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GIBB PLUS

BVL Zul.-Nr. 006898-00

GIBB PLUS ist ein hochspezialisierter Wachstumsregulator auf Basis der natürlichen Pflanzenhormone Gibberellin A4 und A7 (GA4/GA7). Das Präparat wird im professionellen Kernobstbau bei Apfel und Birne eingesetzt, um die Fruchtqualität maßgeblich zu sichern und physiologischen Störungen gezielt entgegenzuwirken. Durch seine flüssige Formulierung lässt sich das Pflanzenschutzmittel hervorragend dosieren und gleichmäßig in der Anlage verteilen.

Der Schwerpunkt der Anwendung liegt in der Minderung der gefürchteten Fruchtberostung bei empfindlichen Apfelsorten sowie in der gezielten Förderung des Fruchtansatzes, insbesondere nach Spätfrösten oder bei ungünstigen Witterungsbedingungen während der Blütezeit. GIBB PLUS unterstützt die Zellteilung und das Zellstreckungswachstum in der jungen Fruchtwand, was zu einer glatteren Schale und einer gleichmäßigeren Fruchtform führt.

Als bewährtes Werkzeug im modernen Qualitätsmanagement hilft dieses Pflanzenschutzmittel Obstbauern, den Anteil an erstklassiger Handelsware signifikant zu erhöhen. Die zeitlich präzise Steuerung der Behandlungen während der kritischen frühen Entwicklungsphasen der Kulturen sichert den wirtschaftlichen Erfolg im anspruchsvollen Erwerbsobstbau.

Wirkstoffe

Gibberelline (GA4/GA7)
10 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Die Wirkung von GIBB PLUS basiert auf den physiologischen Eigenschaften der enthaltenen Gibberelline GA4 und GA7. Diese Phytohormone steuern essentielle Wachstumsprozesse in der Kultur. Nach der Aufnahme stimulieren sie sowohl die Zellteilung (Mitose) als auch die Zellstreckung in den epidermalen Geweben der jungen Früchte. Dies ist besonders in den ersten Wochen nach der Blüte entscheidend, wenn die Fruchthaut extrem dehnungsfähig sein muss, um dem raschen Wachstum des Fruchtfleisches ohne Rissbildung standzuhalten. Durch die Stabilisierung der Epidermiszellen wird die Entstehung von Mikrorissen in der Kutikula verhindert, welche die Hauptursache für die spätere Korkbildung (Fruchtberostung) darstellen. Zudem fördern die Gibberelline die Parthenokarpie (Jungfernfrüchtigkeit) und sichern den Fruchtansatz auch dann, wenn eine unzureichende Befruchtung durch mangelnden Bienenflug oder Frostschäden an den Blütenorganen vorliegt.

Resistenzmanagement

Da es sich bei Gibberellinen um pflanzeneigene Hormone und nicht um klassische Fungizide oder Insektizide handelt, besteht kein direktes Risiko für eine klassische Resistenzentwicklung im Sinne der FRAC- oder HRAC-Klassifizierungen. Dennoch erfordert ein nachhaltiges Kulturmanagement die strikte Einhaltung der empfohlenen Aufwandmengen und Anwendungsfenster. Um die Vitalität der Kulturen langfristig zu erhalten und unerwünschte vegetative Nebeneffekte wie übermäßiges Triebwachstum oder eine Knospenhemmung im Folgejahr zu vermeiden, sollte GIBB PLUS stets im Rahmen eines ausgewogenen, jahreszeitlich angepassten Kulturführungskonzepts eingesetzt werden.

