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Sonstiger Schaderreger

Bewurzelung von Stecklingen

inducement for rooting of cuttings
YBWST

Die künstlich induzierte Bewurzelung von Stecklingen (wissenschaftlich: "inducement for rooting of cuttings", EPPO-Code: YBWST) ist ein fundamentaler physiologischer Prozess in der vegetativen Vermehrung von Sonderkulturen, Zierpflanzen und Gehölzen. Diese agronomische Maßnahme zielt darauf ab, die Bildung adventiver Wurzeln an abgetrennten Spross- oder Blatteilen zu initiieren und zu beschleunigen. Ökonomisch ist dieses Verfahren von herausragender Bedeutung, da es die schnelle, sortenechte und großflächige Vermehrung von Hochleistungssorten ohne genetische Aufspaltung ermöglicht.

In der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Praxis wird dieser Prozess durch den gezielten Einsatz von Phytohormonen – primär Auxinen wie Indol-3-buttersäure (IBA) oder Alpha-Naphthylessigsäure (NES) – gesteuert. Diese Wirkstoffe sind regulatorisch als Pflanzenwachstumsregulatoren unter dem Rahmen der Pflanzenschutzmittel erfasst. Ein unzureichender oder fehlerhafter Bewurzelungsverlauf führt zu hohen Ausfallraten, verzögertem Kulturaufbau und erheblichen wirtschaftlichen Verlusten in Baumschulen und Spezialbetrieben weltweit.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
YBWST
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Kulturabhängig (meist kontinuierlich im geschützten Anbau)
Verbreitung
Die Optimierung der Stecklingsbewurzelung ist weltweit in allen Klimazonen von hoher Relevanz, insbesondere in spezialisierten Gartenbau- und Baumschulregionen Europas. Ein Ausfall in dieser Phase kann in professionellen Vermehrungsbetrieben zu Ertragsverlusten von bis zu 100 % der betroffenen Charge führen.
Erstbeschreibung
Went & Thimann, 1937

Biologie / Lebenszyklus

Der physiologische Zyklus der Bewurzelung beginnt unmittelbar nach dem Schnitt des Stecklings mit der Wundheilung und der Bildung eines schützenden Kalli-Gewebes an der Schnittstelle. Unter dem Einfluss endogener oder exogen applizierter Auxine differenzieren sich im angrenzenden Kambium- oder Phloemgewebe die ersten Wurzelprimordien. Diese Phase der Wurzelinitiation geht nach wenigen Tagen in die Phase des Wurzelwachstums über, bei der die jungen Adventivwurzeln das Rindengewebe durchbrechen. Der Zyklus ist abgeschlossen, sobald ein funktionales, sekundäres Wurzelsystem etabliert ist, das die selbstständige Wasser- und Nährstoffaufnahme der neuen Kultur sichert. Dieser Prozess dauert je nach Kultur und Umweltbedingungen zwischen zwei und sechs Wochen.

Bonitur

Die Überwachung des Bewurzelungsverlaufs erfolgt primär durch visuelle Bonituren und die Kontrolle der physikalischen Parameter im Vermehrungsbeet. Wichtige Indikatoren sind der Turgor der Stecklinge sowie die Kallusbildung an der Basis, die meist im BBCH-Stadium 00 bis 09 (Keimung/Knospenentwicklung der Mutterpflanze bzw. Etablierungsphase des Stecklings) kontrolliert werden. Ein kritisches Monitoring der Substrattemperatur (optimal meist 18–22 °C) und der relativen Luftfeuchtigkeit (nahe 100 % unter Sprühnebel) ist entscheidend, um physiologischen Stress und Welke zu verhindern. Sobald die ersten Wurzelspitzen am Topfboden oder durch das Substrat sichtbar werden, kann die Entwöhnung (Abhärtung) eingeleitet werden.

Symptome

Symptome einer mangelhaften oder fehlgeschlagenen Bewurzelung äußern sich primär durch anhaltende Welke, Blattabwurf und eine fortschreitende Chlorosierung des Stecklings. An der Basis zeigt sich bei ausbleibender Wurzelinduktion oft eine übermäßige, schwammige Kallusbildung ohne Differenzierung von Wurzelprimordien oder ein direktes Verfaulen des Gewebes (Schwarzbeinigkeit/Fäulnis). Eine Überdosierung von Bewurzelungshormonen kann zudem zu typischen phytotoxischen Symptomen wie Triebstauchungen, epinastischem Wachstum der Blätter oder einer vollständigen Hemmung des Knospenaustriebs führen.

