Gelbe Pflaumensägewespe
Die Gelbe Pflaumensägewespe (Hoplocampa flava, EPPO-Code: HOPLFL) ist ein wirtschaftlich bedeutender Schaderreger im Steinobstanbau, der insbesondere Pflaumen und Zwetschgen (Prunus domestica) befällt. Zusammen mit der nahe verwandten Schwarzen Pflaumensägewespe (Hoplocampa minuta) kann sie bei starkem Auftreten ertragsentscheidende Schäden verursachen. Der Schädling ist in fast allen europäischen Pflaumenanbaugebieten etabliert und führt ohne gezielte Regulierungsmaßnahmen regelmäßig zu massiven Ernteausfällen durch vorzeitigen Fruchtfall.
Die wirtschaftliche Relevanz ist extrem hoch, da eine einzige Larve während ihrer Entwicklung nacheinander mehrere junge Früchte beschädigt. In Jahren mit schwachem Blütenansatz kann ein Befall zum Totalverlust der Ernte führen. Daher gehört die Überwachung und Regulierung dieses Schaderregers zum Standardprogramm im professionellen Erwerbsobstbau.
Biologie / Lebenszyklus
Die Überwinterung erfolgt als prepupale Larve (Kokongeneration) im Boden. Im Frühjahr, zeitgleich mit der Ballonphase bis zum Beginn der Blüte der Pflaumen (BBCH 59–61), schlüpfen die adulten Sägewespen. Nach dem Reifungsfraß legen die Weibchen ihre Eier einzeln in die Kelchblätter der Blüten ab, bevorzugt bei warmem, sonnigem Wetter. Die Larven schlüpfen meist zum Ende der Blüte (BBCH 67–69) und bohren sich direkt in die junge Frucht ein, wo sie den Kern fressen. Nach dem Durchlaufen von fünf Larvenstadien und dem Befall von bis zu fünf Früchten lassen sich die ausgewachsenen Larven im Mai oder Juni zu Boden fallen, um sich im Erdreich zu verpuppen und bis zum nächsten Frühjahr zu überdauern.
Bonitur
Das Monitoring beginnt vor der Blüte im BBCH-Stadium 57–59 durch das Aufhängen von weißen Reizklebefallen (Weißtafeln) in Augenhöhe auf der Südseite der Baumkronen. Diese dienen zur Erfassung des Erstflugs und der Flugaktivität. Die Schadensschwelle liegt im Erwerbsobstbau bei einem Fang von mehr als 20 bis 30 Sägewespen pro Weißtafel bis zum Ende der Blüte oder wenn bei einer visuellen Kontrolle von 100 Blütenbüscheln im BBCH-Stadium 65–67 Eiablagespuren (bräunliche Einstichstellen am Kelch) an mehr als 2 bis 3 % der Blüten festgestellt werden.
Symptome
Erste Symptome zeigen sich kurz nach der Blüte an den jungen Früchten durch kreisrunde, saubere Einbohrlöcher, aus denen häufig feuchter, dunkler Kot sowie gummiartige Ausscheidungen austreten. Befallene Früchte verfärben sich vorzeitig violett oder gelblich, stellen das Wachstum ein und fallen im Mai/Juni massenhaft ab (sogenannter "Sägewespen-Fruchtfall"). Im Inneren der aufgeschnittenen Frucht ist das typische Fraßbild am weichen Kern erkennbar, oft begleitet von einem charakteristischen, wanzenartigen Geruch der Larve und des Kots.