Mischbarkeit & Tankmischung

GIBB PLUS ist im Allgemeinen gut mit gängigen Fungiziden und Insektiziden im Obstbau mischbar. Bei Tankmischungen ist jedoch stets auf den pH-Wert der Spritzbrühe zu achten; ein leicht saurer Bereich (pH 5,0 bis 6,5) ist optimal, um die Stabilität und Aufnahme der Gibberelline zu maximieren. Stark alkalische Mischungspartner oder extrem kalkhaltiges Wasser können die Wirksamkeit herabsetzen. Die Zugabe von speziellen Netzmitteln ist meist nicht erforderlich, da die Formulierung bereits auf eine optimale Benetzung ausgelegt ist. Vor der großflächigen Anwendung von Mischungen wird ein Kleinflächentest zur Verträglichkeit empfohlen.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Als naturnaher Wachstumsregulator weist GIBB PLUS ein günstiges ökotoxikologisches Profil auf. Das Mittel ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft und kann somit auch während der Blütezeit flexibel in den Kulturen eingesetzt werden. Dennoch sind beim Umgang mit dem Konzentrat die üblichen Arbeitsschutzmaßnahmen wie das Tragen von Schutzhandschuhen und Schutzbrille beim Ansetzen der Spritzbrühe strikt einzuhalten. Zum Schutz von Gewässerorganismen und der umliegenden Flora sind die in der BVL-Zulassung festgelegten Abdriftminderungsklassen und Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern konsequent zu beachten.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
ApfelErhaltung der Qualität, Minderung der Fruchtberostung67–990.5 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT
BirneFörderung des Fruchtansatzes61–670.5 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT
BirneFörderung des Fruchtansatzes61–670.25 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Behandlung gegen Fruchtberostung bei Äpfeln?

Die kritische Phase für die Entstehung von Berostung beginnt mit dem Abfallen der Kronblätter (BBCH 67 bis 69) und erstreckt sich über die folgenden drei bis vier Wochen. Die erste Anwendung sollte daher direkt zum Ende der Blüte erfolgen, gefolgt von Folgebehandlungen im Abstand von 7 bis 10 Tagen, besonders wenn feuchte Witterungsbedingungen das Risiko für Mikrorisse in der Fruchthaut erhöhen.

Wie hilft GIBB PLUS nach einem plötzlichen Spätfrost während der Blüte?

Nach einem Frostereignis blockiert die Kälte oft die natürliche Befruchtung. Eine zeitnahe Anwendung von GIBB PLUS (idealerweise innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach dem Frost) stimuliert die Entwicklung von parthenokarpen (samenlosen) Früchten. Dadurch wird der vorzeitige Fruchtfall verhindert und der Ertrag der Kultur trotz Frostschäden gerettet.

Kann die Anwendung von GIBB PLUS die Blütenbildung im Folgejahr beeinflussen?

Ja, Gibberelline können bei zu hoher Dosierung oder zu späten Anwendungen die Differenzierung von Blütenknospen für das nächste Jahr hemmen. Um diese Alternanzgefahr zu minimieren, müssen die registrierten Aufwandmengen exakt eingehalten und späte Behandlungen nach dem Juni-Fruchtfall vermieden werden.

Welche Rolle spielt die Temperatur bei der Ausbringung des Wachstumsregulators?

Für eine optimale Aufnahme und Wirkung von GA4/GA7 sind milde Temperaturen zwischen 15 °C und 22 °C sowie eine hohe Luftfeuchtigkeit ideal. Vermeiden Sie Applikationen in der prallen Mittagssonne oder bei Temperaturen über 25 °C, da die Spritzbrühe sonst zu schnell eintrocknet, bevor der Wirkstoff in das Pflanzengewebe eindringen kann.

Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel zur Berostungsminderung?

Nutzen Sie die Filterfunktion in unserer Datenbank auf agronomy.farmable.tech. Wählen Sie Ihre spezifische Kultur (z. B. Apfel) und filtern Sie nach dem Schaderreger bzw. dem Einsatzzweck „Minderung der Fruchtberostung“ oder „Wachstumsregulatoren“, um alle aktuell in Deutschland zugelassenen Alternativen und deren Anwendungsbestimmungen zu vergleichen.

Ist bei der Anwendung von GIBB PLUS eine Wartezeit einzuhalten?

Für GIBB PLUS ist die Wartezeit durch die Zulassungsbehörde (BVL) als „F“ (Vorgeschrieben durch die Vegetationsperiode/BBCH-Stadium) definiert. Da die Anwendungen sehr früh in der Saison (während und kurz nach der Blüte) stattfinden, ist bis zur Ernte im Herbst ein ausreichender zeitlicher Abstand gewährleistet, sodass keine Rückstandsrisiken bestehen.