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OTHER · Certis Belchim B.V.

Latitude

BVL Zul.-Nr. 044862-00

Latitude von Certis Belchim ist ein hochspezialisiertes Pflanzenschutzmittel zur Saatgutbehandlung (Beizmittel), das eine herausragende Rolle im Schutz von Getreidekulturen einnimmt. Als fließfähiges Konzentrat (FS) formuliert, bietet es einen gezielten Schutz direkt am Korn und schützt die auflaufende Kultur in ihrer kritischsten frühen Entwicklungsphase.

Der Fokus dieses Spezialpräparats liegt auf der Bekämpfung der Schwarzbeinigkeit (Gaeumannomyces graminis), einer der wirtschaftlich bedeutendsten Fußkrankheiten im Getreidebau, insbesondere bei engen Getreidefruchtfolgen oder beim Anbau von Weizen nach Weizen. Durch die direkte Applikation auf das Saatgut wird der Schaderreger bereits im Boden abgefangen, bevor er das junge Wurzelsystem nachhaltig schädigen kann.

Dank seiner modernen Formulierung haftet Latitude hervorragend auf dem Korn, was eine gleichmäßige Verteilung des Wirkstoffs und eine minimale Staubentwicklung bei der Aussaat gewährleistet. Dies macht es zu einem unverzichtbaren Baustein für professionelle Ackerbaubetriebe, die auf ertragsstarken Standorten das volle genetische Potenzial ihrer Kulturen absichern wollen.

Wirkstoffe

Silthiofam
125 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der in Latitude enthaltene Wirkstoff Silthiofam gehört zur chemischen Gruppe der Thiophencarboxamide (FRAC-Gruppe 45). Silthiofam wirkt hochselektiv auf den Erreger der Schwarzbeinigkeit. Der biochemische Wirkungsmechanismus basiert auf der Hemmung des Transports von Protonen und der Blockade der ATP-Synthese im Pilz, was die Energieversorgung des Schaderregers effektiv unterbindet. Nach der Keimung bildet sich um die junge Wurzel ein schützender Wirkstoffhof aus. Silthiofam wird von den Wurzeln aufgenommen und lokal systemisch transportiert. Dadurch wird das Eindringen der Pilzhyphen in das Wurzelgewebe verhindert, wodurch die Funktionsfähigkeit der Wurzeln für die Wasser- und Nährstoffaufnahme vollständig erhalten bleibt.

Resistenzmanagement

Da Silthiofam einen hochspezifischen Wirkungsmechanismus besitzt und ausschließlich als Saatgutbehandlung gegen Schwarzbeinigkeit eingesetzt wird, ist das inhärente Resistenzrisiko als gering bis mäßig einzustufen. Um die langfristige Wirksamkeit zu sichern, sollte Latitude stets in ein integriertes Pflanzenschutzkonzept eingebunden werden. Dazu gehören eine weite Fruchtfolge (Vermeidung von Weizen-Daueranbau), die Wahl toleranterer Sorten sowie der gezielte Wechsel mit blattapplizierten Fungiziden anderer Wirkstoffklassen im späteren Vegetationsverlauf der Kultur.

Mischbarkeit & Tankmischung

Als Beizmittel wird Latitude in der Regel in professionellen Saatgutaufbereitungsanlagen appliziert. Es ist physikalisch und chemisch gut kompatibel mit gängigen Standard-Universalbeizen (z. B. gegen Schneeschimmel oder Steinbrand) sowie mit speziellen Insektizid-Beizen. Bei der Herstellung von Beizmischungen ist auf eine ausreichende Wassermenge zu achten, um eine homogene Benetzung des Korns zu gewährleisten. Vor einer großflächigen Anwendung wird stets eine Mischungsprobe im kleinen Maßstab empfohlen, um die Fließfähigkeit des behandelten Saatguts in der Sämaschine nicht negativ zu beeinflussen.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit dem Beizmittel sowie bei der Aussaat des behandelten Saatguts ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzhandschuhen und Atemschutz bei Staubentwicklung, zwingend erforderlich. Um Nichtzielorganismen und die Umwelt zu schonen, muss das behandelte Saatgut vollständig in den Boden eingebracht werden, um Vogelfraß zu verhindern. Da der Wirkstoff toxisch für Wasserorganismen sein kann, sind die gesetzlichen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern bei der Aussaat strikt einzuhalten. Das Mittel ist bei vorschriftsmäßiger Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
Allgemein0 GRAM_PER_HECTARE

Häufige Fragen

Wann ist der Einsatz von Latitude wirtschaftlich besonders sinnvoll?

Der Einsatz empfiehlt sich besonders bei engen Getreidefruchtfolgen, insbesondere beim Anbau von Weizen nach Weizen (Zweitweizen) oder Weizen nach Gerste, sowie auf Standorten mit bekanntem Risiko für Schwarzbeinigkeit und milden, feuchten Herbsten.

Kann Latitude direkt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb beigemischt werden?

Obwohl eine On-Farm-Beizung technisch möglich ist, wird dringend empfohlen, die Behandlung in professionellen Saatgutanlagen durchführen zu lassen. Nur so kann eine absolut gleichmäßige Verteilung des Wirkstoffs auf jedem einzelnen Korn und eine minimale Staubbelastung garantiert werden.

Schützt Latitude das Getreide auch vor anderen typischen Fußkrankheiten wie Halmbruch?

Nein, der Wirkstoff Silthiofam ist hochspezifisch auf den Erreger der Schwarzbeinigkeit (Gaeumannomyces graminis) ausgerichtet. Gegen andere Fußkrankheiten wie Halmbruch (Oculimacula) oder Fusarium-Arten müssen entsprechende Kombinationspartner in der Beize oder spätere Fungizidbehandlungen im Frühjahr eingeplant werden.

Wie beeinflusst die Bodenfeuchtigkeit die Wirkung des Beizmittels nach der Aussaat?

Silthiofam benötigt eine gewisse Bodenfeuchtigkeit, um sich im Boden um die keimende Wurzel herum zu verteilen und den schützenden Wirkstoffhof aufzubauen. Bei extremer Trockenheit kann die Wirkstoffaufnahme verzögert sein, die Stabilität des Wirkstoffs im Boden bleibt jedoch hoch, sodass die Schutzwirkung bei einsetzendem Regen aktiviert wird.

Gibt es Einschränkungen bei der Aussaatstärke oder der Saattiefe von mit Latitude behandeltem Saatgut?

Die Aussaatstärke richtet sich nach den agronomischen Empfehlungen für die jeweilige Sorte und den Standort. Wichtig ist jedoch eine präzise Saattiefe und eine vollständige Einbettung des Korns in den Boden, um Vogelfraß zu verhindern und den optimalen Kontakt mit der Bodenfeuchtigkeit für die Wirkstoffverteilung zu sichern.

Wie verhält sich Latitude im Vergleich zu einer klassischen Blattbehandlung gegen Fußkrankheiten?

Schwarzbeinigkeit kann durch eine spätere Blattapplikation im Frühjahr nicht mehr effektiv bekämpft werden, da der Pilz die Wurzeln tief im Boden schädigt. Die Saatgutbehandlung mit Latitude ist die einzige wirksame chemische Maßnahme, um die Infektion von Beginn an direkt an der Wurzel zu verhindern.