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Pilz

Glomerella sp.

Glomerella sp.
GLOMSP

Der Schlauchpilz Glomerella sp. (EPPO-Code: `GLOMSP`), dessen Nebenfruchtform (Anamorph) meist der Gattung Colletotrichum zugeordnet wird, ist ein wirtschaftlich bedeutender Schaderreger im Gartenbau und der Landwirtschaft. Besonders im Anbau von Zierpflanzen wie Heidekrautgewächsen (Calluna sp.) sowie in verschiedenen Obst- und Sonderkulturen verursacht dieser Erreger Anthraknose, Triebsterben und Fruchtfäulen. Die Infektion führt unbehandelt zu erheblichen Qualitätsverlusten und kann in Baumschulen oder Topfpflanzenbetrieben ganze Bestände unverkäuflich machen.

Die Verbreitung des Pilzes wird durch feucht-warme Witterungsbedingungen massiv begünstigt. Da der Schaderreger sowohl latent in der Kultur überdauern als auch aktiv gesundes Gewebe infizieren kann, stellt er hohe Anforderungen an die Betriebshygiene und den integrierten Pflanzenschutz. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um eine epidemische Ausbreitung innerhalb der Bestände zu verhindern.

Typ
Pilz
EPPO-Code
GLOMSP
Wirte
1 Kultur
Generationen
Mehrere überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Weltweit verbreitet, mit besonderer wirtschaftlicher Relevanz in den gemäßigten und subtropischen Klimazonen Europas und Nordamerikas, wo feucht-warme Sommer den Befall in Baumschulen und Sonderkulturen begünstigen.

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überwintert als Myzel oder Perithezien in infizierten Pflanzenresten, im Boden oder latent im Holzgewebe der Wirtspflanzen. Im Frühjahr, bei steigenden Temperaturen und langanhaltender Blattnässe, werden Ascosporen (sexuell) oder Konidien (asexuell) freigesetzt und primär durch Regenspritzer oder Wind im Bestand verbreitet. Nach der Keimung dringt der Pilz direkt durch die Kutikula oder über Wunden in das Gewebe der Kultur ein. Während der Vegetationsperiode kommt es bei warmen, feuchten Bedingungen zu mehreren aufeinanderfolgenden Zyklen der ungeschlechtlichen Vermehrung (Konidienbildung in Akervuli), was zu einer raschen sekundären Ausbreitung führt.

Bonitur

Das Monitoring sollte bereits im zeitigen Frühjahr mit dem Austrieb (ab BBCH-Stadium 10 bis 13) beginnen, insbesondere in feuchten Mikroklimaten oder dicht stehenden Beständen. Da es keine starren Schadschwellen gibt, gilt in der Praxis eine Nulltoleranz für Vermehrungsbestände und hochwertige Topfpflanzenkulturen. Regelmäßige visuelle Kontrollen auf erste Blattflecken oder Triebwelken sind ab BBCH 30 (Längenwachstum/Schossphase) wöchentlich durchzuführen. Bei feucht-warmer Witterung (Temperaturen über 20 °C und Blattnässedauer von mehr als 12 Stunden) ist das Infektionsrisiko extrem hoch, weshalb hier die Kontrollintervalle verkürzt werden müssen.

