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Sonstiger Schaderreger

Albugo

Albugo
1ALBUG

Die Gattung Albugo (EPPO-Code: 1ALBUG) umfasst hochspezialisierte, obligat biotrophe Oomyzeten (Scheinpilze), die als Erreger des Weißen Rostes (Weißrost) an einer Vielzahl von Kulturen, insbesondere aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind. Obwohl sie optisch echten Rostpilzen ähneln, gehören sie taxonomisch zu den Eipilzen (Chromista). Zu den am stärksten betroffenen Kulturen im mitteleuropäischen Raum zählen Raps, Kohlgemüse, Radieschen und Senf.

Ein Befall führt nicht nur zu einer Reduktion der photosynthetisch aktiven Blattfläche, sondern kann bei systemischem Verlauf zu schweren Deformationen der Blütenstände führen. Dies hat erhebliche Ertragseinbußen und Qualitätsverluste zur Folge, weshalb der Schaderreger im professionellen Pflanzenbau intensiv überwacht werden muss.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
1ALBUG
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Mehrere überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Die Gattung Albugo ist weltweit in allen gemäßigten und subtropischen Anbauregionen verbreitet und verursacht insbesondere in feuchten Jahren erhebliche ökonomische Schäden im Raps- und Gemüsebau Mitteleuropas.
Erstbeschreibung
(Pers.) Roussel, 1806

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Albugo beginnt im Frühjahr mit der Keimung von dickwandigen Oosporen, die als Dauersporen im Boden oder in Pflanzenresten überwintert haben. Diese setzen bewegliche Zoosporen frei, die mithilfe von Wasserfilmen die jungen Kulturen infizieren. Auf den infizierten Pflanzenteilen bilden sich unter der Epidermis sporangientragende Lager, die schließlich aufbrechen und die charakteristischen weißen, staubenden Sporangien freisetzen. Diese ungeschlechtlichen Sporen werden durch Wind und Regenspritzer verbreitet und sorgen für eine rasche sekundäre Ausbreitung im Bestand. Gegen Ende der Vegetationsperiode oder bei ungünstigen Bedingungen findet in den deformierten Geweben die sexuelle Fortpflanzung statt, bei der neue Oosporen gebildet werden, die im Boden überdauern.

Bonitur

Die Überwachung des Schaderregers beginnt bereits im frühen Jugendstadium der Kulturen ab dem Keimblattstadium (BBCH 10–19) und sollte bis zur Blüte (BBCH 60–69) regelmäßig fortgesetzt werden. Besonders bei feucht-kühler Witterung (Temperaturen zwischen 10 °C und 20 °C) und langanhaltender Blattnässe ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Bonitiert werden vor allem die Blattunterseiten älterer Blätter auf erste weiße Pusteln. Da für Weißrost meist keine starren Schadschwellen etabliert sind, dient das Monitoring primär der frühzeitigen Befallsfeststellung, um bei ersten Symptomen und anhaltender Infektionsgefahr rechtzeitig eine gezielte Behandlung einzuleiten.

Symptome

Das auffälligste Symptom sind kreideweiße bis cremefarbene, glänzende Pusteln (Sporangienlager), die meist auf der Blattunterseite, an Stängeln und Blütenknospen entstehen. Auf der Blattoberseite zeigen sich an diesen Stellen oft gelbliche, chlorotische Flecken. Bei einem systemischen Befall kommt es zu einer starken Hypertrophie und Hyperplasie der betroffenen Gewebe. Dies äußert sich in bizarren Verformungen, Verdickungen und Krümmungen der Stängel und Blütenstände (sogenanntes „Hirschgeweih-Symptom“), die völlig steril bleiben und keine Samen ausbilden.

Integriertes Management

Ein integriertes Management basiert auf einer weiten Fruchtfolge (mindestens 3 bis 4 Jahre Anbaupause für Brassicaceae) und der konsequenten Beseitigung von Ausfallraps und kreuzblütigen Unkräutern, die als Zwischenwirte dienen. Der Einsatz von zertifiziertem, gesundem Saatgut und die Wahl widerstandsfähiger Sorten sind grundlegend. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt und präventiv bei hohem Infektionsdruck eingesetzt werden. Hierbei kommen Oomyzeten-wirksame Fungizide (z. B. aus den FRAC-Gruppen 4 und 11) zum Einsatz. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel sowie die Kombination von systemischen und Kontaktwirkstoffen zwingend erforderlich.

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich Weißrost biologisch von echtem Rost?

Obwohl der Name "Weißrost" und das Schadbild an echte Rostpilze (Pucciniales) erinnern, gehört Albugo zur Klasse der Oomyzeten (Eipilze) und ist enger mit dem Falschen Mehltau verwandt. Dies ist für die Praxis entscheidend, da klassische Rost-Fungizide oft wirkungslos sind und gezielt Pflanzenschutzmittel gegen Oomyzeten ausgewählt werden müssen.

Welche Rolle spielen Wildkräuter bei der Übertragung von Albugo-Arten?

Viele weit verbreitete Kreuzblütler-Unkräuter wie Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris) oder Acker-Senf dienen als hocheffiziente Zwischenwirte. Sie ermöglichen dem Schaderreger das Überleben außerhalb der Hauptanbauzeit und fungieren im Frühjahr als primäre Infektionsquelle für benachbarte Kulturen. Eine konsequente Unkrautbekämpfung ist daher essenziell.

Wie beeinflusst die Beregnung im Gemüsebau das Infektionsrisiko?

Da die Zoosporen von Albugo auf einen Wasserfilm angewiesen sind, um aktiv zu den Spaltöffnungen der Kultur zu schwimmen, erhöht eine Überkopfberegnung das Infektionsrisiko massiv. Beregnungsgänge sollten daher in den frühen Morgenstunden erfolgen, damit die Bestände rasch abtrocknen können, oder auf Tröpfchenbewässerung umgestellt werden.

Können Oosporen im Boden durch thermische Verfahren oder tiefe Bodenbearbeitung bekämpft werden?

Die dickwandigen Oosporen sind extrem widerstandsfähig gegen Frost und Trockenheit und können viele Jahre im Boden überleben. Eine tiefe Wendung des Bodens (Pflügen) vergräbt die Sporen zwar in tiefere Schichten, schützt jedoch nicht dauerhaft, da sie bei späterer Bearbeitung wieder nach oben geholt werden können. Eine weite Fruchtfolge bleibt die wirksamste Maßnahme.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die passenden Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Filtersuche im Hub und filtern Sie nach Ihrer spezifischen Kultur sowie dem Schaderreger "Albugo" oder "Weißrost". Achten Sie bei der Auswahl der zugelassenen Pflanzenschutzmittel besonders auf die angegebenen FRAC-Klassifizierungen, um eine Antiresistenzstrategie durch Wirkstoffwechsel erfolgreich umzusetzen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Befall mit Weißrost und sekundären Krankheitserregern?

Ja, die durch den systemischen Befall verursachten Gewebeaufplatzungen und Deformationen (wie das Hirschgeweih-Symptom) bieten ideale Eintrittspforten für andere Schwächeparasiten. Häufig nisten sich in den geschädigten Geweben Erreger wie Alternaria (Schwärzepilze) oder Grauschimmel (Botrytis cinerea) ein, was den Gesamtschaden zusätzlich potenziert.