Glomerella sp.
Der pilzliche Schaderreger Glomerella sp. (EPPO-Code: GLOMSP), dessen Nebenfruchtform meist der Gattung Colletotrichum zugeordnet wird, ist ein bedeutender Erreger von Triebsterben, Anthraknose und Welke an verschiedenen Zier- und Sonderkulturen. Besonders im professionellen Anbau von Heidekrautgewächsen wie Calluna sp. verursacht dieser Pilz erhebliche wirtschaftliche Schäden durch den Ausfall von verkaufsfähigen Pflanzen in Baumschulen und Topfpflanzenbetrieben.
Die Infektion führt zu einer fortschreitenden Entwertung der Bestände, da befallene Kulturen oft unsymmetrisch verbräunen, verkahlen oder komplett absterben. Aufgrund der hohen Sporenproduktion unter warm-feuchten Bedingungen kann sich der Erreger in dichten Beständen rasch ausbreiten. Dies macht Glomerella sp. zu einem gefürchteten Pathogen im intensiv geführten Gartenbau in ganz Europa.
Biologie / Lebenszyklus
Der Pilz überdauert als Myzel oder in Form von widerstandsfähigen Dauersporen in infizierten Pflanzenresten, im Substrat oder auf Kulturflächen. Im Frühjahr und Sommer, begünstigt durch milde Temperaturen (optimal 20–25 °C) und langanhaltende Blattnässe, werden Konidien gebildet, die durch Wasserspritzer sowie mechanisch verbreitet werden. Nach der Keimung dringt der Pilz direkt durch die Kutikula oder über Wunden in das Gewebe ein. Dort breitet sich das Myzel aus, verstopft die Leitungsbahnen und führt schließlich zur Bildung neuer Fruchtkörper (Acervuli), die den Infektionszyklus innerhalb der Saison mehrfach wiederholen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits im zeitigen Frühjahr mit dem Austrieb (ab BBCH 10) beginnen und bis in den Herbst hinein fortgeführt werden. Achte besonders in den warmen Sommermonaten bei feucht-warmer Witterung auf erste nesterweise Verfärbungen im Bestand. Da es für Glomerella sp. keine starren wissenschaftlichen Schadschwellen gibt, gilt im professionellen Anbau eine Nulltoleranz: Sobald erste verdächtige Symptome an den Triebspitzen sichtbar werden, musst du betroffene Pflanzen sofort isolieren, um eine epidemische Ausbreitung über das Gießwasser zu verhindern.
Symptome
Typisch für einen Befall sind herdförmig auftretende, einseitige Verbräunungen der Triebe, die sich von der Spitze her nach unten ausbreiten. Die Blättchen der Calluna-Kulturen werden graubraun bis trocken-braun und fallen leicht ab, was zu kahlen Trieben führt. Bei hoher Luftfeuchtigkeit bilden sich auf den abgestorbenen Gewebeteilen winzige, dunkle Fruchtkörper (Acervuli), aus denen unter feuchten Bedingungen lachsfarbene bis rosafarbene Sporenmassen austreten. Im fortgeschrittenen Stadium verrottet die Basis der Triebe, und die gesamte Kultur stirbt ab.
Integriertes Management
Die Bekämpfung von Glomerella sp. erfordert ein konsequentes, integriertes Pflanzenschutzkonzept. Kulturelle Maßnahmen stehen im Vordergrund: Vermeide unbedingt stehendes Wasser und langanhaltende Blattnässe durch eine optimierte, bedarfsgerechte Tröpfchenbewässerung oder Bewässerung in den frühen Morgenstunden. Ein weiter Stand der Töpfe sorgt für eine schnelle Abtrocknung des Laubwerks. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten vorbeugend oder bei ersten Infektionsanzeichen eingesetzt werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen FRAC-Klassen zwingend erforderlich; halte dich dabei strikt an die regionalen Zulassungen und die Vorgaben zum Resistenzmanagement.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheide ich einen Befall durch Glomerella sp. von der Phytophthora-Wurzelfäule?
Während Phytophthora meist von den Wurzeln ausgeht und die gesamte Kultur gleichmäßig welken lässt, beginnt der Befall durch Glomerella sp. oft asymmetrisch an einzelnen Triebspitzen. Zudem zeigt sich bei Glomerella unter feuchten Bedingungen ein charakteristischer lachsfarbener Sporenbelag auf den Trieben, der bei Phytophthora völlig fehlt.
Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung bei der Krankheitsentwicklung?
Eine übermäßige, späte Stickstoffdüngung führt zu weichem, mastigem Gewebe, das für die eindringenden Keimschläuche des Pilzes besonders anfällig ist. Du solltest die Düngung daher ausgewogen gestalten und im Spätsommer kalibetont düngen, um die Verholzung der Triebe zu fördern.
Kann ich infizierte Kulturen durch einen Rückschnitt retten?
Ein Rückschnitt ist nur bei sehr leichtem, lokalem Befall im Anfangsstadium und absolut trockener Witterung ratsam. Da die Sporen extrem leicht über Schnittwerkzeuge verschleppt werden, musst du die Scheren nach jedem Schnitt desinfizieren. Bei starkem Befall ist das komplette Roden und Entsorgen der betroffenen Kulturen über den Hausmüll der sicherere Weg.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger auf agronomy.farmable.tech?
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Warum ist das Resistenzmanagement bei der Bekämpfung von Glomerella so kritisch?
Da der Pilz während einer Saison mehrere Generationen bildet und massenhaft Sporen produziert, ist das Risiko für die Selektion resistenter Stämme extrem hoch. Du solltest daher niemals Pflanzenschutzmittel aus derselben FRAC-Gruppe blockweise hintereinander anwenden, sondern stets die Wirkungsmechanismen konsequent abwechseln.
Welche physikalischen Maßnahmen helfen bei der Sanierung von Stellflächen?
Nach dem Räumen befallener Quartiere müssen die Stellflächen (Folien, Matten) gründlich von Substratresten gereinigt und mit einem dafür zugelassenen Desinfektionsmittel behandelt werden. Dies verhindert, dass verbliebene Dauersporen die Folgekulturen in der nächsten Saison direkt wieder infizieren.