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OTHER · Certis Belchim B.V.

Latitude XL

BVL Zul.-Nr. 027795-00

Latitude XL ist ein hochspezialisiertes Pflanzenschutzmittel zur Saatgutbehandlung (Beizmittel), das eine entscheidende Rolle beim Schutz von Getreidekulturen gegen die gefürchtete Schwarzbeinigkeit (Gaeumannomyces graminis) einnimmt. Als flüssige Formulierung (FS) lässt sich das Präparat präzise und gleichmäßig auf das Saatgut applizieren. Es bietet einen verlässlichen Schutz direkt von der Keimung an, insbesondere auf Standorten mit hohem Infektionsdruck oder in engen Getreidefruchtfolgen.

Der enthaltene Wirkstoff Silthiofam zeichnet sich durch seine selektive und langanhaltende Wirkung im Boden aus. Da die Schwarzbeinigkeit als bodenbürtiger Schaderreger die Wurzeln infiziert und den Wassertransport blockiert, schützt Latitude XL die junge Kultur genau dort, wo der Schaden entsteht. Dies sichert die Bestandesdichte, fördert eine vitale Wurzelentwicklung und stabilisiert den Ertrag auch unter ungünstigen Witterungsbedingungen.

Wirkstoffe

Silthiofam
125 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Silthiofam gehört zur chemischen Gruppe der Thiophencarboxamide (FRAC-Gruppe 29). Er wirkt spezifisch auf den Energiestoffwechsel des Pilzes, indem er die ATP-Synthese blockiert. Genauer gesagt hemmt Silthiofam das Enzym Cholin-Phosphotransferase, was die Biosynthese von Phosphatidylcholin stört und somit das Wachstum der Pilzhyphen im Bereich der Wurzelrinde unterbindet. Durch diese gezielte biochemische Blockade wird verhindert, dass der Schaderreger in das Leitgewebe der Kultur eindringt. Da der Wirkstoff eine geringe Mobilität im Boden aufweist, verbleibt er als schützender Hof direkt um das keimende Korn und die Primärwurzeln, was eine langanhaltende Schutzwirkung während der kritischen frühen Entwicklungsphasen garantiert.

Resistenzmanagement

Da Silthiofam (FRAC-Gruppe 29) einen hochspezifischen Wirkungsmechanismus besitzt, ist ein konsequentes Resistenzmanagement unerlässlich. Um das Risiko einer Resistenzbildung beim Schaderreger Gaeumannomyces graminis zu minimieren, sollte Latitude XL pro Fläche nur einmal pro Aussaatperiode eingesetzt werden. Zudem empfiehlt sich eine weite Fruchtfolgegestaltung mit dem Anbau von Nicht-Wirtspflanzen (wie Raps oder Leguminosen) sowie der Wechsel mit anderen Beiztechnologien oder pflanzenbaulichen Maßnahmen zur Reduzierung des Infektionspotenzials im Boden.

Mischbarkeit & Tankmischung

Bei der Anwendung im professionellen Beizstellenbetrieb ist Latitude XL in der Regel hervorragend mit gängigen Standardbeizen (wie fungiziden oder insektiziden Beizmitteln) sowie speziellen Saatgut-Haftmitteln kompatibel. Vor der großflächigen Aufbereitung des Saatguts sollte jedoch stets eine Mischungsprobe im kleinen Maßstab durchgeführt werden, um die physikalische Stabilität der Beizbrühe zu überprüfen. Eine gleichmäßige Benetzung des Korns ohne Staubentwicklung ist entscheidend für die Beizqualität; die Zugabe von Wasser sollte exakt auf die Gesamtflüssigkeitsmenge abgestimmt werden.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Als Saatgutbehandlungsmittel minimiert Latitude XL die direkte Abdrift in die Umwelt im Vergleich zu Blattspritzungen erheblich. Dennoch sind beim Umgang mit dem behandelten Saatgut und während des Beizvorgangs strenge Arbeitsschutzmaßnahmen einzuhalten, einschließlich des Tragens von Schutzhandschuhen und Atemschutz beim Absacken oder Befüllen der Sämaschine. Um Nichtzielorganismen wie Vögel und Kleinsäuger zu schützen, muss das behandelte Saatgut vollständig in den Boden eingebracht und tief genug abgelegt werden; verschüttetes Saatgut ist sofort zu beseitigen.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
Allgemein0 GRAM_PER_HECTARE

Häufige Fragen

Wann ist der Einsatz von Latitude XL wirtschaftlich besonders sinnvoll?

Der Einsatz lohnt sich vor allem bei frühem Saattermin von Wintergetreide, in engen Getreidefruchtfolgen (insbesondere Weizen nach Weizen oder Gerste nach Weizen) sowie auf Standorten, die historisch stark durch Schwarzbeinigkeit gefährdet sind.

Kann mit Latitude XL behandeltes Saatgut bis zur nächsten Saison gelagert werden?

Ja, ordnungsgemäß behandeltes und trocken gelagertes Saatgut behält seine Keimfähigkeit in der Regel bis zur nächsten Aussaatperiode. Es sollte kühl, trocken und vor Frost geschützt in verschlossenen Säcken gelagert werden. Eine Keimfähigkeitsprüfung vor der späten Aussaat wird dennoch empfohlen.

Wie beeinflusst die Bodenfeuchtigkeit die Wirkung von Silthiofam?

Silthiofam benötigt eine gewisse Mindestfeuchtigkeit im Boden, um sich als schützender Wirkstoffhof um die Wurzeln zu verteilen. Bei extremer Trockenheit nach der Aussaat kann die Entfaltung des vollen Schutzeffekts verzögert sein; sobald jedoch Feuchtigkeit eintritt, wird der Wirkstoff im unmittelbaren Wurzelraum aktiv.

Ersetzt die Beizung mit Latitude XL eine klassische fungizide Blattbehandlung?

Nein. Latitude XL wirkt hochspezifisch gegen den bodenbürtigen Erreger der Schwarzbeinigkeit an den Wurzeln. Blattkrankheiten wie Mehltau, Rostpilze oder Septoria-Arten werden damit nicht erfasst. Hierfür sind im Frühjahr gezielte Blattbehandlungen ab BBCH 30–32 einzuplanen.

Welche technischen Anforderungen gelten für die Aussaat von mit Latitude XL behandeltem Saatgut?

Um Abrieb und Staubentwicklung zu minimieren, sollte nur staubfrei gebeiztes Saatgut verwendet werden. Moderne Sämaschinen mit pneumatischer Dosierung müssen so eingestellt sein, dass eventuell entstehender Staub nicht in die Luft geblasen, sondern über entsprechende Deflektoren direkt in oder auf den Boden geleitet wird.

Wie verträgt sich Latitude XL mit mikrobiellen Bodenhilfsstoffen oder Mykorrhiza-Präparaten?

Da Silthiofam ein hochspezifisches Fungizid gegen bestimmte Ascomyceten ist, kann es Wechselwirkungen mit nützlichen Bodenpilzen geben. Bei der gleichzeitigen Anwendung von Mykorrhiza-Präparaten sollte ein zeitlicher oder räumlicher Abstand eingehalten werden, um die Etablierung der nützlichen Pilze nicht zu beeinträchtigen.