DIFOL
DIFOL ist ein hochwirksames, kombiniertes Fungizid zur gezielten Bekämpfung von Schorf (Venturia spp.) im Kernobstbau. Durch die intelligente Kombination zweier bewährter Wirkstoffe bietet dieses flüssige Pflanzenschutzmittel sowohl vorbeugenden Schutz als auch kurative Effekte. Es stellt eine wichtige Säule im modernen, integrierten Pflanzenschutz dar, um Ertrag und Fruchtqualität in Erwerbsobstanlagen abzusichern.
Die Formulierung als Suspensionskonzentrat (SC) zeichnet sich durch eine hervorragende Pflanzenverträglichkeit und eine gleichmäßige Verteilung auf Blättern und Früchten aus. Der Fokus der Zulassung liegt primär auf der Bekämpfung des Apfelschorfs (Venturia inaequalis) und des Birnenschorfs (Venturia pyrina), den wirtschaftlich bedeutendsten Pilzkrankheiten im Kernobstbereich. Durch die Kombination eines systemischen und eines Kontaktwirkstoffs wird ein breites, witterungsunabhängiges Schutzschild aufgebaut.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die biologische Wirksamkeit von DIFOL basiert auf zwei komplementären Wirkungsmechanismen. Difenoconazol gehört zur Klasse der Triazole (FRAC-Gruppe 3) und wirkt als systemischer Demethylierungs-Inhibitor (DMI). Es hemmt die Ergosterol-Biosynthese in den Zellmembranen des Pilzes, stoppt das Myzelwachstum im Blattgewebe und bietet somit eine hervorragende kurative sowie stoppende Wirkung gegen bereits eingedrungene Schaderreger. Folpet hingegen ist ein klassischer Kontaktwirkstoff aus der Gruppe der Phthalimide (FRAC-Gruppe M04). Als Multi-Site-Inhibitor greift es an verschiedenen Stellen im Stoffwechsel des Pilzes an, unterbindet die Sporenkeimung auf der Pflanzenoberfläche und verhindert so die Etablierung neuer Infektionen. Diese Kombination schützt die behandelte Kultur von außen und innen gleichermaßen.
Resistenzmanagement
Das integrierte Resistenzmanagement ist eine der größten Stärken von DIFOL. Da Folpet als Multi-Site-Fungizid (FRAC M04) ein extrem geringes Resistenzrisiko aufweist, schützt es den systemischen Partner Difenoconazol (FRAC 3) aktiv vor einer Selektion resistenter Schorfeinzeller. Um diese Schutzwirkung langfristig zu erhalten, sollte DIFOL im Rahmen einer klaren Spritzfolge im Wechsel mit Fungiziden anderer Wirkstoffklassen (wie z. B. SDHI oder Strobilurinen) eingesetzt werden.
Mischbarkeit & Tankmischung
DIFOL zeigt sich in der Praxis als hervorragend mischbar mit gängigen Insektiziden, Blattdüngern und anderen Fungiziden, die im Kernobstbau üblich sind. Bei Tankmischungen ist auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge zu achten, um eine lückenlose Benetzung der Baumkronen zu gewährleisten. Vor der Ansetzung größerer Mischungen wird ein physischer Mischbarkeitstest im kleinen Maßstab empfohlen. Zudem sollte die Spritzbrühe unmittelbar nach dem Ansetzen ausgebracht werden, insbesondere bei der Kombination mit sauren oder stark alkalischen Mischungspartnern.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit DIFOL ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA) konsequent zu tragen, um den Anwenderschutz zu gewährleisten. Aufgrund der Eigenschaften des Kontaktwirkstoffs Folpet sind spezifische Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern (Abdriftminderungsklassen) strikt einzuhalten, um aquatische Organismen zu schützen. Das Pflanzenschutzmittel ist bei vorschriftsmäßiger Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, sollte jedoch zum Schutz von Wildbienen und anderen Bestäubern nicht in die offene Blüte oder auf aktiv beflogene Unterkulturen appliziert werden.
Zugelassene Anwendungen
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von DIFOL gegen Schorf?
Der strategisch beste Einsatzzeitpunkt liegt in den Hauptinfektionsphasen des Schorfs im Frühjahr, insbesondere zwischen dem Knospenaufbruch (Grüne Knospe) und dem frühen Fruchtansatz. Hier schützt die systemische Komponente den raschen Zuwachs, während der Kontaktbelag vor der Keimung von Ascosporen schützt.
Warum ist die lange Wartezeit von 110 Tagen bei DIFOL zu beachten?
Die Wartezeit von 110 Tagen resultiert aus den strengen regulatorischen Vorgaben zum Schutz der Verbraucher vor Rückständen im Erntegut. Aufgrund dieser langen Frist ist DIFOL primär für Behandlungen in der ersten Saisonhälfte (Frühjahr bis Frühsommer) konzipiert und darf keinesfalls kurz vor der Ernte eingesetzt werden.
Kann DIFOL auch bei kühlen Frühjahrstemperaturen effektiv eingesetzt werden?
Ja. Während reine Triazole für eine optimale systemische Wirkung oft Temperaturen über 10–12 °C benötigen, sorgt der Kontaktpartner Folpet auch bei kühlerer Witterung für einen verlässlichen Basisschutz auf der Blattoberfläche. Die systemische Difenoconazol-Komponente entfaltet ihre volle kurative Leistung, sobald das Pflanzenwachstum bei milderen Temperaturen aktiver einsetzt.
Wie unterstützt DIFOL das Antiresistenzmanagement im Kernobstbau?
Durch die Kombination des Ein-Ort-Wirkstoffs Difenoconazol (Triazol) mit dem Multi-Site-Wirkstoff Folpet wird verhindert, dass sich Schorfpilz-Stämme mit beginnender Triazol-Sensitivitätsminderung unkontrolliert vermehren. Folpet erfasst auch jene Sporen, die gegen Triazole bereits eine verringerte Empfindlichkeit zeigen.
Was muss bezüglich des pH-Werts des Spritzwassers bei DIFOL beachtet werden?
Der Wirkstoff Folpet kann unter stark alkalischen Bedingungen (pH-Werte über 8) einer vorzeitigen Hydrolyse (chemischer Abbau) unterliegen. Es wird empfohlen, ein leicht saures bis neutrales Spritzwasser (optimaler pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5) zu verwenden, um die Stabilität und Dauerwirkung des Spritzbelags im Baum zu maximieren.