Symptome

An den betroffenen Kulturen zeigen sich zunächst kleine, wässrige, später braun bis schwarz verfärbte, eingesunkene Flecken auf Blättern und Stängeln. Bei *Calluna sp.* äußert sich der Befall häufig als fortschreitendes Triebsterben (Dieback), das von den Triebspitzen ausgeht und zu einer graubraunen Verfärbung des Laubs führt. Unter feuchten Bedingungen bilden sich auf den abgestorbenen Gewebeteilen charakteristische, lachsfarbene bis rosafarbene Schleimtröpfchen (Sporenlager/Akervuli). Bei fortgeschrittenem Befall kommt es zum Absterben ganzer Pflanzenteile oder der gesamten Kultur durch Fäulnis im Wurzelhalsbereich.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management basiert auf einer konsequenten Kombination kulturtechnischer und chemischer Maßnahmen. Kulturtechnisch stehen die Vermeidung von stehender Nässe, eine weite Standweite zur schnellen Abtrocknung des Laubs sowie eine tropfenfreie Bewässerung (z. B. Tröpfchenbewässerung statt Überkopfberegnung) im Vordergrund. Befallenes Pflanzenmaterial muss umgehend und großzügig aus dem Bestand entfernt und vernichtet werden (keine Kompostierung im Betrieb). Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollte präventiv oder bei ersten Symptomen erfolgen, wobei Wirkstoffe aus verschiedenen FRAC-Klassen (z. B. Strobilurine, Triazole und Kontaktfungizide) im Wechsel eingesetzt werden müssen, um einer Resistenzbildung des Schaderregers aktiv vorzubeugen.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Stickstoffdüngung das Risiko eines Befalls mit *Glomerella sp.*?

Eine übermäßige, einseitige Stickstoffdüngung führt zu weichem, mastigem Gewebe der Kultur, das für die Keimschläuche des Schaderregers leichter zu penetrieren ist. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Kalium- und Calciumversorgung stärkt hingegen die Zellwände und erschwert das Eindringen des Pilzes.

Welche Rolle spielen Wunden bei der Infektion und wie kann das Risiko minimiert werden?

Wunden, die durch Schnittmaßnahmen, Hagel oder mechanische Arbeiten entstehen, sind ideale Eintrittspforten für *Glomerella sp.*. Schnittmaßnahmen sollten daher ausschließlich bei trockener Witterung durchgeführt werden, damit die Wundflächen schnell abtrocknen. Bei hohem Infektionsdruck kann unmittelbar nach dem Schnitt eine präventive Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel sinnvoll sein.

Wie unterscheidet sich die Wirkung von Kontaktfungiziden gegenüber systemischen Wirkstoffen bei diesem Schaderreger?

Kontaktfungizide bilden einen Schutzfilm auf der Oberfläche und verhindern die Sporenkeimung, müssen jedoch vor Infektionsereignissen (z. B. vor angekündigten Niederschlägen) appliziert werden. Systemische Wirkstoffe dringen in das Gewebe ein und können auch latente Infektionen stoppen, bergen jedoch ein höheres Risiko für Resistenzbildungen und sollten streng nach FRAC-Vorgaben im Wechsel eingesetzt werden.

Warum ist die relative Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus kritischer als die reine Temperatur?

Obwohl *Glomerella sp.* warme Temperaturen bevorzugt, ist für die Sporenkeimung und Infektion freies Wasser (Blattnässe) oder eine relative Luftfeuchtigkeit von über 90 % für mindestens 12 Stunden zwingend erforderlich. Durch gezieltes Lüften und Heizen in den Morgenstunden kann die Luftfeuchtigkeit gesenkt und die Infektionskette auch ohne chemischen Pflanzenschutz unterbrochen werden.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger auf agronomy.farmable.tech?

Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub. Filtern Sie nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. *Calluna sp.*) und wählen Sie als Zielorganismus den EPPO-Code `GLOMSP` oder die Gattung *Glomerella* aus, um alle in Ihrem Land aktuell zugelassenen Anwendungen und deren spezifische Auflagen (wie Aufwandmenge und Wartezeit) einzusehen.

Kann der Erreger über das Saatgut oder Vermehrungsmaterial übertragen werden?

Ja, *Glomerella sp.* kann als latente, symptomfreie Infektion im Vermehrungsmaterial (z. B. Stecklingen) überdauern. Für die Vermehrung sollte daher ausschließlich zertifiziertes, gesundes Ausgangsmaterial von schaderregerfreien Mutterpflanzen verwendet werden, um eine Einschleppung in den Betrieb von vornherein zu verhindern.