werden. Es wird dringend empfohlen, CURATIO als Solobehandlung auf trockenem Laub auszubringen oder bei gezielten Stopp-Behandlungen in die abtrocknende Infektion hineinzuarbeiten. Die Wasserqualität sollte neutral bis leicht alkalisch sein, da saure Spritzbrühen zum vorzeitigen Zerfall des Wirkstoffs im Tank führen.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit CURATIO ist aufgrund der ätzenden Eigenschaften der Schwefelkalkbrühe ein konsequenter Anwenderschutz (Schutzbrille, chemikalienbeständige Handschuhe und Schutzkleidung) zwingend erforderlich. Das Pflanzenschutzmittel ist als bienenungefährlich (B4) eingestuft, sollte jedoch zum Schutz von Gewässerorganismen und Nichtzielorganismen nicht in der Nähe von Oberflächengewässern unter Missachtung der vorgeschriebenen Abdriftminderungsauflagen ausgebracht werden. Der typische, intensive Geruch nach Schwefelwasserstoff verfliegt nach der Antrocknung rasch.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
ApfelLagerschorf (Venturia inaequalis)10–8718 LITER_PER_HECTARE7T
BirneBirnenschorf (Venturia pyrina)10–8718 LITER_PER_HECTARE7T
KernobstSchorf (Venturia spp.)10–8718 LITER_PER_HECTARE7T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Stopp-Behandlung mit CURATIO gegen Schorf?

Der optimale Zeitpunkt liegt während einer laufenden Infektionsperiode, idealerweise in die noch nasse oder gerade abtrocknende Kultur hinein (Keimungsphase der Sporen). CURATIO kann Schorfinfektionen noch bis zu mehreren Stunden nach Infektionsbeginn erfolgreich abstoppen.

Warum darf CURATIO nicht bei starker Sonneneinstrahlung oder hohen Temperaturen gespritzt werden?

Bei Temperaturen über 25 °C und intensiver Sonneneinstrahlung steigt das Risiko von Phytotoxizität (Blatt- und Fruchtverbrennungen) drastisch an. Behandlungen sollten daher in den kühlen Morgen- oder Abendstunden durchgeführt werden.

Kann CURATIO im ökologischen Landbau eingesetzt werden?

Ja, CURATIO ist für den ökologischen Landbau in Deutschland zugelassen und im Betriebsmittelverzeichnis für die ökologische Produktion gelistet. Es stellt eine wichtige Säule im biologischen Schorfmanagement dar.

Wie beeinflusst die Wasserqualität im Spritztank die Wirksamkeit von Schwefelkalkbrühe?

Schwefelkalkbrühe benötigt ein neutrales bis basisches Milieu. Ein saurer pH-Wert des Wassers im Spritztank führt zu einer sofortigen chemischen Reaktion, bei der giftiges Schwefelwasserstoffgas entweicht und die Wirksamkeit des Mittels stark herabgesetzt wird.

Wie unterscheidet sich die Wirkung von CURATIO von herkömmlichem Netzschwefel?

Während Netzschwefel rein protektiv wirkt und auf dem Blatt einen Belag bildet, besitzt CURATIO durch seinen hohen pH-Wert und die Polysulfide eine direkte, kurative Ätzwirkung auf bereits gekeimte Sporen. Es wirkt somit deutlich stärker als Stopp-Mittel bei akutem Infektionsdruck.