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RAK 3

BVL Zul.-Nr. 044444-00

RAK 3 von BASF ist ein bewährtes, hochspezifisches Pflanzenschutzmittel zur biotechnischen Regulierung des Apfelwicklers (Cydia pomonella) im Kernobstbau. Als Formulierungstyp kommen hierbei spezielle Verdampfer (Dispenser) zum Einsatz, die über die gesamte Flugsaison des Schaderregers kontinuierlich den weiblichen Sexualduftstoff abgeben. Diese umweltfreundliche Methode hat sich als fester Baustein sowohl im integrierten als auch im biologischen Anbau etabliert.

Durch den Einsatz von RAK 3 wird die Paarung des Schädlings in den Kulturen gezielt verhindert, wodurch der nachfolgende Raupenbefall und somit der gefürchtete Fruchtschaden drastisch reduziert werden. Da es sich um ein physikalisch auszubringendes System handelt, entfallen klassische Spritzanwendungen für diesen Wirkstoff komplett, was die Arbeitswirtschaft entlastet und Rückstandsfragen an den Früchten hinfällig macht.

Die Anwendung erfolgt präventiv vor dem Erstflug der Falter im Frühjahr. Durch die gleichmäßige Verteilung der Ampullen im Kronenbereich der Kulturen wird eine lückenlose Duftwolke aufgebaut, die selbst bei wechselnden Witterungsbedingungen über Monate hinweg stabil bleibt und einen zuverlässigen Basisschutz bietet.

Wirkstoffe

(E,E)-8,10-Dodecadien-1-ol
39.9 g/kg · Wirkstoff
n-Tetradecylacetat
9.3 g/kg · Wirkstoff

Wirkungsweise

Die Wirkungsweise von RAK 3 basiert auf dem Prinzip der Verwirrungsmethode (Mating Disruption). Der Hauptwirkstoff (E,E)-8,10-Dodecadien-1-ol ist das synthetisch nachgestellte Sexualpheromon des weiblichen Apfelwicklers. Nach dem Aufhängen der Dispenser in den Kulturen überflutet der Duftstoff die Luft im Obstgarten. Dies führt dazu, dass die männlichen Falter die natürlichen, wesentlich schwächeren Duftspuren der paarungsbereiten Weibchen nicht mehr orten können. Ohne erfolgreiche Orientierung bleibt die Paarung aus, wodurch keine befruchteten Eier abgelegt werden und der Schlupf schädigender Larven verhindert wird. Da dieser Mechanismus rein verhaltensmodifizierend ist und keine toxische Wirkung auf die Insekten ausübt, wird die lokale Population des Schaderregers auf biologischem Wege kontrolliert, ohne Nützlinge zu beeinträchtigen.

Resistenzmanagement

Da es sich bei RAK 3 um ein biotechnisches Verfahren mit einem rein verhaltenssteuernden Wirkungsmechanismus handelt, besteht kein Risiko für eine Resistenzbildung im klassischen Sinne. Das Produkt eignet sich daher hervorragend als tragende Säule im modernen Resistenzmanagement. Durch den Einsatz der Verwirrungsmethode kann die Anzahl notwendiger chemischer Insektizidbehandlungen signifikant reduziert werden, was den Selektionsdruck auf verbleibende chemische Wirkstoffklassen drastisch senkt und deren langfristige Wirksamkeit sichert.

