Hingios
Hingios ist ein hochwirksamer Wachstumsregler von Bayer CropScience Deutschland GmbH, der speziell für den Einsatz im Winterraps (BRSNW) im Herbst entwickelt wurde. Das Pflanzenschutzmittel basiert auf dem bewährten Wirkstoff Prohexadion (75 g/l) und ist als flüssige Formulierung optimal auf die Anforderungen moderner Rapsanbaubetriebe abgestimmt. Ziel der Anwendung ist es, das vegetative Wachstum der Kultur in der frühen Entwicklungsphase gezielt zu steuern.
Durch den gezielten Eingriff in den Hormonhaushalt der Kultur verhindert Hingios ein vorzeitiges Überwachsen des Rapses vor dem Winter. Dies ist besonders bei frühen Saatterminen oder wüchsigen Herbstbedingungen von entscheidender Bedeutung. Die gestauchten Triebe und der flach am Boden anliegende Rosettenwuchs schützen das Herzblatt effektiv vor Frostschäden und verbessern die Winterfestigkeit der Kultur erheblich.
Neben der Frosttoleranz legt die herbstliche Anwendung den Grundstein für eine hervorragende Standfestigkeit im folgenden Frühjahr. Ein kompakter Wuchs und ein kräftig ausgebildetes Wurzelsystem sorgen dafür, dass die Kultur auch unter widrigen Witterungsbedingungen stabil steht und das Ertragspotenzial voll ausgeschöpft werden kann.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in Hingios enthaltene Wirkstoff Prohexadion greift direkt in die Biosynthese der Gibberelline ein. Gibberelline sind pflanzeneigene Hormone, die maßgeblich für das Streckungswachstum verantwortlich sind. Prohexadion blockiert späte Schritte dieser Synthesekette (Dioxygenasen), wodurch die Bildung biologisch aktiver Gibberelline gehemmt wird. Dies führt zu einer gezielten Einkürzung der Internodien und einer kompakteren Rosettenbildung des Rapses im Herbst. Gleichzeitig fördert die Hemmung des Längenwachstums die Verlagerung von Assimilaten in das Wurzelsystem. Der Wurzelhalsdurchmesser nimmt zu, und die Pfahlwurzel kann sich tiefer im Boden verankern. Diese physiologische Veränderung verbessert nicht nur die Nährstoff- und Wasseraufnahme, sondern erhöht auch die Widerstandsfähigkeit der Kultur gegenüber winterlichen Auswinterungsbedingungen.
Resistenzmanagement
Da es sich bei Prohexadion um einen Wachstumsregler handelt, der direkt auf die Physiologie der Kultur wirkt, besteht kein direktes Risiko einer Resistenzentwicklung im klassischen Sinne wie bei Fungiziden oder Herbiziden. Um die Vitalität der Kultur zu sichern und physiologische Stressreaktionen zu vermeiden, sollte die Anwendung stets innerhalb der empfohlenen BBCH-Stadien (BBCH 12 bis 18) erfolgen. Die Integration von Hingios in ein ganzheitliches pflanzenbauliches Konzept, das auch Sortenwahl, Saatzeitpunkt und eine ausgewogene Stickstoffdüngung berücksichtigt, sichert den langfristigen Erfolg der Maßnahme.
