Alle Schaderreger
Pilz

Fusarium culmorum

Fusarium culmorum
FUSACU

Fusarium culmorum (EPPO-Code: FUSACU) ist ein weit verbreiteter, bodenbürtiger Pilz, der als einer der Hauptverursacher von Fußkrankheiten, Stängelgrundfäule und partieller Taubährigkeit bei Getreide gilt. Der Schaderreger besitzt ein extrem breites Wirtsspektrum, das neben Weizen, Gerste und Roggen auch Sonderkulturen wie Spargel umfasst. In kühleren, feuchten Anbauregionen Mitteleuropas führt der Befall regelmäßig zu erheblichen Ertragseinbußen und Qualitätsverlusten.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Fusarium culmorum ergibt sich nicht nur aus direkten Ertragsverlusten durch Schmachtkornbildung und verminderte Tausendkornmasse, sondern vor allem aus der Kontamination des Ernteguts mit Mykotoxinen. Der Pilz produziert hochtoxische Sekundärmetabolite wie Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA), welche die Verwertbarkeit des Getreides als Lebens- und Futtermittel stark einschränken oder gänzlich ausschließen.

Neben Getreide kann der Erreger auch an Spargel eine folgenschwere Fußkrankheit auslösen, die zu vorzeitigem Absterben der Triebe und einer Schwächung der gesamten Anlage führt. Die Bekämpfung erfordert aufgrund der Persistenz des Pilzes im Boden ein vorausschauendes, integriertes Management über die gesamte Fruchtfolge hinweg.

Typ
Pilz
EPPO-Code
FUSACU
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Polyzyklisch (mehrere ungeschlechtliche Generationen pro Saison)
Verbreitung
Der Pilz ist weltweit in gemäßigten Klimazonen verbreitet und zählt in Mittel- und Nordwesteuropa zu den dominantesten und wirtschaftlich schädlichsten Erregern des Fusarium-Komplexes im Getreidebau.
Erstbeschreibung
W.G. Smith, 1884

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überdauert als Chlamydospore, Myzel oder Perithezie in infizierten Ernterückständen im Boden oder auf dem Saatgut. Im Frühjahr kommt es bei steigenden Temperaturen und Feuchtigkeit zur Keimung und zur Bildung von Konidien, die durch Regenspritzer und Wind auf die unteren Pflanzenteile übertragen werden. Die Primärinfektion erfolgt meist an den Wurzeln oder der Halmbasis (BBCH 30–32). Unter warm-feuchten Bedingungen während der Blüte (BBCH 61–69) steigen die Sporen in den oberen Kronenbereich auf und infizieren die Ähren, wo sie rasch neue Konidien für sekundäre Infektionszyklen bilden.

Bonitur

Die Überwachung beginnt mit der Kontrolle der Halmbasis ab dem Schossen (BBCH 30–39), um frühe Fußkrankheitssymptome zu erkennen. Eine gezielte Risikobewertung für den Ährenbefall erfolgt kurz vor der Blüte (BBCH 59) unter Berücksichtigung von Vorfrucht (insbesondere Mais), Bodenbearbeitung (Pfluglosigkeit erhöht das Risiko) und der Wetterprognose. Wenn während der sensiblen Blühphase (BBCH 61–69) niederschlagsreiche Tage mit Temperaturen über 15 °C vorhergesagt werden, ist die Schadschwelle für eine gezielte Ährenbehandlung in anfälligen Sorten überschritten.

Symptome

An der Halmbasis zeigen sich typische braune bis schwarzbraune Streifen oder eine flächige Verbräunung der untersten Internodien, oft begleitet von einem rosa- bis fleischfarbenen Sporenbelag (Konidienlager) bei feuchtem Wetter. Bei Ährenbefall kommt es zur partiellen Taubährigkeit: Einzelne Ährchen oder ganze Abschnitte der Ähre bleichen vorzeitig aus und sterben ab, während der Rest der Ähre grün bleibt. Auf den infizierten Spelzen bildet sich bei anhaltender Feuchtigkeit ein charakteristischer, lachsrosa Myzel- und Sporenbelag, und die Körner verkümmern zu runzligen, weiß-rötlichen Schmachtkörnern.

