Stampa
Stampa ist ein hochwirksames Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung von wirtschaftlich bedeutenden Lagerfäulen im Kernobstbau. Mit dem bewährten Wirkstoff Fludioxonil bietet das Präparat, das als wasserdispergierbares Granulat formuliert ist, einen verlässlichen Schutz in der kritischen Phase kurz vor der Ernte. Es sichert die Qualität sowie die Lagerfähigkeit der geernteten Früchte und unterbindet späte Infektionen im Feld, die sich oft erst Wochen später im Kühllager manifestieren würden.
Das Anwendungsspektrum konzentriert sich primär auf Schaderreger wie die Gloeosporium-Fäule (Bitterfäule) und Botrytis-Arten (Grauschimmel) an Kulturen wie Kulturapfel und Quitte. Durch die späte Behandlung im BBCH-Bereich der Fruchtreife schließt Stampa eine entscheidende Lücke im Pflanzenschutzprogramm und schützt die Früchte während der sensiblen Phase vor der Ernte sowie während der anschließenden Lagerung und des Transports.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Fludioxonil gehört zur chemischen Klasse der Phenylpyrrole und ist im FRAC-Code unter der Gruppe 12 (Signaltransduktion) klassifiziert. Die biochemische Wirkung basiert auf der Hemmung der osmotischen Signalübertragung im Pilz. Dies stört die Glycerol-Synthese des Schaderregers nachhaltig, was zu einer Instabilität der Zellwände führt und das Wachstum des Pilzmyzels sowie das Auskeimen der Sporen effektiv stoppt. Fludioxonil zeichnet sich durch eine hervorragende Kontaktwirkung aus. Nach der Anwendung lagert sich der Wirkstoff stabil an die natürliche Wachsschicht der Früchte und Blätter an. Da er kaum in das Pflanzengewebe eindringt, bildet er eine langanhaltende, regenstabilisierende Schutzbarriere direkt auf der Fruchtoberfläche, die das Eindringen von Keimschläuchen verhindert.
Resistenzmanagement
Um das Risiko einer Resistenzbildung gegenüber Wirkstoffen der FRAC-Gruppe 12 zu minimieren, muss Stampa strikt im Rahmen eines integrierten Pflanzenschutzkonzepts eingesetzt werden. Dies erfordert den konsequenten Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen (wie beispielsweise SDHI oder Strobilurinen) im Verlauf der Saison. Die empfohlene maximale Anzahl an Anwendungen pro Jahr darf nicht überschritten werden, und die Behandlungen sollten stets rein präventiv erfolgen, um den Selektionsdruck auf die Schaderreger-Populationen so gering wie möglich zu halten.
Mischbarkeit & Tankmischung
Stampa zeigt sich im Allgemeinen gut verträglich und mischbar mit gängigen Pflanzenschutzmitteln und Blattdüngern, die in der späten Phase des Kernobstbaus eingesetzt werden. Vor der Ansetzung größerer Mengen wird dennoch die Durchführung einer physikalischen Mischprobe im kleinen Maßstab empfohlen. Für eine optimale Wirkung ist auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge zu achten, um eine lückenlose Benetzung der Früchte im gesamten Kronenbereich zu gewährleisten. Der Zusatz von speziellen Haftmitteln ist aufgrund der optimierten Formulierung meist nicht erforderlich.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Stampa sind die gesetzlich vorgeschriebenen persönlichen Schutzmaßnahmen (PSA) wie Schutzanzug, robuste Schutzhandschuhe und Augenschutz konsequent einzuhalten. Der Wirkstoff Fludioxonil ist als umweltgefährlich eingestuft, insbesondere für aquatische Organismen. Daher müssen die vorgeschriebenen Abdriftminderungsklassen und Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern strikt beachtet werden. Das Pflanzenschutzmittel ist bei sachgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte direkter Kontakt mit blühenden Beständen vermieden werden.
Zugelassene Anwendungen
Häufige Fragen
Warum ist die späte Anwendung von Stampa im BBCH-Stadium 74 bis 89 so entscheidend?
In dieser Phase der Fruchtreife sind die Früchte besonders anfällig für Mikrorisse und Infektionen durch Lagerfäulen wie Gloeosporium. Eine späte Behandlung bildet einen schützenden Wirkstofffilm, der verhindert, dass latente Infektionen kurz vor oder während der Ernte etabliert werden, was die Ausfälle im Kühllager drastisch reduziert.
Wie unterscheidet sich die Wirkung von Fludioxonil von systemischen Fungiziden?
Fludioxonil (FRAC-Gruppe 12) wirkt als reines Kontaktfungizid mit starker Bindung an die Wachsschicht (lipophile Eigenschaften). Im Gegensatz zu systemischen Wirkstoffen dringt es nicht tief in den Saftstrom der Kultur ein, sondern verbleibt als stabiler Schutzschild auf der Oberfläche, was ideal für den Schutz der Fruchtschale vor der Ernte ist.
Welche Rolle spielt Stampa bei der Bekämpfung von Gloeosporium (Bitterfäule)?
Gloeosporium-Infektionen erfolgen oft unbemerkt im Sommer bei feucht-warmer Witterung, bleiben aber bis zur Lagerung latent. Stampa stoppt das Auskeimen dieser Sporen auf der Fruchtoberfläche vor der Ernte und verhindert so den Ausbruch der Fäulnis im Lager, wo eine direkte Bekämpfung nicht mehr möglich ist.
Kann Stampa auch bei feuchtem Wetter kurz vor der Ernte appliziert werden?
Ja, dank seiner hervorragenden Formulierung haftet der Wirkstoff schnell auf der Wachsschicht der Früchte. Nach dem Antrocknen des Spritzbelags ist Stampa hochgradig regenfest, sodass der Schutz auch bei wechselhafter Witterung in den Wochen vor der Ernte stabil bleibt.
Wie lässt sich das Resistenzrisiko bei der Bekämpfung von Botrytis-Arten minimieren?
Da Botrytis-Arten ein hohes Risiko für Resistenzentwicklungen aufweisen, sollte Stampa maximal im Wechsel mit Fungiziden anderer Wirkmechanismen (z. B. Anilinopyrimidine oder SDHI) eingesetzt werden. Zudem sollten kulturtechnische Maßnahmen wie eine luftige Kronengestaltung zur schnellen Abtrocknung beitragen.
Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel für meine Kulturen?
Nutzen Sie die Filterfunktion auf agronomy.farmable.tech, um gezielt nach Ihrer Kultur (z. B. Kulturapfel oder Quitte) und dem spezifischen Schaderreger (z. B. Gloeosporium) zu suchen. So erhalten Sie eine vollständige Übersicht aller in Deutschland registrierten Alternativen und Kombinationspartner für Ihr Resistenzmanagement.