Mischbarkeit & Tankmischung
Hingios zeichnet sich durch eine gute Mischbarkeit mit gängigen Herbiziden, Graminiziden und Insektiziden aus, die im herbstlichen Rapsanbau eingesetzt werden. Bei Mischungen mit borhaltigen Blattdüngern oder speziellen Additiven sollte jedoch vorab eine physikalische Mischbarkeitsprobe durchgeführt werden. Um eine optimale Wirkstoffaufnahme zu gewährleisten, empfiehlt sich die Anwendung bei wüchsigem Wetter und ausreichender Luftfeuchtigkeit. Extrem harte Wässer können die Effizienz von Prohexadion leicht beeinflussen; in solchen Fällen kann der Zusatz eines geeigneten Wasserenthärters oder Ammoniumsulfats die Wirkung stabilisieren.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Hingios sind die standardmäßigen persönlichen Schutzmaßnahmen (PSA) wie Schutzhandschuhe und Schutzkleidung zu tragen, um Hautkontakt zu vermeiden. Das Pflanzenschutzmittel ist so formuliert, dass es bei sachgemäßer Anwendung ein geringes Risiko für Nichtzielorganismen darstellt. Dennoch sind die gesetzlich vorgeschriebenen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern strikt einzuhalten, um den Eintrag in aquatische Ökosysteme zu verhindern. Das Produkt ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, weshalb Anwendungen auch außerhalb der Blütezeit der Kultur sicher durchgeführt werden können.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Winterraps | Standfestigkeit | 12–18 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Winterfestigkeit | 12–18 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Hingios im Herbst?
Der ideale Behandlungszeitraum liegt in den BBCH-Stadien 12 bis 18, also vom 2-Blatt-Stadium bis zum 8-Blatt-Stadium des Winterrapses. Besonders effektiv ist die Anwendung, wenn die Kultur zügig wächst und die Temperaturen tagsüber über 10 °C liegen, da der Wirkstoff Prohexadion dann am besten von den Blättern aufgenommen und transportiert wird.
Warum ist die Förderung der Winterfestigkeit durch Hingios so wichtig für den Ertrag?
Wenn Raps im warmen Herbst zu stark in die Höhe wächst (überwächst), hebt sich der Vegetationspunkt (das Herzblatt) über die Bodenoberfläche. Dies macht die Kultur extrem anfällig für Frostschäden und Auswinterung. Hingios hält den Vegetationspunkt dicht am Boden, schützt ihn unter einer eventuellen Schneedecke und sichert so das Überleben der Kultur im Winter.
Kann Hingios zusammen mit einer herbstlichen Fungizidmaßnahme ausgebracht werden?
Ja, eine Tankmischung mit Fungiziden (z. B. zur Phoma-Bekämpfung) ist in der Regel möglich und oft pflanzenbaulich sinnvoll, da sich die wachstumsregulierenden Effekte ergänzen können. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, die Aufwandmengen der Partner anzupassen, um ein zu starkes Einkürzen der Kultur unter Stressbedingungen (wie Trockenheit) zu vermeiden.
Welchen Einfluss hat die Wasserqualität auf die Wirkung von Hingios?
Da der Wirkstoff Prohexadion empfindlich auf freie Calcium- und Magnesiumionen in sehr hartem Wasser reagieren kann, empfiehlt sich bei hartem Brunnen- oder Leitungswasser der Zusatz eines pH-Puffers oder von Ammoniumsulfat (AMS). Dies stabilisiert den Wirkstoff in der Spritzbrühe und sichert eine gleichmäßig hohe Aufnahme durch die Kultur.
Wie verhält sich Hingios bezüglich der Wartezeit (PHI) im Winterraps?
Für Hingios ist im Winterraps keine spezifische Wartezeit in Tagen ausgewiesen (F-Einstufung). Da die Anwendung ausschließlich im frühen Herbst (bis BBCH 18) erfolgt und die Ernte erst im darauffolgenden Sommer stattfindet, ist die Einhaltung einer Wartezeit durch die vorgegebene Vegetationspause und die Anwendungsbedingungen vollständig abgedeckt.
Wie erkenne ich, ob mein Rapsbestand eine Behandlung mit Hingios benötigt?
Eine Behandlung empfiehlt sich besonders bei frühen Saatterminen, hoher Stickstoffnachlieferung des Bodens, milden Herbsttemperaturen und wüchsigen Sorten. Wenn die Gefahr besteht, dass der Raps vor dem Wintereinbruch das 8-Blatt-Stadium überschreitet und zu schießen beginnt, schützt der rechtzeitige Einsatz von Hingios vor dem Überwachsen.