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Schädling

Bemisia

Bemisia
1BEMIG

Mottenschildläuse der Gattung Bemisia (EPPO-Code: 1BEMIG), insbesondere die Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci), gehören weltweit zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im Unterglas- und Freilandanbau. Diese winzigen, saugenden Insekten befallen eine enorme Bandbreite an Kulturen, darunter wichtige Gemüsekulturen wie Tomaten, Gurken und Paprika sowie zahlreiche Zierpflanzen. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit zur raschen Populationsentwicklung machen sie zu einer permanenten Herausforderung für den professionellen Anbau.

Die wirtschaftliche Relevanz von Bemisia ergibt sich nicht nur aus der direkten Saugtätigkeit, die zu Ertragseinbußen führt, sondern vor allem aus ihrer Rolle als hocheffizienter Vektor für pflanzenpathogene Viren. Sie übertragen über 100 verschiedene Pflanzenviren, insbesondere Begomoviren wie das Tomatengelbblattkräuselvirus (TYLCV), die oft zu totalen Ernteverlusten führen können. Zudem führt die Ausscheidung von Honigtau zu Sekundärinfektionen durch Rußtaupilze, was die Qualität der Ernteprodukte drastisch mindert.

Typ
Schädling
EPPO-Code
1BEMIG
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Multiple, stark überlappende Generationen (bis zu 11–15 Generationen pro Jahr im geschützten Anbau)
Verbreitung
Weltweit in tropischen, subtropischen und warm-gemäßigten Klimazonen verbreitet; in Mitteleuropa tritt der Schaderreger vor allem im geschützten Anbau (Gewächshäuser) ganzjährig auf, breitet sich jedoch in heißen Sommern zunehmend auch im Freiland aus.
Erstbeschreibung
Gennadius, 1889 (Griechenland)

Biologie / Lebenszyklus

Die Entwicklung von Bemisia verläuft vom Ei über vier Nymphenstadien (wobei das letzte Stadium als Puparium bezeichnet wird) bis zum adulten Insekt. Unter optimalen Bedingungen im Gewächshaus (25–30 °C) dauert dieser Zyklus nur etwa 18 bis 22 Tage. Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt an den jüngsten Blättern auf der Blattunterseite ab. Während das erste Nymphenstadium ('Crawler') noch mobil ist und nach einer geeigneten Saugstelle sucht, leben die folgenden Stadien vollkommen sessil und saugen kontinuierlich am Phloemsaft der Kulturen.

Bonitur

Das Monitoring beginnt unmittelbar nach dem Pflanzen bzw. dem Auflaufen der Kulturen (ab BBCH 10–13). Gelbtafeln, die knapp über den Pflanzenspitzen platziert werden, dienen als Frühwarnsystem für den Zuflug adulter Tiere. Ergänzend müssen wöchentliche visuelle Kontrollen der Blattunterseiten im mittleren und unteren Pflanzenbereich durchgeführt werden, um den Besatz mit Eiern und Nymphen zu erfassen. Aufgrund der Gefahr von Virusübertragungen liegt die Schadschwelle in virusanfälligen Kulturen bei nahezu null (Toleranzgrenze: Erstbefall erfordert sofortiges Handeln).

Symptome

Typisch sind gelbliche Sprenkelungen und Chlorosen auf den Blättern, die durch die Saugtätigkeit entstehen, gefolgt von Welkeerscheinungen und Wachstumsdepressionen der Kulturen. Ein massiver Befall äußert sich durch klebrige Honigtau-Ausscheidungen auf Blättern und Früchten, auf denen sich sekundär schwarze Rußtaupilze ansiedeln, was die Photosyntheseleistung mindert. Bei der Übertragung von Viren zeigen sich zudem drastische Symptome wie Blattrollung, Mosaikmuster, Zwergwuchs oder Deformationen an den Früchten.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management basiert auf einem integrierten Pflanzenschutzkonzept (IPM). Präventiv stehen der Einsatz von feinmaschigen Insektenschutzgittern an Lüftungen und strenge Betriebshygiene im Vordergrund. Biologische Kontrollmaßnahmen mittels Nützlingen wie den Schlupfwespen Encarsia formosa und Eretmocerus eremicus sowie der Raubmilbe Amblyseius swirskii sollten frühzeitig etabliert werden. Chemische Pflanzenschutzmittel müssen gezielt und unter strikter Beachtung des IRAC-Resistenzmanagements eingesetzt werden, wobei Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen blockweise abgewechselt werden sollten, um Selektionseffekte zu vermeiden.

