RAK 3
RAK 3 ist ein hochspezialisiertes, umweltschonendes Pflanzenschutzmittel der BASF SE, das auf der bewährten Methode der Verwirrung basiert. Es wurde speziell für den Einsatz im professionellen Obstbau entwickelt, um Schaderreger aus der Familie der Wickler ohne den Einsatz klassischer chemischer Spritzmittel zu regulieren. Die Formulierung besteht aus anwendungsfertigen Ampullendispensern, die eine kontrollierte und gleichmäßige Abgabe der aktiven Pheromonkomponenten über die gesamte Vegetationsperiode garantieren.
Durch den gezielten Einsatz von E8,E10-Dodecadien-1-ol in Kombination mit Tetradecylacetat spricht RAK 3 das sensorische System der Zielschädlinge hochselektiv an. Andere Insekten, insbesondere wichtige Nützlinge wie Bienen, Florfliegen oder Raubmilben, werden durch den Duftstoff weder beeinträchtigt noch gestört. Dies macht das Produkt zu einem unverzichtbaren Baustein im modernen, integrierten sowie ökologischen Anbau.
Die Anwendung von RAK 3 erfolgt durch das einmalige Aufhängen der Dispenser im Frühjahr vor dem Erstflug der Schaderreger. Dank der robusten Materialeigenschaften der Dispenser ist eine kontinuierliche Wirkstoffabgabe selbst unter extremen Witterungsbedingungen wie starkem Regen oder hoher UV-Einstrahlung über Monate hinweg gesichert.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die Wirkungsweise von RAK 3 basiert auf dem Prinzip der Paarungsstörung (Verwirrungsmethode). Die Dispenser geben kontinuierlich naturidentische, synthetische Sexalpheromone (E8,E10-Dodecadien-1-ol und Tetradecylacetat) an die Umgebungsluft ab. Dadurch wird die Luft im Pflanzenbestand mit dem Duftstoff gesättigt, was die natürlichen Lockstoffspuren der weiblichen Schaderreger vollständig maskiert. Die männlichen Falter verlieren die Orientierung und sind nicht mehr in der Lage, die Weibchen zur Paarung aufzufinden. Da keine Befruchtung stattfindet, bleibt die Eiablage und somit der schädigende Raupenbefall aus. Da es sich um einen rein verhaltensmodifizierenden, biologischen Mechanismus handelt, erfolgt keine Einstufung in die klassischen chemischen IRAC-Wirkstoffgruppen.
Resistenzmanagement
Da RAK 3 auf einem physikalisch-biologischen Verhaltensmechanismus beruht und keine biochemischen Zielstrukturen im Stoffwechsel des Schädlings angreift, ist die Entwicklung von Resistenzen nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand äußerst unwahrscheinlich. Das Produkt eignet sich daher hervorragend als integraler Bestandteil von Anti-Resistenzstrategien, um den Selektionsdruck auf klassische chemische Insektizide in der Spritzfolge signifikant zu reduzieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Da es sich bei RAK 3 um ein passives Dispensersystem handelt, das manuell in den Kulturen aufgehängt wird, entfällt die klassische physikalische Tankmischung in der Spritze vollständig. Das Pflanzenschutzmittel ist somit zu 100 % kompatibel mit allen flüssigen Pflanzenschutzanwendungen und Blattdüngern. Es gibt keinerlei Einschränkungen bezüglich der Wasserqualität oder Mischungsreihenfolge.
Sicherheit & Ökotoxikologie
RAK 3 zeichnet sich durch ein exzellentes Sicherheits- und Ökotoxikologie-Profil aus. Da die Wirkstoffe fest in den Dispensern eingeschlossen sind und nur gasförmig entweichen, besteht kein Risiko von Abdrift in angrenzende Gewässer oder Nichtzielflächen. Das Produkt ist absolut nützlingsschonend, schont räuberische Milben sowie Schlupfwespen und ist als nicht bienengefährlich eingestuft, was maximale Flexibilität im anspruchsvollen Integrierten Anbau ermöglicht.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| — | Allgemein | — | 0 GRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt, um die RAK 3 Dispenser in der Anlage aufzuhängen?
Die Dispenser müssen unbedingt vor dem Beginn des ersten Falterfluges der ersten Generation im Frühjahr in den Kulturen ausgebracht werden. Der genaue Zeitpunkt lässt sich über Temperatursummenmodelle oder den regionalen Warndienst bestimmen. Ein verspätetes Aufhängen mindert den Bekämpfungserfolg erheblich, da bereits begattete Weibchen zur Eiablage schreiten können.
Welchen Einfluss haben Wind und Topographie auf die Wirkung von RAK 3?
Da die Verwirrungsmethode auf einer gleichmäßigen Pheromonkonzentration in der Luft basiert, können starke Winde oder steile Hanglagen die Pheromonwolke verdriften. In windexponierten Randbereichen oder an oberen Hangabschnitten empfiehlt es sich, die Dispenserdichte leicht zu erhöhen (sogenannte Randbeladung), um Lücken in der Wirkstoffkonzentration auszugleichen.
Wie verhält sich RAK 3 bei sehr hohem Ausgangsbefall des Schädlings?
Bei extrem hohem Befallsdruck im Vorjahr stößt die reine Verwirrungsmethode an physikalische Grenzen, da sich Männchen und Weibchen auch zufällig finden können. In solchen Szenarien sollte RAK 3 im ersten Anwendungsjahr mit einer gezielten chemischen oder biologischen Behandlung (z. B. Granuloseviren) gegen die erste Generation kombiniert werden, um die Population effektiv zu senken.
Müssen die Dispenser direkt nach der Ernte oder im Winter wieder abgenommen werden?
Nein, die verbrauchten Dispenser können über den Winter in den Kulturen verbleiben. Sie werden idealerweise während des winterlichen Rebschnitts oder Baumschnitts eingesammelt und fachgerecht über den Hausmüll entsorgt. Vor Beginn der neuen Saison sollten sie entfernt werden, um Verwechslungen mit neu aufgehängten Dispensern zu vermeiden.
Wie wird der Bekämpfungserfolg kontrolliert, wenn herkömmliche Pheromonfallen durch die Verwirrung blockiert sind?
Da die Luft mit dem synthetischen Pheromon gesättigt ist, bleiben auch die klassischen Monitoring-Fallen in der Anlage leer (sogenannte Systemkontrolle). Dies zeigt an, dass die Verwirrung aktiv ist. Zur tatsächlichen Befallskontrolle müssen daher regelmäßige visuelle Kontrollen auf Eiablage und ersten Fruchtbefall direkt an den Kulturen durchgeführt werden.
Welche Rolle spielt die Parzellengröße für die Effizienz von RAK 3?
Das Verwirrungsverfahren arbeitet am zuverlässigsten auf größeren, zusammenhängenden Flächen ab etwa einem Hektar. Auf sehr kleinen oder stark zerstückelten Parzellen ist der Randeffekt zu groß, da begattete Weibchen aus benachbarten, unbehandelten Flächen einfliegen und trotz aktiver Verwirrung Eier ablegen können.