Großer Frostspanner
Der Große Frostspanner (Erannis defoliaria, EPPO-Code: HIBEDE) ist ein forst- und obstwirtschaftlich bedeutender Schädling aus der Familie der Spanner (Geometridae). Er tritt in ganz Mitteleuropa regelmäßig auf und kann bei Massenvermehrungen erhebliche Schäden durch Kahlfraß an Laubgehölzen sowie im Erwerbsobstbau, insbesondere bei Apfel (Malus domestica) und Birne (Pyrus communis), verursachen.
Die Larven schlüpfen im Frühjahr zeitgleich mit dem Knospenaufbruch und fressen an Blättern, Blüten und jungen Fruchtansätzen. Da die Weibchen flügellos sind, breitet sich der Schaderreger lokal meist nur langsam aus, kann jedoch bei starkem Befall ganze Kulturen schwächen und den Ertrag massiv mindern.
Biologie / Lebenszyklus
Die Entwicklung des Großen Frostspanners ist einjährig. Die Falter schlüpfen im Herbst (Oktober bis Dezember) nach den ersten Frostnächten aus den Puppen im Boden. Während die geflügelten Männchen aktiv fliegen, kriechen die flügellosen Weibchen am Stamm der Wirtsbäume empor, um nach der Paarung ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in Rindenritzen und Knospennähe abzulegen. Die Eier überwintern. Im folgenden Frühjahr, meist zwischen den BBCH-Stadien 09 und 53 der Wirtskulturen, schlüpfen die rötlich-braunen Raupen. Sie fressen bis Ende Mai oder Juni an den Blättern und Blüten, lassen sich dann an einem Seidenfaden zu Boden herab und verpuppen sich im Erdreich, wo sie bis zum Herbst verbleiben.
Bonitur
Eine effektive Überwachung beginnt bereits im Herbst (ab Oktober, BBCH 91 bis 97) durch den Einsatz von Leimringen an den Baumstämmen, um die emporkriechenden, flügellosen Weibchen zu erfassen und zu zählen. Im Frühjahr, ab dem Knospenaufbruch (BBCH 51 bis 53), solltest du regelmäßige Klopfproben durchführen, um die frisch geschlüpften Raupen zu erfassen. Als Schadensschwelle im integrierten Obstbau gilt ein Richtwert von etwa 2 bis 4 Raupen pro 100 Blütenbüschel bei der visuellen Kontrolle vor der Blüte (BBCH 57 bis 59).
Symptome
Erste Symptome zeigen sich im Frühjahr durch Loch- und Fensterfraß an den jungen, sich entfaltenden Blättern. Später fressen die Raupen auch Blütenknospen und junge Fruchtansätze an, was zu typischen, tiefen Fraßnarben an den reifenden Früchten (sogenannter "Korkfraß") führt. Bei starkem Befall kann es zu einem vollständigen Kahlfraß der betroffenen Kulturen kommen, wobei nur noch die stärkeren Blattnerven übrig bleiben. Charakteristisch ist auch das Zusammenspinnen von Blättern und Blütenbüscheln, in denen sich die Raupen geschützt aufhalten.
Integriertes Management
Die Bekämpfung basiert auf einem integrierten Ansatz. Mechanisch ist das Anbringen von beleimten Barrieren (Leimringen) im September/Oktober eine der wirksamsten Maßnahmen, um die Eiablage im Kronenbereich zu verhindern; diese müssen regelmäßig von Laub befreit werden. Biologisch lässt sich der Schaderreger im Frühjahr bei Erreichen der Schadensschwelle gut mit Bacillus thuringiensis-Präparaten bekämpfen, solange die Raupen noch klein sind (L1 bis L2). Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt und unter Berücksichtigung des IRAC-Resistenzmanagements eingesetzt werden, wobei nützlingsschonende Präparate zu bevorzugen sind, um natürliche Gegenspieler wie Schlupfwespen, Raubwanzen und Vögel zu schonen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Raupe des Großen Frostspanners von der des Kleinen Frostspanners?
Die Raupe des Großen Frostspanners ist rötlich-braun bis gelbbraun mit einer auffälligen gelben Seitenlinie und dunklen Punkten, während die Raupe des Kleinen Frostspanners (Operophtera brumata) hellgrün mit weißlichen Längsstreifen ist. Beide bewegen sich jedoch in der typischen Spanner-Manier fort, indem sie den Körper schleifenartig zusammenziehen.
Wann ist der optimale Zeitpunkt, um Leimringe im Obstgarten anzubringen?
Du solltest die Leimringe spätestens Mitte bis Ende September anbringen, noch vor den ersten Nachtfrösten. Die flügellosen Weibchen beginnen meist ab Oktober mit dem Aufstieg am Stamm. Installierst du die Ringe zu spät, haben viele Weibchen bereits ihre Eier im Kronenbereich abgelegt.
Wie finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen den Großen Frostspanner auf agronomy.farmable.tech?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach deiner Kultur (z. B. Apfel) und dem Schaderreger "Großer Frostspanner" oder dem EPPO-Code "HIBEDE". Achte darauf, die aktuellen Zulassungsbestimmungen, Aufwandmengen und die vorgeschriebene Wartezeit für deine Region zu prüfen.
Warum wirken biologische Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis manchmal unzureichend?
Diese Präparate müssen von den Raupen aktiv mit der Nahrung aufgenommen werden. Wenn du die Anwendung bei zu kühlen Temperaturen (unter 15 °C) durchführst, ist die Fraßaktivität der Raupen zu gering für eine ausreichende Wirkstoffaufnahme. Zudem wirken sie am besten gegen junge Larvenstadien (L1 bis L2) – ältere Raupen sind deutlich unempfindlicher.
Müssen Leimringe im Frühjahr wieder entfernt werden und warum?
Ja, du solltest die Leimringe spätestens im März oder April entfernen. Sie verlieren mit der Zeit ihre Klebkraft und können sonst zu einer Brücke für andere Schädlinge werden. Zudem verhinderst du so, dass nützliche Insekten, die im Frühjahr am Stamm auf- oder abwandern, unnötig verkleben.