FYSIUM
FYSIUM ist ein hochspezialisiertes Pflanzenschutzmittel zur Nacherntebehandlung, das eine Schlüsselrolle in der modernen Lagerhaltung von Kernobst einnimmt. Als innovativer Wachstumsregulator basiert das Produkt auf dem Wirkstoff 1-Methylcyclopropen (1-MCP) und wird direkt im Anschluss an die Ernte in hermetisch abgedichteten Lagerzellen angewendet. Es dient primär dazu, den Reifeprozess von Äpfeln während der Langzeitlagerung signifikant zu verzögern und die Fruchtqualität bis zum Point of Sale auf höchstem Niveau zu erhalten.
Die Formulierung als wasserlösliches Pulver, das über ein spezielles, patentiertes Verdampfungssystem (Fysium-Generator) direkt in die Raumluft der Lagerzelle eingebracht wird, garantiert eine präzise und gleichmäßige Verteilung des gasförmigen Wirkstoffs. Dadurch wird sichergestellt, dass jede einzelne Frucht optimal erreicht wird. FYSIUM schützt die Ernte vor vorzeitigem Festigkeitsverlust, Schalenbräune und anderen physiologischen Lagerkrankheiten, ohne Rückstände im klassischen Sinne auf der Fruchtschale zu hinterlassen.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der biochemische Wirkungsmechanismus von FYSIUM beruht auf der gezielten Blockierung der Ethylenrezeptoren in der Kultur. Der Wirkstoff 1-Methylcyclopropen (1-MCP) besitzt eine strukturelle Ähnlichkeit mit dem natürlichen Reifehormon Ethylen, weist jedoch eine um ein Vielfaches höhere Affinität zu den Rezeptoren auf. Nach der Begasung besetzt 1-MCP diese Bindungsstellen irreversibel, sodass das körpereigene oder externe Ethylen nicht mehr andocken kann. Infolgedessen wird die Signalkaskade, die für den Reifeprozess, den Abbau von Pektinen (Zellwandstabilität) und den Abbau von Säuren verantwortlich ist, effektiv unterbrochen. Die Atmungsaktivität der Früchte sinkt auf ein Minimum, wodurch der Alterungsprozess der Kultur während der kontrollierten Atmosphäre (CA-Lagerung) nahezu vollständig stagniert.
Resistenzmanagement
Da es sich bei FYSIUM um einen physiologischen Wachstumsregulator zur Nacherntebehandlung und nicht um ein Fungizid oder Insektizid handelt, besteht kein klassisches Risiko für eine Resistenzbildung durch Schaderreger. Ein nachhaltiges Qualitätsmanagement erfordert jedoch die Einhaltung optimaler Erntefenster (Stärkeabbau, Festigkeit) und eine präzise Steuerung der Lagerparameter (Temperatur, CO2- und O2-Gehalt), um eine gleichmäßige Wirkung des Wirkstoffs über die gesamte Lagerperiode hinweg zu gewährleisten und physiologischen Fehlentwicklungen vorzubeugen.
Mischbarkeit & Tankmischung
Aufgrund der einzigartigen Anwendungsform als gasförmige Raumbehandlung in geschlossenen Lagerzellen ist eine physikalische Tankmischung mit flüssigen Pflanzenschutzmitteln oder Blattdüngern technisch ausgeschlossen und nicht vorgesehen. Die Anwendung erfolgt als Solobehandlung unmittelbar nach dem Einlagern der Früchte. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die Früchte vor der Begasung trocken sind und keine oberflächlichen Feuchtigkeitsfilme aufweisen, um eine ungehinderte Gasaufnahme über die Lentizellen zu ermöglichen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Die Anwendung von FYSIUM erfolgt ausschließlich in hermetisch verriegelten, gasdichten Lagerräumen durch geschultes Fachpersonal unter Verwendung des herstellereigenen Applikationssystems, wodurch das Risiko für die Anwendersicherheit im Normalbetrieb minimiert wird. Nach der vorgeschriebenen Einwirkzeit muss die Lagerzelle gründlich belüftet werden, bevor sie wieder betreten werden darf; hierbei sind die länderspezifischen Sicherheitsvorschriften und Atemschutzvorgaben strikt zu beachten. Da die Anwendung im geschlossenen Raum stattfindet, besteht kein direktes Risiko für Nichtzielorganismen wie Bienen, Vögel oder aquatische Ökosysteme im Freiland.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| — | Allgemein | — | 0 GRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von FYSIUM nach der Ernte?
Die Behandlung sollte so schnell wie möglich nach der Ernte erfolgen, idealerweise innerhalb von 2 bis 7 Tagen nach dem Pflücken, sobald die Früchte in die Lagerzelle eingebracht und auf die Zieltemperatur heruntergekühlt wurden. Je früher die Ethylenrezeptoren blockiert werden, desto effektiver bleibt die Fruchtqualität erhalten.
Kann FYSIUM auch bei bereits fortgeschrittener Fruchtreife angewendet werden?
Nein, die Wirkung ist am besten, wenn die Früchte im optimalen Pflückreifestadium (prä-klimakterisch oder zu Beginn des Klimakteriums) geerntet werden. Wenn die Früchte bereits zu viel eigenes Ethylen produziert haben und der Reifeprozess weit fortgeschritten ist, lässt die blockierende Wirkung von 1-MCP deutlich nach.
Wie lange müssen die Lagerzellen nach der Begasung geschlossen bleiben?
Nach der Einbringung des gasförmigen Wirkstoffs müssen die Lagerzellen für mindestens 24 Stunden hermetisch verschlossen bleiben, um eine vollständige Sättigung und Bindung an die Rezeptoren der Früchte zu gewährleisten. Danach kann die reguläre CA-Lageratmosphäre eingestellt werden.
Hat die Behandlung mit FYSIUM Einfluss auf den Geschmack der Früchte nach der Auslagerung?
Die Behandlung verzögert den Abbau von Fruchtsäuren und Zucker, was dazu beiträgt, das knackige Mundgefühl und das frische Aroma über Monate hinweg zu konservieren. Nach der Auslagerung und während der Shelf-Life-Phase setzt die natürliche Aromabildung wieder ein, sodass die Früchte ihren sortentypischen Geschmack voll entfalten.
Wie unterscheidet sich die Anwendung von FYSIUM von klassischen Fungizidbehandlungen im Lager?
Während Fungizide gezielt Pilzinfektionen (wie Botrytis oder Gloeosporium) bekämpfen, greift FYSIUM als Wachstumsregulator direkt in die Physiologie der Frucht ein. Es bekämpft keine Schaderreger, sondern stärkt die natürliche Widerstandskraft der Frucht gegen physiologischen Verderb und Alterung durch die Hemmung des Reifehormons Ethylen.