Drüsiges Springkraut
Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera, EPPO-Code: IPAGL), auch bekannt als Indisches Springkraut, ist ein einjähriger, invasiver Neophyt aus der Familie der Balsaminengewächse (Balsaminaceae). Ursprünglich aus dem Himalaya-Gebiet stammend, hat sich dieser Schaderreger in ganz Mitteleuropa rasant ausgebreitet. Er besiedelt bevorzugt feuchte, nährstoffreiche Standorte wie Bach- und Flussufer, Waldränder sowie feuchte Gräben und angrenzende landwirtschaftliche Nutzflächen wie Grünland, forstwirtschaftliche Kulturen und Sonderkulturen.
Aus agronomischer Sicht stellt das Drüsige Springkraut vor allem durch sein extremes Höhenwachstum von bis zu 2,5 Metern und seine enorme Konkurrenzkraft eine Bedrohung dar. Es beschattet etablierte Kulturen und verdrängt die heimische Flora vollständig. Auf landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere im feuchten Grünland oder in forstwirtschaftlichen Verjüngungsflächen, führt der dichte Wuchs zu erheblichen Ertragseinbußen und erschwert die Bewirtschaftung. Zudem hinterlässt die Pflanze nach dem Absterben im Winter kahle Böden, was die Erosionsgefahr an Böschungen und Gräben drastisch erhöht.
Biologie / Lebenszyklus
Impatiens glandulifera ist eine streng einjährige Pflanze, die ausschließlich über Samen überwintert. Die Keimung erfolgt sehr früh im Frühjahr (meist ab März/April), sobald die Bodentemperaturen steigen. Das vegetative Wachstum verläuft extrem rasch, sodass die Pflanzen bereits im Frühsommer dichte Bestände bilden. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis zum ersten Frost, wobei die Bestäubung hauptsächlich durch Hummeln erfolgt. Nach der Befruchtung bilden sich die charakteristischen Kapselfrüchte, die bei Berührung oder Reife explosionsartig aufplatzen und die Samen bis zu 7 Meter weit schleudern. Eine einzelne Pflanze kann bis zu 4.000 Samen produzieren, die im Boden eine Keimfähigkeit von mehreren Jahren behalten.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits im zeitigen Frühjahr (März bis Mai) beginnen, um die auflaufenden Keimlinge in den Gräben, Feldrändern oder feuchten Bereichen deiner Kulturen frühzeitig zu identifizieren. Da es sich um ein Unkraut handelt, gibt es keine klassischen wirtschaftlichen Schadschwellen wie bei Insekten; die Toleranzgrenze ist aufgrund des invasiven Charakters und der enormen Samenproduktion extrem niedrig anzusetzen. Achte besonders auf das BBCH-Stadium 12 bis 19 (Blattentwicklung) der umgebenden Kulturen, da Bekämpfungsmaßnahmen vor der Blüte des Springkrauts (BBCH 60) abgeschlossen sein müssen, um eine weitere Samenbildung und -ausbreitung im Betrieb konsequent zu verhindern.
Integriertes Management
Das integrierte Management des Drüsigen Springkrauts basiert primär auf mechanischen und kulturtechnischen Maßnahmen. Die effektivste Methode ist das regelmäßige Mähen oder Mulchen der Bestände vor der Blüte (spätestens bei Knospenansatz), idealerweise tief am Boden, um einen Wiederaustrieb aus den unteren Blattachseln zu verhindern. Auch das Ausreißen per Hand ist bei kleineren Nestern aufgrund des flachen Wurzelsystems sehr erfolgreich. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur gezielt und unter Beachtung strenger Gewässerschutzauflagen eingesetzt werden, da der Schaderreger oft nahe an Oberflächengewässern wächst. Beim Einsatz von Herbiziden auf landwirtschaftlichen Flächen ist auf ein konsequentes Wirkstoffmanagement gemäß den HRAC-Richtlinien zu achten, um Selektionseffekte zu vermeiden und die Biodiversität der Begleitflora zu schonen.
Häufige Fragen
Wie erkennst du den Unterschied zwischen dem Drüsigen Springkraut und heimischen Springkraut-Arten im Feld?
Das Drüsige Springkraut unterscheidet sich vom heimischen Großen Springkraut (Impatiens noli-tangere) vor allem durch seine rötlich überlaufenen, hohlen Stängel, die drüsigen Haare am Blattstiel und die rosa bis purpurroten Blüten. Das heimische Springkraut blüht hingegen gelb und bleibt deutlich kleiner.
Warum ist der Zeitpunkt des Mähens bei diesem Schaderreger so extrem kritisch?
Wenn du zu früh mähst, treibt die Pflanze aus den Blattachseln wieder aus und bildet neue Blüten. Mähst du zu spät (ab BBCH 61/65), können die bereits gebildeten Samenkapseln durch die Erschütterung des Mähwerks aufplatzen und die Samen weiträumig verteilen. Der optimale Zeitpunkt liegt daher exakt in der Phase des Knospenstadiums vor der Blüte.
Wie lange bleiben die Samen im Boden keimfähig und was bedeutet das für deine Fruchtfolge?
Die Samen von Impatiens glandulifera bleiben im Boden etwa 3 bis 5 Jahre keimfähig. Wenn du betroffene Flächen sanieren willst, musst du über mindestens vier Jahre hinweg konsequent jeden Sameneintrag verhindern, um die Samenbank im Boden vollständig zu erschöpfen.
Welche gesetzlichen Auflagen musst du bei der chemischen Behandlung an Gewässerrändern beachten?
Da das Drüsige Springkraut bevorzugt an Gewässern wächst, gelten hier extrem strenge gesetzliche Vorgaben. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist in den meisten Bundesländern in unmittelbarer Nähe zu Oberflächengewässern (Gewässerschutzstreifen) streng verboten oder genehmigungspflichtig. Nutze dort ausschließlich mechanische Verfahren wie Mähen oder Ausreißen.
Wie entsorgst du das abgemähte oder ausgerissene Pflanzenmaterial richtig?
Pflanzen ohne Blütenansatz kannst du einfach auf der Fläche zum Vertrocknen liegen lassen. Sobald sich jedoch bereits Blüten oder grüne Kapseln gebildet haben, musst du das Material abtransportieren und über eine professionelle Kompostieranlage (Heißkompostierung) entsorgen, da die Samen sonst nachreifen und verschleppt werden.
Wo finde ich im Portal registrierte Pflanzenschutzmittel gegen dieses Unkraut?
Navigiere im Hub zum Bereich "Pflanzenschutzmittel" und filtere nach der Indikation "Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter" in deiner spezifischen Kultur (z. B. Grünland oder Forst). Achte darauf, dass das gewählte Mittel für die jeweilige Anwendungsfläche zugelassen ist.