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Schädling

Blattspinnmilbe

Tetranychus urticae
TETRUR

Die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae, EPPO-Code: TETRUR) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schädlingen im globalen und mitteleuropäischen Pflanzenbau. Dieser extrem polyphage Schaderreger befällt eine enorme Bandbreite an Kulturen, darunter Sonderkulturen wie Hopfen, Wein und Beerenobst, aber auch Gemüse im Freiland und Unterglasanbau sowie diverse Ackerkulturen wie Sojabohnen und Zuckerrüben. Durch ihre Saugtätigkeit an den Pflanzenzellen mindert sie nicht nur die Photosyntheseleistung, sondern kann bei starkem Befall zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten bis hin zum Kahlfraß führen.

Besonders unter warmen und trockenen Bedingungen vermehrt sich der winzige Spinnmilben-Schädling explosionsartig. Da die Tiere bevorzugt auf den Blattunterseiten leben und feine Gespinste bilden, wird ein Anfangsbefall in der landwirtschaftlichen Praxis oft zu spät erkannt. Die Bekämpfung stellt Landwirte und Gärtner aufgrund der schnellen Resistenzentwicklung gegenüber gängigen Akariziden vor große Herausforderungen.

Typ
Schädling
EPPO-Code
TETRUR
Wirte
0 Kulturen
Generationen
5–10 überlappende Generationen pro Saison (witterungsabhängig)
Verbreitung
Weltweit verbreitet, mit besonders hoher wirtschaftlicher Schadwirkung in warm-trockenen Anbauregionen Mitteleuropas im Freiland sowie global im geschützten Anbau.
Erstbeschreibung
Koch, 1836

Biologie / Lebenszyklus

Die Überwinterung erfolgt als befruchtetes, orange-rot gefärbtes Weibchen vor allem in Rindenritzen, im Boden oder an Unkräutern im Umfeld der Kulturen. Im Frühjahr, sobald die Temperaturen dauerhaft über 10–12 °C steigen, wandern die Weibchen in die Bestände ein und beginnen mit der Eiablage auf den Blattunterseiten. Die Entwicklung vom Ei über Larven- und Nymphenstadien bis zur adulten Spinnmilbe verläuft bei sommerlicher Hitze (um 30 °C) extrem rasch in nur 7 bis 14 Tagen. Dadurch entstehen im Laufe einer Saison mehrere, stark überlappende Generationen, was zu einer rasanten Populationsdynamik im Hochsommer führt.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte bereits ab dem Austrieb bzw. den frühen BBCH-Stadien der jeweiligen Kultur (z. B. BBCH 12–19 bei Gemüse oder ab BBCH 10 im Weinbau) beginnen, insbesondere an bekannten Befallsherden wie Feldrändern oder windgeschützten, trockenen Stellen. Kontrolliere regelmäßig die Blattunterseiten mit einer Einschlaglupe (mindestens 10-fache Vergrößerung) auf Eier, Larven und adulte Tiere. Schadschwellen sind kulturspezifisch definiert: Im Weinbau liegt die kritische Schwelle im Frühjahr beispielsweise oft bei 2–3 Milben pro Blatt, während im Hopfenbau ab BBCH 31 eine wöchentliche Bonitur durchgeführt wird und bei Überschreiten von 1–2 Milben pro Blatt eine gezielte Behandlung abzuwägen ist.

Symptome

Das Schadbild beginnt meist mit feinen, hellen, punktförmigen Aufhellungen (Sprenkelungen) auf der Blattoberseite, die durch das Aussaugen der Pflanzenzellen entstehen. Bei fortschreitendem Befall verfärben sich die Blätter bronzefarben, vergilben, vertrocknen und fallen schließlich vorzeitig ab. Auf den Blattunterseiten und an den Triebspitzen zeigen sich bei starkem Befall die charakteristischen, feinen Gespinste, unter denen sich die Kolonien vor Witterungseinflüssen und Feinden schützen. Bei Sonderkulturen wie Hopfen führt der Befall zudem zu einer rötlichen Verfärbung und zum Schrumpfen der Dolden ("Kupferhopfen").