Häufige Fragen

Wie lässt sich Bemisia im Feld optisch von der Gewächshausmottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum) unterscheiden?

Im Ruhezustand hält Bemisia ihre Flügel dachartig und in einem steileren Winkel eng am Körper zusammen, sodass der gelbliche Körper von oben leicht sichtbar bleibt. Trialeurodes vaporariorum hingegen hält die Flügel flacher und parallel zum Blatt, wodurch der Körper verdeckt wird. Zudem sind die Puparien von Bemisia flacher, gelblich-transparent und besitzen im Gegensatz zu Trialeurodes keine langen, auffälligen Wachsfäden am Rand.

Welche Rolle spielen Unkräuter im Umfeld der Kultur für das Befallsrisiko?

Viele dikotyle Unkräuter (z. B. Solanum nigrum oder Chenopodium-Arten) dienen als Brückenwirte und Virenreservoire für Bemisia. Eine konsequente Unkrautbekämpfung im Gewächshaus sowie auf den angrenzenden Freilandflächen ist daher eine essenzielle präventive Maßnahme, um den Zuflug von Schaderregern in die Hauptkultur zu unterbinden.

Wie beeinflusst die Temperatur die Auswahl biologischer Gegenspieler gegen diesen Schaderreger?

Die Schlupfwespe Eretmocerus eremicus ist bei hohen Temperaturen (über 25 °C) deutlich aktiver und zeigt eine bessere Parasitierungsleistung gegen Bemisia als Encarsia formosa. Bei kühleren Temperaturen im zeitigen Frühjahr oder Herbst empfiehlt sich hingegen der ergänzende Einsatz von Raubmilben wie Amblyseius swirskii, die auch bei geringerer Lichtintensität und niedrigeren Temperaturen räuberisch aktiv sind.

Warum ist die Applikationstechnik bei der chemischen Behandlung von Bemisia so entscheidend?

Da sich Eier, Nymphen und auch ein Großteil der adulten Tiere fast ausschließlich auf den Blattunterseiten aufhalten, müssen Pflanzenschutzmittel mit hohem Druck und feiner Tropfenbildung appliziert werden. Eine vollständige Benetzung der Blattunterseiten, insbesondere im mittleren und unteren Laubwandbereich der Kulturen, ist für den Bekämpfungserfolg zwingend erforderlich.

Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Bemisia suchen?

Nutzen Sie die Filterfunktion im Hub und suchen Sie nach dem EPPO-Code '1BEMIG' oder der Schaderreger-Gruppe 'Mottenschildläuse'. Filtern Sie die Ergebnisse anschließend nach Ihrer spezifischen Kultur und dem aktuellen BBCH-Stadium, um nur die für Ihre Situation zugelassenen Anwendungen inklusive der einzuhaltenden Wartezeiten angezeigt zu bekommen.

Welche Bedeutung hat das IRAC-Konzept bei der Bekämpfung dieses Schaderregers?

Bemisia besitzt ein extrem hohes Potenzial zur Resistenzbildung gegen Insektizide. Das IRAC-Konzept schreibt vor, Wirkstoffe aus unterschiedlichen chemischen Klassen (z. B. Pyrethroide, Neonicotinoide, Ketoenole) im Generationsabstand zu rotieren, um den Selektionsdruck zu minimieren und die Wirksamkeit der verfügbaren Pflanzenschutzmittel langfristig zu erhalten.