Latifam Extra
Latifam Extra ist ein hochspezialisiertes Pflanzenschutzmittel zur Saatgutbehandlung (Beizmittel) in Form eines flüssigen Suspensionskonzentrats (FS). Die Kombination der beiden Wirkstoffe Fludioxonil und Silthiofam wurde gezielt entwickelt, um Getreidekulturen bereits in der sensiblen Keimungs- und Auflaufphase vor ertragsmindernden Schaderregern zu schützen. Durch die Formulierung als Beizmittel wird der Wirkstoff direkt dorthin appliziert, wo der Schutz am dringendsten benötigt wird: an das Saatgut und in die unmittelbare Rhizosphäre.
Das Produkt besetzt eine wichtige Nische im Segment der Spezialbeizen, insbesondere beim Anbau von Getreide in engen Fruchtfolgen oder bei hohem Infektionsdruck durch bodenbürtige Pilze. Während Silthiofam einen hochspezifischen Schutz gegen die gefürchtete Schwarzbeinigkeit bietet, deckt Fludioxonil als bewährter Breitbandpartner ein breites Spektrum an samen- und bodenbürtigen Schaderregern ab. Dies sichert einen homogenen Feldaufgang und vitale Jungpflanzen selbst unter ungünstigen Witterungsbedingungen.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die hervorragende Schutzwirkung von Latifam Extra basiert auf zwei komplementären Wirkungsmechanismen. Der Wirkstoff Silthiofam gehört zur chemischen Gruppe der Thiophencarboxamide (FRAC-Gruppe 38). Er greift spezifisch in den Energietransport des Erregers der Schwarzbeinigkeit (Gaeumannomyces graminis) ein, indem er die ATP-Synthese blockiert. Silthiofam verbleibt in der direkten Umgebung der Wurzel und bildet einen schützenden Hof, der das Eindringen des Pilzes in das junge Wurzelsystem effektiv verhindert. Fludioxonil hingegen gehört zur Klasse der Phenylpyrrole (FRAC-Gruppe 12) und ist ein Kontaktfungizid mit langanhaltender Wirkung. Es hemmt die osmotische Signaltransduktion im Pilz, was zu einer schnellen Störung des Zellwachstums und letztlich zum Absterben der Sporen und des Myzels führt. Fludioxonil schützt das Saatgut und den Keimling zuverlässig vor Schaderregern wie Microdochium nivale (Schneeschimmel) und verschiedenen Fusarium-Arten.
Resistenzmanagement
Um einer Resistenzentwicklung vorzubeugen, kombiniert Latifam Extra zwei Wirkstoffe aus unterschiedlichen FRAC-Gruppen (12 und 38) mit völlig verschiedenen Angriffspunkten im Pilzmetabolismus. Da Silthiofam hochspezifisch gegen Schwarzbeinigkeit wirkt, ist dieses Kombinationsprodukt ein wertvoller Baustein im Antiresistenzmanagement. Flankierend sollten pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge, der Verzicht auf anfällige Vorfrüchte bei Weizenselbstfolge und eine sorgfältige Stoppelhygiene integriert werden, um den Selektionsdruck auf die Schaderreger nachhaltig zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Da Latifam Extra als Beizmittel in professionellen Saatgutbehandlungsanlagen appliziert wird, ist die physikalische und chemische Kompatibilität bei der Applikation von entscheidender Bedeutung. Das Produkt ist in der Regel gut mischbar mit gängigen Beizhilfsmitteln, Farbstoffen und speziellen Beiz-Insektiziden. Bei der Herstellung von Beizmischungen ist auf eine gleichmäßige Wasserqualität und die Einhaltung der vom Hersteller empfohlenen Flüssigkeitsmengen zu achten, um eine homogene Verteilung auf dem Korn und eine optimale Haftung ohne Staubentwicklung zu gewährleisten.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Latifam Extra und dem behandelten Saatgut steht der Anwenderschutz im Vordergrund; das Tragen von vorgeschriebener persönlicher Schutzausrüstung (wie Schutzhandschuhen und Atemschutz beim Absacken oder Reinigen der Anlagen) ist obligatorisch. Zum Schutz von Vögeln und freilebenden Säugetieren muss das behandelte Saatgut bei der Aussaat vollständig in den Boden eingearbeitet werden. Verschüttetes Saatgut ist sofort zu beseitigen, um eine Aufnahme durch Wildtiere zu verhindern. Zudem sind die spezifischen Anwendungsbestimmungen zum Schutz von Gewässern vor Abdrift und Abschwemmung strikt einzuhalten.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| — | Allgemein | — | 0 GRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Gegen welche spezifischen Schaderreger wird Latifam Extra primär eingesetzt?
Latifam Extra wird primär zur Bekämpfung der Schwarzbeinigkeit (Gaeumannomyces graminis) eingesetzt, einer der wirtschaftlich bedeutendsten Fußkrankheiten im Getreidebau. Durch den Kombinationspartner Fludioxonil werden gleichzeitig wichtige samen- und bodenbürtige Erreger wie Schneeschimmel (Microdochium nivale) und Fusarium-Arten erfasst.
Warum ist der Schutz vor Schwarzbeinigkeit im Herbst so wichtig?
Die Infektion mit Schwarzbeinigkeit erfolgt meist schon sehr früh im Herbst an den jungen Keimlingswurzeln. Da der Pilz die Leitungsbahnen der Wurzeln zerstört, zeigt sich der Schaden oft erst im Frühjahr oder Sommer durch Notreife und Kümmerkorn. Eine Beizung schützt die Wurzeln direkt ab der Keimung, wenn noch keine kurativen Maßnahmen mehr möglich sind.
Welche pflanzenbaulichen Faktoren erhöhen das Risiko für Schwarzbeinigkeit?
Ein hohes Risiko besteht vor allem bei engen Getreidefruchtfolgen (insbesondere Weizen nach Weizen oder Gerste nach Weizen), auf leichten, warmen und gut durchlüfteten Böden sowie bei milder, feuchter Herbstwitterung. Auch eine frühe Aussaat begünstigt die Infektion, weshalb hier der Einsatz einer Spezialbeize besonders empfohlen wird.
Wie beeinflusst Latifam Extra die Vitalität der Jungpflanzen bei Trockenheit?
Durch den Schutz des primären und sekundären Wurzelsystems vor Pilzbefall können die Jungpflanzen ein tieferes und verzweigteres Wurzelwerk ausbilden. Dies verbessert die Wasser- und Nährstoffaufnahme der Kultur erheblich, wodurch die Pflanzen auch Phasen von Frühjahrstrockenheit deutlich besser tolerieren.
Was muss bei der Aussaat von mit Latifam Extra behandeltem Saatgut beachtet werden?
Es ist wichtig, moderne Sämaschinen mit Abdriftminderungs-Kits zu verwenden, um den Abrieb von Beizstaub zu minimieren. Das Saatgut muss vollständig mit Erde bedeckt sein (Sautiefe beachten), damit keine Vögel oder Kleinsäuger die behandelten Körner aufnehmen können. Eventuell verschüttetes Saatgut muss sofort tief vergraben oder entfernt werden.