Mischbarkeit & Tankmischung

Da RAK 3 als gebrauchsfertige Dispenser manuell in den Kulturen aufgehängt wird, entfällt die klassische physikalische Tankmischbarkeit in der Spritze. Das System ist jedoch uneingeschränkt kompatibel mit allen gängigen Spritzprogrammen im Obstbau. Begleitende Fungizid- oder Insektizidbehandlungen gegen andere Schaderreger können ohne zeitliche Einschränkungen oder gegenseitige Beeinträchtigungen durchgeführt werden. Für eine optimale Wirkung ist lediglich darauf zu achten, dass die Dispenser gleichmäßig im oberen Drittel der Baumkronen platziert werden, um die Duftstoffverteilung nicht durch dichte Laubwände zu behindern.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Aus ökotoxikologischer Sicht zeichnet sich RAK 3 durch ein exzellentes Profil aus. Da die Wirkstoffe hochspezifisch auf den Apfelwickler wirken und kontinuierlich in minimalen Gasmengen abgegeben werden, besteht keinerlei Gefahr für Nichtzielorganismen wie Bienen, Raubmilben, Schlupfwespen oder andere Nützlinge. Es gelten keine abdriftbedingten Abstandsauflagen zu Gewässern oder Saumstrukturen, und das Produkt ist als absolut bienenungefährlich eingestuft. Beim Aufhängen der Dispenser ist lediglich die allgemeine Arbeitshygiene zu beachten; das Tragen von Schutzhandschuhen wird empfohlen.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
Allgemein0 GRAM_PER_HECTARE

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für das Aufhängen der RAK 3 Dispenser?

Die Dispenser müssen unbedingt vor dem Beginn des ersten Falterflugs der Apfelwickler im Frühjahr in den Kulturen ausgebracht werden. In der Regel entspricht dies dem BBCH-Stadium 57 bis 59 (rote Knospe bis Ballonstadium). Ein verspätetes Aufhängen nach den ersten Paarungen mindert den Bekämpfungserfolg der ersten Generation erheblich.

Welche Mindestfläche ist für den erfolgreichen Einsatz der Verwirrungsmethode erforderlich?

Für eine optimale Wirkung von RAK 3 wird eine zusammenhängende Mindestfläche von 1 bis 2 Hektar empfohlen. Auf kleineren Flächen oder in stark parzellierten Anlagen kann der Wind die Pheromonwolke zu leicht verwehen, oder es kommt zu einem verstärkten Zuflug bereits begatteter Weibchen aus benachbarten, unbehandelten Grundstücken.

Wie verhält sich RAK 3 bei starkem Wind oder langanhaltendem Regen?

Die Wirkstoffabgabe aus den RAK 3 Ampullen erfolgt über eine spezielle Membran, die weitgehend witterungsunabhängig arbeitet. Regen wäscht den Wirkstoff nicht aus, und mäßiger Wind beeinträchtigt die Pheromonwolke in gut strukturierten Anlagen kaum. Bei extremen Windlagen oder Steilhängen sollte die Dispenserdichte an den windzugewandten Rändern leicht erhöht werden.

Müssen trotz des Einsatzes von RAK 3 noch Kontrollen mit Pheromonfallen durchgeführt werden?

Ja, eine regelmäßige Überwachung ist weiterhin notwendig. Allerdings sind Standard-Pheromonfallen in einer aktiv verwirrten Anlage meist leer (Systemkontrolle). Um den tatsächlichen Befallsdruck zu überwachen, sollten visuelle Kontrollen auf Eiablage und ersten Fruchtbefall (Schnittkontrollen) durchgeführt oder spezielle, höher dosierte Monitoring-Fallen (Combo-Fallen) eingesetzt werden.

Wie hoch ist die Wirkungsdauer der Dispenser im Freiland?

Die RAK 3 Dispenser sind so konzipiert, dass sie den Wirkstoff über einen Zeitraum von mindestens 140 bis 160 Tagen gleichmäßig abgeben. Dies deckt in den meisten deutschen Anbaugebieten die gesamte Flugzeit der ersten und zweiten Generation des Apfelwicklers zuverlässig ab. Eine Zweitanwendung im selben Jahr ist daher in der Regel nicht erforderlich.

Wie lagert man nicht verwendete RAK 3 Dispenser am besten?

Da es sich um flüchtige Pheromone handelt, müssen nicht ausgebrachte Dispenser originalverpackt, luftdicht verschlossen und kühl gelagert werden. Für eine kurzfristige Lagerung reicht ein kühler Keller, für eine langfristige Lagerung über den Winter wird das Einfrieren bei mindestens -18 °C empfohlen, um den Wirkstoffverlust vollständig zu stoppen.