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Kultur

Brombeere

Rubus fruticosus
RUBFR

Die Gemeine Brombeere (Rubus fruticosus, EPPO-Code: RUBFR) ist ein ausdauernder, wintergrüner Halbstrauch aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). In der landwirtschaftlichen Praxis tritt sie vor allem als extrem konkurrenzstarkes und schwer bekämpfbares Unkraut auf. Besonders in Dauerkulturen wie dem Wein- und Obstbau sowie auf forstwirtschaftlichen Flächen und Grünlandbrachen kann sie dichte, undurchdringliche Dickichte bilden, welche die eigentlichen Kulturen überwuchern und die Bewirtschaftung massiv erschweren.

Die wirtschaftliche Relevanz von Rubus fruticosus ergibt sich aus ihrer enormen Regenerationsfähigkeit und der starken Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe. Durch ihre verholzenden Ranken behindert sie zudem mechanische Pflege- und Erntearbeiten erheblich. Ein unkontrolliertes Wachstum führt rasch zu Ertragseinbußen und kann im Extremfall zur vollständigen Verwilderung von Kulturflächen führen, was aufwendige und kostenintensive Sanierungsmaßnahmen nach sich zieht.

Typ
Kultur
EPPO-Code
RUBFR
Wirte
0 Kulturen
Verbreitung
Rubus fruticosus ist in ganz Europa weit verbreitet und besiedelt bevorzugt gemäßigte Klimazonen, wo sie insbesondere auf nährstoffreichen, feuchten Böden im Obst-, Wein- und Forstbau erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht.

Biologie / Lebenszyklus

Rubus fruticosus ist eine mehrjährige Pflanze, deren Lebenszyklus durch ein zweijähriges Triebwachstum geprägt ist. Im ersten Jahr entwickeln sich aus dem tiefreichenden, kriechenden Wurzelsystem sterile Schösslinge (Turionen), die im zweiten Jahr verholzen, Seitentriebe bilden, blühen und Früchte tragen. Die generative Vermehrung erfolgt über Samen, die durch Vögel weit verbreitet werden, während die vegetative Vermehrung über Wurzelausläufer und das Absenken von Triebspitzen eine schnelle, lokale Ausbreitung und Kolonisierung ermöglicht. Die Hauptwachstumsphase erstreckt sich vom Frühjahr bis in den späten Herbst, wobei die Pflanze auch im Winter belaubt bleiben kann.

Bonitur

Das Monitoring im Feld sollte bereits im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb der Kulturen (z. B. im Weinbau vor BBCH 01) beginnen, um etablierte Nester und frische Austriebe frühzeitig zu lokalisieren. Da es für Rubus fruticosus keine starren wirtschaftlichen Schadschwellen gibt, gilt im professionellen Anbau das Prinzip der Schadensminimierung durch frühzeitiges Eingreifen in der Kulturreihe. Eine systematische Bonitur der Fahrgassen und Unterstockbereiche während der gesamten Vegetationsperiode ermöglicht es, mechanische oder chemische Maßnahmen exakt auf die empfindlichen Entwicklungsstadien der Brombeere abzustimmen, idealerweise bevor die Triebe verholzen und eine hohe Widerstandskraft entwickeln.

Integriertes Management

Die integrierte Bekämpfung von Rubus fruticosus erfordert eine Kombination aus mechanischen, kulturtechnischen und chemischen Maßnahmen. Mechanisch ist ein regelmäßiges Mulchen oder tiefes Fräsen notwendig, um die Kohlenhydratreserven im Wurzelsystem zu erschöpfen, wobei eine reine Zerstückelung der Wurzeln ohne anschließende Austrocknung vermieden werden sollte. Chemisch kommen systemische Pflanzenschutzmittel (Wuchsstoffe oder Totalherbizide) zum Einsatz, die idealerweise im Spätsommer oder Herbst appliziert werden, da zu diesem Zeitpunkt der Saftstrom der Pflanze nach unten in die Wurzeln gerichtet ist. Um Resistenzen vorzubeugen und die Wirksamkeit zu maximieren, ist auf einen gezielten Wirkstoffwechsel gemäß den HRAC-Klassifizierungen zu achten, wobei alle Anwendungen stets streng nach den Zulassungsbestimmungen des BVL erfolgen müssen.

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine chemische Behandlung von Rubus fruticosus?

Der beste Zeitpunkt für eine Herbizidapplikation liegt im Spätsommer bis Frühherbst (August bis Oktober). In dieser Phase transportiert die Pflanze Assimilate aktiv in das Wurzelsystem, wodurch systemische Pflanzenschutzmittel besonders tief in die Wurzeln transportiert werden und einen nachhaltigen Bekämpfungserfolg erzielen.

Warum ist die mechanische Bekämpfung der Brombeere allein oft nicht erfolgreich?

Rubus fruticosus besitzt ein extrem regenerationsfähiges Wurzelsystem mit schlafenden Knospen. Einfaches Abschneiden oder unvollständiges Fräsen regt den Neuaustrieb an und kann durch Wurzelzerstückelung sogar zu einer unbeabsichtigten Vermehrung und Verdichtung des Bestandes führen.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium der Kultur bei der Bekämpfung der Brombeere?

Die Behandlung muss streng auf die Kultur abgestimmt sein, um Phytotoxizität zu vermeiden. In Dauerkulturen wie Wein oder Obst erfolgen Herbizidanwendungen meist nach der Ernte (z. B. nach BBCH 89) oder als gezielte Unterstockbehandlung mit Abschirmung, um die Kultur nicht direkt zu treffen.

Wie kann ich im Farmable-Hub nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Brombeeren suchen?

Suchen Sie im Hub nach der jeweiligen Kultur (z. B. Weinrebe oder Kernobst) und filtern Sie nach der Schaderreger-Kategorie 'Unkräuter' oder gezielt nach dem EPPO-Code 'RUBFR'. Achten Sie darauf, dass das gewählte Pflanzenschutzmittel eine explizite Zulassung für die Bekämpfung von zweikeimblättrigen Unkräutern oder speziell Holzgewächsen aufweist.

Gibt es biologische oder kulturtechnische Maßnahmen zur Unterdrückung von Rubus fruticosus?

Ja, die Etablierung einer dichten, konkurrenzstarken Untersaat oder Gründüngung in den Fahrgassen entzieht den keimenden Brombeersamen Licht und Nährstoffe. Zudem hilft eine konsequente Beschattung, da die Brombeere für ein optimales Wachstum auf ausreichend Licht angewiesen ist.

Wie wird das Risiko von Herbizidresistenzen bei der Brombeerbekämpfung minimiert?

Da Brombeeren oft mit systemischen Breitbandherbiziden oder Wuchsstoffen bekämpft werden, sollten Wirkstoffe mit unterschiedlichen HRAC-Wirkungsmechanismen im Wechsel eingesetzt werden. Zudem sollte die chemische Anwendung stets in ein integriertes System mit mechanischen Maßnahmen (wie regelmäßigem Mulchen) eingebettet sein.