Restrain
Restrain ist ein innovatives, gasförmiges Pflanzenschutzmittel zur Keimhemmung von Erntegütern während der Lagerung. Basierend auf dem natürlichen Pflanzenhormon Ethylen bietet dieses Produkt eine rückstandsfreie und umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen chemisch-synthetischen Keimhemern. Da es als reines Gas (900 g/kg Ethylen) appliziert wird, hinterlässt es keinerlei feste oder flüssige Beläge auf der behandelten Kultur.
Das System ist besonders für den Einsatz in geschlossenen Großlagern konzipiert, in denen eine präzise Steuerung der Lageratmosphäre möglich ist. Durch die kontinuierliche Freisetzung über spezielle Applikationsgeräte wird eine homogene Verteilung im gesamten Stapelvolumen gewährleistet, was zu einer gleichmäßigen und zuverlässigen Unterdrückung des Keimwachstums führt.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Ethylen ist ein natürliches Phytohormon, das eine Schlüsselrolle bei der Regulierung von Alterungs- und Wachstumsprozessen in Pflanzen spielt. Im Lager blockiert eine konstant niedrige Konzentration von Ethylengas in der Raumluft die Zellteilung und das Streckungswachstum an den Vegetationspunkten (Apikalmeristemen) der gelagerten Kultur. Dadurch wird der Übergang von der Keimruhe zum aktiven Austrieb effektiv unterdrückt. Da es sich um einen physiologischen Regulator und nicht um ein klassisches Pestizid handelt, ist der Wirkmechanismus nicht in die typischen HRAC-, IRAC- oder FRAC-Klassen eingeteilt. Sobald die Zufuhr des Gases gestoppt und das Lager gründlich belüftet wird, verflüchtigt sich der Wirkstoff vollständig, und die Kultur kann ihre natürlichen physiologischen Prozesse ohne bleibende Beeinträchtigung fortsetzen.
Resistenzmanagement
Da Ethylen als natürliches Pflanzenhormon direkt in die grundlegende hormonelle Steuerung der Kultur eingreift, ist eine Resistenzbildung der behandelten Kulturen oder etwaiger Schaderreger im klassischen Sinne nicht bekannt. Ein nachhaltiges Lagermanagement sollte dennoch auf einer Kombination aus präziser Temperaturführung, kontrollierter Belüftung und der Überwachung der CO2-Konzentration basieren, um die Vitalität des Ernteguts zu erhalten und die Keimhemmung zu optimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Aufgrund der gasförmigen Anwendung im Lagerraum ist eine klassische Tankmischung mit flüssigen Pflanzenschutzmitteln oder Additiven technisch ausgeschlossen und nicht zulässig. Restrain wird separat über einen speziellen Generator ausgebracht. Bei einer sequenziellen Nutzung mit anderen flüchtigen Lagerbehandlungsmitteln ist darauf zu achten, dass die Belüftungs- und Einwirkzeiten exakt aufeinander abgestimmt werden, um eine gegenseitige Beeinträchtigung der Wirkstoffe oder der Sensortechnik zu verhindern.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Restrain steht der Anwenderschutz im Vordergrund, da Ethylen in höheren Konzentrationen leicht entzündlich ist. Die Ausbringung erfolgt daher über ein geschlossenes, sensorgesteuertes System, das die Gaskonzentration weit unterhalb der Explosionsgrenze hält. Vor dem Betreten behandelter Lagerräume ist eine ausreichende Belüftung zwingend erforderlich. Da die Anwendung ausschließlich in geschlossenen Innenräumen stattfindet, besteht kein Risiko für Nichtzielorganismen wie Bienen, Vögel, Regenwürmer oder aquatische Ökosysteme.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| — | Allgemein | — | 0 GRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wie wird Restrain im Lagerraum praktisch angewendet?
Die Anwendung erfolgt über einen speziellen Restrain-Generator, der im Lagerraum aufgestellt wird. Dieser verdampft den flüssigen Ausgangsstoff präzise und dosiert das Ethylengas basierend auf den Messwerten eines integrierten Sensors kontinuierlich in die Raumluft, um eine konstante Wirkstoffkonzentration aufrechtzuerhalten.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Start der Restrain-Behandlung?
Mit der Behandlung sollte begonnen werden, bevor die natürliche Keimruhe der Kultur vollständig gebrochen ist – idealerweise einige Wochen nach der Einlagerung, sobald das Erntegut abgetrocknet und die Wundheilungsphase abgeschlossen ist. Bereits sichtbare Keime lassen sich deutlich schwerer unterdrücken.
Welche Rolle spielt die CO2-Konzentration bei der Anwendung von Restrain?
Ein zu hoher Kohlendioxidgehalt (CO2) im Lager kann die keimhemmende Wirkung von Ethylen abschwächen und die Qualität des Ernteguts negativ beeinflussen. Daher ist eine regelmäßige Stoßlüftung erforderlich, um den CO2-Wert niedrig zu halten (meist unter 0,2 bis 0,5 %), ohne dabei zu viel Ethylengas zu verlieren.
Gibt es eine Wartezeit vor der Vermarktung des behandelten Ernteguts?
Nein, für Restrain gilt nach der Auslagerung keine Wartezeit. Da Ethylen ein flüchtiges Gas ist, entweicht es beim Auslagern und Belüften des Ernteguts innerhalb kürzester Zeit vollständig, sodass die Ware rückstandsfrei und direkt in den Verkauf oder die Verarbeitung gehen kann.
Kann Restrain auch bei Pflanzgut (z. B. Pflanzkartoffeln) eingesetzt werden?
Ja, eine Anwendung ist möglich, erfordert jedoch ein sehr präzises Management. Da Ethylen die apikale Dominanz bricht, kann eine gezielte Behandlung vor dem Pflanzen zu einer höheren Anzahl an Trieben und damit zu einem gleichmäßigeren Knollenansatz führen. Die genauen zeitlichen Abstände vor dem Auspflanzen müssen strikt eingehalten werden.
Ist der Einsatz von Restrain im ökologischen Landbau in Deutschland zulässig?
Da Ethylen ein natürlicher Stoff ist, ist die Anwendung in vielen ökologischen Anbausystemen für die Lagerung grundsätzlich zulässig. Dennoch sollten Betriebsleiter vor der Anwendung die aktuellen Vorgaben ihres jeweiligen Bio-Anbauverbandes sowie die spezifischen Zulassungsbestimmungen des BVL prüfen.