Integriertes Management
Die integrierte Regulierung basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Kulturtechnisch kann eine Bodenbearbeitung unter den Kronen im Herbst oder frühen Frühjahr die im Boden überwinternden Kokons freilegen und deren Mortalität durch Frost oder Prädatoren erhöhen. Im biologischen Anbau hat sich der Einsatz von nützlichen Nematoden (*Steinernema* spp.) gegen die Larven im Boden bewährt, ebenso wie das Absammeln und Vernichten vorzeitig abgefallener Früchte zur Reduzierung des Populationsdrucks im Folgejahr. Wenn die Schadensschwelle überschritten wird, ist eine gezielte chemische Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (z. B. Acetamiprid aus der IRAC-Gruppe 4A) zum Ende der Blüte (BBCH 67–69, Abfall der Kronblätter) hocheffektiv, um die frisch geschlüpften Larven vor dem Einbohren zu erfassen. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, wobei stets die Bienenschutzauflagen strikt beachtet werden müssen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Befall der Pflaumensägewespe vom Befall durch den Pflaumenwickler?
Während die Larve der Pflaumensägewespe bereits sehr früh im Frühjahr (BBCH 67–69) die noch winzigen Früchte befällt und diese zum vorzeitigen Abfall bringt, tritt der Pflaumenwickler (*Grapholita funebrana*) erst deutlich später im Sommer auf. Zudem hinterlässt die Sägewespe einen charakteristischen, wanzenartigen Geruch in der Frucht und frisst den noch weichen Kern, während die Wicklerraupe das Fruchtfleisch um den bereits verholzten Stein herum miniert.
Wann genau ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln?
Der kritische Behandlungszeitraum liegt exakt am Ende der Blüte, wenn etwa 90 % der Kronblätter abgefallen sind (BBCH 69). Zu diesem Zeitpunkt schlüpfen die Larven aus den Eiern und müssen den Wirkstoffbelag auf der Frucht aufnehmen, bevor sie sich einbohren. Eine zu frühe Anwendung während der Vollblüte gefährdet Bestäuber, während eine zu späte Anwendung wirkungslos ist, sobald die Larve im Inneren der Frucht geschützt ist.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger im Hub?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutzmittel-Hub und filtern Sie nach der Kultur "Pflaume/Zwetschge" sowie dem Schaderreger "Pflaumensägewespen". Achten Sie bei der Auswahl auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die zugelassene Aufwandmenge, die Wartezeit sowie die Einstufung der Bienengefährlichkeit (B1-B4), da die Anwendung unmittelbar nach der Blüte erfolgt.
Welche Rolle spielen weiße Leimtafeln bei der direkten Bekämpfung?
Weiße Leimtafeln dienen primär dem Monitoring (Flugbeginn und Flughöhepunkt) und nicht der direkten Dezimierung der Population. Ein reiner Abfang (Massefang) ist im Erwerbsobstbau wirtschaftlich nicht ausreichend wirksam, kann jedoch in kleinen Haus- und Kleingärten bei sehr geringem Befallsdruck eine leichte Reduktion des Schadens bewirken.
Warum schwankt der Befallsdruck durch die Pflaumensägewespe von Jahr zu Jahr so stark?
Der Befallsdruck hängt stark von der Witterung während der Blütezeit ab. Warme, sonnige Tage während BBCH 61–65 fördern die Flugaktivität und Eiablage der adulten Wespen massiv. Zudem neigen Sägewespenlarven bei ungünstigen Bedingungen oder nach Jahren mit extremem Fruchtmangel (z. B. durch Spätfröste) dazu, als Überlieger zwei oder sogar drei Jahre im Boden im Kokonstadium zu verharren, was zu plötzlichen Populationsspitzen in Folgejahren führen kann.
Gibt es Sortenunterschiede bei der Anfälligkeit von Pflaumen und Zwetschgen?
Ja, früh blühende Sorten sind meist stärker gefährdet, da ihr Blühbeginn häufig exakt mit dem Hauptflug der Sägewespen zusammenfällt. Zudem spielen die Attraktivität der Blüten und die Festigkeit des Kelchgewebes für die Eiablage eine Rolle. Bei der Sortenwahl im Integrierten Anbau kann die Staffelung von Blühzeiten helfen, das Risiko großflächiger Ausfälle zu minimieren.