Gelbe Pflaumensägewespe
Die Gelbe Pflaumensägewespe (Hoplocampa flava, EPPO-Code: HOPLFL) gehört zur Familie der echten Blattwespen (Tenthredinidae) und ist ein bedeutender Schaderreger im Steinobstanbau. Sie ist eng auf Pflaumen und Zwetschgen (Prunus domestica) spezialisiert. Ein starker Befall kann ohne regulierende Maßnahmen zu massiven Ertragsverlusten führen, da die Larven die jungen Früchte direkt schädigen und zum vorzeitigen Fruchtfall führen.
Der Schädling ist in fast allen europäischen Pflaumenanbauregionen verbreitet. Besonders in Jahren mit mäßig warmen Frühjahrstemperaturen und gleichzeitigem Blühbeginn der Wirtspflanzen findet der Schaderreger optimale Bedingungen vor. Da die Eiablage direkt in den Blütenkelch erfolgt, ist das Zeitfenster für eine erfolgreiche Regulierung sehr eng gesteckt.
Biologie / Lebenszyklus
Die Gelbe Pflaumensägewespe bildet eine Generation pro Jahr aus. Die Überwinterung erfolgt als Larve (Eonymphe) in einem Kokon im Boden, wo im zeitigen Frühjahr die Verpuppung stattfindet. Pünktlich zur Pflaumenblüte (meist ab BBCH 59 bis BBCH 60) schlüpfen die adulten Wespen. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier einzeln in die Kelchblätter der offenen Blüten ab. Die schlüpfenden Larven bohren sich in die junge Frucht ein, fressen den Kern aus und wechseln im Laufe ihrer Entwicklung mehrmals die Frucht (eine Larve kann bis zu fünf Früchte zerstören), bevor sie sich im Frühsommer zur Überwinterung in den Boden fallen lassen.
Bonitur
Für ein effektives Monitoring solltest du rechtzeitig vor Blühbeginn (BBCH 57 bis 59) weiße Reiztafeln (Weißfallen) in Augenhöhe im äußeren Kronenbereich der Kultur aufhängen. Kontrolliere die Fallen mindestens zweimal wöchentlich. Die Schadensschwelle liegt erfahrungsgemäß bei einem Fang von mehr als 30 bis 40 Wespen pro Falle bis zum Ende der Blüte oder wenn bei einer visuellen Kontrolle nach der Blüte (BBCH 69) mehr als 2 bis 3 % der jungen Früchte Einbohrlöcher aufweisen.
Symptome
Typische Symptome zeigen sich kurz nach der Blüte an den jungen Früchten. Du erkennst den Befall an kreisrunden, sauberen Einbohrlöchern, aus denen oft feuchter, dunkler Kot ausbricht, der intensiv nach Wanzen riecht. Befallene Früchte stellen ihr Wachstum ein, verfärben sich vorzeitig violett oder gelblich und fallen schließlich im Mai oder Juni massenhaft ab ("vorzeitiger Fruchtfall"). Im Inneren der aufgeschnittenen Frucht ist das typische Fraßbild am weichen Kern sowie die weißliche Larve mit brauner Kopfkapsel sichtbar.
Integriertes Management
Eine integrierte Strategie kombiniert mechanische, biologische und chemische Maßnahmen. Durch eine flache Bodenbearbeitung unter den Bäumen im Herbst oder Winter kannst du die im Boden ruhenden Kokons an die Oberfläche befördern, wo sie Frost und natürlichen Feinden ausgesetzt sind. Biologisch lassen sich Nematoden (z. B. *Steinernema feltiae*) zur Bekämpfung der Larven im Boden einsetzen. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. nützlingsschonende Insektizide) sollten gezielt am Ende der Blüte (BBCH 69, wenn die Blütenblätter abfallen) appliziert werden, um die schlüpfenden Larven vor dem Einbohren zu erfassen. Achte bei der Wirkstoffauswahl auf das IRAC-Resistenzmanagement und wechsle die Wirkstoffklassen ab, um Resistenzbildungen vorzubeugen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich den Befall der Gelben Pflaumensägewespe von dem des Pflaumenwicklers?
Der Befall der Sägewespe tritt viel früher im Jahr auf (Mai/Juni) und betrifft sehr kleine, grüne Früchte, die einen typischen Wanzengeruch aufweisen. Der Pflaumenwickler (*Cydia funebrana*) schädigt die Früchte erst später im Sommer, wobei seine Raupen rötlich gefärbt sind und rötlichen Kot sowie Harztröpfchen am Einbohrloch hinterlassen.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit Pflanzenschutzmittel?
Der kritische Zeitpunkt liegt genau am Ende der Blüte (BBCH 69), wenn die Blütenblätter abfallen und die Larven aus den Eiern schlüpfen. Eine zu frühe Behandlung während der Vollblüte gefährdet Bestäuber und ist rechtlich meist unzulässig, während eine zu späte Behandlung wirkungslos bleibt, sobald sich die Larven erst einmal in die Früchte eingebohrt haben.
Welche Rolle spielen weiße Reiztafeln bei der direkten Bekämpfung?
Weiße Reiztafeln dienen primär dem Monitoring und der Ermittlung des optimalen Behandlungszeitpunkts. In kleinen Hausgärten oder auf Streuobstwiesen können sie durch massenhaftes Aufhängen (ca. 2 bis 4 Tafeln pro Baum) den Befallsdruck zwar leicht senken, im professionellen Erwerbsanbau reichen sie als alleinige Bekämpfungsmaßnahme jedoch nicht aus.
Wie findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger im Hub?
Nutze die Suchfunktion im Pflanzenschutzmittel-Hub und filtere nach der Kultur "Pflaume/Zwetschge" sowie dem Schaderreger "Sägewespen" (oder direkt nach dem EPPO-Code HOPLFL). Achte bei den gelisteten Anwendungen besonders auf die zugelassenen BBCH-Stadien, die einzuhaltende Wartezeit und die spezifischen Anwendungsbestimmungen zum Bienenschutz.
Kannst du den Befallsdruck für das Folgejahr durch mechanische Maßnahmen im Herbst senken?
Ja, eine flache Bodenbearbeitung (z. B. Fräsen oder Scheiben) im Traufenbereich der Bäume im Spätherbst stört die im Boden überwinternden Kokons. Dadurch werden sie an die Oberfläche transportiert, wo sie durch Frost absterben oder von Vögeln und Laufkäfern gefressen werden, was den Schlupf im nächsten Frühjahr spürbar reduziert.
Warum ist die Sortenwahl bei der Anfälligkeit für die Sägewespe von Bedeutung?
Früh blühende Pflaumensorten sind oft stärker gefährdet, da ihr Blühbeginn perfekt mit dem Hauptschlupf der adulten Wespen zusammenfällt. Wenn du Neuanlagen planst, kannst du durch eine geschickte Kombination von Sorten mit unterschiedlichen Blühzeiten das Risiko streuen und den Bekämpfungsaufwand minimieren.