Alle Mittel
Sonstige · Certis Belchim B.V.

Latitude

BVL Zul.-Nr. 044862-00

Latitude ist ein hochspezialisiertes Pflanzenschutzmittel, das als flüssiges Beizmittel (Formulierungstyp FS) zur gezielten Abwehr bodenbürtiger Schaderreger eingesetzt wird. Als moderner Baustein im professionellen Ackerbau hat sich das Produkt insbesondere durch seine herausragende Wirkung gegen die Schwarzbeinigkeit (Gaeumannomyces graminis) etabliert, eine der wirtschaftlich bedeutendsten Fußkrankheiten in getreidelastigen Fruchtfolgen. Durch die direkte Applikation auf das Saatgut wird ein lückenloser Schutzschild direkt in der sensiblen Keimungs- und Auflaufphase der Kultur etabliert.

Die Formulierung zeichnet sich durch eine hervorragende Haftung am Korn und eine gleichmäßige Verteilung aus, was die Staubbildung beim Handling minimiert und die Fließeigenschaften in der Sämaschine optimiert. Da der Wirkstoff Silthiofam speziell für diesen Einsatzzweck entwickelt wurde, bietet Latitude landwirtschaftlichen Betrieben eine verlässliche Absicherung des Ertragspotenzials, besonders auf Standorten mit hohem Infektionsdruck oder bei engen Fruchtfolgen.

Wirkstoffe

Silthiofam
125 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der in Latitude enthaltene Wirkstoff Silthiofam gehört zur chemischen Klasse der Thiophencarboxamide (FRAC-Gruppe 38). Silthiofam besitzt einen einzigartigen, hochspezifischen Wirkungsmechanismus: Er hemmt selektiv das Enzym ATP-Citrat-Lyase beim Schaderreger. Dieses Enzym ist eine Schlüsselkomponente im Lipidstoffwechsel des Pilzes, welcher für den Aufbau von Zellmembranen und die Energieproduktion essenziell ist. Ohne funktionierende Lipidsynthese kann der Erreger der Schwarzbeinigkeit keine stabilen Hyphen ausbilden und die junge Wurzel nicht erfolgreich besiedeln. Nach der Aussaat löst sich der Wirkstoff in der Bodenfeuchtigkeit und bildet eine Schutzzone um das keimende Korn und die sich entwickelnden Primärwurzeln. Der Wirkstoff wird von den Wurzeln aufgenommen und systemisch transportiert, sodass auch neu gebildetes Wurzelgewebe in der kritischen frühen Wachstumsphase vor dem Eindringen des Pilzes geschützt bleibt.

Resistenzmanagement

Da Silthiofam einen sehr spezifischen Wirkungsmechanismus besitzt, ist ein vorausschauendes Resistenzmanagement unerlässlich, um die langfristige Wirksamkeit dieses Spezialisten zu sichern. Obwohl das Risiko einer Resistenzentwicklung bei bodenbürtigen Erregern wie Gaeumannomyces graminis als moderat eingestuft wird, solltest du stets auf eine weite Fruchtfolge mit dem Anbau von Nicht-Wirtspflanzen (wie Raps, Leguminosen oder Blattfrüchten) achten. Zudem empfiehlt es sich, Latitude im Rahmen eines integrierten Pflanzenschutzkonzepts einzusetzen und bei nachfolgenden Blattspritzungen Wirkstoffe aus anderen FRAC-Klassen zu verwenden, um den Selektionsdruck zu minimieren.

Mischbarkeit & Tankmischung

Als Beizmittel wird Latitude in der Praxis häufig in Kombination mit anderen Standard-Beizmitteln (wie beispielsweise fungiziden Beizen gegen Flugbrand und Schneeschimmel oder insektiziden Beizen) eingesetzt, um das Wirkungsspektrum abzurunden. Bei der Herstellung von Beizmischungen solltest du stets die physikalische Mischbarkeit der Komponenten vorab prüfen und die vom Hersteller empfohlenen Wassermengen genau einhalten, um eine gleichmäßige Benetzung des Saatguts ohne Verkleben zu gewährleisten. Achte darauf, dass die Beizbrühe kontinuierlich gerührt wird und das behandelte Saatgut vor der Absackung oder Aussaat vollständig abgetrocknet ist.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit dem konzentrierten Pflanzenschutzmittel sowie beim Handling und der Aussaat des behandelten Saatguts ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzhandschuhen und Atemschutz bei Staubentwicklung, zwingend erforderlich. Da es sich um eine Saatgutbehandlung handelt, ist das direkte Risiko für oberirdisch aktive Nützlinge wie Bienen im Vergleich zu Spritzanwendungen stark reduziert; dennoch solltest du darauf achten, dass beim Drillen kein Abrieb oder Staub in die Umwelt verweht wird (Einsatz abdriftmindernder Sätechnik). Um Vögel und Kleinsäuger zu schützen, muss das behandelte Saatgut vollständig in den Boden eingearbeitet und verschüttetes Korn sofort beseitigt werden.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
Allgemein0 GRAM_PER_HECTARE

Häufige Fragen

Warum ist eine Beizung mit Latitude bei früher Aussaat besonders sinnvoll?

Bei einer frühen Aussaat im Herbst ist der Boden oft noch warm, was das Wachstum des Schwarzbeinigkeit-Erregers begünstigt, während die Kultur noch eine lange Entwicklungszeit vor dem Winter vor sich hat. Latitude schützt die jungen Wurzeln in dieser kritisch langen Phase, in der das Infektionsrisiko am höchsten ist.

Kann ich mit Latitude behandeltes Saatgut bis zum nächsten Jahr lagern?

Ja, ordnungsgemäß gelagertes, trockenes und unbeschädigtes Saatgut behält seine Keimfähigkeit in der Regel auch bei einer Überlagerung. Du solltest jedoch vor der Aussaat im Folgejahr eine Keimprobe durchführen und sicherstellen, dass das Saatgut kühl, trocken und vor Nagetieren geschützt gelagert wurde.

Wie wirkt sich Latitude auf die Mykorrhizierung der Wurzeln aus?

Silthiofam besitzt eine sehr hohe Spezifität für den Erreger der Schwarzbeinigkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass nützliche Bodenpilze wie Mykorrhizapilze durch die Beizung nicht nachhaltig beeinträchtigt werden, sodass die natürliche Bodenbiologie weitgehend geschont wird.

Welche Rolle spielt die Bodenfeuchtigkeit für die Wirkung von Latitude?

Eine gewisse Bodenfeuchtigkeit nach der Aussaat ist notwendig, damit sich der Wirkstoff Silthiofam vom Korn lösen und den schützenden Wirkstoffhof um die junge Wurzel bilden kann. Bei extremer Trockenheit ist die Mobilität des Wirkstoffs eingeschränkt, er bleibt jedoch am Korn stabil und wird aktiv, sobald Feuchtigkeit verfügbar ist.

Wie erkennst du, ob deine Kultur von Schwarzbeinigkeit befallen ist?

Typische Symptome zeigen sich oft erst nach dem Ährenschieben durch vorzeitige Notreife (Weißährigkeit) und nesterweises Absterben. Wenn du die Pflanzen vorsichtig herausziehst, erkennst du befallene Pflanzen an einer tiefschwarzen Verfärbung der Wurzeln und der Halmbasis, die sich leicht abstreifen lässt.