Fusarium culmorum
Fusarium culmorum (EPPO-Code: FUSACU) ist ein ökonomisch hochgradig bedeutender pilzlicher Schaderreger, der vor allem in kühleren, feuchten Anbauregionen des gemäßigten Klimas (wie Nord- und Mitteleuropa) schwere Schäden im Getreidebau verursacht. Der Pilz ist einer der Haupterreger des Fusariose-Komplexes und führt zu Keimlingsfäule, Fußkrankheiten sowie zur gefürchteten partiellen Taubährigkeit (Ährenfusariose). Neben Getreide wie Weizen, Gerste und Roggen kann der Erreger auch andere Kulturen wie Spargel oder Mais infizieren.
Die wirtschaftliche Relevanz von Fusarium culmorum ergibt sich nicht nur aus direkten Ertragsverlusten von bis zu 30 % oder mehr bei starkem Befall. Mindestens ebenso schwer wiegt die qualitative Beeinträchtigung des Ernteguts durch Mykotoxine wie Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA). Diese Pilzgifte limitieren die Verwertbarkeit des Getreides als Lebens- und Futtermittel drastisch, da strenge gesetzliche Grenzwerte einzuhalten sind.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert saprophytisch als Myzel oder in Form von dickwandigen Chlamydosporen auf Ernterückständen im Boden oder auf infiziertem Saatgut. Im Frühjahr, begünstigt durch feucht-warme Witterung, kommt es zur Bildung von Konidien (Sporen), die durch Regenspritzer auf die unteren Blattechsen und den Stängelgrund transportiert werden. Von dort aus wächst das Myzel systemisch in der Kultur nach oben oder infiziert während der Blüte (BBCH 61–69) direkt die Ähren über den Windweg. Die Infektion der Ährchen führt zur Unterbrechung der Saftleitung, wodurch die darüber liegenden Ährenteile vorzeitig reifen und absterben.
Bonitur
Eine gezielte Überwachung beginnt bereits bei der Saatgutprüfung auf Befallsträger. Im Feld erfolgt das Monitoring primär in zwei Phasen: Zunächst wird im Frühjahr (BBCH 30–32) der Stängelgrund auf Verfärbungen kontrolliert, um Fußkrankheiten frühzeitig zu erkennen. Die kritischste Phase für die Ähreninfektion liegt zwischen dem Ährenschieben (BBCH 51) und dem Ende der Blüte (BBCH 69). Da visuelle Symptome an der Ähre erst nach erfolgter Infektion sichtbar werden, stützt sich die Bekämpfungsentscheidung meist auf computergestützte Prognosemodelle, die Niederschlagsereignisse und Temperaturen während der Blütezeit auswerten, um das Infektionsrisiko exakt zu kalkulieren.
Symptome
An Keimlingen zeigt sich der Befall durch braune Streifen oder Fäulnis an den Blattscheiden, oft gefolgt von einem Absterben vor oder kurz nach dem Auflaufen. Am Stängelgrund älterer Kulturen entstehen typische dunkelbraune bis schwarzbraune Verfärbungen der untersten Internodien (Fußkrankheit), die oft von einem rosafarbenen bis rötlichen Sporenbelag bedeckt sind. Das markanteste Symptom im späteren Stadium ist die partielle Taubährigkeit: Einzelne Ährchen oder ganze Ährenabschnitte bleichen vorzeitig aus (Weißährigkeit), während die restliche Ähre grün bleibt. Bei feuchter Witterung bildet sich auf den infizierten Ährchen ein charakteristischer lachsrosa- bis orangefarbener Belag aus Konidienträgern.
Integriertes Management
Die Bekämpfung erfordert ein konsequent integriertes Pflanzenschutzkonzept. Kulturtechnische Maßnahmen stehen im Vordergrund: Eine weite Fruchtfolge ohne direkten Nachbau von Mais oder Weizen sowie eine sorgfältige, wendende Bodenbearbeitung zur Einarbeitung von Ernterückständen reduzieren das Inokulum im Boden drastisch. Der Anbau widerstandsfähiger Sorten ist die effektivste präventive Maßnahme. Chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide) müssen gezielt während der Blüte (BBCH 61–65) appliziert werden, wenn Infektionsbedingungen vorliegen. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen FRAC-Klassen (z. B. Triazole/DMI-Fungizide kombiniert mit Carboxamiden/SDHI) zwingend erforderlich.
Häufige Fragen
Warum erhöht der Vorfruchtanbau von Mais das Risiko für einen Befall mit Fusarium culmorum so drastisch?
Maisstoppeln bieten dem Schaderreger ideale Bedingungen zur Überwinterung und saprophytischen Vermehrung. Da Maisrückstände nur sehr langsam verrotten, verbleibt ein extrem hohes Inokulumpotenzial an der Bodenoberfläche, das im Folgejahr bei Getreide zu massiven Infektionen führt. Eine tiefe, wendende Bodenbearbeitung ist nach Mais zwingend zu empfehlen.
Bis zu welchem BBCH-Stadium ist eine Fungizidbehandlung gegen Ährenfusariose noch wirtschaftlich sinnvoll?
Die gezielte Behandlung mit einem Pflanzenschutzmittel muss zwingend während der Blüte (BBCH 61 bis 65) erfolgen, da die offenen Blütchen die Haupteintrittspforte für die Sporen darstellen. Nach dem Ende der Blüte (ab BBCH 69) sinkt der Wirkungsgrad von Fungiziden rapide, und Behandlungen sind meist nicht mehr wirtschaftlich oder aufgrund von Wartezeiten unzulässig.
Kann sich der Mykotoxingehalten durch Fusarium culmorum auch nach der Ernte im Lager noch erhöhen?
Ja, wenn das Getreide mit einer zu hohen Kornfeuchte (über 14 %) eingelagert wird, kann der Pilz im Lager weiterwachsen und zusätzliche Toxine wie DON produzieren. Eine sofortige Trocknung des Ernteguts direkt nach dem Drusch ist daher essenziell, um die Mykotoxinbildung zuverlässig zu stoppen.
Welche Rolle spielen Wirkstoffklassen (FRAC) bei der chemischen Regulierung dieses Schaderregers?
Zur Bekämpfung werden vor allem Triazole (FRAC-Gruppe 3) eingesetzt. Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, sollten diese mit Vertretern anderer Wirkstoffklassen wie SDHI (FRAC-Gruppe 7) kombiniert werden. Zudem ist die Einhaltung der empfohlenen Aufwandmenge wichtig, da Unterdosierungen die Selektion resistenter Stämme beschleunigen.
Welche meteorologischen Bedingungen triggern ein akutes Infektionsrisiko während der sensiblen Phase?
Ein hohes Infektionsrisiko besteht, wenn während der Blütezeit (BBCH 61–69) über einen Zeitraum von mindestens 24 bis 48 Stunden feucht-warmes Wetter mit Temperaturen zwischen 15 °C und 25 °C sowie anhaltenden Niederschlägen oder hoher Luftfeuchtigkeit vorherrscht. Trockene Bedingungen in dieser Phase minimieren das Risiko nahezu vollständig.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die in Deutschland aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Erreger?
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