Integriertes Management

Das integrierte Management zur erfolgreichen Bewurzelung basiert auf einer Kombination aus hygienischen, kulturtechnischen und chemisch-physiologischen Maßnahmen. Kulturtechnisch sind die Gewinnung von gesundem, virusfreiem Ausgangsmaterial von vitalen Mutterpflanzen sowie ein sauberer, scharfer Schnitt essenziell. Die biologische Unterstützung kann durch den Einsatz von nützlichen Bodenmikroorganismen (z. B. Trichoderma-Arten oder Bacillus amyloliquefaciens) erfolgen, die die Wurzelentwicklung stimulieren und gleichzeitig bodenbürtige Schaderreger unterdrücken. Chemisch-physiologisch erfolgt die Anwendung zugelassener Pflanzenwachstumsregulatoren (Auxine) in exakt abgestimmten Aufwandmengen (z. B. als Puder, Tauch- oder Spritzbehandlung), um Resistenzen im weiteren Sinne (physiologische Trägheit) oder Phytotoxizität zu vermeiden. Ein striktes Hygienemanagement verhindert zudem den Befall durch opportunistische Pilze während der sensitiven Bewurzelungsphase.

Häufige Fragen

Welche Rolle spielen Pflanzenwachstumsregulatoren im Vergleich zu klassischen Pflanzenschutzmitteln bei der Stecklingsbewurzelung?

Obwohl Bewurzelungshormone physiologisch als Wachstumsregulatoren wirken, unterliegen sie in Deutschland der Zulassungspflicht nach dem Pflanzenschutzgesetz. Sie werden regulatorisch als Pflanzenschutzmittel eingestuft, weshalb bei ihrer Anwendung die offiziellen Zulassungsbestimmungen, Aufwandmengen und Anwendungsbestimmungen des BVL zwingend einzuhalten sind.

Wie beeinflusst das BBCH-Stadium der Mutterpflanze den Erfolg der Bewurzelung?

Der optimale Zeitpunkt für die Stecklingsentnahme hängt stark vom BBCH-Stadium der Mutterpflanze ab. Bei krautigen Kulturen ist die Entnahme in der vegetativen Wachstumsphase (BBCH 15–39) ideal, da hier die endogene Auxinkonzentration hoch ist. Stecklinge aus der generativen Phase (ab BBCH 51) weisen oft eine deutlich schlechtere Bewurzelungsrate auf.

Wie kann man einer physiologischen Überdosierung (Phytotoxizität) bei der Hormonanwendung vorbeugen?

Eine Überdosierung von Auxinen führt zu Wachstumshemmungen oder Gewebenekrosen. Um dies zu verhindern, müssen die Aufwandmengen exakt auf die Holzreife des Stecklings (grün, halbverholzt oder verholzt) abgestimmt werden. Zudem sollte die Tauchdauer bei flüssigen Formulierungen wenige Sekunden nicht überschreiten, um eine unkontrollierte Wirkstoffaufnahme zu vermeiden.

Welche Rolle spielen Temperatur und Feuchtigkeit bei der hormonellen Induktion?

Die hormonelle Induktion benötigt eine aktive Zellteilung. Eine Bodentemperatur von 18–22 °C (oft 2 °C über der Lufttemperatur) kurbelt den Stoffwechsel an der Schnittstelle an. Gleichzeitig verhindert eine gesättigte Luftfeuchtigkeit (gespannte Luft) die Transpiration, sodass der Steckling trotz fehlender Wurzeln nicht austrocknet.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel zur Bewurzelungsförderung?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Anwendungskategorie 'Pflanzenwachstumsregulatoren' oder direkt nach dem EPPO-Code YBWST. Achten Sie darauf, dass die Zulassung für Ihre spezifische Kultur (z. B. Zierpflanzen oder Kernobst) und die vorgesehene Anwendungsart (z. B. Tauchverfahren) gültig ist.

Kann die biologische Behandlung mit Trichoderma-Stämmen die chemische Induktion ersetzen?

Biologische Präparate auf Basis von Trichoderma- oder Bacillus-Arten wirken primär als Antagonisten gegen bodenbürtige Erreger und fördern das Wurzelwachstum indirekt. Bei schwer bewurzelbaren Kulturen können sie die chemische Induktion durch Auxine meist nicht vollständig ersetzen, eignen sich aber hervorragend als kombinierte, integrierte Maßnahme zur Vitalisierung.