Integriertes Management

Das integrierte Management basiert primär auf vorbeugenden pflanzenbaulichen Maßnahmen: Eine weite Fruchtfolge ohne direkte Aufeinanderfolge von Mais und Weizen sowie das sorgfältige Unterpflügen von Ernterückständen reduzieren das Inokulum im Boden erheblich. Die Wahl widerstandsfähiger Sorten ist der effektivste Schutz gegen Ährenfusarium. Chemische Pflanzenschutzmittel (insbesondere Triazole aus der FRAC-Gruppe 3) müssen gezielt während der Blüte (BBCH 61–65) appliziert werden, um eine optimale Schutzwirkung aufzubauen. Zur Vermeidung von Wirkstoffresistenzen sollten Triazole im Wechsel oder in Kombination mit anderen Wirkstoffklassen (z. B. SDHI, FRAC-Gruppe 7) eingesetzt und die maximalen Aufwandmengen stets eingehalten werden.

Häufige Fragen

Wie unterscheidest du einen Befall durch Fusarium culmorum an der Halmbasis von der Halmbruchkrankheit (Oculimacula yallundae)?

Während die Halmbruchkrankheit typische augenförmige, scharf abgegrenzte Flecken mit einem dunklen Zentrum im Inneren des Halms verursacht, zeigt ein Befall durch Fusarium culmorum eher diffuse, streifige, dunkelbraune Verfärbungen der Halmbasis. Zudem führt Fusarium oft zu einer morsch-trockenen Fäule des gesamten Stängelgrundes, die sich leicht faserig zerreiben lässt, und bildet bei Feuchtigkeit einen rosa Sporenbelag.

Warum ist die Bodenbearbeitung nach der Vorfrucht Mais so entscheidend für das Infektionsrisiko?

Maisstoppeln sind ein ideales Substrat für das Überleben und die Vermehrung von Fusarium culmorum. Wenn du auf eine wendende Bodenbearbeitung (Pflug) verzichtest, verbleiben diese Ernterückstände an der Oberfläche, wodurch im Folgejahr enorme Sporenmengen direkt in die neue Kultur geschleudert werden können. Das Unterpflügen unterbricht diesen Zyklus effektiv.

Wann ist der absolut späteste Zeitpunkt für eine chemische Behandlung gegen Ährenfusarium?

Eine gezielte Behandlung mit einem Pflanzenschutzmittel gegen Ährenfusarium muss zwingend während der Blüte (BBCH 61 bis maximal BBCH 69) erfolgen. Sobald die Blüte abgeschlossen ist und die Kornfüllung beginnt, sinkt der Wirkungsgrad von Fungiziden drastisch, da der Pilz bereits tief in das Gewebe der Spelzen und Körner eingedrungen ist. Beachte zudem immer die vorgeschriebene Wartezeit des jeweiligen Mittels.

Wie findest du auf agronomy.farmable.tech die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutze hierzu einfach unsere Produktsuche im Hub. Filtere dort nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Winterweizen), wähle als Zielorganismus "Fusarium culmorum" oder "Fusariosen" aus und du erhältst eine aktuelle Liste aller in deinem Land registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, BBCH-Anwendungsfenster und einzuhaltenden Wartezeiten.

Welche Rolle spielen Mykotoxine bei der Vermarktung deines Getreides und welche Grenzwerte musst du beachten?

Mykotoxine wie Deoxynivalenol (DON) sind extrem hitzestabil und können weder durch Reinigung noch durch Verarbeitung zerstört werden. Für die Vermarktung als Lebens- oder Futtermittel gelten in der EU strenge gesetzliche Grenzwerte (z. B. für DON im unverarbeiteten Weizen). Überschreitet deine Ernte diese Werte, ist sie für den menschlichen Verzehr gesperrt und kann oft nur noch unter strengen Auflagen thermisch verwertet oder tief herabgestuft werden.

Kann Fusarium culmorum auch über das Saatgut übertragen werden und wie schützt du dich davor?

Ja, der Erreger kann am oder im Saatgut überdauern und führt dann zu Keimlingssterben oder schwachen Aufläufen. Verwende daher bevorzugt zertifiziertes, gesundes Saatgut. Wenn du eigenes Nachbausaatgut nutzt, solltest du vorab eine Laboruntersuchung (Gesundheitstest) durchführen lassen und bei nachgewiesenem Befall unbedingt eine professionelle Saatgutbeizung mit einem dafür zugelassenen Pflanzenschutzmittel vornehmen.