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management basiert auf einer integrierten Strategie, die mechanische, biologische und chemische Maßnahmen kombiniert. Kulturtechnisch fördert eine ausgewogene Stickstoffdüngung und die Vermeidung von Trockenstress die Widerstandskraft der Kulturen, während das Freihalten von Feldrainen von Wirtspflanzen den Einwanderungsdruck mindert. Biologisch ist der gezielte Einsatz von Raubmilben (z. B. Phytoseiulus persimilis oder Amblyseius-Arten) im Unterglasanbau und die Schonung natürlicher Feinde (Raubwanzen, Florfliegen) im Freiland hochwirksam. Chemische Pflanzenschutzmittel (Akarizide) sollten streng nach den Vorgaben des IRAC-Resistenzmanagements eingesetzt werden; wechsle unbedingt zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen (z. B. METI-Inhibitoren, Wachstumsregulatoren), um die Entstehung von Resistenzen zu verhindern, und achte auf eine nützlingsschonende Wirkstoffauswahl.

Häufige Fragen

Wie finde ich im Agronomy-Hub schnell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Gemeine Spinnmilbe?

Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach dem Schaderreger "Tetranychus urticae" oder "Gemeine Spinnmilbe" sowie deiner spezifischen Kultur. Achte darauf, die Zulassungssituation für dein jeweiliges Land zu prüfen, da sich Indikationen, Anwendungsbestimmungen und Aufwandmengen regional unterscheiden können.

Warum ist die Gemeine Spinnmilbe so anfällig für schnelle Resistenzbildungen gegen Akarizide?

Aufgrund ihrer extrem kurzen Generationsdauer und der hohen Nachkommenzahl pro Weibchen finden genetische Selektionsprozesse rasant statt. Wenn du wiederholt denselben Wirkmechanismus (IRAC-Gruppe) anwendest, überleben resistente Mutanten und dominieren schnell die gesamte Population. Ein strikter Wirkstoffwechsel ist daher zwingend erforderlich.

Welchen Einfluss hat staubiges Wetter auf den Befall im Freiland?

Trockenes, staubiges Wetter (z. B. an Feldrändern durch vorbeifahrende Maschinen) begünstigt Spinnmilben massiv. Der Staub beeinträchtigt die natürlichen Gegenspieler wie Raubmilben und schützt die Spinnmilben in ihren Gespinsten vor Feuchtigkeit. Beregnung oder staubmindernde Maßnahmen können den Befallsdruck senken.

Kann ich Raubmilben auch im Freiland erfolgreich zur biologischen Regulierung einsetzen?

Ja, der Einsatz von Raubmilben (z. B. Typhlodromus pyri) ist besonders im Wein- und Obstbau etabliert. Wichtig ist hierbei, dass du bei der Auswahl von Fungiziden und Insektiziden im Spritzplan konsequent auf nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel achtest, um die etablierten Raubmilbenpopulationen nicht zu schädigen.

Wie unterscheide ich den Schaden der Gemeinen Spinnmilbe von einem Nährstoffmangel?

Während Nährstoffmangel (wie Magnesium- oder Stickstoffmangel) meist flächige Vergilbungen entlang der Blattadern oder chlorotische Zonen zeigt, beginnt der Spinnmilbenbefall als scharf abgegrenzte, punktförmige Sprenkelung. Zudem findest du bei Spinnmilben fast immer die winzigen Exuvien (Häutungsreste), Eier oder lebende Tiere auf der Blattunterseite.

Ab welchem BBCH-Stadium wird eine Behandlung im Hopfen- oder Weinbau kritisch?

Im Weinbau liegt der Fokus auf den frühen Stadien ab BBCH 11 bis BBCH 53 (Gescheine sichtbar), um eine Schädigung des Jungaustriebs zu verhindern. Im Hopfenbau ist die Phase des Längenwachstums bis zur Blüte (BBCH 31 bis 61) entscheidend, da ein später Befall direkt die Qualität der Dolden mindert und die Bekämpfung im dichten Laubwerk technisch kaum noch möglich ist.